Was lässt sich aus Rohhaut so alles machen?

Leder-, Fell- und Rohhautbearbeitung findest du hier.

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Beitragvon N.R.U. » 04.05.2006, 22:14

Mnementh ...

... Erstellt am 12.03.2005 - 19:56

Und noch ein Nachsatz:

Meines Wissens wurde dünne Rohhaut neben den Laternen auch als Glasersatz eingesetzt. Hierzu wurde die Rohhaut stark mit nicht flüchtigen, nicht trocknenden Ölen getränkt, um sie durchsichtiger zu machen. Ich würde annehmen, daß dies auch mit Lampenschirmen gemacht wurde.

Gruß

M.
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Beitragvon Ingo » 04.05.2006, 22:14

Ingo ...
Die Nadel

... Erstellt am 15.03.2005 - 11:43

Aus Rohhaut lässt sich recht einfach natürlicher Kleber (Hautleim, Collagen-Kleber) herstellen:

http://mammoth-hunter.org/index.htm?dat ... rben&meta=

Gruß, Ingo
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Beitragvon Gnom » 04.05.2006, 22:14

Gnom ...

... Erstellt am 17.12.2005 - 00:24

Mnementh hat ganz recht!

Rohhaut macht man sich. Eine Schafhaut z.B. hat ca. 1/2 m2, da kann man aus dem Vollen arbeiten!

Einfach eine Haut nehmen, eventuell die Fleischseite grob säubern und das ganze in Kalkmilch werfen (3kg teigigen Löschkalk auf 100l Wasser). Wenn die Haut nach einer bis mehreren Wochen gut haarlässig ist rausnehmen und gut auswaschen. Dann kommt die einzige kleine Schwierigkeit: Das Entfleischen. Das Unterhaut-Bindegewebe muss auf der gesamten Hautfläche heruntergeschnitten werden. Man kriegt aber schnell ins Gefühl, wie tief man schneiden muss. Mit Schnüren in einen (Holz)rahmen spannen und trocknen lassen. Kaninchenhäute werden papierdünn und sehr durchscheinend, Ziegen- und Schafhäute sind stärker (feines Pergament), größere Reh-/Hirschhäute geben ordentlichen Karton für Webbrettchen (1,5-2 mm) Rindshaut hat 1/2 bis 1 cm und ist, gut durchgetrocknet mechanisch unzerstörbar. Schweinshaut hat sehr viel Fett, was Probleme machen kann.

Kaninchen, Feldhase, Reh, Hirsch lässt man sich schenken, Schaf, Ziege muss man eventuell um 1-2 Euro kaufen.

Ich kann das Selbermachen nur wärmstens empfehlen!

Lie Grü,
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Beitragvon Gnom » 04.05.2006, 22:15

Gnom ...

... Erstellt am 17.12.2005 - 00:41

Zum Kleber (Warmleim):

Üblicherweise legt man das Leimleder (Hautabfälle, auch das beim Fleischen anfallende Unterhaut-Bindegewebe) vorher lange in Kalkmilch ein, um die Haut aufzuschließen. Reifes Leimleder ist frisch angeschnitten leicht bläulich.
Den Kalk GUT auswaschen, Die Hautstücke zerkleinern und den Leim mit wenig Wasser einige Minuten bei 70°C ausziehen, abseihen, frisches Wasser nehmen mit 75°C nochmal usw. bis 100°C immer in 5°-Schritten. Die Lösungen zusammengeben, das Fett abschöpfen und das ganze schonend eindicken bis es wie Sirup ist (keinesfalls kochen). Heiß anwenden.

Man kann den Sirup auch auskühlen lassen, die erstarrte Gallerte in 1/2cm dicke Scheiben schneiden und am besten auf weitmaschigen Netzen trocknen. Bei Bedarf wieder in der dreifachen Menge Wasser über Nacht quellen lassen und im Wasserbad auf ca. 60°C erwärmen.
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Beitragvon Goschi » 21.12.2006, 08:03

Für die meisten Arbeiten mit Rohhaut würde ich den Gerber empfehlen. Beim Gerber trage ich meine Wünsche vor und bekomme das, was ich speziell brauche und die Haut hat eine ganz andere Qualität als die gepressten Knochen. Für Brettchen eignet sich die Rohhaut vom Rind sehr gut, ich bekomme sie in starker Dicke, wenn auch unterschiedlich, dennoch relativ gleichmäßig und weil nicht gepresst, sondern meist dick aufgerollt, ohne Probleme mit starken Faltungen, so dass man für Brettchen, die Rohhaut noch nichtmal zum gradebiegen nassmachen muss.
Zum Bearbeiten der trockenen Haut ohne historisches Werzeug, wegen der höheren Arbeitsgeschwindigkeit: Mit der Säge die Grundform aussägen. Mit Sandpapier die Blättchen leicht abrunden, (datu verwende ich einen Bohrmaschinenaufsatz - Gummischeibe mit Sandpapier), mit einer Bandschleifmaschine, lässt sich die flache Seite nochmals glätten und Unebenheiten beseitigen.
Natürlich kann man das auch mir der Hand machen. Zum Schneiden sollte die Rohaut etwas angeweicht sein, dann empfehle ich ein Schnitzmesser oder Stemmeisen

Zu den Laternen hatte ich schon mehrere Versuche. Als Gerüst verwendete ich nicht die übliche Form, sondern zu einem Ring gebundene dünne Weidenruten, die Ringe verwendete ich als Abschluss für oben und unten. Für den Bezug wählte ich Stoff oder pergamentartiges dünnes Fettleder. (Fettleder habe ich mir vom Gerber besorgt, ist ein Leder, in welchem ein hoher Fettanteil belassen wurde und es dadurch durchscheindender aussieht.
Allerdings waren die Ergebnisse für mich nicht zufriedenstellend, weil die Laternen zwar schön aussahen und man sie selbst sehen konnte, aber die Lichtausbeute war so gering, dass ich keinen praktischen Nutzen dabei sah. Für meine Frümi-Darstellung habe ich noch nichts verwertbares gefunden. Kienspan u. ä. ist zu unpraktisch u. erlischt zu schnell bei stärkerem Wind.
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Beitragvon itzibitzispider » 01.03.2007, 20:42

Moin

Visbylaternen aus Hundeknochenrohhaut kann ich nicht empfehlen, die ist zu dick, es kommt kein (kaum) Licht durch.
besser ist entweder pergament, oder eine schweine/Rinderblase.
die Hundeknochenrohhaut (zumindest die die ich immer bekommen hab) ist mieseste qualität und taugt vielleicht zum streifen schneiden um die Schildkanten zu schützen.

Brettchen aus Rohhaut

kann ich auch nur abraten, zumindest dann, wenn du im freien webst, denn die ziehen feuchtigkeit an wie blöd und werden bei diesigem wetter Gummiweich - bei uns aus dem Clan hatte eine solche Brettchen, daher hab ich das dann sehen können.
dazu kommt noch, das die Hundeknochenhaut rauh ist, was sich auch nicht grad positiv aufs weben (das garn) auswirken dürfte
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Beitragvon Beate » 02.03.2007, 12:47

Kurze Anmerkung: die Visby-Laterne wurde als "Steckstuhl" entlarvt. :biggrin:
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Beitragvon Dvergr » 02.03.2007, 13:51

Beate hat geschrieben:Kurze Anmerkung: die Visby-Laterne wurde als "Steckstuhl" entlarvt. :biggrin:


Hatt ich ja fast schon gefürchtet :devil:

Hätte mich irgendwie gewundert, wie ein kleines Ding aus paar Ästchen, 2 Scheiben Holz und ein bisschen Rohhaut 1000 Jahre erhalten bleiben hätte sollen^^
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Rohhaut von nicht soo toller qualität

Beitragvon schlosswalker » 28.03.2008, 03:30

Hallo Leute

Um mal kein neues Thema auf zu machen stelle ich das mal hier rein.

Ich habe eine Große Rohhaut für günstig gekauft.
Als ich sie auspackte wunderte ich mich schon, das sie komplett weis war(???). Sie machte auch nicht den anschein wie Rohhaut sondern es kam mir eher wie dickes Leder vor das einfach nur etwas spröde bzw hart ist.
Da die Haut noch nicht ganz getrocknet war, dachte ich mir das sie, wenn sie durhcgetrocknet ist schon die bekannte härte bekommen würde.
Dies war aber nicht so.
Die haut hat nicht die festigkeit wie man sie von "rohhaut" erwarten würde und sieht auch nicht so aus.
Nun die Frage: Kann man eventuell nachträglich nachgerben um die haut härter zu machen? Momentan hat die Haut eben eher die konsistenz von sprödem trockenen leder.
Wie könnte ich das anstellen??
Ich habe schon überlegt ob ich die Haut einfach nochmal feucht mache, mit salz abreibe und dann wieder trocknen lasse!?

Nebenbei: wie sieht es überhaupt mit verschiedenen Qualitätsunterschieden aus?? Wo ist ie Grenze zwischen Leder und Rohhaut???

Grüße
Thomas
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Nachtrag

Beitragvon schlosswalker » 28.03.2008, 04:34

Habe mich mal schlau gemacht und im netz gelesen das rohhaut ja nicht gegerbt wird, sondern nur entfleischt, enthaart und dann getrocknet wird.
Aber ich habe irgentwie Rohhaut die nicht fest wird??
Kann es sein das sie nach nochmaligem ausspülen und trocknen fester wird??
Vielleicht sind ja vom Kalken(enthaaren) noch sachen in der haut die das trocknen erschweren??

Thomas
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