Messerscheiden

Leder-, Fell- und Rohhautbearbeitung findest du hier.

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Beitragvon Claudia » 07.02.2006, 12:22

Ich denke, Leder, das heute als "Gürtelleder" verkauft wird, ist für eine Messerscheide viel zu steif. Außerdem dürfte so ein Streifen deutlich zu schmal sein. Die Messerscheidenfunde, die ich kenne, sind in der Regel nicht aus zwei Seiten zusammengesetzt, sondern aus einem Stück. Das Leder muß also flexibel genug sein, um um das Messer herumgebogen zu werden.
Viele Scheiden sind übrigens nicht auf der Schneidenseite zusammengenäht, sondern die Naht verläuft längs über die Mitte der Messerfläche! An so eine Scheide habe ich mich ehrlich gesagt auch noch nicht rangetraut (aber muß wohl demnächst noch...). Also vielleicht auch erst mal mit Abfällen probieren, bevor man gutes Leder zerschnippelt.

Hast Du Fundvorlagen?
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Beitragvon Thorbiurn » 07.02.2006, 14:25

Hallöle Claudia,
hab mir mittlerweile welches besorgt. Hab schonmal eine schlichte für ein Sax genäht. Die Naht werd ich aber wieder an die Schneidseite machen. Ist auf jeden Fall praktischer die Naht zu erneuern, als das Leder auf Dauer zu zerschneiden. Hatte beabsichtigt, einen schmalen Lederstreifen bei der Naht einzusetzen. Dann dürfte das Problem, dass es in die Naht schneidet auch relativ minimiert sein.
Fundvorlagen für schlichte Messerscheiden hab ich gerad keine.
Soll nem Bekannten aber ohnehin aus York ein Buch über die Lederfunde da mitbringen. Da werd ich dann mal intensiver gucken.
Aber fürs erste versuch ich mich jetzt mal an den üblichen szenebekannten Scheiden.
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Beitragvon Sleipnir » 18.02.2006, 11:02

Es gibt eine interesant Ausgrabung in Schleswig am "Schild" mit umfangreichen Lederfunden vor allem sehr vielen Kleinteilen wie Taschen und Riemen. Publiziert iszt das ganze als:
"Mittelalterliche Lederfunde aus Schleswig - Futterale, Riemen, Taschen und andere Objekte. Ausgrabung Schild 1971-1975"
herausgegeben und verfaßt von Dr. Christiane Schnack, erschienen im Wachholtz Verlag Neumünster 1998
ISBN 3-529-01463-x

Es sind sehr viele Umzeichnungen und Beschreibungen der Fundstücke enthalten. Ist eine wahre Fundgrube.

LG Sleip
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Lederdicke

Beitragvon Edradour » 28.02.2009, 10:32

Es ist zwar etwas Zeit vergangen, seit dem letzten Eintrag, da ich aber auch gerade mit dem Thema beschäftige, hier meine Erkenntnisse:

Das Leder der meisten Funde aus dem ausgehenden HMA und SMA ist nur zwischen 1 und 2mm dick, ab dem 14. Jh. zunehmend doppellagig, also mit Schiede und Futter (aus dem selben Leder, aber mit der Hautseite nach innen).

Ich nähe meine Schieden auf einem Holzkern, der der Messerform entspricht. Wenn das Leder nicht vorher punziert ist, kann es ruhig trief-naß genäht werden und ist so wunderbar formbar.
Wenn es verziert ist, darf man es -meiner Erfahrung nach- nur an den Verformstellen naß machen, da sonst die Punzierungen oder Ritzungen "matschig" werden.
Die meisten vegetabil gegerbten Leder werden nach dem Trocknen hart, auch wenn man sie dann fettet. Man darf sie nur nicht wieder "weichkneten".

Hier mal ein paar Beispiele (nach den London Funden):

http://i89.photobucket.com/albums/k237/ ... _01_kl.jpg

http://i89.photobucket.com/albums/k237/ ... ser_kl.jpg

http://i89.photobucket.com/albums/k237/ ... ard_01.jpg

und ein Nadeldöschen:

http://i89.photobucket.com/albums/k237/ ... eather.jpg

Gruß, Ed
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Beitragvon Dilara » 27.06.2009, 18:39

Hallo ihr Lieben, ich hab mir heute auf dem MA-Markt ein Messerchen geleistet mit Scheide. Ich würde das Leder gerne einfärben, könnt ihr mir sagen, mit welcher Farbe ich das tun kann? Der Verkäufer sagte, mit der Farbe mit der ich die Haare färbe, würde das gehen, aber da ich mit Henna färbe, wird das schlecht gehen. Die Scheide sollte dunkelbraun oder schwarz werden.
Bild

Ausserdem-passt zwar jetzt nicht ganz hier rein... - wüsste ich gerne ob man die eingestempelte Schrift "Solingen" irgendwie weg bekommt? Bzw. auf nem anderen Markt hab ich gesehen, daß an manchen Messer die Klinge so schön angeschwärzt ist, am oberen Teil. Wie macht man das?
Dilara
 

Leder färben

Beitragvon Edradour » 17.08.2009, 09:30

Hallo Dilara,
zum Färben von Leder gibt es spezielle Farben (Oil Dyes) z.B. hier:
http://www.lederkram.de/index.php?go_to ... 0b797c5ed&

Es gibt aber auf ein Rezept aus dem 15. Jh zum schwarz färben mit Eisenvitriol. Die Gerbsäure im Leder reagiert dabei mit den einsenanteilen und das Leder wird an der Luft schwarz.

Eine weitere Möglichkeit wäre, das Leder satt einzuölen (Raps, Sonnenblume oder so was) und dann die Zeit den Rest erledigen zu lassen. Das Leder wird mit der Zeit dunkler, bis es irgendwann einen satten Braunton erreicht.

Zum eingespempelten Solingen Schriftzug: den kannst Du im Prinzip nur rausschleifen. Schön isat das aber auch nicht. Die geschwärzten Klingen, die Du ansprichst, sind einfach nicht geschliffen. Die sehen nach dem Schmieden so aus und es wird dann nur die Schneide geschärft. Nachträglich ginge das zwar über erneutes Glühen, aber damit machst Du Dir die Klinge eher kaputt. Also eher so lassen, oder verkaufen und Messer mit gescheiter Klinge kaufen.
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Beitragvon Hîdril » 17.08.2009, 21:51

Zum Ledereinfärben habe ich auch gute Erfahrung mit normaler flüssiger Schuhpflege gemacht. So welche für Wildleder. Dafür eventuell das Leder leicht aufrauen (mit feinem Schmirgelpapier), dann nimmt es die Farbe besser an.
Zum mindest die Farbe, die ich verwandt habe, ist wasserfest und schweißfest, denn ich habe damit das Leder, das ich zum Umwickeln eines Schwergriffes verwendet habe, gefärbt.
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