Wäsche Waschen

Wie man Seife selber macht und wie man gute Düfte da hineinbekommt.

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Beitragvon blanche_fleur » 20.10.2010, 12:42

ja, Wäsche wurde im Mittelalter gewaschen, für die Leinenwäsche weiss ich das sicher, da es von vielen Klöstern unzählige Abrechnungen für die Leistung von Waschfrauen gibt. Die Hospitaliter schrieben für Ihre Xenodochien (eine Art Krankenhaus) vor, dass jeder Patient ein eigenes Bett mit 2 Leintüchern und einer Wolldecke erhielt, wobei die Leintücher mindestens wöchentlich gewechselt werden sollten.

Noch etwas zur Seife. Ich hab am Fernsehen mal gesehen, wie eine türkische Frau "Seife" kochte auf der Basis von Olivenöl und Asche. Zur Asche sagte sie, dass es nur mit bestimmten Hölzern gehe (sie nahm dazu einen ginsterähnlichen Strauch). Die Asche war in der Doku bereits aufbereitet, d.h. für eine gewisse Zeit im Wasser eingeweicht. Die Frau kochte dann dieses Aschewasser massiv ein, liess das nochmals auskühlen, gab dann das Öl dazu und kochte diese Mischung nochmals ein. wie lange diese vorgänge dauerten, war nicht so klar, das Endprodukt war aber eine weiche Masse, wie schmierige Butter, die von der Frau (nach einigen Tagen aushärten?) mit einem Draht geteilt werden konnte.
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Beitragvon Draca » 20.10.2010, 13:16

... und irgendeine Art von transportierbarer Seife muß es auch schon im 8. Jhd. gegeben haben. Die Landgüterverordnungen Karls des Großen schreiben explizit vor, daß die Amtsmänner der Königsgüter zu bestimmten Feiertagen festgesetzte Mengen von Wachs und Seife an den Königshof zu liefern hatten.

Ob damit dann allerdings Kleidung, Leute oder sonst was gewaschen wurde, dafür müßte man schauen, ob es irgendwelche Aufzeichnungen zu Wäscherinnen-Löhnen und Lieferungen von Seife an die Wäschereien gibt. Aber bei Karls Bürokratismus sollte sich das sicher finden lassen, wenn solche gibt.

LG Draca
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Beitragvon Juno » 20.10.2010, 13:36

blanche_fleur hat geschrieben:für die Leinenwäsche weiss ich das sicher, da es von vielen Klöstern unzählige Abrechnungen für die Leistung von Waschfrauen gibt. Die Hospitaliter schrieben für Ihre Xenodochien (eine Art Krankenhaus) vor, dass jeder Patient ein eigenes Bett mit 2 Leintüchern und einer Wolldecke erhielt, wobei die Leintücher mindestens wöchentlich gewechselt werden sollten.

Draca hat geschrieben:...die Amtsmänner der Königsgüter zu bestimmten Feiertagen festgesetzte Mengen von Wachs und Seife an den Königshof zu liefern hatten.


Das deutet doch aber eher darauf hin, dass zu Besonderen Anlässen, dort wo man es bezahlen konnte und unter Bedingungen, bei denen Hygiene eine besondere Rolle spielte, gewaschen wurde.
Wie das mit dem Waschen bei "einfachen Leuten" aussah, ist wohl ziemlich schwer rauszufinden, schließlich verrottet ja alles, was man dazu benutzt - und Frau Bauer hat wohl kaum Buch geführt über ihre Waschtage, so es denn welche gab ;-)
Bei sakralen Gewändern könnte ich mir auch vorstellen, dass die nicht gewaschen wurden, bei empfindlicher Goldstickerei, Seide etc. bot sich vielleicht ein Auslüften eher an, zumal diese Kleidung ja nicht 10 Stunden täglich bei harter Arbeit durchgeschwitzt wurde.
Ich kenne es sogar von uns zu Hause, dass extrem empfindliche Kleidung, die nicht in dem Sinne "benutzt" werden, nur durchgelüftet wird.Das sind lediglich Überlegungen einer Ahnungslosen.
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Beitragvon blanche_fleur » 20.10.2010, 14:07

Meine Aussage deutet auf genau zwei Dinge hin: erstens: Es war kein absolut abwegiger Gedanke, etwas zu waschen, sondern eine Tätigkeit, die genug häufig vorkam, dass sie als bezahlte Arbeit in Erscheinung tritt und zweitens: die Mönche haben nicht selber gewaschen. Alles andere wäre wilde Spekulation.

genauso spekulativ finde ich es aber, zu behaupten, ein Bauer habe seine Kleidung nicht gewaschen weil er a) keine Zeit hatte; b) es nicht für nötig hielt oder c) keine Möglichkeit dazu hatte.
Eben genau weil wir von unseren heutigen Standarts ausgehen halten wir es doch für beinahe "unmöglich" dass die Menschen früher mit einem vernünftigen Aufwand Ihre Kleidung und Körper "sauber" hielten. Doch zwischen Persil-Rein und lebenslang ungewaschene Lumpen gibt es doch im wahrsten Sinne des Wortes unzählige Schattierungen ;-)
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Beitragvon Amalie » 21.10.2010, 10:16

@blanche: amen! :-)
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Re: Wäsche Waschen

Beitragvon romylein » 04.10.2020, 09:06

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man im Mittelalter mit Roßkastanie und/oder Efeu gewaschen hat. Die klein schneiden/shreddern und im Wasser eine Stunde oder auch länger ziehen lassen und dann kann man das im Grunde schon für die Wäsche verwenden. Dazu braucht man keine Chemie und alles war auch im Mittelalter vorhanden.
Viele Grüße
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Re: Wäsche Waschen

Beitragvon Verry » 06.10.2020, 22:32

Ich vermute mal, das ist auch ein lokaler Unterschied. Wenn die Wäsche z.B. im Fluss gewaschen wird, ist der Sud vermutlich zu flüssig.....

(kurzer Hinweis: Der Thread ist von 2010. Vermutlich wird da nicht mehr unbedingt eine Antwort von den früheren Teilnehmern kommen....)
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Re: Wäsche Waschen

Beitragvon Glaskocher » 07.10.2020, 21:11

Die Rosskastanie kam erst recht spät (1576 Wien) nach Mitteleuropa. Siehe Wikipedia

Wie man sie in ihrer Heimat genutzt hat müßte man dort erforschen.
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