Musikinstrumente selber bauen

Was man nicht kaufen kann, muß man sich eben selber bauen. Hier geht es darum, wie man sich Werkzeuge und Arbeitsgeräte von der Dreule bis zum Gewichtswebstuhl selber bauen kann.

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Beitragvon Evelune » 10.10.2006, 20:38

@Gnom
Oh die selbstgebauten Instrumente sind ja wirklich toll, ich möchte mal gerne probieren eine Flöte aus Holunder zu bauen, da hat man ja schon eine Röhre. Aber ob das klappt?

Aber ein Weidenflötlein gefällt mir auch, na dann hoffe ich nur das ich es im Frühjahr nicht vergesse. Deine Anleitung ist echt super, die muss ich mal ausprobieren.
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Beitragvon Gnom » 20.10.2006, 18:27

Hallo,

freut mich, wenn ich ein wenig helfen kann. Ich bin zwar nicht der schnellste, aber irgendwann komme ich doch dazu, zu antworten.

Wenn man das Mark entfernt, gibt Holunder brauchbare Röhren. Die Wandstärke sollte aber nicht zu dünn sein. Außerdem sollte die "Bohrung" recht schön sauber und glatt sein, damit die Flöte einen hübschen Klang hat, bzw. überhaupt anspricht. Mir gefällt besonders die elfenbeinartige Farbe des Holunderholzes. Hab mir einmal eine Querflöte daraus gemacht.

Bild

Das Prinzip ist immer das gleiche: Ein schmaler Luftstrom trifft auf eine Schneide, dahinter ist ein mehr oder weniger langes Rohr.

Bild

Ist die Pfeife am Hinterende geschlossen, so hat sie etwa die gleiche Tonhöhe, wie eine doppelt so lange offene Pfeife, nur einen stumpferen Klang. Der Durchmesser hat fast keinen Einfluss auf die Tonhöhe, sondern nur auf die Klangfarbe. 08-15 Pfeifen in modernen Orgeln (Principal) haben ein Verhältnis von Länge : Durchmesser von etwa 15, das Fenster hat eine Breite von ca. ¼ des Pfeifenumfanges, in der Längsachse der Pfeife gemessen hat das Fenster eine Dimension ("Aufschnitthöhe") von etwa ¼ der Fensterbreite. Macht man die Pfeife bei gleicher Länge dicker (weite Mensur), so wird der Klang dunkler, stumpfer, mitunter hohl. Bei enger Mensur wird der Klang scharf, manchmal näselnd, bei sehr engen Mensuren spricht der Grundton dann nichtmehr an. Ein schmales Fenster macht die Pfeife leiser, der Klang verändert sich ähnlich wie bei weiter Mensur, bei breitem Fenster klingt die Pfeife lauter und eher als hätte sie enge Mensur. Mit niederer Aufschnitthöhe verhält sich die Pfeife ähnlich wie mit enger Mensur, mit hohem Aufschnitt wieder umgekehrt.

Ein Fenster wie hier in der Abb. oben macht einen schöneren Klang und eine bessere Ansprache, für einfachere Anwendungen kann man es aber auch wie unten dargestellt ausführen.

Bild

Dann genügt auch ein Luftspalt wie in dieser Abb. links dargestellt, für höhere Ansprüche sollte der Luftspalt aber parallel sein (Mitte bzw. rechts).

Bild

Das sind jetzt natürlich nur grobe Richtwerte. Wie immer gilt: Probieren geht über studieren! Wichtig ist nur, dass v.a. der Luftspalt und das Fenster, dann auch die Bohrung sauber und Kantenrein ausgeführt sind und keine Fransen haben.

Viel Spaß beim Werken!

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Beitragvon Evelune » 23.10.2006, 23:38

Wow, danke für die ganze Info. :wideeyed: Deine Querflöte ist ja wunderschön.
Habe deine Antwort eben erst gesehen, leider wird bei meinem Browser beantwortete Sachen nicht immer angezeigt (Hab Safari).

Egal, doch noch entdeckt, und bin begeistert. Eine meine Mitbewohnerin hat einfach unseren Holunderbaum im Vorgarten beschnitten, relativ heftig, das ist zwar nicht so schön, aber ich werde mir jetzt noch ein paar gerade Zweige rausfischen morgen, bevor sie in den Müll wandern.

So mache ich wenigstens noch was brauchbares draus.
Aber ich glaube ich werde auch eine Querflöte probieren erstmal, da ich bereits auch eine schöne Holzquerflöte habe (Die von CAB).#
Ausserdem scheint es mir einfacher zu sein. Oder irre ich dort? Habe es schgonmal probiert mit so einem Fenster (das untere), gab aber keinen Klang, ich bekam es aber auch nicht sauber hin bei Holunder.
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Beitragvon Rigana » 24.10.2006, 10:31

Wow, die ist ja schön :wideeyed:

Du baust ein Labium in das Anblasloch ein, sehe ich das richtig?

Bei einer Querflöte reicht auch ein leicht ovales (auf die Länge gesehen) Anblasloch. Dann muss aber für eine Ansprache das kurze Ende geschlossen sein.

Eine gute Ansprache erreicht man dort, wenn das Loch schräg ausgefeilt wird (im Flöteninneren, nicht an der Oberfläche), so dass die Kante, an der sich die Luft bricht, möglichst scharf ist.
Inwieweit man aber mit einer Feile da rein kommt, weiß ich nicht... Holunder ist ja nicht gerade breit.

Generell klingen Querflöten am besten in der überblasenen Oktave. Je tiefer desto schwieriger wirds mit den sauberen Tönen.

Liebe Grüße,
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Beitragvon Gnom » 25.10.2006, 14:19

@ evelune:

Die Herstellung einer Querflöte ist tatsächlich einfacher als die einer Blockflöte. Beim Spielen ist es eher umgekehrt, würde ich sagen. Ich schlage vor: einfach herumprobieren, das Material ist ja nicht teuer.

@ rigana:

Ups, das hab ich wirklich sehr missverständlich dargestellt, tut mir leid! Von der Querflöte war nur das Bild mit der hübschen Farbe vom Holunderholz, alles andere hat sich auf "Blockflöten" (im weitesten Sinne) bezogen.

Querflöten baut man genau so, wie Du sagst. Die Bauweise ist also einigermaßen verschieden, das Prinzip der Tonerzeugung aber trotzdem ziemlich ähnlich. Der schmale Luftstrom wird einfach mit dem Mund erzeugt, die "Schneide" ist die angeschärfte Kante des Anblaseloches. Meine Querflöte geht leider nur in der Grundoktave richtig. Es gehört zu den ganz großen Kunststücken, eine Flöte zu bauen (Quer oder Längs), die in der Grundoktave UND in der überblasenen richtig spielt. Viele Flötenbauer-Meister sind der Meinung, dass es in vollkommener Reinheit überhaupt unmöglich ist. Ich kanns (noch) nicht einmal annähernd.
Da ich aber mindestens 90 Jahre alt werde, hab ich noch viel Zeit zum Experimentieren.

Ich sag Euch bescheid, wenn ichs kann!

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Beitragvon Drekabani » 20.12.2006, 01:42

Tag!
Wikinger mag ich so gerne, dass ich extra nach Island gezogen bin und eine Isländerin geheiratet habe. Mir schwebt vor, in Wikingergewandung Straßenmusik zu machen. Habe noch nicht viele handfeste Informationen über Wikingerinstrumente gefunden, aber mir schwant inzwischen, dass die Wikinger wohl keine gitarren-/lautenähnlichen Instrumente benutzt haben. (?)
Deswegen denk ich drüber nach, mir selber eine Fantasiewikingergitarre zu bauen, von der Größe wie eine Ukulele, ebenfalls mit 4 Saiten.
Gnom, ich hab das Gefühl, dass du der Richtige bist zum Fragen!
Deine Wandergitarre ist zum Heulen schön und ich würd gern wissen: Hättest du ein paar heiße Tipps für mich?
Danke und Gruß aus dem Norden,
Drekabani
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Beitragvon Rigana » 20.12.2006, 10:47

Hallo Drekabani!

Von Wikingerinstrumenten hab ich ebenfalls wenig Ahnung, aber ich kann mich erinnern, dass hier irgendwo mal eine CD vorgestellt oder erwähnt wurde, die das zum Thema hatte *such*

Saiteninstrumente sind trotzdem nicht unwahrscheinlich, aber wirklich weniger im Stil einer Gitarre oder Laute, sondern eher wie eine Leier oder vielleicht auch eine Harfe. Die Laute kommt ursprünglich aus dem Orient.

Da du Glücklicher in diesem wunderbaren Land mit wunderbaren Sagas lebst, wirst du vielleicht dort fündig, welche Instrumente erwähnt werden.

Vielleicht hast du ja auch Lust, dich im Mitgliederbereich vorzustellen :-)

Liebe Grüße,
Rigana
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Beitragvon Drekabani » 20.12.2006, 17:04

Servus Rigana,
danke fuer die Antwort, werd mal Informationen zu der CD suchen.
Hab inzwischen gelesen (wikipedia sei Dank), dass die Laute "zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert von Kreuzfahrern aus Arabien nach Europa gebracht" wurde, also rein theoretisch auch in die Hände von Wikingern gelangt sein könnte.
Dann wäre ein Wikinger auf einer Laute spielend wohl gar nicht so un-A, wie ich zunächst dachte (wohl aber als Straßenmusiker...).
Gruß,
Drekabani
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Beitragvon steffi241 » 20.12.2006, 17:39

Hallo Drekabani,

ich habe leider gar keine, auch nicht die leiseste Ahnung von Musik, aber ich kenne Nancy Thym. Sie ist Harfenspielerin und kann unter Anderem auch die norwegische Krogharpe spielen. Das ist wohl eine Harfe aus der Wikingerzeit (?).

Wenn du Interesse daran hast, schreib sie einfach mal an, Sie ist super nett!

Hier ihre HP ----> http://www.harptree.de/index.html

Unter Pictures findest du auch Bilder von der Krogharpe, bei Vikinger Festivals, in Wolin, Polen.
Liebe Grüße, Steffi

http://www.podol.de
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Beitragvon Gnom » 21.12.2006, 21:31

Lieber Drekabani,

ich danke herzlich für Dein Kompliment, fürchte aber, ich muss Dich da ein bisschen enttäuschen.

Ich kenne mich mit Mittelalter im Allgemeinen und mit Wikingern im Besonderen leider gar nicht gut aus. Mich interessiert v. a. altes Handwerk, und da gehört das Mitteralter halt auch ein bisschen dazu. Gott sei Dank haben Dir Rigana und steffi241 schon einiges sagen können.

Wie man heute eine Laute baut und worauf man dabei besonders achten sollte und welches Holz man nimmt... das müsste sich machen lassen. Ich habe da auch eine Vermutung, wo ich einen Plan für eine (heutige) Harfe finden könnte.

Schwierigkeiten könnte noch das Auftreiben von geeignetem Holz machen. Aber schau mer mal, was Du bauen willst, dann schau mer, was mer brauchen, und dann schau mer, wo mers kriegen.

Maultrommel und Knochenflöte sind nicht so interessant für Dich? Da gäbs nämlich im ganzen Mittelalter Funde, von früh bis spät. Schätze mal, da werden die Wikinger auch dabei gewesen sein (wissen tu ichs aber nicht).

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