Mein 1. Versuch zu gerben

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Mein 1. Versuch zu gerben

Beitragvon Siegfriedsdottir » 11.08.2010, 10:04

Liebe Flinkhänder,

ich muss Euch etwas erzählen. Bei mir liegt gerade ein Fell zu Hause, das ich VERSUCHE zu gerben. Ob mir das gelingt?
Irgendwie bin ich aber auch zweigeteilt mit meinen Gefühlen, denn das Fell stammt von einem wunderschönen Rotwildkalb, das ich natürlich viel lieber im Wald gesehen hätte, als als Fellstück vor mir liegend.
Na ja, der erste Schritt ist getan: es liegt gesalzen (zur Konservierung) und zusammengelegt auf einem Gitter und wartet auf die Weiterverarbeitung.
Heute morgen auf der Zugfahrt war ich tief versunken in dem hier im Forum empfohlenen Gerberbuch von Helmut Ottiger und Ursula Reeb.
Mal schauen wie es weitergeht. Am Wochenende wollte ich es einweichen und dann geht´s ans Eingemachte. Die Theorie erscheint mir noch ziemlich kompliziert.

Wenn hier jemand Erfahrung hat wie es weitergeht und wie er es selbst versucht hat: immer her damit!

Ich halte Euch auf dem Laufenden und grüße ganz herzlich
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Beitragvon wetterleuchten » 11.08.2010, 10:27

Hallo Siegfriedsdottier,

*autsch*, du hast mich gerade an die noch nicht ganz fertigen Kaninchenfelle erinnert, die vergessen im Schuppen stehen. :blush: Ja, stehen, weil sie zwar gegerbt aber nicht weich gemacht wurden.
Ich habe die auch nach dem von dir erwähnten Buch (das ich übrigens ganz klasse finde) bearbeitet. Und wie immer : theoretisch ist das alles ganz einfach, die Praxis enthüllt dann die Tücken. Bei mir war es so, dass sich tatsächlich herausgestellt hat, dass manche Arbeitsschritte Zeit und Mühe erfordern, die man dann umständehalber so nicht aufbringen kann. Deshalb hatte ich mich ahnungsvoll von Anfang an für eine Alaungerbung meiner Felle entschieden, was auch prima geklappt hat. Zum weichwalken und fetten bin ich bis jetzt aber nicht mehr gekommen. Ist glaube ich nicht weiter schlimm, macht aber ein paar Umstönde mehr, wenn ich mich da demnächst dran mache.

Was wilst du denn machen, Fell oder Leder? So ein Wildkalb ist nicht gerade mini und ich würde für den Anfang eine der leichten und "narrrensicheren" Methoden aus dem Buch empfehlen, bis du den Aufwand einigermaßen selbst einschätzen kannst.

Zwischen Konservierung und Gerben finde ich ist die Zeit am heikelsten, da kann einiges passieren und man sollte zusehen, dass man zügig arbeiten kann. Das wiederum spricht auch für "leichte Methode" zum Anfang. Ich gerbe gerade ein paar Mäusefelle meines Sohnes und die sind alle ziemlich böse haarlässig. Da sind wir noch am forschen, an was das liegt. Aber grundsätzlich kann bei einer Konservierung mit Salz eigentlich nix schiefgehen, wenn man die Felle/Häute so frisch wie möglich reichlich einsalzt. Das kann man sehr lange aufbewahren Meine Kaninchenfelle mussten glaube ich einen Monat im Salz aushalten bis ich zum weiterverarbeiten kam. Da ging nix kaputt.
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Beitragvon lucius gallus » 11.08.2010, 10:34

Hallo Siegfriedsdottir,

schön das sich doch noch jemand an dieses "schmutzige" und nicht ehrbare Handwerk herantraut. Ich habe selbst vor langer Zeit damit begonnen, meine eigenen Schaffelle selbst zu gerben oder zu verarbeiten (Pergament). Am Anfang hatte ich jedoch nur Fehlschläge, da, so wie ich heute weiss, diese übergerbt oder verbrannt habe. Das eigentliche Gerben ist ein sehr komplexer Vorgang und erfordert meines Erachtens gute fundierte Quelle für den Selbstversuch, schon wenn es sich um eine so tolle Rohware wie Deiner handelt. Ich habe mir neben Deinem erwähnten Buch noch folgende Quelle zu Hilfe genommen :
http://www.lederpedia.de/selber_gerben_ ... behandlung
Ich fand die in dieser Doku gemachten Angaben wesentlich verständlicher als die in den Bücher, auch weil hier mit genauen Rezepten und Stoffbezeichnung gearbeitet wird. Es handelt sich hier um ein Wiki, welches sich rund um das Thema Leder beschäftigt, so auch das Gerben und u.a. die herstellung von Pergament. Seit ich die Angaben von dort genau einhalte, hat es dann auch funktioniert. Die Handhabung mit Degen und Baum, sowie den anderen Ausrüstungsteilen ist eine reine Übungs- und Routinesache, auch sollte jeder Interessierte nicht mit hochwertigen Rohwaren üben, am Anfang geht ganz sicher etwas in die Hose. Ich wünsche Dir viel Erfolg und dass Du viel Erfahrung sammeln kannst. Es würde mich freuen, wenn du Deine Arbeit und Ergebnis hier vorstellen und berichten würdest.
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Beitragvon Siegfriedsdottir » 11.08.2010, 10:43

Hui, danke für Euren schnellen Antworten. Ich wollte es auch erst einmal mit Alaun versuchen - auch wegen des Zeitfaktors. Und den Link-Tipp werde ich mal genau studieren.
Ach so, dass Fell(stück) - also ja, es kommt mir vor allem auf das Fell an - ist nicht so sehr groß. Ich würde schätzen es hat ein bisschen mehr als DIN A 3-Größe.

Äm Wetterleuchten :gruebel:, Du gerbst Mäusefelle? Das wiederrum stelle ich mir schwierig vor. Ist die Haut da nicht ganz fein?

Seid herzlich gegrüßt von Siegfriedsdottir
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Beitragvon wetterleuchten » 11.08.2010, 13:45

[ot]
lucius gallus hat geschrieben:dieses "schmutzige" und nicht ehrbare Handwerk.

Öm, wenn man sich die Zustände in historischen Gerbereien, die Begleitumstände verwesender Abfälle, die Gewässerbelastung, die Gesundheitsgefährdung anschaut und dann noch versucht sich vorzustellen, was für ein Knochenjob das dazu noch war, liegt ja wohl nahe, dass der kultivierte Mensch an sich mit sowas lieber nix zu tun haben will. ;-) Allerdings auch keinerlei Berührungsängste mit den Produkten hat.
Gilt ja denke ich so ähnlich heute noch für die Lederverarbeitung in vielen Entwicklungs- und Billiglohnländern [/ot]

Der Link ist übrigens toll.


@ Siegfriedsdottir

Die Mäuse, zu denen kam ich wie die Jungfrau zum Kind *lach* Die erste war ein Katzengeschenk, erste selbsterlegte überhaupt. Und da sie ziemlich frisch tot war, dachte ich so bei mir, dass ich dieses gerben ja eigentlich immer mal ausprobieren wollte und bei so ner kleinen Maus kann nicht viel schief gehen (sehe ich inzwischen etwas anders).
Ein befreundeter Jäger empfahl mir damals, das Fellchen in 1-2%iger Formalinlösung anzugerben bevor ich's ausgerbe. (Ist bei den Minimengen für so Minitiere auch kein Ding. Für größere Häute würd ich's nicht nehmen wollen) Hat prima geklappt. Ausgegerbt habe ich dann mit Lebertran aus der Apotheke. Das Fell wurde wunderbar weich. Kraft und Körpereinsatz darf man natürlich nicht aufwenden, aber zumindest von wilden Feld- und Gartenspitzmäusen habe ich den Eindruck, dass deren Haut doch recht belastbar und elastisch ist.
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Beitragvon lucius gallus » 11.08.2010, 17:12

Mein Tip zum konservieren: die Haut auf einem Rost oder Gitter aus Holz auflegen, sichtbares überschüssiges Fett und Fleisch spontan entfernen, dann mit Salz bedecken so das von der Fleischseite nichts mehr zu sehen ist. Das ganze sollte an einem leicht zugigen nicht zu warmen Ort stehen. Das hat den Vorteil, dass die Haut schnell trocknet und nichts riecht. Von Zeit zu Zeit wieder frisches Salz auflegen. So können die Häute monatelang gelagert weren ohne dass sie verderben oder haarlässig werden.
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Beitragvon Siegfriedsdottir » 13.08.2010, 08:16

Heute morgen war wieder lesen im Zug angesagtv :lesen:. Und nun stand da was von Kalkäschern :gruebel: und beizen in dem tollen Gerberbuch. Ist (kalk)äschern und pickeln das gleiche?
Da stand aber auch, dass man das nicht uuuuunbedingt machen muss, wenn man Alaungerben will, so wie ich es ja vorhabe.
Weiß einer von Euch was es für Auswirkungen haben kann, wenn man auf das (kalk)äschern verzichtet?
Mal schauen, wenn das Wetter trocken bleibt, werden wir heute mal unsere Feuerschale anwerfen, dann habe ich zumindest Holzasche.

Oh je, langsam wird es echt kompliziert und zeitintensiv und aufregend
Grüße von Siegfriedsdottir
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Beitragvon wetterleuchten » 13.08.2010, 10:35

Immer ruhig Blut ;-) Solange das Fell trocken und gesalzen ist, passiert nix und du hast Zeit.
Wenn du auf das (Kalk)äschern verzichtest, passiert in der Hauptsache, dass du ein Riesenrisiko für Haarlässigkeit ausschließt. Das Äschern dient ja zum Aufschluss der Haut bei dicken, schweren Häuten und bei längerer Einwirkzeit zum leichteren enthaaren für die Lederherstellung. Gerade bei dünner Haut hast du da auch ganz schnell irreparablen Haarverlust.

Ich hab keine Erfahrung mit Hirsch/Rotwildhäuten, aber ich denke, die Haut ist dünn genug, dass du ohne großen Aufschluss klarkommen könntest.

Beim Pickeln geht es, so wie ich das verstanden habe, um das sauer einstellen der Häute. Über Pelztierpräperation meine ich mal gelesen zu haben, dass pickeln ganz gut für die Pelzqualität sein soll. Ich selbst habe das noch nie gemacht, zumal Alaunlösung ja auch schon sauer sein sollte.
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Beitragvon Gnom » 30.08.2010, 11:51

Hallo,

wie wetterleuchten schon schrieb, äschern und pickeln ist nicht das selbe. Beides dient dem Hautaufschluss, bringt eine gewisse Weichheit und Zügigkeit in das Leder und erleichtert/ermöglicht das Angreifen der Gerbstoffe auf die Kollagenfasern. Bei einem Äscher geschieht das im basischen Bereich (Weißkalk, Asche), die Haare können abgestreift werden. Felle, bei denen die Haare erhalten bleiben sollen, dürfen nie geäschert werden, weil die Haarwurzeln dabei immer geschädigt werden. Bei einem Pickel geschieht der Hautaufschluss mit Säure, um zu starke Säurequellung des Kollagens zu verhindern wird immer auch eine gewisse Menge Salz zugefügt. Dabei bleiben die Haare erhalten.

Bezüglich Hautaufschluss kann kein Pickel mit einem ordentlichen Äscher mithalten. Die früher oft angewendeten Schwefelsäurepickel haben weiters den Nachteil, dass immer etwas Säure zurückbleibt und im Laufe der Jahre das Leder zerstört.

Lie Grü,
Gnom
Du kannst nicht zweimal in den selben Fluss steigen.
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