Axt/Werkzeugstiele

Was man nicht kaufen kann, muß man sich eben selber bauen. Hier geht es darum, wie man sich Werkzeuge und Arbeitsgeräte von der Dreule bis zum Gewichtswebstuhl selber bauen kann.

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Axt/Werkzeugstiele

Beitragvon Sleipnir » 07.07.2005, 12:30

Hallo zusammen.
Durch den Thread über die Daneaxt ist mir die Frage gekommen, wie eigentlich die Stiele von Äxten und Werkzeugen im Mittelalter befestigt/verkeilt wurden. Bei meinen Äxten handhabe ich das folgendermaßen: Quasi in Verlängerung des Axtblattes säge ich den Stielkopf ein, ungefähr bis zur Hälfte der Höhe des Axtauges, und treibe dann einen Holzkeil soweit ein wie es möglich ist. Hat sich in den meisten Fällen gut bewährt, ist nur recht anfällig bei Trocknungsprozessen. Deswegen erhalten meine Äxte ein-zweimal im Jahr ein Wasserbad über Nacht, damit die Stiele wieder quellen können.
Wie wurde es nun aber im MA gemacht? Seit wannund für welche Funktion wurden Metallkeile verwendet? Gibt es überhaupt irgendwelche Quellen?
Freue mich auf eure Antworten
Grüßle, Sleipnir
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Beitragvon itzibitzispider » 20.09.2005, 10:52

hallo

wenn deine Axtstiele schwinden, dann solltest du sie länger und wärmer ablagern bevor du sie verwendest, normalerweise passiert das von dir erwähnte Scenario nämlich nicht
wenn dus eilig hast leg den (schon vorgetrockneten) Axtstiel ein paar tage (besser Wochen) auf die Heizung oder im Sommer hinter ein Sonnenlichtbeschienenes Fenster
ansonsten ist es sinnig auf jahre vorzuarbeiten und gefundene Hölzer auf den Dachboden (Keller) legen umsie im nächsten jahr zu verwenden.

Ansonsten von der machart - ich treibe auch einen Holzkeil ein, da ist deiner beschreibung nichts hinzuzufügen, das hällt auch an den schweresten schmiedehammern
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Beitragvon Gnom » 09.12.2005, 12:38

Hallo,

das Quellenlassen der Stiele hat nur eine temporäre Wirkung. Ich kenne aber einen Schmied, (macht übrigens schöne Schwerter, sehr nah am Original) der seine Hämmer in ein Wasserbüttel einlegt, wenn er die Esse anzündet. Während des Arbeitens kommen sie immer wieder ins Wasser zurück.

Ansonsten ist das Einlegen in Wasser und anschließende gute Durchtrocknen ein recht gutes Mittel, um Stiele, die man entfernen will, locker zu machen. Notfalls mehrmals machen, dazwischen immer so weit rausschlagen, bis es wieder steckt.

Wenn man den Stiel vor dem Einbau GUT durchtrocknet, (wie itzibitzispider schon gesagt hat) hält er sehr lange bombenfest.

Lie Grü,
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Beitragvon Ramis » 09.10.2006, 17:43

Hallo Sleipnir,

mein Mann ist der Meinung das es früher (er hat bisher nur solche gesehen) ausschließlich Axtblätter mit rundem Auge gab. (Er lässt sich da aber auch gerne eines besseren belehren, falls jemand Funde kennt :biggrin: )
Diese Axtblätter wurden um einen kalten, runden Metalstab geschmiedet.
Dann hat man den Axtstiel von unten her soweit ausgedünnt das man das Axtblatt von unten her auf das Holz auftreiben kann.
Der obere Teil des Axtschaftes ist natürlich dicker als das Öhr des Axtblattes, somit kann das Axtblatt nicht nach oben wegfliegen.
Zur Sicherheit hat er dann unterhalb des Axtblattes eine Wicklung angebracht und diese mit Knochenleim verklebt, sodass sie auch nach unten nicht verrutscht.
Eine neue Methode hat er aber auch gefunden :lesen: und zwar im neuen DICK Katalog. Und zwar:
Der Stiel muss aus widerstandsfähigem, elastischem und sehr trockenen Holz sein. (z.B. Esche oder Hickory wobei letztes leider nicht A ist)
Den alten Stiel am Axtkopf absägen und das Holz im Öhr herausbohren. Wenn der größte Teil entfernt ist den Rest herausschlagen und das Öhr innen mit Öl reinigen.
Legen sie 2 Hölzer als Stütze unter die Axt und schlagen Sie den neuen Stiel in das Öhr ein, so dass er an der anderen Seite etwas übersteht. Kontrollieren Sie den gewünschten Winkel da Stiels zum Axtkopf.
Geben sie Holzkleber in die Stielspalte und auf den Holzkeil und treiben sie den Keil so weit wie möglich ein. Das Stielende mit dem überstehenden Keil wird bis auf einige Millimeter abgesägt. Abschließend wird ein dreizackiger Eisenkeil schräg zum Holzkeil eingeschlagen.
Vor jeder Anwendung der Axt kontrollieren sie den festen Sitz der Einstielung. Schlagen sie ggf. den Eisenkeil wieter ein.

Soll "angeblich" die bisher beste Methode sein. Mein Wiki ist mit der ersten Methode bei seiner Axt aber sehr zufrieden und es funktioniert bis jetzt super. Falls gewünscht kann ich auch meine Kamera auskramen und ein Foto machen.

Ich hoffe, ich (oder besser gesagt mein Mann, der ja nur zu faul zum tippen ist :devil: ) konnten dir weiterhelfen.
lg Ramis
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