Farbe von Ton?

Vom Tongewicht für den Gewichtswebstuhl über den Tonwirtel für die eigene Spindel bis zum Kugeltopf - hier wird getöpfert!

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Beitragvon David » 12.05.2006, 18:23

Hallo,

es gibt mittelalterliche Keramiken die nach dem Brennen eine sehr hellen, fast weißen Scherben bilden. Bspw. die sog. "Buocher Feinware".
Hier ein paar Repliken auf der Seite der Familie Jerusalem: hier
Die Pingsdorfer Waren sind ähnlich, aber wesentlich gelber...

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Beitragvon Baerbel » 12.05.2006, 18:27

Hi @all,

@Sleipnir
Ich denke schon, dass Du Ihn verwenden kannst.
Ich hatte mal "in natura" tonige Erde in der Hand, die sehr hell war - fast kaolinartig - einfach so bei Erdarbeiten draußen gefunden.

Ich habe zwar keine Erfahrung mit dem Brennen dieses hellen Tons, aber bei den üblichen vorgeschichtlichen Brennmethoden (nicht mittelalterlichen!! - da habe ich nicht so die Erfahrung) müßte auch sehr heller Ton einen - zumindest äußerlich - roten (oxidierend = unter Sauerstoffzufuhr, ziemlich heiß) oder gräulich-schwarzen (reduzierend = unter Sauerstoffabschluss, nicht ganz so heiß) Scherben ergeben.

In der Vorgeschichte hat man meist, diese beiden Farbextreme (mit allen Varianten, auch mittel- bis dunkelbraunen, dazwischen). Ab der römischen Keramik (und regional auch im MA) gibt's aber auch deutlich hellere Scherben, von gelblich über hellbeige bis grauweiß. Wie genau die hergestellt wurden, entzieht sich aber bisher meiner Erkenntnis. (Faststeinzeug und Steinzeug ab dem ausgehenden HoMi hat dann durch extrem heißen Brand innen einen sehr hellen Scherben.)

Probiere doch einfach mal aus, wie Dein Ton nach dem Brennen wird - aber nicht in einem modernen Brennofen, sondern mit verschiedenen vorgeschichtlichen und geschichtlichen Ofentypen (vom offenen Feldbrand angefangen, bis zu stehenden oder liegenden Öfen mit separater Brennkammer). Wäre echt interessant, was da rauskommt. :exclaim: :wideeyed:

Man merkt vielleicht, dass mich das Thema interessiert :biggrin: (und ich noch viele Fragen habe). Vielleicht werde ich mich auch irgendwann mal dementsprechend in Versuche stürtzen :gruebel: (bisher verfolge ich nur die eines guten Freundes mit wachsendem Interesse).

Liebe Grüße
Bärbel
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Beitragvon Baerbel » 12.05.2006, 18:33

Upps ...

da haben sich unsere Beiträge überschnitten.

Danke David, ich dachte auch u. a. an Pingsdorfer ... :nicken:

Grüße
Bärbel
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Beitragvon Knecht Thom » 25.02.2007, 18:32

Bei uns im Südhessischen bzw. im Rhein Main Gebiet,war im 13./14Jrhdt. Manganviolette Ware sehr verbreitet.Sie hat eine dunkle violette Farbe.
Mehr darüber hier:
http://www.opus-bayern.de/uni-bamberg/v ... Text14.pdf
Gruß Thom
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Beitragvon André » 26.02.2007, 09:15

Hi Thom,

Woher kommt diese Färbung? Ich habe das pdf gerade mal mit dieser Zielstellung überflogen, aber keine Aussage dazu gefunden? Handelt es sich um einen speziellen Ton, eine Beimischung oder ergibt sich die Färbung erst mit dem Brand? Zumindest handelt es sich um keine spezielle Bemalung, wenn ich das richtig sehe...
André
 

Beitragvon Knecht Thom » 26.02.2007, 19:12

Hi Andre,
es ist gar nicht so einfach darüber etwas zu finden.Ich suche auch schon ne zeitlang vergebens,um mehr info's zu erhalten.Vielleicht suche ich nur falsch.
Aufmerksam wurde ich durch das Buch:
Stadtluft,Hirsebrei und Bettelmönch. Die Stadt um 1300 ISBN3-8062-1059-4
Hab dann versucht mehr darüber zu erfahren.So weit ich es verstanden hab ensteht diese Farbe durch hohe Brenntemperaturen(1200°c).Also Gefäße mit Brennhautbildung und Ascheflug.
Vlt. gibt es hier jemanden der noch mehr dazu sagen kann oder Tips hat,wo man mehr Info's beziehen kann.Bisher hab ich die Info's über das oben genannte Buch und über Google(Uni Bamberg-manganviolette irdenware).
Wenn ich noch mehr Info's darüber habe,setze ich sie hier noch rein.
Sorry,das ich im moment noch nicht mehr darüber sagen kann.
Gruß Thom
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Beitragvon André » 27.02.2007, 15:05

Erst mal danke Thom. Hab auch grad in das genannte Buch geschaut - da stehen leider auch keine genaueren Infos...
André
 

Beitragvon Claudia » 27.02.2007, 20:12

*Tieflufthol*
Aaaaalso:
Man muss erst mal unterscheiden, welche Farben durch Metalloxide im Ton und welche durch das Brennverfahren erzeugt werden.

Metalloxide:
Wenn man Tone oxidierend brennt, bestimmen die Metalloxide die Farbe des Scherbens.
Tone ohne oder fast ohne Eisenoxid sind vor dem Brennen weisslich bis dunkelgrau und nach dem Brennen weiss/hellgrau oder ganz hell gelblich.
Tone mit Eisenoxid sind vor dem Brennen ockergelb bis rotbraun und haben nach dem Brennen verschiedene Abstufungen von Gelb bis Ziegelrot. Ein Ton, der vor dem Brennen gelb ist, ist aber nach dem Brennen nicht unbedingt auch gelb!! Meist ist er dann richtig schoen knallrot.
Die manganviolette Ware entsteht durch Mangan (oder Manganoxid?) im Ton, was zu Mangandioxid oxidiert. Diese Tone sehen vor dem Brennen auch dunkelgrau aus. Heutzutage wird das durch Manganzusatz erreicht - im MA nehme ich eher oertliche Tonvorkommen mit Mangan an.
Uebrigens Vorsicht: viele Hersteller von Repliken mischen dem Ton Mangan bei, um einen reduzierenden Brand zu imitieren! Wer allerdings schon mal wirklich reduzierte Ware gesehen hat, erkennt die Mangan-Fakes sofort. Insofern wuerde ich auch davon abraten, auf Toepfer zu hoeren, die dann sagen "sieht doch sowieso keiner".

Brennfarben:
Was im oxidierenden Brand passiert, habe ich ja oben schon erlaeutert - da bestimmt vorwiegend das Tonmaterial die Farbe. Wenn nicht im modernen Elektroofen gebrannt wird, sondern in einem Ofen, der noch mit Holz oder Kohle beheizt wird, entstehen allerdings haeufig auch noch Anfluege von Metalloxiden aus dem Holz, die dann leicht unterschiedliche Faerbungen hervorrufen koennen. Die Farbe wird einfach nicht so "klinisch rein" wie bei einem Elektroofen.

Beim reduzierenden Brand werden die Metalloxide wieder in ihre metallische Form reduziert. Dadurch wird der Scherben aussen in der Regel blauschwarz und innen grauweiss, selbst wenn der Ton vorher rot oder gelb war!

Bei noch aelteren Verfahren wie dem Grubenbrand oder sehr einfachen Oefen, wo die Keramik direkt mit dem Brennmaterial in Kontakt kommt, entsteht eine glaenzende schwarze Schicht auf der Keramik (ich glaube das ist "Glanzkohlenstoff"), aber der Scherben ist in der Regel nicht durchreduziert und deshalb im Inneren immer noch rot, wenn ein eisenoxidhaltiger Ton verwendet wurde.
Nagelt mich bei dieser Brennart bitte nicht auf chemische Angaben fest - das weiss ich jetzt selber nicht so genau.


"Scherben":
DER Scherben ist das Material eines beliebigen Gefaesses oder einer Figur - wasauchimmer - nach dem Brennen.
DIE Scherbe ist das Bruchstueck.
Claudia
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Beitragvon André » 28.02.2007, 14:14

Danke Claudia! :biggrin: Auf diese Antwort habe ich eigentlich schon seit ein paar Tagen gewartet! :biggrin:

Also genau, wie ich's mir dachte - der Ton enthält Mangan und durch den Brand entsteht eine manganviolette Farbe.

Claudia: :keks: ?
André
 

Beitragvon Knecht Thom » 28.02.2007, 18:54

Hi Claudia,
super!Vielen Dank!
Gruß Thom
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