Cordaillot

Hier geht es um Bänder nach historischen Vorlagen. Wer hat Vorlagen, aus welcher Zeit gibt es welche Funde?

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Beitragvon Jungraban » 18.02.2020, 23:31

Schleuderbrief
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Re: Cordaillot

Beitragvon Jungraban » 18.02.2020, 23:37

Hi Leuts,
Ich arbeite seit längerer Zeit an der Rekonstruktion dieser Schleuder. Sie stammt aus dem Schweizer pfahlbau kontext. Eine altersbestimmung findet gerade statt. Höchst wahrscheinlich ist sie Römisch. Laut textilexpertin ist es ein Brettchen Gewebe. Ich selbst bin eher im flechten beheimatet. Daher meine Frage. Kennt jemand vergleichbares und wie ließe sich so etwas mit brettchen umsetzen? Ich wäre sehr gerne an ein Regen Austausch interessiert.
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Re: Cordaillot

Beitragvon Verry » 20.02.2020, 18:46

Könnte man mit Brettchen sicher umsetzen, allzu geschickt wäre es aber nicht. Vielleicht haben die Nadelbinder einen Tipp?
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Re: Cordaillot

Beitragvon blue » 21.02.2020, 23:44

Verry warum?
Also Schärung S/Z und dann das ganze zur Spitze zulaufen lassen. Also immer ein Brettchen (abwechselnd R und L) herausnehmen und die Kettenden als Schußfaden durchführen.
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Re: Cordaillot

Beitragvon Jungraban » 22.02.2020, 00:17

Die beiden Hälften im Bild gehören zusammen. Sie wurden, warum auch immer, nach der Bergung getrennt
Das heißt ich beginne an einer Spitze, werde breiter um dann wieder zu verjüngen.
Zunahme stellen im Gewebe sind eindeutig feststellbar. Noch etwas, das ich bei einem Brettchen Gewebe noch nie sah, ist der reliefartige dickere mittelfaden. Er ist nur von einer Seite erhaben. Ist euch ähnliches bekannt?
Nadel gebunden ist definitiv ausgeschlossen.
Dieser mittelfaden ist funktional und nicht nur Zierde. Seine Verlängerungen bilden die läufe der Schleuder.
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Re: Cordaillot

Beitragvon Jungraban » 22.02.2020, 00:36

Das ist eine meiner Repliken. Allerdings nicht Brettchen gewebt.
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Re: Cordaillot

Beitragvon Glaskocher » 27.02.2020, 22:04

Ich vermute, daß das Trennen der Hälften versehentlich beim Reinigen geschehen sein könnte, als der "Dreck" dazwischen entfernt werden sollte und die "Tasche" aufgebogen wurde.

Konntest Du die beiden Teile mal im Original ansehen? Manchmal erkennt man am Objekt mehr als im Foto. Es ist leider nicht so übermäßig kontrastreich auf der Oberfläche der beiden Teile. Besonders die Bruchkante müßte Einiges über den Fadenlauf im Gewebe zeigen. Ich erkenne Längsreihen von Querstrukturen, die an "Freundschaftsbändchen" erinnern, die aus Garnen geknüpft wurden. Gibt es eine Vermutung, aus welchen Fasern das Teil hergestellt wurde? Man kann verschiedene Pflanzenfasern unter dem Elektronenmikroskop unterscheiden. So wurde erkannt, daß ein bronzezeitliches Tuch aus Nesselfasern gewebt wurde ( Grabhügel Lusehøj ).

Rein vom Gefühl her würde ich die "Tasche" in Anlehnung an Makramee knoten. Etwas vor der Mitte der Schnur würde ich feste Garne mit Weblienensteks oder Würgeknoten (zusätzlicher Überhandknoten UNTER dem Webleinenknoten mit beiden Enden gelegt) befestigen. Die Enden des ersten Garnes werden parallel zur Schnur helegt und mit dem zweiten Garn mit gleichen Knoten umknotet, um mehr Breite zu erreichen. Die Enden des zweiten Garnes werden zu denen des Ersten parallel gelegt und alle mit dem Dritten umknotet. So müßte sich rechts und links der Schnur eine Gewebefläche bilden, deren Länge man durch Einknüpfen von weiteren Garnen (als reiner Schußfaden ohne Breitenzuwachs) regulieren kann. Zum Abschluß werden dann die Längs-Garne wieder quer über das restliche Material verknotet. Mit etwas Übung müßte man es schaffen, die "Tasche" zu einer flachen Pyramide zu formen, um ihre Form um den Stein "greifen" zu lassen. Dort, wo sich die vier "Viertel" in der Mitte treffen müßte deren Spitzenwinkel unter 90° liegen.

Beschreibe doch mal, wie Du die abgebildete Replik gemacht hast. Eventuell ist das garnicht so weit vom Fund entfernt und Du mußt nur etwas anderes Material verwenden.

Das sind nur Vermutungen, da ich bisher noch keine derartigen Repliken gemacht habe.
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Re: Cordaillot

Beitragvon Verry » 02.03.2020, 22:13

Genau wegen der zwei Spitzen denke ich mal nicht an Brettchengewebe. Als Abschluss ist das klar gut machbar, aber als Anfang schon recht eierig, da muss ja dann gleich Spannung drauf....
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Re: Cordaillot

Beitragvon Allyfants » 05.03.2020, 13:20

Ich glaube auch nicht an Brettchenborte. Ich habe schon einen Spitzenanfang gemacht: Das mache ich nie wieder, erst Recht nicht für einen Alltagsgegenstand.
Auch die dicke Wulst in der MItte, die nur einseitig auftaucht... da kann ich mir keine Technik vorstellen, um das beim Brettchenweben hinzubekommen.
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