10.01.1356 - Die Goldene Bulle

Hier geht es um geschichtliche Ereignisse aus verschiedenen Epochen und Gebieten. Jeder ist eingeladen, die Geschichte hier lebendig zu machen und mit seinem Wissen beitzutragen.

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10.01.1356 - Die Goldene Bulle

Beitragvon Flinkhand » 10.01.2006, 06:17

10. Januar 1356: Kaiser Karl IV. verkündet in Nürnberg den Inhalt der Goldenen Bulle und legt somit die Macht zur Wahl des Deutschen Königs in die Hände der Kurfürsten.

Mit der Goldenen Bulle legte Kaiser Karl IV. einen ziemlich wichtigen Grundstein für die Deutsche Gesetzeslage. Nun endlich war auch ganz formal besiegelt, daß die Kurfürsten den Deutschen König wählen sollen, und der Papst dabei gar nichts zu sagen hat. Das ist zwar längst nicht das, was wir als Demokratie bezeichen würden, aber es war zur damaligen Zeit schon ein ganzer Schritt nach vorn. Die sieben Kurfürsten wählten seither nach einer Art Mehrheitsrecht (was auch neu war) einen König!

Nun waren die Sieben Kurfürsten natürlich keine demokatisch gewählten Organe. Sie setzten sich zusammen aus drei geistlichen Kurfürsten, nämlich dem Erzbischöfen von Mainz, Köln und Trier, und vier Weltlichen: Dem Pfalzgraf bei Rhein, dem Herzog von Sachsen, dem Markgraf von Brandenburg und dem König von Böhmen. In der Goldenen Bulle wurde gleichzeitig die Unteilbarkeit der Territorien der Kurfürsten festgelegt sowie die Vererbung dieses Titels (obwohl Bischöfe ja eigentliche keine Nachkommenn ... na ja).

Also alles in allem ein ganz schönes Stück Macht und Stabilität für die Kurfürsten und deren Territorien.
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Beitragvon Knappe » 10.01.2006, 13:19

Von goldener Bulle habe ich letztens auch was auf einer Lebkuchenpackung gelesen ;-)

Wie war es eigentlich davor? Wie ist man vor 1356 König geworden?
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Beitragvon Ingo » 10.01.2006, 14:42

Nun, 290 Jahre zuvor kam ein normannischer Herzog mit einem großen Heer über den Kanal, landete im Süden Englands und besiegte in einer legendären Schlacht den König, der erst seit ein paar Monaten auf dem Thron saß und nahm sich damit die Krone - weil er glaubte, er sei der rechtmäßige "und alle andern Thronanwärter seien doof" :baeh:

Also zu dieser Zeit war es schon sehr entscheidend mit den richtigen Leuten verheiratet zu werden um einen Anspruch geltend machen zu können - auch nicht viel anders als heute, oder? :devil:
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Beitragvon Flinkhand » 10.01.2006, 14:52

Na ja, das war bis dahin halt nicht so richtig eindeutig festgelegt. Wenn alles gut ging, gab es (mindestens) einen Thronfolger, der sich durch den Adel oder auch durch den Papst bestätigen ließ. Wenn nicht, dann versammelte sich der Adel und "wählte" einen Nachfolger, wobei eigentlich von einer Wahl nicht wirklich die Rede sein konnte. Es gab einen Kandidaten, und alle versammelten Adligen stimmten für ihn als König. Die, die dagegen waren, nahmen gar nicht erst teil an dieser Veranstaltung oder zogen sich vor der "Abstimmung" zurück - wenn es ganz schlimm kam, "wählten" die Gegner in einer anderen Versammlung einen Gegenkönig. Und dann gab es natürlich erstmal Krieg.

Bei Otto I. war es übrigens so, daß nicht etwa automatisch der älteste Sohn Anrecht auf die Krone hatte. Zu dieser Zeit fand man es sinnvoller, nicht den Ältesten sondern den Geeignetsten als Thronfolger auszuwählen. Dabei spielten auch sehr merkwürdige Dinge eine Rolle, wie z.B. die Frage, ob der Sohn Pupurgeboren war, d.h. ob die Eltern bei der Zeugung bereits die Königswürde hatten. Als Otto I. gezeugt wurde, war sein Vater Heinrich erst Herzog (und noch nicht König), weshalb auch der jüngste Sohn, der ebenfalls Heinrich hieß, von sich behauptete, edleren Blutes zu sein als sein Bruder, da er selbst von einem König gezeugt wurde und nicht von einem Herzog. :dizzy:

Für die Wahl eines Königs wurden manchmal Zeltlager errichtet, wo sich die Fürsten des Landes trafen, so daß die Zelte dann schnell von den nicht Einverstandenen wieder abgebaut werden konnten. Lothar III wurde so am Rhein in einem solchen Zeltlager "gewählt".

Ein anderes Problem war, daß die Königswürde von "Gottes Gnaden" verliehen wurde. Deshalb mußte die "Wahl" einstimmig sein (Gott hat halt nur eine Stimme *gg*). Dieses Prinzip wurde übrigens auch in die Goldene Bulle gequetscht, indem man einfach die Gegenstimmen als nicht abgegeben zählte und somit dann doch ein einstimmiges Ergebnis erzielte. :dizzy:

Tja, und ein König von Gottes Gnaden unterliegt natürlich auch der Gnade der Kirche, die ja Gott auf Erden vertritt. Dazu kommen die ganzen Intrigen und Machtansprüche durch Erbschaft und Einfluß und Anheirat und weiß der Geier was. Bestechung von Adligen war ein Resultat davon.

Ergo: Ein einziges Kuddelmuddel. :wacky:
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