Ethik der Archäologie

Hier geht es um geschichtliche Ereignisse aus verschiedenen Epochen und Gebieten. Jeder ist eingeladen, die Geschichte hier lebendig zu machen und mit seinem Wissen beitzutragen.

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Ethik der Archäologie

Beitragvon Sleipnir » 31.01.2006, 14:05

Hallo zusammen.
Ich poste das mal hier, weil ich denke es paßt sonst nirgens so richtig.

Mir ist da neulich mal wieder ein Gedanke durch den Kopf gewandert. In der Archäologie hat man ja berufsbedingt mit den Hinterlassenschaften verstorbener Menschen zu tun, von Abfällen angefangen bis hin zu den körperlichen Überresten der Personen. Es scheint ja unproblematisch, zur Mehrung des Wissen und der allgemeinen Bildung solche Artefakte zu untersuchen, sie aus dem ursprünglich hergestellten Zusammenhang zu reißen und in vielen Fällen der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Auf der anderen seite gibt es aber immer wieder Debatten darüber, wie z.B. beim Wracktauchen mit Funden umgegangen werden soll, die eindeutig Überreste menschlicher Individuen sind. In vielen Fällen ist es ja sogar verboten, Fotoaufnahmen zu machen, auf denen menschliche Überreste zu sehen sind(Estonia, Jan Heweliuzs, Bismarck...) Gleichwohl ließe sich doch auch hier ein wissenschaftliches Interesse postulieren, das eine Untersuchung auch der menschlichen Überreste legitimieren würde. Hier hingegen gibt es eine breite Front der Abwehr, wenn ich mich recht erinnere gab es in der Zeit der ersten Titanicexpeditionen eine gewaltige Debatte darüber, ob überhaupt irgendetwas aus der Tiefe gehoben werden darf.
Desgleichen gilt z.B. beim Wrack der "Bismarck". Auch hier gibt es doch ein historisch begründetet Interesse, Gegenstände zur näheren Untersuchung an die Oberfläche zu bringen, es ist jedoch strikt verboten.
Bei den Untersuchungen an gesunken Galeonen in der Karibik gibt es keine Skrupel, menschliche Schädelkalotten zu bergen, zu untersuchen und auszustellen.

Wo wird also die Grenze gemacht zwischen "Gut und Böse", was darf man unter moralischen Gesichtspunkten untersuchen, was nicht?
Darf man überhaupt eine Untersuchung durchführen, in der menschliche Überreste eine Rolle spielen? Was unterscheidet den gefallenen römischen Legionär vom gefallenen Soldaten des letzten Weltkrieges oder das Grab eines Bischofs von 1139 und das einer Fabrikarbeiterin von 1921?


In diesem Sinne, ein nachdenklicher Sleip
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Beitragvon Flinkhand » 31.01.2006, 14:44

Hi Sleip,

das ist eine gute Frage!

Meine persönliche Meinung dazu ist, daß man meinetwegen alles, aus dem das Leben raus ist, untersuchen sollen dürfte, weil nach meinem Empfinden der tote Körper eh nur noch "ein Stück Holz" ist und kein "Baum". Das ist aber lediglich meine private Meinung, und ich kann verstehen, wenn andere Menschen das anders sehen.

Nun liegt ein großer Unterschied zwischen dem Römer und dem Soldaten aus dem 2. WK darin, daß der Römer über die Zeit anonym geworden ist - zumindest gibt es keinen lebenden Verwandten mehr, dem er explizit zuzuordnen wäre. Beim Soldaten aus dem 20. Jhd. besteht aber derzeit noch das Risiko, daß es noch Lebende gibt, die zu den Menschen und Ereignissen einen persönlichen Bezug haben könnten (und wenn es nur der Opa ist, den der Enkel nie persönlich gekannt hat). Dies ist einer der Gründe, warum man daher mit Leichenfunden aus dieser Zeit mit Respekt, nicht für die Toten sondern für die Hinterbliebenen umgehen muß.

Dazu kommt die Frage, in wie weit aus einer Analyse dieser Funde aus historischer oder archäologischer Sicht neue Erkenntnisse gewonnen werden können. Die jüngere Geschichte ist sehr viel besser bekannt als die Zeiten, von denen wir nur ein sehr minimales Informationskontigent zur Verfügung haben. Archäologie ist schließlich Forschung, und wieso sollte geforscht werden, wenn die Tatsachen bereits hinlänglich bekannt sind?

Soweit meine Meinung zum Thema.
Claudia,
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Beitragvon nontox » 31.01.2006, 21:41

Ich würde es ähnlich sehen - das Alter der Funde, lebende Verwandte und der wissenschaftliche Kenntnisgewinn spielen bei der Abwägung eine Rolle. Ergänzend würde ich sagen, dass ich schon unterscheiden würde zwischen Fotos, die von Hobby-Tauchern gemacht werden, und einer wissenschaftlich betreuten Grabung/Bergung.

Die Totenruhe ist durchaus ein Wert, auch wenn unsere Friedhöfe da nicht wirklich Platz - also Zeit dafür lassen, aber den Wert gibt es dennoch weiterhin, Störung ist sogar strafbar. Deswegen ist z.B. der Umgang mit Moorleichen in Musseen ein ganz besonders sensibler Bereich.

Ich persönlich könnte mir schon vorstellen, antike Gebeine zu bergen, sie zu dokumentieren, und sie (wenn nötig unter besonderer Konservierung) dann wieder zu bestatten. Die Pietät im Umgang mit solchen Überresten hat natürlich nicht zuletzt etwas mit religiösen Vorstellungen zu tun:
Im Judentum, und damit auch in der Archäologie Israels sind Gräber Tabu, da die Hoffnung auf eine leibliche Auferstehung fest zum jüdischen Glauben gehört.
Im Christentum ist der Glaube theoretisch der gleiche, und doch sind wir von hellenistischen Leib/Seele-Dualismus angekränkelt bzw. von östlichen Reinkarnationsvorstellungen fasziniert.
Der Leib ist dann tatsächlich nicht mehr als eine bloße Hülle - bestes Beispiel: Körperwelten.
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Beitragvon Dachs » 01.02.2006, 10:59

Ein gutes Beispiel war die Untersuchung der Toten aus der Franklin Expedition. Wissenschaftlich Untersuchungen konnten offene Frage klären.
http://www.br-online.de/wissen-bildung/ ... hen11.html
Veröffentlicht worden sind allerdings nur Bilder und Ergebnisse.

Hier mal was zum Thema:
http://www2.rz.hu-berlin.de/nilus/net-p ... /text.html


Ich persönlich bin der Meinung, daß man toten Körpern mit Respekt begegnen sollte. Wir haben heute das Problem, daß kaum noch jemand einen toten Menschen gesehen hat. Der Tod an sich ist sehr virtuell geworden.
Leichen wie der Mann aus dem Eis "Ötzi" lösen starke Emotionen aus. Das macht die Präsentation im Museum schwierig.
Ich denke, daß es durchaus möglich ist z.B. den Tollund-Mann öffentlich zu zeigen - aber bitte so wie es im Silkeborg Museum gelöst ist: in einem eigenen Raum damit man weiß auf was man sich einläßt und mit etwas Würde. Beide Punkte wurden für meine Begriffe dort gut gelöst.
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Beitragvon Sleipnir » 01.02.2006, 14:15

Na das sind ja schon mal interessante Sachen.

Ich denke, ein Unterschied ist auch zu machen, ob der menschliche Körper nun eine Bestattung ist, oder ob er nach einen Unfall oder z.b. nach einer militärischen Auseinandersetzung einfach am Ort des Sterbens zurückblieb.
Bei einer Bestattung haben sich ja irgendwelche Menschen etwas ganz bestimmtes gedacht, i.d.R. sind , wie nontox schon schrieb, religiöse Gründe dahinter zu vermuten. Darf man es sich da als derzeit lebender Mensch anmaßen, diesen religiösen Sinnzusammenhang zu zerstören? Ich glaube, es kommt hier drauf an, ob Untersucher und Bestatteter der gleichen religiösen Gemeinschaft angehören. Es fällt vermutlich schwieriger, jemanden aus der gleichen Religion aus seinem Grab zu reißen, als jemanden aus einer anderen oder längst vergessenen Glaubensrichtung.

Flinkhand
Dazu kommt die Frage, in wie weit aus einer Analyse dieser Funde aus historischer oder archäologischer Sicht neue Erkenntnisse gewonnen werden können. Die jüngere Geschichte ist sehr viel besser bekannt als die Zeiten, von denen wir nur ein sehr minimales Informationskontigent zur Verfügung haben. Archäologie ist schließlich Forschung, und wieso sollte geforscht werden, wenn die Tatsachen bereits hinlänglich bekannt sind?


Ich denke auch aus der jüngeren Geschichte sind viele "Standpunkte" der Wissenschaft eher auf Mutmaßungen und Konstruktionen basierend, als auf realen Befunden. Sicherlich haben wir in der neueren Vergangenheit eine große Menge an Datenmaterial zur Verfügung, aber viele Geschenisse sind nur auf einem engen regionalen Rahmen dokumentiert, meistens nur in den Gesprächen der Anlieger. Und wenn diese Leute dann nicht mehr erzählen können, ist schon wieder ein großer Teil GEschichte für´s erste verloren.
Ich denke, das schon ein-zwei Generationen nach einem Ereigniss auch ein wissenschaftlich-historisches Interesse an Bodenfunden bestehen kann.


LG Sleip
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Beitragvon Rigana » 01.02.2006, 15:51

Ich teile weitestgehend Flinkhands Meinung.

Die Untersuchung alter Knochen, bei denen keinerlei Hinterbliebene übrig sind, empfinde ich als wesentlich nüchterner als eine mögliche Untersuchung von "jungen" Leichen, bei denen noch nachweisbar eine Nachkommen- oder Verwandtschaft lebt.
Gerade die jüngste Geschichte ist gut dokumentiert und man braucht nicht unbedingt eine Bestattung aus den 20er Jahren, um Lebensumstände, Kleidung etc. zu rekonstruieren. Diese Opfer der Franklin-Expedition stehen da evtl. "zwischen den Stühlen", da aus Interesse an Ausrüstung und Scheitern bei frühen Polarexpeditionen eine Exhumierung notwendig war.

Bei Opfern von Schiffsuntergängen dürfte die Todesursache weitgehend klar sein - lediglich ihre Lage im Wrack wäre noch von Bedeutung bei der Rekonstruktion des Unglücks.
Schiffe wie die Estonia (und die Bismarck?) sind noch zusätzlich von Staats wegen geschützt, da sie offiziell als Grabstätte der Opfer bestimmt wurden. Ebenso wie auf einem aktiven Friedhof ist dort die ewige Ruhe zu achten.
Bei den Galeonen dürfte dieser "Grabschutz" schon abgelaufen sein... Trotzdem finde ich ein Bergen menschlicher Überreste aus solchen Wracks pietätlos und im übrigen unsinnig. Das betrifft aber nicht übriges Fundgut, wie Ladung, Gegenstände etc...

Ich hatte in meinem Leben noch nicht die Gelegenheit, eine Moorleiche im Museum zu sehen - das Einzige waren mal ein paar sehr alte Skelette von Mensch und Tier und ägyptische Mumien. Es ist würdig, wenn ein eigener Raum gewidmet wird und sie nicht wie Trophäen in gewöhnlichen Vitrinen neben anderem Kram liegen.

Liebe Grüße,
Rigana
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Beitragvon Silvia » 02.02.2006, 11:27

Hallihallo,
auch ich bin der Meinung das hier Respekt und Würde wichtig sind.
Ebenso finde ich aber auch wichtig ,immer wieder daran zu denken das wir Menschen endlich sind,das der Tod etwas Normales ist.
Früher-im Mittelater wie auch davor-war der Tod greifbarer,er war mehr im Leben integriert,man ging mit Sterbenden ganz anders um.
Heute wird der Tod meist versteckt,nicht akzeptiert,von den Medizienern als Niederlage gesehen,selbst bei alten Menschen die an Altersschwäche sterben.So hab ich das bei meinem Opa erlebt.
Ich denke ab und zu sollte der Tod sichtbar sein,wie gesagt mit Würde und Respekt,und immer mit dem Gedanken das wir Selbst auch da hin kommen.Damit wir die Achtung vor dem Tod erhalten.Der Tote an sich sollte kein nutzlos gewordenes Etwas sein,das es gilt möglichst schnell zu vergraben.

Körperwelten finde ich auch nicht gut,das hat für mich nix mit Kunst zu tun und auch nix mit Wissenschaft.Ich denke manch Einer muß sich selbst dann noch Produzieren wenn er gar nix mehr davon mitkriegt,anders kann ich mir den Andrang "das lasse ich mit mir auch mal machen" gar nicht erklären.

auch hier nachdenkliche Grüße
Silvia
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Beitragvon Sleipnir » 02.02.2006, 11:46

Rigana hat geschrieben:Schiffe wie die Estonia (und die Bismarck?) sind noch zusätzlich von Staats wegen geschützt, da sie offiziell als Grabstätte der Opfer bestimmt wurden. Ebenso wie auf einem aktiven Friedhof ist dort die ewige Ruhe zu achten.
Bei den Galeonen dürfte dieser "Grabschutz" schon abgelaufen sein...


Richtig, aber da liegt ja mein eigentliches "Problem". Wann läuft dieser "Grabschutz" ab?
Das schlimme ist ja, ich kann mich da selbst nicht auf eine Position festlegen, ich bin da sehr zwiegespalten. Zum einen finde ich alles aus vergangenen Epochen unheimlich fazinierend und würde es gerne untersuchen, zum anderen habe ich halt die Skrupel, etwas, was einem Menschen mal heilig war (also auch die Bestattung eines Angehörigen) zu zerstören. Es ist halt ein weites Feld.

Nontox erwähnte ja die Körperwelten. Nun, da denke ich, die Leichen,die dort ausgestellt werden, sind ja aus eigenem Entschluß plastiniert worden (zumindest wird es ja so dargestellt, obwohl es ja auch Verlautbarungen gibt, der Prof. ...dessen Namen mir jetzt partout nicht einfallen will ... würde sich in Kirgisien an Leichnamen aus örtlichen Krankenhäusern bedienen). Wenn man davon aber ausgeht, es ist der letzte Entschluß eines Menschen, dort in dieser Form ausgestellt zu werden,ist das O.K.
Die Ausstellung habe ich leider nicht gesehen, kann deshalb da auch nicht vielmehr zu sagen. Allerdings war ich in Hannover in der Ausstellung der Moorleichen, die dort vor einigen Jahren lief. Dort war das ganze Ausstellungskonzept in meinen Augen ein bisschen daneben, da ich mir eine Aufteilung auf mehrere Räume erhofft hatte. So gab es dann nur eine "Anballung" von Moorleichen und irgendwie kam das nicht rüber was in meinen Augen wichtig gewesen wäre, nämlich die Aussergewöhnlichkeit einer Moorleiche.

LG Sleip
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Beitragvon FaethorFerenczy » 02.02.2006, 12:05

Ich denke mal, je näher ein solches ereigniss an der heutigen zeit liegt, desto höher sind die skrupel, menschliche überreste zu bergen. Vielleicht hat es damit zu tun das zeitnahe ereignisse den menschen ihre eigene sterblichkeit deutlicher vor augen führen als ferne ereignisse.
Das man aus rücksicht auf die angehörigen z.b. von der estonia keine fotos macht finde ich allerdings verständlich. Oder willst du deine verstorbenen verwandten auf dem grund des meeres fotografiert haben und das ist dann noch in allen zeitungen zu sehn?
Dadurch das in früheren zeiten wenig bis gar nix von der lebensweise der menschen überliefert ist, wird die menschliche neugier auch immer stärker sein als mögliche ethische bedenken. Wie die titanic untergegangen ist, ist ja hinlänglich bekannt. Und wie die menschen zu der zeit gelebt haben auch. Also ist es für die wissenschaft nicht so interessant als wie die lebensweise vor 1000 jahren.
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Beitragvon Halvor » 27.03.2006, 17:58

Die Hauptfrage bei einer Ausgrabung ist für mich der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn. Vom vorschnellen Bergen halte ich nichts, da jede Bergung auch die Gefahr einer Zerstörung in sich birgt. Hier sollte man sich also die Frage stellen, ob die Ausgrabung einen großen Erkenntnisgewinn verspricht und / oder eine schnelle Ausgrabung notwendig ist, weil der Fundort gefährdet ist, etwa durch einen Autobahnbau. Sollten diese Aspekte nicht zutreffen, dann sollte man die Ausgrabung verschieben, da natürlich im Laufe der Jahrzehnte immer bessere Konservierungsmethoden zur Verfügung stehen.

Eine zeitliche Distanz ist schwer festzulegen, da dies von den Begleitumständen abhängt. Handelt es sich um eine Person des öffentlichen Lebens und Interesses? Unter welchen Umständen kam sie ums Leben? Ansonsten sollte es wohl in Ordnung sein, mit einer Untersuchung zu beginnen, sobald es keine lebenden Angehörigen mehr gibt.

Religiöse Vorbehalte gegen Untersuchungen von archäologisch bedeutsamen Stücken - seien sie nun menschlich oder nicht - ärgern mich zutiefst. Ich frage mich dann immer, ob es da wohl was zu verbergen gibt.
Halvor
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