Feuersteine und Co

Was man nicht kaufen kann, muß man sich eben selber bauen. Hier geht es darum, wie man sich Werkzeuge und Arbeitsgeräte von der Dreule bis zum Gewichtswebstuhl selber bauen kann.

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Beitragvon suse » 14.07.2005, 21:28

Tach Jeagoor,
ich glaube, worauf David hinaus wollte ist die Tatsache, daß sich hinter dem Begriff "experimentelle Archäologie" ein durchaus klar definierter Bereich archäologischer Arbeit verbirgt. Und leider wird mit dem Begiff derzeit sehr stark in diversen dem nicht im Ansatz entsprechenden Zusammenhängen hantiert (ich erinnere mich mit Grausen an eine Geschichte mit einer Publikation übers Brettchenweben...). Zur e.A. gehört ein expliziter, klar definierter und erforschter Ausgangspunkt und ein klar definiertes Ziel. So die Mittel/Werkzeuge zum Erreichen dieses Zieles erforscht sind, müssen die erforschten Mittel genutzt werden, manchmal jedoch muss man die Mittel annehmen, dann muss das aber klar ausgewiesen und begründet werden. Am Ende werden die Ergebnisse vergleichend behandelt. Zumindest den mittleren Teil (also den mit den nachgewiesenen Mitteln/Werkzeugen zum Erreichen des Zieles) erfüllt dein Experiment nicht. Also keine experimentelle Archäologie - gleichwohl aber ein spannendes Experiment.
Gruß suse
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Beitragvon David » 14.07.2005, 22:42

Hallo,

zu finden auf der Homepage des Museumsdorfs Düppel in Berlin/ Zehlendorf :

Nach den von John Coles 1973 veröffentlichten Grundsätzen der E. A. befaßt sich diese Disziplin ausnahmslos mit den Elementen des Unterhalts und der Technik und umfaßt nicht den gesamten Bereich menschlicher Natur. Aktionen wie "Wohnen in der Steinzeit" etc. dienen daher nur der Erprobung der individuellen Möglichkeiten, aber nicht der Wissenschaft.
Experimente repräsentieren Probleme im archäologischen Material, die auf schlechte Erhaltung, mangelndes Verständnis für die Zweckbestimmung oder auf Zweifel an der angenommenen Funktion zurückgehen.

Als Regeln sind zu beachten:

Die bei Versuchen benutzten Materialien, Methoden und Werkzeuge sollten die gleichen sein wie die, von denen man annehmen darf, daß sie der alten Gesellschaft am Ort zur Verfügung standen.
Das Experiment sollte wiederholbar sein und stets zu denselben Ergebnissen führen.
Jeder Test baut auf den Erkenntnissen des vorherigen Tests auf.
Die E. A. liefert keine absoluten Beweise.

In diesem Sinne,
David
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Beitragvon Jaegoor » 08.08.2005, 11:41

Hallo David!

Danke für Deine Ausführlichkeit.
Obwohl ich doch etwas verwundert bin.
Genau an diese Kriterien halte ich mich doch??
Grübel
Alle verwendeten Material und auch Werkzeuge waren bekannt. ES läßt sich auch beliebig oft wiederholen.
Wo liegt bei dieser Methode also das Problem???
Vieleicht treffen wir uns ja mal irgentwo und entfachen mal jeder einer Feuer auf seine Art. Mal schauen, wer sauberere Finger hat und schneller ist.
Grins

Es grüßt Dich der Jaegoor
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Beitragvon suse » 09.08.2005, 09:00

hallo,
David schrieb

Die bei Versuchen benutzten Materialien, Methoden und Werkzeuge sollten die gleichen sein wie die, von denen man annehmen darf, daß sie der alten Gesellschaft am Ort zur Verfügung standen.

Jaegoor schrieb

Genau an diese Kriterien halte ich mich doch??
Grübel
Alle verwendeten Material und auch Werkzeuge waren bekannt. ES läßt sich auch beliebig oft wiederholen.
Wo liegt bei dieser Methode also das Problem???

Fehler erkannt? Die Definition spricht eindeutig nicht nur von Werkzeugen und Materialien, sondern auch von Methoden. Das ist der Knackpunkt.
Gruß suse
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Beitragvon David » 09.08.2005, 10:45

Hallo Jaegoor,

vielleicht haben wir mal die Gelegenheit.

Ich schaff´s mit Flint, Eisen, Zunderschwamm und ein bisserl trochenen Spänen in durschnittlich 60 sek.
Is mir schnell genug.

Gruß,
David
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Beitragvon Gnom » 09.12.2005, 13:24

@Giraut

verkohltes Leinen als Zunder ist keine Erfindung von experimentellen Archäologen. In "Dr. Schmidt´s vollständigem Feuerzeugpraktikant" von 1847 heißt es:

"In den Hauswirthschaften bedient sich der weibliche Theil des Personals zur Feuererzeugung statt des Schwammes des sogenannten Zunders, der auf die Weise dargestellt wird, daß man in eine Büchse linnene oder baumwollene Lumpen thut, sie anzündet und, wenn sie halb verbrannt sind, das Feuer auf die Weise erstickt, daß man erstere mit einer hölzernen oder blechernen Scheibe zusammendrückt und die Büchse verschließt. Die Funken, welche man auf diese Art von Kohle fallen läßt, indem man an einem Feuersteine mit einer alten Feile oder irgend einem anderen Stahlstück Funken abschlägt, entzündet den Zunder aufs Neue."

Übrigens war es im 18. und 19. Jhdt auch in Zeiten, wo der Zunderschwamm rar war nicht üblich, die Röhrenschicht der Schwämme mitzuverwenden. Es wurde nur das "Mark" (das Trama) genommen. Da hat man noch lieber Abschnitte und Reste des Marks in Wasser zu Fasern vermahlen und wie Papier zu Bogen geschöpft.

Lie Grü,
Gnom

Dieser Beitrag wurde am 12.12.2005 - 08:26 von Gnom aktualisiert
Du kannst nicht zweimal in den selben Fluss steigen.
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Beitragvon Reptils » 21.04.2006, 08:08

Hallo,

ich benutze einfach mal diesen Thread weiter, für ein Problem mit dem Feuermachen:

Ich bin im Besitz eines Feuerschlägers und eines entsprechenden Feuersteins und bekomme damit auch schöne Funken geschlagen.

Nun habe ich im Wald einen Zunderpilz gefunden, aber irgendwie scheine ich den noch nicht optimal behandelt zu haben. Ich bekomme keine Funken mit dem Zunder gefangen. Vielleicht könnt Ihr mir noch einen Tip geben, was ich falsch gemacht habe:

Ich habe den frischen Pilz in Scheiben geschnitten und von den Scheiben die Außenhaut entfernt. Dann habe ich die Scheiben gekocht und danach die Zunderschicht weichgeklopft. Dann habe ich die Stücke getrocknet. Die Zunderschicht fühlt sich jetzt wie hauchdünnes Leder an und lässt sich zerzupfen.

Wenn ich mit dem Feuerzeug daranzündele glimmt es hervorragend. Funken vom Feuerschläger fängt das Zeug aber nicht.

Ratlose Grüße

Melanie
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Beitragvon Schoferin » 21.04.2006, 09:30

Hallo Melanie,

du musst die Stücke auch noch nitrieren. Früher in abgestandenem Urin, jetzt geht es etwas eleganter mit Salpeterlösung.


Zunderschwamm in ca. 1-2 mm dicke Scheiben schneiden. Geht z.B. mit einer alten Brotschneidemaschine.
Die Scheiben in eine 20%ige Salpeter-Lösung legen (z.B. 50gr Salpeter + 200 ml Wasser).
Sollte nur knapp in der Lösung liegen und nicht schwimmen.
Jetzt 2 - 3 Tage stehen lassen (zwischendurch mal wenden).
Sollte der Salpeter auskristallisieren (sieht ein bißchen wie Glasscherben aus) ist das nicht weiter schlimm.
Wer möchte kann ihn so lange er noch weich ist "breiter klopfen" (Ähnlich wie bei Schnitzeln). Dadurch wird er größer, fluffeliger und besser. (Ich persönlich bin dazu aber immer zu faul).
Danach auf Zeitungspapier trocknen lassen.
Das Ergebnis ist erstklassiger Zunder, der trocken gelagert werden sollte.


Vielleicht hilft dir das weiter.
Salpeter gibts z.B. bei Lederkram

Ich persönlich ziehe Rohrkolbenzunder vor, ist auch viel einfacher herzustellen. Allerdings auch hier das nitrieren nicht vergessen.


Gruß
Schoferin
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Beitragvon Steve » 21.04.2006, 09:32

Hm, so ohne Bild kann ich da nicht so ohne weiteres was sagen.

Bist Du Dir absolut sicher, einen Zunderpilz und keinen Birkenporling erwischt zu haben?
Steve
 

Beitragvon Reptils » 21.04.2006, 12:02

Danke für die Antworten!

Ich denke, es liegt wohl am fehlenden Nitrat.

Einen Birkenporling habe ich wohl nicht erwischt, da ich den Pilz von einer toten Buche habe. Der Birkenporling ist glaube ich Wirtsspezifisch.

Dann werde ich wohl mal ein wenig mit Salpeter panschen.

Viele Grüße

Melanie
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