Glasuren im Mittelalter

Vom Tongewicht für den Gewichtswebstuhl über den Tonwirtel für die eigene Spindel bis zum Kugeltopf - hier wird getöpfert!

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Glasuren im Mittelalter

Beitragvon Sleipnir » 05.04.2006, 10:37

Einen schönen guten Morgen zusammen.

Wer von euch hat eigentlich Ahnung von mittelalterlichen Glasuren auf Gebrauchskeramik?

Ich habe mal gehört, das man mit normalem Kochsalz eine Glasur erzeugen kann. (Soll wohl eine Art Versinterung sein..) Diese Technik solls auch im Mittelalter gegeben haben. Aber diese - einzigen - Ausagen zum Thema, die ich bisher finden konnte sind mir zu vage.

Mich interssiert natürlich besonders das FrüMi, aber natürlich auch alle anderen Epochen.

Wurde überhaupt glasiert? oder wurde die Ware vorher, im ungebrannten Zustand, vorbehandelt?


Fragende Grüße, Sleip
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Beitragvon Alvara » 05.04.2006, 13:15

Tja, schweres Thema.
Soweit ich weiss, gab es bei den Kelten z.b. graphitierte Keramiken und reich bemalte Stücke.

Ich hab hier ne nette Dissertation *g* die sich aber aufs späte Mittelalter und die Frühe Neuzeit bezieht, aber es werden doch kurze Rückschlüsse gezogen: http://elib.uni-bamberg.de/volltexte/2005/3/Textbd.pdf

Da steht, dass bleihaltige Glasuren seit dem 12. Jahrundert bekannt waren, aber kaum eingesetzt wurden....lies am besten selbst nach - ist ne spannende Geschichte *g*

Vielleicht hilfts dir weiter

Lg

Alvara

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Beitragvon Xia » 05.04.2006, 13:36

Hallo,

die von Alvara genannte Dissertation behandelt wohl auf mehreren Seiten als einzigste im Netz Glasuren. Wenn ich allerdings das zusammentrage, was ich hier und da mitgekriegt habe, waren Glasuren selbst im SpäMi nicht besonders üblich. Ich kenne buntbemalte Schüsseln und Teller aus Italien, aus dem deutschen Raum Gefässe die nur innen glasiert waren und natürlich Ofenkacheln. Im Mittelalter waren die Hygieneansprüche andere als heute und man ging davon aus, das sich das Tonzeug selbst irgendwann durch die Speisereste in den Poren abdichtete.

Uni Tuebingen - Band 2-3 Abbildungen als pdf

Burg-Kirkel-Museum

Liebe Grüsse, Xia
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Beitragvon David » 05.04.2006, 14:00

Ab dem 13. Jh. gibt es, regional unterschiedlich, relativ regelmäßige Nachweise von glasierter Gebrauchskeramik. Allerdings handelt es sich hierbei um Bleiglasuren (sehr giftig). Weiterhin gab es Lehmglasuren, die aber technologisch eigentlich keine Glasuren, sondern Engoben sind...
Erst wenn diese Lehmglasuren auf hochbrennende Waren (Steinzeuge) aufgebracht werden, kommt eine Glasur zustande (der Lehmanstrich versintert)
Salzglasuren finden sich aussließlich an Protosteinzeugen und Steinzeugen. Sie wird erzeugt, in dem während des Brennens (bei Höchsttemperatur), reines Kochsalz in den Ofen gegeben wird. Das nun flüchtige Natrium verbindet sich mit den sinternden Silikaten des brennenden Tons.

Die prozentuale Verteilung von glasierter Keramik im gesamten Warenspektrum, hängt wesentlich von Region, Zeit und Funktion ab.

Auf Wunsch kann ich Literaturtipps nachreichen. Bin jetzt nur zu faul. :gaehn:

David

[edit] Die mittelalterlichen Töpfer waren sehr wohl an dichten Gefäßen interessiert. Aus diesem Grund haben sie Jahrhunderte nach einem Verfahren zum Dichtbrennen von keramischen Gefäßen gesucht. Der Weg dahin, lässt sich sehr gut am Frühsteinzeug- Steinzeug erkennen. Um versinterte Keramiken zu brennnen, und somit dichtes Steinzeug zu erhalten, bedarf es des richtigen Materials und der technischen Möglichkeit bei ca. 1200°C zu brennen. Nicht zuletzt wegen dieser technischen Leistungen, waren die rheinischen Töpfereizentren lange führend in Europa...[/edit]
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Beitragvon Alvara » 05.04.2006, 14:18

Sorry, hab gesehen, dass ich ein Leerzeichen vergessen hab *g*
Bitte den Link kopieren, sonst tut sich natürlich nix!!!
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Beitragvon Baerbel » 05.04.2006, 14:25

Hi,

kann nur noch hinzufügen, dass ich im Frühen Mittelalter keine Glasuren kenne.
(Ich erhebe aber nicht den Anspruch, alles zu kennen.)

Grüße
Bärbel
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Beitragvon Sleipnir » 06.04.2006, 13:46

Na da danke ich recht schön für die vielen Antworten, hat schon ziemlich weitergeholfen.
Dann gehe ich mit unglasierter Keramik im FrüMi also einen richtigen Weg....


Wie schaut es mit anderen Oberflächenbehandlungen aus? Habe in einem "Kreativ-Handbuch" gelesen, das man die Oberfläche von Tongefäßen durch Abreiben im lederhartem Zustand erstaunlich dicht bekommt. WIe siehts also mit Funden aus, wie ist die Innenseite der Stücke beschaffen? Habe leider überhaupt keine Fachliteratur zum Thema.


LG Sleip
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Beitragvon Xia » 06.04.2006, 14:16

Hallo Sleip,

aus der Töpferrei, in der ich regelmässig bin zum töpfern, habe ich die Erfahrung gemacht, das man durch schmirgeln vorm ersten Brand und anschliessendes Abreiben mit einem feuchten Tuch, die Oberfläche relativ glatt bekommt, ob sie dicht ist, weiss ich leider nicht. Durch das feuchte Tuch oder den feuchten Schwamm wird die Oberfläche nochmal leicht "matschig" und die Oberfläche hat einen sauberen Abschluss.

Allerdings werden Keramikwaren durch den bereits angesprochenen Aspekt dicht: Speisereste verstopfen die Poren und dichten die Keramik auf natürliche Weise ab.

Allerdings hat Alvaras Link Uni-Bamberg Textbd pdf eine riesige Literaturliste an Keramik im Anhang, ich weis allerdings nicht nach was Du suchst, ich hatte sie letztens mal nach Büchern durchgeforstet, die Glasuren behandeln, aber bis auf eines nichts brauchbares gefunden, vielleicht hast Du mehr Glück ;-)

Liebe Grüsse, Xia
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Beitragvon Sleipnir » 07.04.2006, 10:26

Ok, dann werde ich mal die Liste durchstöbern und eventuell die Fernleihe in Aufruhr versetzen. Aber eine Frage hätte ich noch - is das nicht ein bisserl "unhygienisch" mit den Speiseresten? Klar es wurde wohl so über einen langen Zeitraum praktiziert, aber dasDing ist ja, das ich diese Keramilen dann nur an wenigen Tagen im Jahr benutzen würde. Ich denke, bei einem täglichen Gebrauch werden sich keine großen Keimherde bilden können, aber wenn ich mir vorstelle, ich habe in meinem Haferbrei noch Partikel der Fischsuppe von vor zwei Wochen... :gruebel:

LG Sleip
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Beitragvon Alvara » 07.04.2006, 13:21

wie unhygienisch?
:biggrin:
Ein gesunder Bakterienstamm sollte vorhanden sein :wacky: ..

nee, ich denke, wenn es trocknet oder die Funktion des Ölens erfüllt und nicht schimmelt, dann ist das es doch nicht ganz so arg.
Ich meine - Bakterien findet man allerorten, war da nicht die auch die Geschichte mit den Koli-bakterien auf Zahnbürsten, die einfach durch die Luft...

Ausserdem hat Xia ja von damaligen Zuständen gesprochen - und auf die anderen Hygienumstände hingewiesen.

Ich würde - authentische Darstellung hin oder her - nichts machen, bei dem ich mich nicht wohlfühle...

LG

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