September 5 2017

So geht das mit den Säurefarben!

Färben ist ja so kompliziert, haben sie gesagt. Macht so viel Dreck und Arbeit, meinen sie. Dabei stimmt das gar nicht! Es ist total easy, wenn man das richtige Material hat. Es gibt ja eine Menge Möglichkeiten, wie man mit Säurefarben färben kann, z.B. im Backofen oder in der Microwelle, aber ich färbe immer im Topf. Weil ich das am einfachsten finde und ich da auch richtige Mengen färben kann nicht immer nur so Kleinkram.

Wenn du färben willst, brauchst du:

  • Einen Topf, möglichst groß, mit viel Bodenfläche, z.B. einen Einmachtopf
  • Säurefarben, ich nehme die von Ashford
  • Essig, klarer Haushaltsessig, z.B. Branntweinessig von ALDI
  • Schüsseln zum Einweichen der Wolle
  • Gläser zum Mischen der Farben
  • Löffel zum Mischen der Farben und zum „Wolle schieben“
  • Eine ca. 100 ml Spritze (ohne Nadel), wie man sie z.B. bei Amazon bekommt
  • Handschuhe: Einweghandschuhe zum Arbeiten mit den Farben und mit der Wolle, und vorzugsweise robuste Haushaltshandschuhe, die Hitze abkönnen, z.B. „Der Robuste“ von Vileda.
  • Ach ja, und Wolle. Kammzugwolle, Vlies oder auch Wollgarn. Wie du magst. Ich nehme Kammzüge.
  1. Wolle zopfen
    Bevor ich mit dem Färben anfange, nehme ich mir meinen Kammzug und mache daraus einen Zopf. Also wie beim Luftmaschenhäkeln.
    Wichtig ist, dass das ganz locker gezopft wird, weil alle zusammengequetschten Stellen am Ende möglicherweise weiß bleiben, also immer schön locker bleiben, dann kommt da auch Farbe dran.
  2. Wolle einweichen
    Damit die Wolle Farbe annehmen kann, muss sie naß sein. Also richtig naß, nicht nur einmal übergossen oder so. Dafür muss sie ordentlich einweichen. Bevor du die Wolle ins Wasser stukst, mach einen Tropfen Spülmittel ins Wasser, das bricht die Oberflächenspannung des Wassers und die Wolle wird besser durchtränkt. Lass sie ruhig mindestens 20 Minuten schwimmen und drück sie immer mal wieder mit beiden Händen unter Wasser, bis keine Luftblasen mehr herauskommen. Luft in der Wolle bleibt nämlich am Ende auch weiß.
  3. Farben mischen
    Während die Wolle Wasser zieht, kannst du schon mal die Farben mischen. Dafür nehme ich Marmeladengläser (300 ml) und so einen kleinen Coctaillöffel, ein normaler Teelöffel geht aber auch. Für die Farbe, die du haben willst, brauchst du für ein Glas ca. einen halben Teelöffel von der Ashford Farbe. Mein Cocktaillöffel gibt das ungefähr her. Die Farbe kommt jetzt ins Glas und wird mit ganz wenig warmem Wasser gemischt, damit sie sich löst. Du kannst frei nach Kreativität mischen, hier auf den Bildern ist Gelb mit einem Hauch Rot, damit es nicht ganz so Gelb wird am Ende sondern mit einem Hauch Orange. Seht Ihr ja dann. Hat sich die Farbe (einigermaßen) im Wasser gelöst, gebe ich ca. 2 Finger breit Essig dazu und rühre weiter. Und dann wird das ganze Glas einfach mit warmem Wasser aufgefüllt. Das mache ich in vier Farben, und wie gesagt, die kann man mischen, um noch viel mehr Farbtöne zu bekommen als es fertig schon gibt. Das Rot ist z.B. aus einer Hälfte Rot und einer Hälfte Pink mit einem halben Esslöffel schon vorgemischtem (also flüssigem) Navyblau. Man kann sich da richtig gut auskeksen mit den Farben.

    4. Wolle auslegen
    Jetzt wird erstmal die eingeweichte Wolle ausgedrückt. Dafür ziehe ich mir die Einmalhandschuhe an, weil meine rauhen Hände dann nicht an die Wolle kommen und die Handschuhe auch keine Noppen haben, die die Fasern auseinanderfusseln würden. (Falls jemand noch ne andere Idee hat für Handschuhe ohne Noppen, dann her damit, ich verwende nur sehr ungerne Wegwerfzeugs). Die gezopfte Wolle lege ich spiralförmig auf dem Boden meines großen Einmachtopfs aus (hier auf dem Bild seht Ihr 400 g, das sind 2 Zöpfe à 200 g zusammen).

    5. Jetzt kommt die Farbe drauf
    Die Farbe ziehe ich in die Spritze und „male“ mir damit mein Bild auf die ausgelegte Wolle. Für meine 400 g verwende ich die Hälfte aus jedem Glas (die zweite Hälfte nehme ich dann für die nächsten 400 g). Sobald die Farbe auf der Wolle ist, mußt du sie gut in die Wolle eindrücken. Auf keinen Fall reiben, damit zermatscht du nur die Wolle. Drücken sorgt dafür, dass die farbige Flüssigkeit besser verteilt wird. Guck auch die Unterseite an, die muss auch voll farbig sein – da ist weiter unten auf dem Bild noch einiges an Drückarbeit zu tun.

    6. Mehr Flüssigkeit zugeben
    Ist die Farbe einigermaßen eingedrückt (ganz wirst du es wohl noch nicht hinbekommen haben), kommt jetzt noch Essigwasser obendrauf, damit die Wolle auch wirklich überall Farbe bekommt. Dafür nimmst du dir ca. 8 Teile warmes bis heißes Wasser und ca. 2 Teile Essig (also z.B. in einem Meßbecher 800 ml Wasser und 200 ml Essig – bitte pi mal Daumen, ich messe das nicht ab, ist nur so n Annäherungswert) und gießt das langsam und auch nicht alles auf einmal auf die Wolle. Fang an den Stellen mit den hellen Farben an, wenn die ein bißchen verschwimmen ist das nicht so schlimm. Dabei immer weiter schön die Wolle drücken, damit alle weißen Stellen verschwinden (auch auf der Unterseite gucken!). Nach und nach auch die dunkleren Farben etwas mehr anfeuchten, aber achte darauf, nicht zu viel Wasser zu nehmen, damit dir die dunklen Farben nicht in die Hellen laufen und die dann verschwinden. Du musst nicht den ganzen Liter Essigwasser verwenden, nur soviel wie nötig, damit sich die ganze Farbe verteilt.

    7. Und jetzt Dampf drunter machen
    Jetzt gibt dem Topf auf dem Herd volle Kanne Hitze und mach den Deckel auf den Topf. Keine Angst, die Wolle verbrennt nicht, die ist ja auch naß. Nach ca. 20 Minuten solltest du schon mal gucken, wie weit deine Färberei ist. Es wird aber nicht gerührt oder das Ganze sonstwie bewegt! Nimm dir einen Esslöffel und schieb die Wolle an einer Stelle etwas vom Rand weg. Wahrscheinlich sind die hellen Farben schon völlig absorbiert worden, aber die dunklen Farben brauchen in der Regel länger. An den Stellen ist das Wasser sicher noch voller Farbe. Wenn das so ist, kannst du mehr Essigwasser dazugeben, am besten direkt auf die Stellen, wo das Wasser noch voller Farbe ist. Dann kommt der Deckel wieder drauf und du wartest nochmal ca. 10 Minuten. Alles in allem dauert es ungefähr eine halbe Stunde, bis die ganze Farbe absorbiert ist. Wenn dann irgendwo noch Farbe im Wasser ist, kipp nochmal einen ganzen Liter Wasser drauf (jetzt brauchst du nicht mehr darauf zu achten, auf welche Farbe du es gießt), und bei Bedarf auch einfach noch mehr Essig. Essig schadet der Wolle nicht, also keine Scheu.

    8. Alles klar? Dann ist alles klar!
    Wenn die Wolle die ganze Farbe absorbiert hat und das Wasser klar ist wie auf dem Foto (und nicht vorher!), kann sie raus aus dem Topf und schwimmen gehen. Raus aus dem heißen Topf geht am besten mit den hitzebeständigen Handschuhen, aber achte darauf, dass dir kein kochend heißes Wasser an den Handschuhen entlang auf die Arme läuft. Das tut nämlich scheiße weh. Und nicht so viel an der Wolle rubbeln, die ist sonst nicht mehr schön. Hau die Wolle in eine Schüssel zum Zwischenparken. Ich mache immer Wasser in die Badewanne, da kann die Wolle dann ein kurzes Bad nehmen. Eigentlich ziehe ich die Zöpfe nur einmal kurz durchs Wasser, damit der Essiggeruch rausgeht und ich sicher sein kann, dass keine Farbe „ausblutet“. Wenn dem so ist, ist die Wolle noch nicht fertig gefärbt und muss wieder zurück in den Topf zum Kollegen „Mehr-Essig“. Aber wenn es so aussieht, wie hier auf dem Bild, dann kommt sie raus und wird ausgedrückt (dann wieder mit den Einweghandschuhen an).

    9. Ausbreiten zum Trocknen
    Wenn die Zöpfe gut ausgedrückt sind und nicht mehr so viel Wasser enthalten, kommen sie „auf die Leine“. Dafür werden jetzt endlich die Zöpfe wieder entflochten (sonst trocknet das nicht so gut). Die gefärbten Kammzüge lege ich dann vorzugsweise auf einen Wäscheständer, weil sich so – im Gegensatz zu hängenden Kammzügen – kein Wasser unten in der Wolle sammeln kann und alles schneller trocknet. Und das wars. Gar nicht so schwer oder?

    10. Wenn was übrig bleibt
    Hast du noch Farbe übrig, vielleicht sogar mehrere? Kein Problem! Farben kannst du in zugeschraubten Gläsern ewig aufheben. Hast Du Reste ähnlicher Farben (z.B. Blau und Grün oder Lila und Rot), kannst du die auch gleich zusammenkippen und bekommst so ein Glas mit einer neuen Mischfarbe. Und auch die kannst du bis zu deiner nächsten Färbeaktion aufheben.

März 29 2017

Saisonbeginn – ab ins Bunte

Gestern war es endlich endlich endlich mal sonnig und warm hier in Berlin. Sonst bekommt ja nur der Westen der Republik mal Färbewetter und wir hocken hier mit Ostwind im Regen rum. Jedenfalls bis vorgestern. Aber gestern wars dann so weit: Färbetopfsaisoneröffnung! Wenn das Wetter stimmt, stimmen am Ende auch die Farben (alte Wollunkenweisheit).

Unter dem Motto „Müdigkeit war gestern“ bin ich gleich rein in die Färbeküche und los gings mit den ersten Kammzügen der Saison. Bunt muss es werden. Ich hatte sogar noch vorgemischte Reste von der letzten Saison, aber die Ashford Farben halten sich ja ewig und drei Tage, wenn man die Gläser richtig zuschraubt. Also los gings. Ich mach ja immer 2 x 200 g in einen Topf mit der ersten Hälfte der gemischten Farben und dann nochmal 2 x 200 g mit der zweiten Hälfte der gleichen Farben. Ergibt nach olle Adam dem Riesigen 4 x 200 g einer Sorte aus einem Topf. Mit 800 g einer Sorte kann man dann auch schon richtig was anfangen.

Diesmal war Falklandwolle dran, die mag ich gern zum Färben und zum Spinnen. Nettes Zeug, nimmt die Farben gut an und fühlt sich gut an zwischen den Fingern. Falklandwolle ist übrigens ein Mix von den Falklandinseln, das ist ne Mischung aus Merino, Polwarth (auch ne Mischung aus Merino aber mit Lincoln drin) und auch Corriedale ist dabei. Wobei Corriedale ja auch wieder nur n Mix aus Merino, Lincoln und evt. Leicester ist. Das ist also Falkland. Der beste Grund für Falkland ist aber, dass die da unten keinerlei Chemie in die Böden oder in die Viecher pumpen, also hat Falkland sozusagen von Natur aus ein Bio-Siegel. Das nur am Rand, um zu zeigen, dass ich auch mal n Buch gelesen hab. In diesem Fall ist das Buch „The Fleece and Fiber Source Book“ (amazon Link).

Und weil alles, was mit Liebe und Sonne gemacht ist, richtig geiler Scheiß wird, sind mir die ersten 1,6 kg auch supergut gelungen. Ich will die ja immer gar nicht verkaufen sondern am liebsten alle behalten, aber ich muss ja auch mal was essen. Also gibts die jetzt hier (Shoplink), bis sie alle sind.

Und dann wach ich heute auf und stelle fest, dass es das mit dem Frühling fürs Erste schon mal war. Regenwetter. Menno. Aber ich bin ja flexibel. Wenn das Wetter schon unter aller Kanone ist, kann ich wenigstens ein paar Batts (Shoplink) kurbeln. Hab ich dann auch gemacht. Richtig schöne, mit Seide und Bambus und so. Jeweils drei von einer Sorte. Und jetzt ist schon wieder abend, mir tut der Rücken weh, und ich merke meine Beine, aber ich habe schon einen granatenstarken Job. Muß ich ja mal sagen. Ich muss nur ganz doll aufpassen, dass ich die ganzen schönen Sachen nicht einfach behalte -,-

 

April 25 2016

Nur ganz kurz

k73all2 k74all2 Ich wollte Euch nur schnell die beiden Ergebnisse meiner Färbeaktion zeigen. Komme gerade zu nichts, weil der Mims und ich an einer neuen Shopversion arbeiten, und überhaupt nichts funktioniert :o(

Aber die beiden Kaleidoskop-Augen mußte ich Euch schnell noch präsentieren. Schee, gell?

April 21 2016

Kleiner Buntkoller

klecks4Endlich Sonnäää! *zappel* Wurde ja auch Zeit. Wenn mir die Sonne die Nasenspitze kitzelt, bekomme ich immer Lust zu färben. Also ran an die Färbegläser, Säurefarbe ausgepackt, Wolle gezopft und den Essig rausgekramt. Heute war Merino-Bambus-Tag. Am besten werden die Farben immer mit Musik. Nein, ich bin nicht so ein esoterisches Irgendwas, ich finde nur, dass alles, was mit guter Laune gemacht ist, gleich viel besser wird. Da is Liebe drin, und das sieht man eben. Nicht so wie in der Werbung – die lügen ja meistens, zum Beispiel beim Landliebe Joghurt. Den Maschinen ist es Wurscht, wie das Wetter is oder ob Musik läuft, die rühren den Joghurt immer gleich. Aber wenn man was selbst klecks2macht, dann sieht man am Ergebnis schon, ob das auch Spaß gemacht hat.

Also ich hab jedenfalls heute Kaleidoskope gefärbt. Die heißen so, weils beim In-den-Färbetopf-gucken immer ein bißchen nach Kaleidoskop aussieht. Vor allem, wenn man den Topf dann auch noch dreht, aber das kann ich hier nich zeigen. Ich dreh den Topf auch nur, weil die Heizplatte vom Ceranfeld nicht so groß is wie der Topfboden. Wenn dann auf einer Seite klecks3Hitze fehlt, wird gedreht.

„Und wenn du lange in einen Färbetopf blickst, blickt der Färbetopf auch in dich hinein.“ (frei nach Nietzsche). Und davon bekommt man ein ganz klein bißchen Buntkoller. Wenn man den ganzen Essig-Geruch dazu nimmt, ist das schon fast ein bißchen so wie Drogenkonsum. Aber in lustig und ungefährlich. Ohne Kater.

Inzwischen trocknen 1,6 kg Merino-Bambus Kammzüge auf dem Wäscheständer auf dem Balkon, und ich bin zufrieden. Wenn jetzt noch einer kommen würde zum Küche und Bad putzen, wärs perfekt, aber man kann ja nicht alles haben. Sagt man so. Warum das nicht klecks1geht, hab ich übrigens nie verstanden, und ich bin auch nicht 100% überzeugt, dass das überhaupt stimmt. Wie auch immer, ich muß jetzt noch die Farbkleckse wegwischen und das ganze Rührlöffel und Topf-Zeug wegräumen. Und dann geh ich auch wieder brav an meinem Trapez rumstricken. Und ich muß noch die zweiten 100 g vom Merino-Tencel navajo-zwirnen. Man kommt wirklich zu nix.