Mai 16 2017

Der Kardierpunk spuckt Marmorbatts

Tja, was macht man mit dem ganzen Haufen Reststückchen aus Kammzügen, die man nicht verkaufen kann, weil es unschöne Endstücke oder nur noch weniger als 100 g einer Charge sind? Genau: Die werden erstmal gesammelt. Im Flinkhand Shop hab ich dafür ne große Tüte, da stopf ich alles rein, was Rest ist, und irgendwann platzt die Tüte dann aus allen Nähten. Dann weiß ich, es ist wieder so weit. Ich habe keine Ahnung, wie viel es genau ist – habs jetzt auch nicht gewogen, aber drei Kilo kommen da bestimmt zusammen, wenn nicht noch mehr. Beim letzten Verwursten hab ich einfach alles in Stückchen gerissen und wild durcheinander kardiert – daraus ist dann auch die Trapezjacke entstanden – aber davon hab ich immer noch Garnreserven übrig, da brauch ich wirlich nicht noch mehr von. Deshalb greift jetzt Plan B: Bißchen vorsortieren.

Also habe ich die bunten von den naturfarbenen Kammzügen getrennt (die Guten ins Kardiertier, die „Schlechten“ sind erstmal nur bunt und warten noch auf den jüngsten Kreativtag). Die Naturfarben hab ich also an meinen Kardierpunk verfüttert (siehe Foto rechts oben), und der hat mir dafür richtig geile Marmorbatts ausgespuckt. Der Kardierpunk heißt seit heute so, weil – na guckt Euch das Bild doch an!

OK, da ist jetzt alles Mögliche drin in den Marmorbatts, von Whitefaced Woodland über BFL mit Seide, deutsche Merino und Cheviot und was weiß denn ich, also die ganze Querdurchdengemüsegartenpalette. Sogar Alapaka. Ich hab mich bemüht, die Dinger möglichst weiß mit einem Hauch von allem anderen zu gestalten, damit aus den Resten was Edles wird. Wie Marmor eben.

Und weil das Auge ja mit kardiert, hab ich immer außen die Mischungsreste – also so Zeugs mit Seide oder Tencel drin – platziert. Weil dis so schön glänzt 🙂 Und jetzt sehen die Batts aus wie gerollter Marmor. Jetzt kann ich nur hoffen, dass das beim Spinnen nicht so furchtbar verpampst. Geplant sind nämlich leichte naturfarbener Akzente im ansonsten eher wollweißen Garn. Aber wer weiß schon, was dabei herauskommt, solange er es nicht probiert hat. Also, demnächst in diesem Theater: Mal gucken was das Spinnrad daraus macht.

Mai 9 2017

Mission Monsterkorb

Das Gute an so einem Monstertruck wie dem Minstrel Great Jumbo Flyer Aufsatz ist ja, dass man monstermäßig fettes Garn in nullkommanix spinnen kann für irgendwelche größeren Sachen. Denn merke: Wer fett spinnt, wird schnell fertig. Mit Spinnen und mit den Dingen, die danach kommen mögen.

Nun gibt es ja Leute, die kaufen sich irgendwelche Fasern, befinden die dann nicht für halsweich genug und dann landet das ganze Kilo Irgendwas-Unflauschiges ganz unten im Stash. Weil man ja spinnt, um sich danach einen Cowl zu stricken oder Socken oder vielleicht auch mal einen Kuschelpulli. Aber wenns kratzt, fliegts in die Ecke.

Ich finde das ja schade, denn es gibt doch soooooo eine große Menge *mit ausgebreiteten Armen die Spannweite zeich* an Dingen, die man außerhalb des Kuschelflausch-Areals anstellen kann, wenn man ein bißchen Phantasie entwickelt oder lange genug Zeitschriften und Onlineplattformen nach Ideen durchwühlt.  Irgendwas findet sich immer. Ich habe jedenfalls letztens was zum Thema Körbe häkeln aus Textilgarn gefunden, was ich ganz interessant fand, wenn man mal das Textilgarn weglässt. Schließlich produzieren wir unser Zeugs selbst, hab ich mir gedacht. Und die blöde IKEA Tasche voller Garne im Arbeitszimmer ging mir ja auch schon ne Weile auf den Keks.

Also habe ich den Monstertruck angeworfen und an zwei Tagen ca. 1,6 kg Wolle versponnen und gezwirnt wie so ne Große. Da holt man sich beim Zwirnen am Ende, wenn die 700 g Spule voller wird, ganz schöne Wadenmuskeln, das kann ich Euch sagen. Aber der Plan sah vor, einen Monsterkorb zu häkeln, und dafür braucht man ja ne Menge Material.

Mit einem 6er Häkelhaken habe ich dann in einem Stich, von dem ich dachte, es wäre vielleicht ein halbes Stäbchen, mit einem flachen Kreis angefangen, was super ging. Ich hab mich da ans Nadelbinden gehalten, wo man einfach Maschen zunimmt, wenn man meint, dass es passt, und das klappt auch beim Häkeln. Dass mein Stich kein halbes Stäbchen war, ist mir aufgefallen, als ich schon ca. 800 g Garn verhäkelt hatte und das Ganze auch langsam Gestalt annahm. Um die 45 cm Durchmesser und schon 15 cm hochgehäkelt, als ich feststellte (man liest die „Gebrauchsanweisung“ bzw. das Häkelbuch ja immer erst hinterher), dass es „meinen“ Stich gar nicht gibt.

Was ich da gemacht habe, war ein Stäbchen aber ohne den Faden einmal um den Haken zu schlingen sondern irgendwie anders. Verratet das aber niemandem, alle denken ja immer, ich würde mich mit allem auskennen, was ich so mache. Dass das nicht stimmt, muss nun wirklich keiner wissen.

Anyway, für die Hände gabs dann auf jeder Seite noch einen Luftmaschenschlitz zum Hochhebenkönnen (und noch einen kleinen Korb dazu, den Ihr hier nicht seht), und dann ging das Riesenbaby mit drei Tennisbällen zusammen in die Waschmaschine bei 60° Grad. Die Tennisbälle hab ich nur zum Filzen, nicht etwa zum Tennisspielen. Das ist auch sowas, was ich gar nicht kann.

Und siehe da, nach dem Waschmaschinenfilzen (und dem Rauspopeln der ganzen sich selbständig gelösten und überall rumschwirrenden Faserreste aus der Waschmaschine), hatte ich einen Korb mit etwas über 40 cm Durchmesser. OK, wenn er leer ist, läßt er sich ein bißchen hängen, aber vollgestopft mit Wolle macht der ne gute Figur. Jedenfalls besser als die IKEA Tasche.

Was ich eigentlich sagen will ist: Man kann auch auch unkuscheligen Fasern geile Sachen machen, wenn man will. Mission Monsterkorb erfüllt.

Mai 2 2017

Zeugs ins Wollgarn reinfriemeln

Ich hatte mir anno Tuck mal im Urlaub ein paar Armbänder mit bunten Holzperlen gekauft. Nicht weil ich die Armbänder schön fand sondern wegen der Perlen. Die waren von Anfang an dazu verdammt, in irgendein Garn zu wandern. Wer braucht auch schon Holzperlenarmbänder? Ich jedenfalls nicht.

Und da lagen sie nun, die Armbänder. Monatelang in einer Schublade in geduldiger Erwartung einer Eingebung, die dann auch in Form von Sandrine kam: „Laßt die Perlen tanzen!“ meinte sie auf Facebook und hatte auch schon allen möglichen Muschelkram und sowas für die Aktion parat.  Also wurde es Zeit, die Armbänder auseinanderzuschnippeln und die Perlen in eine Schüssel zu werfen.

Und dann kam der langweilige Teil: Perlen auf Faserstückchen auffädeln. In der Schüssel sah es gar nicht nach so vielen Perlen aus, aber holla! Wenn man jede Einzelne auffädeln muss, geht das ganz schön an den Geduldsfaden (was auch der Grund dafür ist, dass immer noch total viele Perlen übrig sind). Wie man die Perlen auf die Fasern bekommt? Mit einer Nadel, an die man einen Faden geknotet hat (beide Enden des Fadens zusammengeknotet). Dann legt man die Faser durch die Schlaufe des Fadens und benutzt den sozusagen als Einfädler. Und das dauert!

Aber als es dann endlich losging, wars eigentlich ganz einfach. Erstmal ein Spinnrad mit Megaeinzugsloch ausgraben, von denen ich ja mehrere hab. Nach Inspektion der verfügbaren Übersetzungen habe ich mich am Ende für das Lendrum entschieden, weil ich da eine relativ hohe Übersetzung trotz Jumbo auswählen kann. Der Rest war einfach: einen Faden spinnen, in den man ab und zu so einen Faserpuschel mit Perle drin zufüttert. Bevor ich an das Ende wieder neue Fasern angesetzt hab, habe ich da, wo die Perle im Garn ist, immer einen Knoten gemacht, damit die nicht abhaut oder rumbammelt oder sonstwas anstellt. Beim Reinziehn gabs jedesmal fröhliches Geklapper, und ein paar von den großen Stückchen musste ich schon mal durch den Sliding Hook Ring quetschen, weil die so unförmig sind.

Nachdem alle Perlen durch waren, hab ich flux noch eine zweite Spule mit Faden ohne Perlen drin gesponnen und schon konnte ich die beiden miteinander verzwirnen. Genug Drall hat das Ganze auch, ohne dass ich mir einen Abstrampeln musste. Auf der Spule sieht das noch nach voll vielen Perlen aus, aber im Garnstrang verteilen die sich schon etwas besser im Gewühl.

Und bevor jetzt die obligatorische „Watt machste denn jetzt damit“ Frage kommt: Ganz ehrlich? Ich habe keinen blassen Schimmer. Irgendwas wirds schon werden. Schließlich lagen die Armbänder ja auch erstmal ne Weile auf Eis. Mir fällt bestimmt was dazu ein, gar keine Frage. Nur eben noch nicht heute.

März 29 2017

Saisonbeginn – ab ins Bunte

Gestern war es endlich endlich endlich mal sonnig und warm hier in Berlin. Sonst bekommt ja nur der Westen der Republik mal Färbewetter und wir hocken hier mit Ostwind im Regen rum. Jedenfalls bis vorgestern. Aber gestern wars dann so weit: Färbetopfsaisoneröffnung! Wenn das Wetter stimmt, stimmen am Ende auch die Farben (alte Wollunkenweisheit).

Unter dem Motto „Müdigkeit war gestern“ bin ich gleich rein in die Färbeküche und los gings mit den ersten Kammzügen der Saison. Bunt muss es werden. Ich hatte sogar noch vorgemischte Reste von der letzten Saison, aber die Ashford Farben halten sich ja ewig und drei Tage, wenn man die Gläser richtig zuschraubt. Also los gings. Ich mach ja immer 2 x 200 g in einen Topf mit der ersten Hälfte der gemischten Farben und dann nochmal 2 x 200 g mit der zweiten Hälfte der gleichen Farben. Ergibt nach olle Adam dem Riesigen 4 x 200 g einer Sorte aus einem Topf. Mit 800 g einer Sorte kann man dann auch schon richtig was anfangen.

Diesmal war Falklandwolle dran, die mag ich gern zum Färben und zum Spinnen. Nettes Zeug, nimmt die Farben gut an und fühlt sich gut an zwischen den Fingern. Falklandwolle ist übrigens ein Mix von den Falklandinseln, das ist ne Mischung aus Merino, Polwarth (auch ne Mischung aus Merino aber mit Lincoln drin) und auch Corriedale ist dabei. Wobei Corriedale ja auch wieder nur n Mix aus Merino, Lincoln und evt. Leicester ist. Das ist also Falkland. Der beste Grund für Falkland ist aber, dass die da unten keinerlei Chemie in die Böden oder in die Viecher pumpen, also hat Falkland sozusagen von Natur aus ein Bio-Siegel. Das nur am Rand, um zu zeigen, dass ich auch mal n Buch gelesen hab. In diesem Fall ist das Buch „The Fleece and Fiber Source Book“ (amazon Link).

Und weil alles, was mit Liebe und Sonne gemacht ist, richtig geiler Scheiß wird, sind mir die ersten 1,6 kg auch supergut gelungen. Ich will die ja immer gar nicht verkaufen sondern am liebsten alle behalten, aber ich muss ja auch mal was essen. Also gibts die jetzt hier (Shoplink), bis sie alle sind.

Und dann wach ich heute auf und stelle fest, dass es das mit dem Frühling fürs Erste schon mal war. Regenwetter. Menno. Aber ich bin ja flexibel. Wenn das Wetter schon unter aller Kanone ist, kann ich wenigstens ein paar Batts (Shoplink) kurbeln. Hab ich dann auch gemacht. Richtig schöne, mit Seide und Bambus und so. Jeweils drei von einer Sorte. Und jetzt ist schon wieder abend, mir tut der Rücken weh, und ich merke meine Beine, aber ich habe schon einen granatenstarken Job. Muß ich ja mal sagen. Ich muss nur ganz doll aufpassen, dass ich die ganzen schönen Sachen nicht einfach behalte -,-

 

März 27 2017

Blendingboard Gefummel

Ich hatte mal wieder Bock auf Fasermalen und Resteverwursten. Also hab ich mein Blending Board (Shoplink) rausgekramt und angefangen. Alles was gerade greifbar war, Merino im Kammzug, Seide, Bahmbusfaser, immer rauf aufs Board. Eine Lage aufbringen und dann fleißig mit der Bürste reinkratzen, krch krch krch. Je bunter je bessser.

Mit der Methode kann man super alle möglichen Reste zu was Schönem zusammenpantschen, es kommt eigentlich immer geiler Scheiß dabei raus, egal was man nimmt. Der einzige Hintergedanke, den man haben sollte, ist der nach der halsweich-Frage. Also wenn es eine relativ kleine Menge werden soll, dann wird aus dem Garn ja meist später ein Cowl oder ein Tuch oder so. Und dann ist es gut, wenn nicht so viel robustes Zeug dabei ist, damits am Hals eben nicht kratzt. Ansonsten kann man hier seiner Fantasie oder seinem Restebestand freien Lauf lassen. Wie man mit dem Blending Board rumwurschtelt, hab ich auch schon mal auf Video festgehalten.

Das Ergebnis sind Rolags, das sind so dünne Faserröllchen, die man dann einfach an einem Ende packt und wegspinnt, wie sie gerade kommen. Also eigentlich keine Hexerei. Ich hab da auch schon mal ein Youtube Video zu gemacht, weil der ein oder andere denkt, man müßte da irgendwas anders machen als sonst. Muss man aber nicht. Läuft genauso wie alles andere auch ins Rad. Klar, die Rolags eignen sich auch prima für den langen Auszug, aber es geht genauso gut auch im Kurzen – kann also jeder so machen, wie er mag oder es am besten kann.

Ich hab wegen der Seide, die da unter anderem auch drin ist, ziemlich dünn ausgesponnen und dann – weils mir dann doch einen Tick zu dünn war *hüstel* – am Ende navajogezwirnt, auch wegen der Farbwechsel. Weil ja nur Kammzüge auf dem Board sind und die auch noch beim Abnehmen alle in eine Richtung gezogen werden, gibts beim dünn Spinnen auch so gut wie keine Knubbel, das geht ganz gut.

Das Ergebnis ist nicht schlecht, alles hab ich jetzt noch nicht gemessen, aber der erste Strang wiegt 78 g und hat eine Lauflänge von 200 m. Nur mal so als Hausnummer. Ab und zu braucht Frau halt mal was Buntes für die Seele, und da isses. Fazit zum Blending Board: Es ist ne Spielerei, die aber jede Menge Spaß macht und nicht nur zur Resteverwertung von in Ecken versteckten Fasern gut ist. Man kann alles Mögliche damit zusammenmixen.

März 19 2017

Wie Monster-Truck fahren

Endlich ist er da, der Great Jumbo Flyer für das Kromski Minstrel (Shop Link)! Lange genug drauf gewartet hab ich ja. Der sollte eigentlich im Januar kommen, aber dann gab es Probleme bei der Produktion, eine der Maschinen war defekt und musste repariert werden, wie das eben immer so ist, und ich war hier am zappeln. Aber diese Woche kam die Lieferung von Kromski endlich, und die Great Jumbos waren dabei.

Klar, ich musste ihn einfach sofort ausprobieren, sobald etwas Zeit dafür war. Also habe ich mir am Freitag nachmittag ein Kilo polnische Merino geschnappt und den Great Jumbo auf mein Minstrel montiert (Youtube Link).

Also das Minstrel an sich ist ja so ne zweifädige Gazelle mit ganz schön Bums, also ein Rad mit ordentlicher Übersetzung und flottem Drall auch zum dünn Spinnen. Da ist der Great Jumbo Aufsatz schon ne ganz andere Hausnummer.

Man kann den Great Jumbo sowohl einfädig mit Spulbremse als auch zweifädig bespinnen, was mich schon sehr wundert, weil normalerweise alle Räder mit richtig großen Spulen flügelgebremst sind. Das ist hier aber nicht der Fall. Ich Weichei habe gleich auf Spulbremse umgestellt, weil mir die Physik – was genau in der Physik weiß ich nicht, ich war in dem Fach immer ne Niete – also die Physik sagt mir, dass ein schwerer Flügel mit viel Wolle drauf, auch ne stabile fette Bremse braucht, weil da ganz viel Masse in Schwung gebracht wird oder so. Also bin ich auf einfädigen Betrieb mit Spulbremse gegangen.

Und los gings! Was für eine Umstellung! Das Ganze hat was von Monster-Truck fahren, wie Ihr in meinem Ich-fang-jetzt-an Video (Youtube Link) sehen könnt. Da muss man sich erstmal dran gewöhnen mit der popeligen Übersetzung von 4,8/1. Das ist als wenn man von einem Nissan Micra auf einen Monstertruck umsteigt. Aber dafür bekommt man da auch richtig fettes Garn bei raus. Hammer!

Nachdem ich den Bogen raus hatte, wurde das Spinnen richtig witzig, und ich hab innerhalb von drei Stunden 500 g Wolle auf die Spule gehauen (Youtube Link mit voller Spule). Und abends dann das Gleiche nochmal. Wenn man dünner spinnt, passen laut Hersteller sogar 700 g Wolle auf eine Spule, das glaube ich ungesehen. Aber ich habe ja auf voll fett gesetzt, da reichen 500 g locker aus. Das Trampeln wird am Ende auch etwas schwerer, is ja klar, bei der Masse.

Am nächsten Tag habe ich innerhalb von 3 Stunden das ganze Kilo verzwirnt (Youtube Link). Auch beim Zwirnen trampelte es sich bei fast voller Spule ein bißchen schwerer als bei leerer Spule, ist auch logisch. Aber es ging.

Und da ist er jetzt, mein Riesenhaufen voll fettes Garn. Drei WPI, der absolute Wahnsinn! Zum Weben bestimmt der Kracher, aber auch ne Strickjacke hab ich jetzt im Hinterkopf. Und wie immer weiß ich eben einfach noch nicht, was ich mit dem Monster-Truck-Garn anstellen werde. Im Moment hängt es frisch gebadet zum Trocknen auf der Stange, und dann werde ich es erst mal lieb haben.

März 14 2017

Buchtipp: Yarn-i-tec-ture

Yarn-i-tec-ture (verlinkt zu Amazon) ist ein sehr gelungenes Buch in englischer Sprache, das sich an Spinner richtet, die für ein bestimmtes Strickprojekt spinnen möchten. Also für die, die schon eine konkrete Idee haben, wie das Endergebnis aussehen soll. Jillian Moreno zeigt anhand vieler Beispiele, welchen Unterschied es macht, ob man im langen oder kurzen Auszug spinnt, welche Ergebnisse welche Fasern produzieren, wie unterschiedlich Garn aus Vlies im Gegensatz zu Kammzugwolle verstrickt aussieht und welche Varianten in Farbe und Haptik die unterschiedlichen Zwirntechniken hervorbringen.

Das Buch ist voller Beispiele, wie unterschiedlich Garne aus dem gleichen oder auch aus anderem Ausgangsmaterial werden können, je nachdem, wie man sie spinnt, zwirnt und nachbehandelt. Kleine gestrickte Quadrate zeigen hier immer wieder die Unterschiede im Endergebnis. Wie man genau das Wunschgarn bekommt, das einem für die neue Lieblingsjacke vorschwebt, wird hier ausführlich behandelt.

Im Unterschied zu anderen Spinnbüchern wird hier vor allem auf die Ausnutzung des Potentials des Spinnrads, des Faserangebots, der Farben und der Grundtechniken des Spinnens eingegangen, um auf ein bestimmtes Strickprojekt hinzuarbeiten. Statt der in vielen Spinnbüchern sonst üblichen Spinngrundkurs-Kapitel und Abschweifungen in die Welt des Färbens oder der Herstellung von Art Yarns gibt es in diesem Buch 12 Spinn-Strick-Anleitungen. Das ist ein neuer und wie ich finde sehr gelungener Ansatz, dem Spinnen eine konkrete projektbezogene Komponente hinzuzufügen statt einfach nur zu spinnen und „dann schauen wir mal, was daraus wird“.

Wer einigermaßen Englisch kann und seinen Spinn-Wissenschatz bereichern möchte , der sollte auf dieses Buch sein Augenmerk richten.

März 14 2017

Schafswolle: Wasn eigentlich was?

Zum Spinnen brauchst du natürlich Fasern, und es gibt ja auch jede Menge Zeugs auf dem Markt. Aber was ist was? Wo sind die Unterschiede beim Kauf von Schafswolle und was ist jetzt das Richtige? Sortieren wir mal:

Rohwolle

Das ist das Zeug, das direkt vom Schaft runtergeschoren und noch nicht weiter bearbeitet ist. Ein Rohwollvlies ist noch nicht gereinigt und nicht gekämmt. Wenn Du Dir so eins besorgst, wartet noch viel Arbeit auf Dich: Es muss aussortiert werden: Bauch, Beine, Po gehen direkt in den Müll, dann muss der gröbste Dreck raus. Wenn viel Einstreu im Fell ist, ist das ebenfalls problematisch, weil man das Hitzelfitzelzeugs auch nicht so einfach wieder rausbekommt. Dann muss es gewaschen werden, auch das ist viel Arbeit. Kann man aber als begeisterter Fan machen. Danach muss es noch gekämmt oder kardiert werden. Dazu jetzt mehr:

Kardiertes Vlies (für Streichgarn)

Ein ordentlich kardiertes Vlies ist gewaschen und von Schmutz und Einstreu bereits befreit. Die Fasern wurden mit einer Kardiermaschine aufgeflufft und sind jetzt fertig für die Weiterverarbeitung. Kardierte Vliese bestehen aus unterschiedlich langen Fasern, die in verschiedene Richtungen zeigen. Wenn Du Vlies verspinnen willst, dann ist dafür der lange Auszug am besten geeignet, weil sich kürzere Fasern im kurzen Auszug nur schlecht spinnen lassen. Hier findest Du dazu ein Youtube Video von mir.
Noch ein Hinweis: Privatanbieter haben manchmal auch kardierte Vliese im Angebot. Die können dann auch noch einige Knötchen, Einstreu und Wollfett enthalten, während professionell hergestellte Vliese vorgekämmt und deshalb sehr sauber und fettfrei sind.

Kammzugwolle (für Kammgarn)

Diese Fasern wurden maschinell gekämmt. Sie sind sehr sauber und fettfrei und haben keine Knötchen. Durch das Kämmen liegen alle Fasern in einer Richtung, und die Kurzen wurden herausgekämmt. Es bleiben nur noch die langen Fasern übrig. Kammzugwolle ist deshalb meiner Meinung nach für Spinnanfänger am besten geeignet.

Dann gibt es auch noch Kardenband. Das ist aber einfach nur kardiertes Vlies, das zum Band gezogen wurde. Es sieht also aus wie Kammzug, hat aber ansonsten alle Eigenschaften von kardiertem Vlies.

Wenn Du mal gucken willst, ich habe dazu auch ein Youtube Video gemacht. Happy Spinning!

Januar 5 2017

Topflappen-Quicky

Passend zum aktuellen Filzwollen-Angebot im Shop zeig ich Euch jetzt mal, wie man nebenbei ein paar neue Topflappen strickfilzt. Also nich dieses gehäkelte Zeugs sondern was Stabiles. Das Beispiel ist einfarbig, aber Ihr könnt natürlich machen, was Ihr wollt, macht Ihr ja sowieso 🙂

Also: 30 Maschen mit 8er Nadeln anschlagen und dann nach Belieben glatt rechts (so hab ich es gemacht) oder kraus rechts so lange hochstricken, bis Ihr ein Quadrat habt. Dann abketteln, aus der letzten übrigbebliebenen Masche 8 Luftmaschen raushäkeln und die dann mit einer festen Masche zur Schlaufe schließen. Fäden vernähen.

Bei der nächste Waschladung Frotteehandtücher werft Ihr das Ding dann einfach mit in die Waschmaschine. Beim Rausnehmen dann alles glatt und gerade ziehen, den Finger durch die Schlaufe pieksen, damit die sich wieder richtig öffnet und fertig.

Schöne feste Topflappen, mit denen man sich sicher nicht die Finger verbrennt.

 

Dezember 17 2016

Voll von den Socken

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Huh, ich hab ne Weile nichts geschrieben, das liegt am Sockenwahn. Irgendwie bin ich voll auf die Socke gekommen in den letzten Wochen. Toe-Up, Top-Down, egal, alles mal probiert. Der Mims und ich, wir sind inzwischen voll von den Socken und gut ausgestattet für den Winter.

Ich hab zuerst ja nur Toe-Up mit Bumerangferse gestrickt, das ist ja auch schick. Aber dann wollte ich natürlich auch wissen, wie das mit diesen stinknormalen Socken (Stinos) überhaupt funktioniert, also kaeltehilfe4mit Fersenwand und so. Weil sich Socken stricken immer so schwer angehört hat … dabei ist es gar nicht so schwer. Inszwischen gibts ja millionenmilliarden Möglichkeiten, wie man sich so ne Socke zusammenbasteln kann mit unterschiedlichen Fersen und Kappen und Mustern und elastischen Bündchen und Größenberechnungen und was weiß ich nich noch alles. Also mußten ein paar Bücher her.

Nach vielem Blättern, wälzen, lesen und Bildergucken, finde ich inzwischen den Genialen SockenWorkshop von Stephanie van der Linden (Link zu Amazon) als Buch zum Sockenstrickenlernen und Techniken sockenworkshopausprobieren am besten. Da stehen auch die ganzen Kleinigkeiten bebildert drin, die man sonst noch so braucht. Ich kann mir bei Top-Down nämlich nie merken, wie die letzten Maschen vorne am Käppchen  mit Maschenstich zusammengenäht werden, damits schick aussieht. Und auch sowas steht eben in dem Buch. Außerdem is da ne DVD drin, in der Stephanie auch zeigt, wie es geht. Obwohl ich persönlich finde, sie könnte ein bißchen mehr Leben in die DVD reinbringen, beim Zugucken schläft man sonst sehr leicht ein. Also ich jedenfalls.

20161106_202414Wie gesagt, ich hab alles mögliche probiert und hatte dann hier mehr Socken als Füße – aber dafür gibt es ja Bedürftige, denen man damit eine Freude machen kann. Die Facebook Gruppe Helfen WOLLEn zum Beispiel verteilt selbst gestrickte Socken, Handschuhe, Schals und Mützen an Obdachlose in Berlin, die freuen sich immer über Selbstgestricktes, das man ihnen bringt oder zuschickt. Vorzugsweise in Männergrößen, weil das die größte Gruppe an Obdachlosen ist.

20161106_072605Und dann ist da noch meine Großtante, die vor ein paar Wochen sage und schreibe 100 Jahre alt geworden ist. Das war ne hammerharte Party, das kann ich Euch sagen. Sie hat auch ein Paar Socken von mir bekommen, denn warme Füße braucht man immer, egal wie alt man ist. Vielleicht zieht sie sie ja auch an.

Wenn Ihr noch Sockenwolle oder Strickzeug braucht, ich hab inzwischen ein paar ordentliche Sortimente im Flinkhand Shop, auch viele unterschiedliche Nadelspiele – Ihr könnt ja mal stöbern gehen.