9.01.1522 - Hadrian VI. wird Papst

Hier geht es um geschichtliche Ereignisse aus verschiedenen Epochen und Gebieten. Jeder ist eingeladen, die Geschichte hier lebendig zu machen und mit seinem Wissen beitzutragen.

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9.01.1522 - Hadrian VI. wird Papst

Beitragvon Flinkhand » 09.01.2006, 10:19

Ja ich weiß, 1522 ist schon sehr spät für das Mittelalter, aber zum 09.01. hab ich sonst keine wichtigen Ereignisse ausgraben können :wacky:

Nun fällt diese Papstwahl genau in die Zeit der Reformation in Deutschland, und das finde ich zum ausklingenden Mittelalter trotzdem ziemlich interessant. Also fang ich einfach mal an:

Hadrian VI. hieß eigentlich Adrian von Utrecht und wurde als Deutscher Papst bezeichnet, obwohl er ja eigentlich aus Utrecht (also aus den heutigen Niederlanden) kam. Das war aber egal, weil die Niederlande damals zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörten und er somit ein Niederdeutscher war. Darüber war man in Rom schon etwas sauer, weil alle der Meinung waren, daß ein Italiener auf den Papststuhl gehöre.

Hadrian VI. folgte Papst Leo X. nach, der sich ja bereits seit Jahren mit Luther in den Haaren hatte, was vor allem (aber nicht nur) daran lag, daß Leo ganz gezielt mit Ablaßhandel (Johann Tetzel sammelte in Deutschland so fleißig Geld für die Kirche) den Leuten das Geld aus der Tasche zog.

Er erbte also den ganzen Konflikt der Reformation in Deutschland und hatte sich mit Luther herumzuschlagen, der in dem selben Jahr dann auch seine Übersetzung des Neuen Testaments unter das Volk brachte. Das war damals ein ziemlich dicker Hund, und ein Affront sondergleichen für die katholische Kirche. Schließlich war eine heilige Schrift in Latein ein gutes Mittel, das Volk im Unklaren über die eigentlichen Inhalte der Bibel zu lassen. Wenn die auf einmal jeder lesen kann, was wird dann aus der Machtposition der Kirche als Mittler zwischen Gott und Mensch?

Daß die katholische Kirche die Reformation nicht aufhalten konnte, wissen wir ja heute alle. Hadrian VI. starb auch gleich im Folgejahr (1523) und war wohl nicht die größte Kanone in der Reihe von Päpsten. Der Mann hatte es aber auch wirklich nicht leicht.

Ob es wohl an diesem "Flopp" lag, daß bis zur Wahl von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1978 kein nicht Italiener mehr den Heiligen Stuhl besetzen durfte?
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Beitragvon Knappe » 09.01.2006, 12:05

Vielleicht wollte ja auch keiner mehr Papst werden, da man ja nicht mehr die einzige Kirche im Abendland war - Sodass schließlich die Italiener den Job selbst verrichten mussten - Ist doch fast angenehmer, einflussreicher Kaufmann oder Fürst zu sein als sich in der ewigen Stadt mit der Kurie, den Ketzern, Hexen und Protestanten herumzuschlagen :devil:
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Beitragvon Flinkhand » 09.01.2006, 12:16

So würde ich das nicht sagen - der Papst hatte ja trotz allem noch ein enormes Machtpotential. Außerdem folgte Hadrian VI. ein gewisser Clemens VII. aus dem Hause Medici. Ich denke mal, daß man im Hause Medici auch anderen Machtansprüchen gerecht werden konnte, ohne Papst zu sein. Nee, die Macht der Kirche war zwar nicht mehr ungeteilt, aber deshalb noch lange nicht gebrochen...
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Beitragvon Knappe » 09.01.2006, 13:11

Vielleicht liegt es ja auch an den Einfluss einiger starken italienischer Familienclans, wie zum Beispiel den Medici. Die Kardinäle, vom Papst während seiner Amtszeit ernannt, bestimmten ja den neuen Papst. Und da viele Kardinäle sicher Familienmitglieder/Freunde des alten Papstes waren, haben die wieder ein Familienmitglied/Freund auf den Papstthron gehoben, sodass der Stuhl Petri "im Lande" geblieben ist...
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Beitragvon Flinkhand » 09.01.2006, 19:51

Davon gehe ich auch aus! :biggrin:
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