Schuh Typ Schleswig D2 Schritt für Schritt Anleitung

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Schuh Typ Schleswig D2 Schritt für Schritt Anleitung

Beitragvon moser1501 » 19.11.2008, 21:03

Nachdem die Frage nach der Schuhherstellung immer wieder auftaucht, hier eine Beschreibung des Baus meines zweiten mittelalterllichen Schuhs. Ist zwar ein Querposting, denn ich beschreibe das Ganze schon auf http://www.mittelalter-handwerksforum.de, aber dort können es nur angemeldete Benutzer sehen.

Ich orientiere mich an einem Schuh vom Typ D2 der Funde von Schleswig (Schnack, Christiane. Die mittelalterlichen Schuhe aus Schleswig. Ausgrabung Schild 1971-1975. Ausgrabungen in Schleswig - Berichte und Studien 10. Neumünster 1992)

Eins noch vorneweg, ich bin weder ausgebildeter Schuster noch sonstwie allwissend in Sachen Leder und Lederverarbeitung. Ich habe bereits etliche antike Schuhe nachgebaut, allerdings bisher noch keine mittelalterlichen. Ich bemühe mich um historische Korrektheit bei Form, Material und Technik, kann aber letztendlich nicht dafür garantieren (wie denn auch? :P ) und mache sicher irgendwo irgendwas falsch ....

Also, zunächst einmal der Schnitt des Oberleders, hier habe ich auf eine Methode zurückgegriffen, die [url='http://www.florentius.com/calcei-pattern.htm']hier[/url] sehr schön beschrieben ist und die ich schon oft erfolgreich angewendet habe. Hier das Ergebnis:

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Daraus habe ich folgenden Schnitt für das Oberleder gewonnen. Beim Ausschneiden habe ich vorne um die Spitze herum noch etwa 1 cm an Breite zugegeben, da bei meinem Probeversuch der Schuh vorne etwas eng geworden ist. Ich habe hier Rindsleder gewählt, knapp 2mm stark, das zu dieser Zeit bei den Funden vorherrscht.

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Darauf folgen die Sohlen, in diesem Fall werde ich einfache Sohlen verwenden. Bei der Sohlenform habe ich die spitz zulaufende gewählt, da hatte ich noch eine sehr ähnliche Schablone für die Sohle eines 3.Jh. n. Schuhs, den ich bereits einmal gebaut habe. Wie der Probeversuch zeigte "frisst" das Wenden, wenn auch noch eine Fersenversteifung eingenäht ist, doch an der Länge der Sohle, daher habe ich sie diesmal knapp 1cm verlängert (es hat aber gleichzeitig den willkommenen Effekt, dass die Naht im Bereich der Ferse etwas vom Boden abgehoben ist.

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Dafür nehme ich ca. 4mm starkes Rindsleder.

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So, der Anfang wäre gemacht, mal sehen, wann ich dazu komme weiter zu machen - dann gibt es mehr :-)
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Beitragvon moser1501 » 19.11.2008, 21:05

Auf der Sohleninnenseite reiße ich in 5-6mm Abstand zum Rand die Linie an, wo für die Nahtlöcher eingestochen werden soll. Daneben ist die Ahle, die ich dazu verwende. Wie zu sehen, muß die Krümmung an der Spitze noch nicht einmal besonders stark ausgeprägt sein (Dementi ;) : die Ahle stammt von meinem Römerwerkzeug, daher die Heftform, die nach dem Heft eines Stechbeitels aus Aquileia nachbemacht ist). Die Sohle wird vor dem Vrostechen in Wasser eingeweicht, das macht die Stiche einfacher und senkt die Gefahr, dass das Leder ausreißt:

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Hier der Fleisch-Schnittkante (flesh/edge) Stich in Nahaufnahme:

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und gute 170 Stiche später ...

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Weiter mit dem Oberleder. Hier habe ich es so ausgeschnitten, dass ich eine Ecke ergänzen muss. Das wäre nicht unbedingt nötig gewesen, ist aber bei den Originalen oft festzustellen. Und außerdem wollte ich das mal ausprobieren :-) (bei römischen Schuhen ist das Oberleder so weit feststellbar praktisch immer komplett einteilig, d.h. man scheint mehr Verschnitt in Kauf genommen zu haben). Ich habe festgestellt, dass ich mir noch eine dünnere Ahle hierfür zurechtschleifen muss, sonst ist die Gefahr zu groß, dass das Leder schon beim Vorstechen ausreißt. Das Nähen selbst passiert ohne Nadel, nur mit einem an beiden Enden ausgedünnten und daher spitz zulaufendem und gut gewachsten Faden. Das Leder wird wieder gut angefeuchtet. Zum Größenvergleich ein Bild mit Lineal:

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Hier die fertige Naht von innen und von außen. Könnte noch besser/regelmässiger sein, aber das ergibt sich mit noch mehr Übung automatisch :-). Zum Schluß wird sie noch gut geklopft, damit sie nach außen hin schön schließt.

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Beitragvon moser1501 » 19.11.2008, 21:07

Nicht zu vergessen, eine sehr gute Anleitung gibt es auch hier: http://www.foracheim.de/cms.php?cmspid=70 !!!
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Beitragvon moser1501 » 19.11.2008, 21:08

Als nächstes die Vorbereitung fürs Vernähen von Oberleder und Sohle. Ich nähe auch hier wieder ohne Nadel, mit einem gewachsten Leinenfaden, den ich an beiden Enden mit Hilfe der Ahle ausdünne und dann wieder zu einer lang und dünn auslaufenden Spitze verdrille. Hier der ausgedünnte Faden vor dem Verdrillen:

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Und eine der fertigen Spitzen (der Lederstreifen darunter ist der Randstreifen, der zu dieser Zeit bei vielen Schuhen verwendet wurde):

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Nachdem die Arbeit mit wendegenähten Schuhen noch neu für mich ist, lasse ich jetzt erst mal den Leisten weg und fange von der Spitze her an, Sohle, Oberleder und Randstreifen zu vernähen. Die Löcher in der Sohle sind ja bereits gestochen, daran orientiert steche ich durch Oberleder und Randstreifen und durch das Loch der Sohle einen Kanal vor. Dann wird mit dem Sattlerstich vernäht, also das eine Fadenende von der einen, das andere von der anderen Seite her durchschieben und festziehen.

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Beitragvon moser1501 » 19.11.2008, 21:09

Bevor ich Sohle und Oberleder zusammennähe, wird noch die Fersenverstärkung befestigt. Inzwischen weiss ich auch wie sich Sohle und Oberleder miteinander ausgehen, d.h. ich werde in Zukunft die Fersenverstärkung gleich ans Oberleder nähen und danach erst mit der Verbindung von Oberleder und Sohle beginnen. Habe ich diesmal nicht gemacht, weil ich mir noch nicht so ganz sicher war, wie das alles zu liegen kommt. Hier die Fersenverstärkung, die ich zu den Rändern hin geschärft (also dünner gemacht) habe, damit der Übergang möglichst stufenlos ist und nachher nichts scheuert..

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Nachdem die Fersenverstärkung aufgelegt und deren Umriß auf dem Oberleder angerissen wurde, beginnt das Vorstechen der Löcher.

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Sehr gut geht das, wenn man das Leder über einer Tischkante o.ä. etwas abknickt, wie hier auf dieser Skizze zu sehen:

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Man kann dann beinahe gerade Stiche mit der Ahle machen. Fertig vorgestochen sieht das dann so aus:

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Beitragvon moser1501 » 19.11.2008, 21:10

Nun zum eigentlichen Nähen:

Mit der Ahle werden die Löcher in der Fersenverstärkung und im Oberleder auf "Linie" gebracht, damit sich der Faden gut durchschieben läßt:

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Auch hier hab ich einfach mal wieder versucht, ohne Nadel mit einem ausgedünnten und gut gewachsten Faden zu nähen, was auch in der geringen Fadenstärke recht gut funktioniert (ginge mit Nadel oder Borste natürlich genauso):

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Hier die fertig vernähte Fersenverstärkung. Das Oberleder ist hier jetzt auch bereits (unter Einbeziehung der Fersenverstärkung) an der Sohle angenäht:

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Hier noch ein Bild, an dem man, wie ich finde, schön sehen kann, warum ein gut gewachster oder gepichter Faden auch Schusterdraht genannt wird :-) :

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Beitragvon moser1501 » 19.11.2008, 21:10

Nachdem die Sohlen-Oberledernaht fertig ist, schließe ich das Oberleder, hier mit einer Fleischseite-/Randnaht (hier finden sich bei den Originalen verschiedene Nähte). Ein paar Bilder hierzu:

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