Wäsche Waschen

Wie man Seife selber macht und wie man gute Düfte da hineinbekommt.

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Wäsche Waschen

Beitragvon Kara » 06.01.2010, 21:21

So wünsche ich einen guten Abend.

Kann jemand von Euch sagen mit was die Frauen im Mittelalter am waschtag gearbeitet haben? ist das die selbe Seifen wo sie auch am Körper benutzen?


Vielen Dank
greetings Kara


Fehler sind wie Berge, man steht auf dem Gipfel seiner eigenen und redet über die der anderen. Hausa

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Beitragvon Sandra » 07.01.2010, 07:47

Zum Waschen kann man auch Aschlauge verwenden (einfach nur Asche mir Wasser aufgießen). Das hat man allerdings sicherlich nicht für den Körper genommen, denn das ist relativ scharf.

In wie weit normale Seife dazu verwendet wurde, kann ich nicht sagen. Aschlauge ist deutlich einfacher herzustellen, aber das schließt die Verwendung von Seife ja nicht aus.
Liebe Grüße, Sandra

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Beitragvon perchta » 11.01.2010, 17:17

Um die Lauge ein wenig sauberer hinzubekommen, kann man die Asche (am besten richtig weiße Asche von Harthölzern) auch durch ein Tuch filtern.

lg Perchta
Webst du schon, oder ziehst du noch auf?
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Beitragvon Isa » 14.10.2010, 15:25

hmm, weiß jemand was über die Verwendung von Seifenkraut? Eigentlich müsste doch bei dem Saponingehalt Wäsche waschen drin sein, oder?

LG Isa
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Beitragvon Nadeln » 15.10.2010, 11:59

Soviel ich weiß, werden oder wurden wertvolle bestickte Kirchengewänder in einem Sud aus Seifenkraut gewaschen.
Viele Grüße
Nadeln
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Beitragvon Regilla » 20.10.2010, 08:33

Ich möchte Euch ja nicht frustrieren, aber ich denke, manche Dinge sind komplizierter. Ich denke nicht, dass es im Mittelalter Seife gab, wie wir sie heute kennen. Man braucht für Seife Fett und Natronlauge. Natronlauge gab es mit Sicherheit nicht in dem Reinheitsgrad, wie man sie heute bekommt.
Man kann aus 300kg Pflanzenasche 1kg Pottasche gewinnen. Nimmt man Meerespflanzen, erhält man anstelle von Pottasche Soda. Kocht man Soda, bekommt man Natronlauge, was auch wieder mit einem Gewichtsverlust verbunden ist.
Nimmt man für die Seifenherstellung anstelle von Natronlauge/Soda
Kalilauge/Pottasche erhält man Schmierseife, die cremig ist, aber von der Reinigungswirkung her genauso funktioniert.
Seifenstückchen, wie sie heute auf Mittelaltermärkten verkauft werden, sind nur mit moderner Chemie herstellbar, bei den damaligen Möglichkeiten war Seife mit Sicherheit etwas sehr Kostbares und weich.
Liebe Grüße,
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Beitragvon Nefertari » 20.10.2010, 09:31

Liebe Regilla,
vielen Dank für diesen Exkurs. Habe gerade wieder viel dazugelernt. Was hast Du gelernt Chemikerin oder hast Du Dir das Wissen im Zuge des Mittelalter-Interesse angeeignet?

LG Nefertari
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Beitragvon Amalie » 20.10.2010, 10:06

Regilla hat geschrieben:bei den damaligen Möglichkeiten war Seife mit Sicherheit etwas sehr Kostbares und weich.

Da Seife selbst im 18. Jh. definitiv noch teuer war, dürfte das fürs Mittelalter erst recht gelten. Fürs 18. weiß ich, daß die Wäsche in Laugenwasser eingeweicht wurde. Seife wurde nur für feine Wäsche verwendet, für Seide z.B. Durchaus möglich, daß das im MA genauso gemacht wurde.
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Beitragvon Regilla » 20.10.2010, 11:08

Ich bin Chemikerin, ja.
Zur Wäsche noch: Die alten Römer haben zum Wäsche waschen Urin gesammelt. Wenn der sich zersetzt bildet sich Ammoniak. Ammoniak ist schwach alkalisch, niemals so stark, dass Wolle geschädigt wird. Wenn man jetzt fettige Wolle mit dem Urin erhitzt, bildet sich Seife, die die Wolle reinigt. Wie das im Mittelalter gemacht wurde, weiß ich nicht.
Liebe Grüße,
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Beitragvon Hîdril » 20.10.2010, 11:18

Mal eine ketzerische Gegenfrage: Wurde im Mittelalter überhaupt Wäsche gewaschen? Also Wollkleidung wäscht sich ja sozusagen von selber. Und wie viele Leute hatten wirklich die Möglichkeit, andere Klamotten anzuziehen, während der eine Satz Wäsche nass war? Wir dürfen hier nicht von unseren heutigen Bedürfnissen nach Sauberkeit und unseren Möglichkeiten, an Stoffe zu kommen, ausgehen. Da brauchen wir gar nicht so weit in der Zeit zurückgehen, nur bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts. Aus Erzählungen meiner Mutter und Großmutter weiß ich, dass selbst Bettwäsche nicht so üppig vorhanden war, dass man oft im sogenannten "Rohbau" schlafen musste, weil die Laken noch auf der Leine hingen und noch nicht trocken waren.

Und ob Seide wirklich gewaschen wurde, möchte ich mal anzweifeln. Ich ziehe da meine Erfahrungen aus Japan. Dort werden Seidenkimonos zum Beispiel auch nicht gewaschen, sondern nur gelüftet, weil die kostbare Seide sonst Schaden nehmen könnte. Und im Mittelalter dürfte Seide ungleich kostbarer gewesen sein als im heutigen Japan.
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