September 26 2016

WPI? Wasn WPI?

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Die Amis machen ja immer alles anders als wir. Wenn wir ein Wollnknäuel oder einen Strang im Laden in der Hand haben, gucken wir erstmal, welche Lauflänge das Ding je 100 g hat, und dann haben wir ne Pimaldaumen-Vorstellung davon, welche Nadelstärke und welche Menge an Garn wir brauchen, um das zu stricken, was wir wollen. Also wenn ich sowas lese wie „420 m je 100 g“, weiß ich gleich: Dis is Sockenwolle. Oder 50 m je 50 g is schon ganz schön fett. So sortieren wir uns hier in unserer Logik die Wollgarne.

Die Amis aber nicht, die machen das anders. Bei denen gibt es z.B. „Lace“, „DK“ und „Bulky“ und so andere komische Begriffe, die uns hier überhaupt nix sagen. Und die werden in WPI gemessen. WPI ist ne englische Abkürzung und heißt „wraps per inch“. Was n Wrap ist, wissen wir spätestens seit Mc Donalds – ein Wickel. Und Inch ist englisch für die Maßeinheit Zoll. Und ein Zoll sind exakt 2,54 cm.

Also gucken die Amis nicht, wie die Lauflänge je 100 g ist sondern wie oft sie ein Garn nebeneinanderwickeln müssen, damit sie einen Zoll davon voll bekommen. Klingt komisch, ist auch ne ganz andere Herangehensweise. Es gibt dafür extra diese Yarn Gauge Teile (siehe Foto oben), mit denen man die WPI messen kann. Es reicht aber auch ein Lineal – und wenn keins mit Inch da ist, tuts auch eins in cm x 2,54. Und weil niemand so exakt ist, wie die Deutschen (von den Schweizern mal abgesehen), gibt es im Internet auch viele unterschiedliche Tabellen, wie viele WPI denn nun was ergibt.

wpi2Wir sagen ja z.B. immer, dass Lacegarn mindestens eine Lauflänge von 600 m je 100 g haben muß, sonst ist es kein Lace. In Amerika sagen sie stattdessen, dass Lacegarn mindestens 23 WPI und mehr haben muß, sonst ist es eben kein Lace. Im Grunde kommt das wohl mehr oder weniger auf das Gleiche hinaus. Könnte uns eigentlich auch Wurscht sein, wie die überm Teich da drüben so ticken mit ihrer Strickberechnung. Eigentlich. Denn uneigentlich treiben wir uns im Internet auch mal auf englischen Seiten rum (zum Beispiel auf Ravelry). Und dann haben wir erstmal keinen Plan, wovon die da überhaupt reden. WPI. Toll. Wickel ich mein Garn eben um ein Lineal. Und nu? Was mach ich jetzt damit?

 

Ganz einfach: Es gibt Dir bei den handgesponnenen Garnen eine Idee, welche Stärke du ungefähr hast und welche ca. Lauflänge auf 100 g. Und es hilft dir beim Finden einer passenden Nadelstärke. Außerdem kannst du mit dieser Methode dein Garn klassifizieren. Wenn du bei Ravelry also künftig nach einer passenden Anleitung für dein Garn suchst, kannst du z.B. nach Aran vorselektieren, wenn dein Garn 8 WPI hat. Dann bekommst du schon mal Vorschläge in der der ungefähren Stärke, die du hast.

Laut unterschiedlicher Quellen im Netzt (googelt mal wraps per inch table!) teilt sich das ungefähr (es gibt einige sehr unterschiedliche Listen) so auf:

gauge

Wie gesagt, das ist ein bißchen pimaldaumen, schon weil die Nadelstärke ganz doll davon abhängt, wir fest oder locker man strickt. Und es ist halt eine andere Logik. Aber man bekommt einen guten Einblick in die ca. Lauflänge eines Garns, wenn man die WPI Probe macht, und es hilft beim Finden der richtigen Nadelstärke beim Stricken oder beim Spinnen der richtigen Garndicke.

EDIT: Ich habe vor Kurzem noch was dazu gelernt: Für ein korrektes Ergebnis sollte man das Garn nicht auf die Yarn Gauge bzw. aufs Lineal aufwickeln sondern es aufrollen, damit es glatt liegen bleibt. Also Garn unten hinstellen und dann Lineal oder Gauge zum Befüllen drehen. So verdrillt sich das Garn nicht beim Aufwickeln, und das Ergebnis ist genauer. Wieder was gelernt 🙂



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Veröffentlicht26. September 2016 von Wollunke in Kategorie "Kopfsalat", "Massig Maschiges

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