Sprangarbeit mit haltbaren Anfangskanten??

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Sprangarbeit mit haltbaren Anfangskanten??

Beitragvon wurm » 15.12.2006, 20:15

hallo, ich wollte Euch Spranger mal was fragen, weil ich das selbst nicht mache:
erstens: Gibt es historische Gesprange mit Anfangskanten in Kamm-/Brettchenband?
zweitens: Wie würde man es hinkriegen, an Anfang und Ende eine feste Kante einzuarbeiten?
Ich habe mir zu Punkt zwei mal Gedanken gemacht, und es würde wohl theoretisch gehen, die Sprangkette vor dem Aufziehen oben und unten in ein Brettchenband zu fixieren. Aber wie soll das praktisch durchgeführt, also bei der Arbeit fixiert werden?

Der Sinn der Frage: Unsere Sprangerin im Museumsdorf weiß zwar ganz schön viel über Sprang, viel mehr als ich. Aber als wir uns unterhalten hatten über eine Tasche aus Sprang, die in der Fläche flexibel sein sollte, aber am Eingriff stabil, da fiel uns keine andere Lösung ein als ein Band oben anzuNÄHEN. Elegenter erschien uns die Idee, das gleich mitzuweben.

Sind wir jetzt völlig in der Utopie, oder geht unser Gedanke da in eine machbare Richtung???
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Beitragvon alina » 16.12.2006, 09:05

Hallo wurm!

Zu zweitens: ich habe schon mehrmals Sprangketten mit angewebter Brettchenborte aufgezogen. (Ich schau 'mal wegen einem Foto).

Statt einesQuerfadens bzw. Hölzchens habe ich die Brettchenkette um die zwei Hölzer rechts und links meines Rahmens gespannt und dann den Faden des (späteren) Sprangstückes mit eingewebt. (Also hoch - durchs Fach - Brettchen gedreht - 'runter - durchs Fach - Brettchen gedreht usw).
(Geht zu zweit am besten: einer spannt die Brettchenketten und schlägt an; der andere zieht das Sprangwerkstück auf.)

Nach dem Aufzug kann man anhand dieser Borte das Werkstück spannen wie wenn man einen Querfaden oben und unten zum Spannen hätte.

Ist halt viel Arbeit beim Aufspannen und die Frage, ob eine angenähte Borte nicht denselben Zweck erfüllt.

Viele Grüße,
Alina.
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Beitragvon Babette » 18.12.2006, 08:19

Ich habe dazu auch noch eine andere Idee.
Erst sprangen dann die Kante anweben.

Dazu würde ich den Schussfaden jeweils als Schlinge in das Geweben legen und die Schlaufen so an dem Sprang befestigen, wie man zwei Sprangteile verbindet. Das könnte dann eventuell weniger Aufwendig sein, sieht aber vielleicht auch nicht ganz so sauber aus weil das gesprangte am Rand meist lockerer ist als in der Mitte.
Das Leben ist nicht fair :-)
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Beitragvon Claudia » 18.12.2006, 11:58

Es gibt einen Fund aus Tegle in Norwegen (3.-5. Jh. datiert, wenn ich mich recht erinnere), wo die Sprangkette gleich so geschärt wurde, daß die Anfangskanten angewebt sind. Das funktioniert ähnlich wie das Schären einer Kette für den gewichtswebstuhl, nur daß man nicht mit einer Brettchenwebkett arbeitet. sonden mit zwei. Man zieht dann eine Schlinge durch die erste Kante (so daß immer zwei Fäden im Fach liegen), bis rüber zur parallel aufgespannten zweiten Kante, dort hindurch, so daß die Schlinge auf der anderen Seite des Bandes etwas drüber raussteht. Dann zieht man eine Kordel durch diese Schlinge und zieht den Faden so an. daß die Schlinge sich um die Kordel schließt und der Faden straff zwischen den beiden Brettchenbändern gespannt ist. Die Kordel wird dann eng an die eine Seite des einen Brettchenbandes gezogen, verhindert aber ein Durchrutschen der Schlinge des zukünftigen Kettfadens.
Mit dieser Kette wurden dann zwei spiegelgleiche Beinwickel gesprangt und in der Mitte noch reichlich Platz gelassen. Dann wurden dort zwei weitere Brettchenketten quer über den Sprangrahmen gespannt , die Sprangarbeit Faden für Faden aufgetrennt und paarweise in die Brettchenborten eingewebt. Die Fäden wurden immer im folgenden Fach noch mal zurückgeschlagen und die Reste zusätzlich noch in die Sprangarbeit eingestopft.

Das Ganze ist von Martha Hoffmann in "The Warp-Weighted Loom" beschrieben worden.
SEEEEHR interessantes Buch :biggrin:
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Beitragvon Sturmkuchen » 22.12.2006, 08:13

Moin!
Da es ja angeblich keine blöden Fragen gibt: Wie werden die oberen und unteren Ränder überhaupt end-bearbeitet? Darauf habe ich beim Durchforsten keine Antwort gefunden (was nicht heißt, dass es sie nicht gibt ...).
Liebe Grüße
Sturmkuchen

Nachtrag vom 05.01.: vikinggirl hat die Randbearbeitung supergut erklärt!!!
Normalerweise fragen die höflich, bevor sie uns ignorieren und tun, was ihnen in den Kram passt. (Jack O'Neill)

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