Alter und Nutzung der Seife?

Wie man Seife selber macht und wie man gute Düfte da hineinbekommt.

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Alter und Nutzung der Seife?

Beitragvon steffi241 » 02.04.2007, 21:14

Hallo ihr Lieben,
ich experimentiere gerade mal wieder wegen dem Färben von Leinen. Und im Rahmen dessen suchte ich nach einem authentischen "Waschmittel". Kann mir jemand sagen wie alt Seife ungefähr ist und ob man sie zum waschen von Kleidung/Stoffen überhaupt verwendet hat?

Bei Wikipedia habe ich gesehen, dass sie uralt ist, aber weiß jemand, wo genau sie verbreitet war zu was man sie verwendet hat? Gibts dazu irgendwelche Literatur? Kennt jemand viell. sonst noch irgendwelche authentischen "Waschmittel"?

Ist eigentlich bekannt, was die "alten" Seifen so an Inhaltsstoffen hatten? Denn Olivenöl oder Jojoba, u.v.m. klingen für mich gaaanz neumodisch!
Liebe Grüße, Steffi

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Beitragvon Claudia » 02.04.2007, 22:41

Ich habe auch mal für Quellen danach gesucht, bin aber außer ein paar wenigen Hinweisen bisher vollkommen ins Leere gelaufen.

Ich hab gelesen, daß die Germanen Seife gekannt haben sollen (die Römer nicht, die reinigten sich mit Öl und Striegel), daß sie es mehr als "Haargel" benutzt haben sollen, als als Reinigungsmittel, konkrete Primärquellen weiß ich aber keine :-(
Wenn da jemand Literaturtips hat, wäre ich sehr dankbar.

Im MA gab es Seife (aufgrund der verwendeten Laubholzasche in unseren Breiten Schmierseife, keine feste Seife), aber zum Waschen von Stoffen wurde sie nach allem,was ich weiß, nicht verwendet. Noch im 19. Jh. wurde in vielen Gegenden (ich weiß es für Schottland und aus dem Buch "Die Färbemethoden der alten Letten" für Lettland) nur Lauge aus Holzasche zum Waschen benutzt. Die Wäsche (ins besondere das Leinen) wurden dabei mit besonderen Wäscheschlegeln bzw. -klopfern gründlich durchgeklopft, um auf diese Weise den mit Hilfe der Lauge angelösten Schmutz aus dem Stoff zu entfernen. Das ist eine ziemlich rauhe Behandlung, aber Leinen verträgt das recht gut (es wird sogar geschmeidiger und weicher dadurch). Diese "Wäsche-Verprügel-Geräte" ;-) findet man heute gelegentlich noch auf Flohmärkten.
Zu Wolle schreibt Margaret Wade Labarge, daß es für das 13. Jh. in England Quellen gibt, die belegen, daß Wollstoffe, wenn sie zu schmutzig und unansehnlich wurden, zum Aufrauhen und Scheren geschickt wurden. Da wurde dann sozusagen die oberste dreckige Schicht runtergeschoren und eine neue saubere Oberfläche freigelegt. Sie hat zwei Rechnungen der Countess of Leicester (die für eine Countess nicht grad übermäßig reich war), um das zu belegen. Wie weit das verbreitet war, wage ich allerdings nicht zu beurteilen.

Ich habe mir im letzten Sommer von unserem Lager aus Schweden ca. zwei Kilo Birkenasche mitgebracht, um sowohl die Seifenherstellung damit wie auch das Waschen mit Aschenlauge und die Verwendung als Beize fürs Färben mal auszuprobieren.

Wenn mir jemand aber noch vernünftige Literatur zur Geschichte der Seife vor 1500 nennen könnte, wäre das wirklich prima.
Claudia
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Beitragvon steffi241 » 10.04.2007, 18:53

Hallo,

erstmal vielen Dank für deine Antwort :-) .

Claudia hat geschrieben:Ich habe mir im letzten Sommer von unserem Lager aus Schweden ca. zwei Kilo Birkenasche mitgebracht, um sowohl die Seifenherstellung damit wie auch das Waschen mit Aschenlauge und die Verwendung als Beize fürs Färben mal auszuprobieren.


Hast du schon Erfahrungsberichte bezüglich dem Waschen?
Liebe Grüße, Steffi

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Beitragvon Alvara » 10.04.2007, 23:20

Huhu!

Ha, das trifft sich gut *g* - da steuer ich doch glatt nen Text bei, den meine kleine (11 Jahre alt) mühevoll recherchiert hat und in die Schule mitnahm, nachdem uns das "Seifen" voll erwischt hat. Die meisten Worte sind von ihr, einige von mir :biggrin:
Und ich habe die Genehmigung, ihn zu veröffentlichen :wacky:

******

Seit Jahrtausenden kennen und benutzen die Menschen Seife. Auf einer sumerischen Tontafel, die mehr als 4000 Jahre alt ist, steht ein sehr altes Seifenrezept und auch die meisten nordeuropäischen Völker , z. B. die German und Kelten, kannten und benutzten Seife. Das behaupten jedenfalls die römischen Geschichtsschreiber ;-). Auch die alten Ägypter hinterliessen Seifenrezepte (ca. 2700 vor Ch.).

In allen überlieferten Rezepten, das sind die, die man heute wiederentdeckt hat, wird davon gesprochen, dass eine Mischung aus Pottasche und Ölen gekocht wird. Diese Seife sah aber ganz anders aus als heute und wurde auch gar nichts zur Körperpflege genutzt. Ganz oft wurden damit die Kleider gereinigt oder als sie war Medizin bei Hauterkrankungen.

Die Germanen und Kelten benutzen die Seife dann erstmals als Kosmetik: sie bleichten damit ihre Haare oder benutzen sie als „Haarwachs“, die Römer kamen erst ca. 200 nach Ch. Auf die Idee, Seife auch zur Körperpflege zu nutzen.

Die Araber setzten der Seife eine neue Zutat bei, Ätzkalk . Das machte die Seife hart, und damit war die feste Seife erfunden! Das Datum genaue Datum ist unbekannt.
Im Mittelalter kam das Seifensiedens über den vorderen Orient nach Mitteleuropa: zunächst waren die Reichen und Mächtigen im Genuss der duftenden Kosmetik, später, als Badehäuser auch den breiten Massen zur Verfügung standen, kam auch das einfache Volk in den Genuss der Seife.

*********************

So, ich verfüge über keine Quellenangaben - aber ich denke, das ist ein rerlativ normaler Aufsatz *g*....Schulkram eben.

:-) :trampolin: :wacky: :biggrin:


Liebe Grüsse

Alvara
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Beitragvon Versix » 11.04.2007, 11:44

:akademiker: Respekt vor der (11jährigen) Autorin ! :dankeschoen:
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