Schuhe mit Leisten anfertigen

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Verschluß außen

Beitragvon Hilmar_B » 28.09.2006, 19:27

Ähm...

Dark, warum sind Verschlüsse außen am Fuß für dich logisch - weil praktisch?
(unter außen stelle ich mir jetzt beim rechten Fuß rechts und beim linken Fuß links vor)

Ich finde innen, also zwischen den Füßen um Längen praktischer und damit für mich logischer.
Begründung: an diese Stelle kommt man - ohne sich zu verbiegen - mit beiden Händen an die Verschlüsse und man kann ihn dabei auch sehen, was durchaus angenehm ist.
Ich schaffe das nicht bei meiner Fußaußenseite.

Gruß

Hilmar
Hilmar_B
 

Beitragvon darkoverwarlord » 28.09.2006, 22:20

Hallo Hilmar,

Warum mir das logisch und praktisch vorkommt? Ganz einfach. Wenn wir von dem Durchschnittsmenschen ausgehen, dann führen wir in der Regel beim gehen, die Füße recht nah aneinander vorbei. Legen wir als Verschlüsse damalige Materialien zu Grunde, wie Hornspitzen, Holzspitzen/Knöpfe, einfache Metallschnallen etc, ist die Gefahr das man im wahrsten Sinne des Wortes über die eigenen Füße stolpert sehr groß, da sie ja nicht glatt sind wie zum Beispiel ein Reißverschluß, die ja bei modernen Schuhen der Optik, aber auch der praktischen Seite wegen innen verarbeitet werden. Das Problem des Verhakens wäre zu groß. Bei gewickelten/umflochtenen Schuhen/Stiefeln sieht das natürlich anders aus. Schnallen, Knöpfe etc. stehen meistens etwas über, was zwangsläufig dazu führt das sie ein Hindernis darstellen können. Auch ich kenne das Problem, doch Schnallen oder Knöpfe die mit Schlaufen geschlossen werden, schließe ich, indem ich den Fuß erhöht irgendwo draufstelle und nur mit einer Hand. Und ich hatte reichlich davon :biggrin:
mit freundlichem Gruß
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Beitragvon André » 29.09.2006, 07:16

Ich will jetzt hier niemandem zu nahe treten, aber dieser Punkt der Diskussion interessiert mich doch etwas stärker: Bisher habe ich mich nur mit den Schuhfunden aus Schleswig beschäftigt (Schöne Grüße an Claudia!) und dabei gelernt, dass der Verschluss meist an der Innenseite oder der Oberseite des (wendegenähten) Schuhs (des Hochmittelalters) angebracht wurde.
Das erscheint mir auch logisch, als dass man mit der Außenseite des Schuhs deutlich leichter irgendwo hängen bleiben kann und sich den Schuh kaputt macht. Andererseits sehe ich ein, dass man bei größeren Applikationen irgendwann über die eigenen Füße fliegt.

Bei Marc Carlson finde ich dazu den sog. Side Buckle Boot (1300-1500), bei dem wohl auf der Außenseite eine Reihe von Schnallen angebracht ist. Aber Marc Carlson führt auch Schuhe auf (Side Strap Shoe 1200-1400), bei denen ein einfacher Schnürverschluss auf der Außenseite angebracht ist.

Kann jemand eine Aussage zu der Frage treffen, wann in welchem Ausmaß der Verschluss auf der Außenseite zu liegen kam? Gibt es dazu einfache "Faustregeln" oder unterscheidet sich das von Fund zu Fund?

Des Weiteren kann ich nur unterstreichen, dass es bei manchen Schuhen notwendig ist, diese vor dem Wenden zu wässern...
André
 

Beitragvon darkoverwarlord » 29.09.2006, 09:56

Also ich kann es mir nur so vorstellen, das Schnürungen womöglich innen gelegen haben. Knopf oder Schnallen Verschlüsse auf den Innenseiten kann ich mir nach einer Erfahrung die Ich vor ca 15 Jahren im Westernhobby gemacht habe, nicht so recht vorstellen. Ich habe damals zum ersten mal Sporen getragen und hatte aus Unkenntniss auch die Schnallen der Sporenriemen nach innen gemacht, da ich Sie da, wie schon erwähnt wurde, leichter zumachen konnte. Das blieb genau eine halbe Stunde so, denn die hatten sich beim laufen dauernd verhakt!! und genauso stelle ich mir das bei innenliegenden Verschlüssen der damaligen Zeit vor. Ich konnte es unbemerkt auswechseln. Man wäre das peinlich gewesen :biggrin: alle habens richtig, nur ich nicht :biggrin:

Greetings und Adelandeyo
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Beitragvon Claudia » 01.10.2006, 18:24

So, nun komme ich mal dazu, ausführlich zu antworten:

Was die Leisten angeht, die Logik sagt mir ganz einfach, daß auf einem symetrischen Leisten keine asymetrischen Schuhe geformt werden können, um diesen Schleswiger Leisten nochmal zu erwähnen. Als ich sagte es gab keine definitiven linken oder Rechten Schuhe, bezog ich mich auf Abbildungen aus dem Mittelalter auf denen spitze, Knöchelhohe Schuhe zu sehen sind. Diese konnten nicht asymetrisch geformt sein da einfach der Kenntnisstand nicht da war...

Die Schuhe SIND aber asymmetrisch geformt, wie aus reichlich Funden hervorgeht. Bitte schaue Dir mal die Sohlen in Christiane Schnack "Die mittelalterlichen Schuhe aus Schleswig" (Tafel 3 ff.) an. Die sind keinesfalls symmetrisch und die Oberleder auch nicht.

...und Verschlüsse nach außen zu setzen ist auch wiederum logisch, da Sie sonst unpraktisch wären und den Träger behindern würden

Ich glaube, bei der Aussage, daß Verschlüsse fast immer außen waren, hat Mel sich geirrt. Die Schnürverschlüsse sind entweder an der Innenseite oder (bei den späteren Modellen ab 14. Jh) auf dem Rist. Die ebenfalls vorkommenden umlaufenden Bänder sind soweit ich weiß, in der Regel auf dem Rist verknotet. Ich habe früher auch mal angenommen, daß die innenliegenden Verschlüsse den Träger behindern würden (das war bevor ich selbst welche getragen habe :-)), aber nachdem ich nun schon eine Weile mit solchen Dingern rumgelaufen bin, kann ich sagen, daß das nicht der Fall ist. Bei Sporenverschlüssen weiß ich grad nichts Genaues, ich beziehe mich nur auf Schuhe.

Ich vermute, wie viele Archäologen auch das es grobe Leisten gegeben hat die tatsächlich nur als Nähhilfe gedacht waren, obwohl mir das bei Wendeschuhen nicht Recht einleuchten will, da diese wie Mokassins gefertigt werden.

Es gibt mehrere Leistenfunde (David hat ja oben noch zwei angeführt und es gibt noch mehr als diese), nicht nur Vermutungen. Außerdem dokumentiert Chrsitine Schnack, daß in fast allen Schleswiger Schuhen zwei bis drei Nagellöcher in der Sohle sind (eines auf dem Vorderfuß, eines auf der Ferse und ggf. noch eines dazwischen) (Seite 34/35). Das läßt auf die Verwendung von Leisten schließen.

wenn Sie auf diese Art gefertigt werden, dann ist ein linker und ein rechter genau zu erkennen denn dazu stellt man den Fuß auf das Leder umzeichnet ihn, gibt eine Nahtzugabe zu, Schneidet das Oberleder zu, welches witzigerweise symetrisch ist

Das Oberleder ist NICHT symmetrisch. Bitte gucke Dir die Funde an.

...und näht noch eine Sohle aus dickerem Leder zum Beispiel Nacken (bei Hirschleder) an.

Die Verwendung von Leder von Wildtieren für Schuhe ist in keinem Fall nachgewiesen. Material war beim Oberleder bis zum Beginn des 13. Jh. meist Ziege, seltener Schaf, danach kommt allmählich die Verwendung von Kalb oder Rind auf. Sohlen waren, soweit bestimmbar, immer Rind (zumindest bei den Schleswig-Funden, an anderen Fundplätzen kann das etwas variieren).

Es gab damals meines Wissens nach nur 2 Arten der Gerbung, die Lohgare sprich vegetative und die Hirngerbung. die heute bekannten chemischen Gerbungen stammen alle aus dem letzten Jh.

Das ist so nicht richtig. Hirngerbung (die keine "echte" Gerbung ist), wurde im Mittelalter nicht ausgeführt. Aber die Alaungerbung (Weißgerbung) war sehr wohl bekannt.

aber jetzt habe ich mal eine Frage. Wo stammen bitte die ganzen Vorlagen für Mittelalterstiefel etc her, die man bei vielen Mittelalterhändlern sieht. Denn diese Stiefel etc werden nach den heutigen Wissenständen gefertigt, Leisten, Pressen etc.

Da müßte man jetzt wissen, welche Händler und welches konkrete Schuhmodell Du meinst. Bei den meisten Händlern kann man nur sagen: "Fantasy". Sehr häufig hat die Herstellungsart nichts mittelalterliches an sich.

Ich habe extra die Stiefel genommen, denn meiner Vermutung nach stammen diese Vorlagen aus der Rennaisance und da sah die Sache mit den Leisten wohl schon etwas anders aus, wenn ich Claudias Bemerkung dazu richtig deute. Ich werde mich aber mal schlau machen ab wann es Rahmengenähte Schuhe gab, denn diese werden nach einem bestimmten Verfahren gefertigt und ich glaube nicht das es die Werkzeuge als auch das Zubehör damals schon gab.

Na ja, dann muß man aber auch eine Renaissance-Darstellung machen, damit sie passen. Und die ersten rahmengenähten Schuhe waren auch eher die sogenannten "Kuhmaulschuhe" und keine Stiefel. Die gab es ca. ab 1500 (ich glaube, die ersten tauchten schon etwas früher auf, Genaues kann ich aber nicht sagen, da das nun wirklich nicht meine Baustelle ist).

Was ich letztens noch vergaß zu erwähnen, liebe Claudia, wir reden auch heute noch davon das man Schuhe erst einlaufen muß. ergo dürfte das für die damalige Zeit auch zugetroffen haben, denn nur ein Maßshuh passt exakt, im Gegensatz zur Massenware

Na klar muß man die Schuhe einlaufen. Aber "Einlaufen" eines für den jeweiligen rechten oder linken Fuß gemachten Schuhs ist was anderes als das Zurechttreten von symmetrischen Dingern, die die Fußform nicht berücksichtigen.
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Das Thema noch einmal aufgewärmt

Beitragvon Turtle » 08.02.2008, 19:57

Hallo zusammen,

da ich überlege auch mal Schuhe mit Leisten zu nähen, möchte ich das Thema noch einmal aufwärmen.

Damit ich alles richtig verstehe. Das Maßnehmen des Schnittes und zuschneiden des Leders erfolgt ganz "normal" am Fuß ?
Oder wird das Schnittmuster wie bei modernen Schuhen am Leisten erstellt ?


Das Fußoberteil wird dann fertig zusammengenäht und über den Leisten gezogen und mit Zwickstiften fixiert.
Die vorgelochte Sohle wird ebenfall fixiert und angenäht und eventuell überstehendes Leder wird abgeschnitten.

Da stellt sich dann die Frage, das Oberleder feucht oder trocken am Leisten fixieren ?

Bisher habe ich eher die Aussage bekommen, das Leder feucht über den Leisten zu ziehen und auch feucht zu nähen, dann den Leisten zu entfernen, nass zu wenden und an einem etwas kleineren Leisten trocknen zu lassen.

Für Tips oder ratschläge wäre ich sehr dankbar

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Beitragvon Evelune » 12.06.2008, 21:49

Also ich hätte da auch noch ein paar Fragen, ich hab zwar gerade einen Schuhmacherkurs an der Hochschule, aber da geht es mehr um Sandalen und moderne Fertigungstechniken, ich möchte aber gerne ein paar einfach Wendegenähte Schuhe haben.
Da konnte mir die Schuhmacherin in unserem Kurs leider nichts zu sagen.

Ich habe vegetabil gegerbtes Ziegenlieder am Dienstag bei einem Grosshändler gekauft. Schön fest und weich, perfekt als Obermaterial würd ich sagen. Moderne Leisten die nahezu perfekt für meinen Fuss sind habe ich auch hier, sowie Nadeln, Ahlen und Ledermesser.

Ich wollte den Schnitt nach mittelalterlichen Funden und Abbildungen in heutiger weise direkt am Leisten erstellen, also aufmalen, mit Folie abpausen, Probestück mit Brandsohle aus Molton nähen, korrigieren und dann eben aus Leder.

Nur wie wird das Leder zugeschnitten, es hat ja eine Richtung, oder? Und eine Sohle wollte ich aus etwas dickerem Rindleder machen. Wie groß mache ich die? Reicht quasi die Brandsohlen-Größe? In welche Richtung muss das Sohlenleder zugeschnitten werden.

Habe mir bereits diesen Artikel durchgelesen:
http://www.isentosamballerer.de/de/bibl ... hen-stadt/

Und musste jetzt auch feststellen das es so viele Näharten gibt das ich etwas erschlagen bin. Welche macht denn am Leisten am meisten Sinn?
We did research - authenticity was a must! Zukes! Did we search! And what did we find? A lotta dust!
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Re: Schuhe mit Leisten anfertigen

Beitragvon EmiliaFischer » 16.11.2020, 09:44

Hallo! Als Schuhe selbst zu nähen, geht https://freddywear.de/wrup-hosen/ doch mal rein und kauft euch ein paar tolle neue Schuhe. Es ist doch Black Friday! Ich habe schon Vieles für die ganze Familie bestellt! Selbst Schuhe zu nähen ist wahrscheinlich sehr anstrengend, da ich einen Nachbar habe, der die Schuhe mit Defekt oder Loch repariert und hab mal beobachtet, wie er das machte, als er meine Lieblingsschuhe zum Joggen reparierte. Ja, ich wollte mich nicht mit ihnen verabschieden, da sie mir treu 4 Jahre gedient haben. Voll lustig!
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