Feuersteine und Co

Was man nicht kaufen kann, muß man sich eben selber bauen. Hier geht es darum, wie man sich Werkzeuge und Arbeitsgeräte von der Dreule bis zum Gewichtswebstuhl selber bauen kann.

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Beitragvon Gnom » 21.04.2006, 16:00

Schoferin schrieb:
du musst die Stücke auch noch nitrieren.


Würde ich nicht so sagen.

Du kannst die Stücke auch noch nitrieren. Manche habens sogar viel lieber ohne als mit, weil der Salpeter bei hoher Luftfeuchtigkeit Wasser zieht, und der feuchte Zunder dann erst recht keine Funken fängt. Im 19. Jhdt. wurde allerdings für den gewöhnlichen Schwammzunder etwas (Na?-)Nitrat benutzt: "Sehr oft wird [...] etwas Salpeter (1 Pfd. Salpeter auf 30-50 Pfd. Schwamm) zugesetzt...", in so viel Wasser gelöst, dass die Schwämme gerade bedeckt sind.

1. Richtigen Schwamm nehmen,
2. gut behandeln, sollte vor allem schön weich-filzig-fluffig werden,
3. ganz trocken verwenden.

Dann funktioniert er auch. Besonders leicht sind die Stellen zu entzünden, die schon ein wenig verkohlt sind.

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Beitragvon Knappe » 21.04.2006, 18:35

Kann sich eigentlich ein nitrierter Zunderpilz selbst entzünden? Nur so eine Frage am Rande, weil ich mal gehört habe, dass das zum Beispiel bei Celluloid (Nitrocellulose) ein Problem ist.... - Nicht das der Pilz in der Tasche plötzlich in die Luft fliegt... :devil:
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Beitragvon Jaegoor » 22.04.2006, 09:34

Hi Knappe,

nein ich denke da brauchst Du keine Angst haben. Du kannst auch statt mit Salpeterlösung auf Kaliumnitrat zurückgreifen.
Auch finde ich gibt es sehr viele Alternativen zum Zunderpilz. Selbiger steht nämlich unter Naturschutz. So bekommst du zum Beispiel von nur wenigen Rohrkolben Zunder, der für Dich Jahre reichen wird. Und nicht das du auf die Idee kommst denn Rohrkolben zu zerpflücken. (habe ich auch schon oft gehört) Du verwendest nur den Flugsamen, welchen man als dichte Wolle einfach vom Kolben abstreifen kann. Dabei wird die Pflanze nicht beschädigt und man erhält sehr viel Zundermaterial. Wem das jetzt aber immer noch zu sehr auf Kosten des Naturschutz geht(denn auch Rohrkolben ist geschützt), der greift einfach auf Distelwolle oder Flugsamen vom Löwenzahn zurück. Ich persönlich finde das Flugsamen eh besser geeignet sind. Weil erstens man sie wesentlich häufiger findet, zweitens sie in der Aufbereitung wesentlich leichter sind und drittens sie wesentlich schneller zündeln.
Viel Spass
Es grüßt Dich der Jaegoor

PS.: Was machst Du eigentlich wenn Du keinen behandelten Zunder hast?? Dann wird es nämlich schon etwas schwieriger mit dem Feuer :gruebel:
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Beitragvon Lis » 22.04.2006, 09:54

:wideeyed: Flugsamen! Das hört sich auch wesentlich einfacher an als einen Zunderschwamm vom Baum zu holen, zerkleinern, trocknen... Weidenröschen geht bestimmt auch, oder? Linde? Werd's bei Zeiten mal ausprobieren.
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Beitragvon Jaegoor » 22.04.2006, 12:44

Hi Lis,

probier es aus. Man kann sogar nur mürbes morsches Holz als Zunder nehmen. Das liegt zu Hauf in unseren Wäldern herum. Am besten eignet es sich wenn du es von noch stehenden Baumstümpfen nimmst. Einfach nitriert und fertig. Aber auch unnitriert eignet es sich hervorragend zum Feuerreiben. Unnitriert kannst du mit Feurstein und Schlageisen keine Funken auffangen, aber beim reiben wird es sehr schnell zu Mehl und beginnt relativ schnell zu glimmen an.

Viel Spass beim probieren

Gruß Jaegoor
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Beitragvon Gnom » 25.04.2006, 15:24

Knappe schrieb:
Kann sich eigentlich ein nitrierter Zunderpilz selbst entzünden?

Beim eigentlichen Nitrieren werden z.B. an Zellulose oder Glyzerin Nitro- (NO2) Gruppen chemisch gebunden. Das kann sich dann mitunter selbst entzünden. In unserem Fall vermischt man die Substanzen nur mit Kalium- oder Natriumnitrat, da passiert dann nix.

Auch finde ich gibt es sehr viele Alternativen zum Zunderpilz. Selbiger steht nämlich unter Naturschutz.


Ich bin für den Zunderschwamm. Die meisten Rohrkolbenarten sind fast überall gesetzlich geschützt, der Schwamm hingegen nicht. (Falls doch würde mich interessieren, wo!) Er ist nicht selten und da er auch scheinbar gesunde Bäume schädigt, wird er von den Förstern gar nicht gerne gesehen.

Beim Feuerreiben habe ich schon Distelwolle, Birkenrinde, Wacholderrinde, Erlenwurzelbast, Pappelsamen und Waldrebensamen erfolgreich probiert. Alles was fein und trocken ist, ist auch geeignet.

Beim Feuerschlagen ist es aber anders. Der Zunder muss den Funken in einer sehr kurzen Zeit fangen und sofort weiterglühen. Und das macht v.a. der Leinenkohlenzunder und der Feuerschwamm (auch ohne Salpeter!) recht gut. Und ein weiterer Vorteil des Zunderschwammes: Er ist "a".

Jaegor schrieb:
Was machst Du eigentlich wenn Du keinen behandelten Zunder hast?? Dann wird es nämlich schon etwas schwieriger mit dem Feuer

Stimmt, deshalb hatte z.B. schon der Ötzi ein Stück Feuerschwamm in seiner Birkenrindendose, bis ins 18. Jhdt. war in jedem Haushalt ein Stück Zunderschwamm vorrätig, und als man im /nach dem 2. Weltkrieg den Gefangenen die Zündhölzer abnahm, haben manche mit Stein und Feile ihre Zigaretten angezündet. Auch die hatten ihren Zunder stets in einer kleinen Schachtel bei sich.

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Beitragvon Schoferin » 26.04.2006, 07:32

Einen Vorteil hat der Zunderschwamm, er ist "a"...

Das ist Rohrkolbenzunder aber auch. Und der ist nicht so mühsam in der Herstellung....

Gruß
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Beitragvon Gnom » 26.04.2006, 17:11

Liebe Schoferin,

...ist nicht so mühsam in der Herstellung...

Das möchte ich nicht gleich abstreiten.

Rohrkolben als Zundermaterial ist "a"? Leider bin ich kein Profi auf dem Gebiet, mich wundert aber trotzdem, dass ich bisher noch nie auf eine Quelle (fürs Mittelalter) gestoßen bin. Hättest Du vielleicht sowas anzubieten? Oder war das eher eine Beurteilung nach Gefühl?

Würde mich auf jeden Fall interessieren, wie Du darauf kommst...

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Beitragvon Schoferin » 27.04.2006, 07:20

Ist eigentlich eher eine Aussage nach Gefühl. Viele andere Gruppen benützen ihn auch und ich bin daher davon ausgegangen, dass man das so annehmen kann. Aber ich mache mich mal auf die Suche nach Belegen, jetzt, wo du es ansprichst.

Gruß
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Beitragvon Gnom » 27.04.2006, 19:24

Alles klar. Ich glaubs eigentlich nicht.

Fürs 17./18. Jhdt gilt: Die Zubereitung des Zunderschwammes war relativ langwierig, das hat man aber offensichtlich gerne in Kauf genommen. Solange genug da war, hat man ihn auch verwendet. Wenn er knapp wurde (der Bedarf war erheblich) hat man verschiedene, technisch aufwändige Ersatzstoffe verwendet, den "einfachen" Rohrkolben findet man aber nie.

Na, vielleicht findet sich ja einmal irgendwo ein ernsthafter Hinweis fürs Mittelalter. Schau mer mal...

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