Musikinstrumente selber bauen

Was man nicht kaufen kann, muß man sich eben selber bauen. Hier geht es darum, wie man sich Werkzeuge und Arbeitsgeräte von der Dreule bis zum Gewichtswebstuhl selber bauen kann.

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Beitragvon Gnom » 05.01.2006, 16:45

Hat ein wenig gedauert, aber hier sind ein paar Bilder von meinen Instrumenten.

Bild

1. Die Gitarre. Die Zargen haben sehr starke Korbbogen. Die Decke ist aus einem alten Klavierboden gemacht, der Ahorn für Zargen und Boden , die Birke für Hals und Wirbelbrett und die Linde für Klötzchen und Reifchen sind in unserem eigenen Wald gewachsen, der Zwetschkenbaum für Wirbel, Griffbrett, Saitenhalter stammt aus dem Garten meines Onkels. Alles Weiße ist aus Stierknochen, die Markierungen der 4., 5. und 8. Stufe aus der schwarzen Hornspitze einer Kuh. Wo die aufgewachsen sind, weiß ich allerdings nicht genau.
2. Die Wirbel sind mit einem Konus von hinten in das Wirbelbrett gesteckt.
3. Der Saitenhalter. Der Steg aus Knochen ist verschiebbar, so bleibt die Gitarre auch mit anderen Saiten bundrein.
4. Der Rand und der Zargenschluss sind intarsiert.
5. Eine große Tenor-Okarina (ca. 25 cm lang). Ton aus einer Tegelgrube bei Kotzendorf. Ungebrannt.
6. Ein ganz kleines und schrilles Pfeifchen (ca. 4,5 cm lang). Der sehr fette Ton („Rötel“) dafür stammt vom Großen Buchstein, und hat schon im Rohzustand eine schöne, rote Farbe. Ungebrannt.
7. Das wichtigste ist das Fenster mit dem Labium. Alles muss schön sauber und kantenrein sein.
8. Ein Gemshorn ist ein Horn von irgendeinem Tier, das vom stumpfen Ende her wie ein Holzblasinstrument geblasen wird. Der Block ist hier aus Wachs.
9. Mein Brummeisen (Maultrommel). Der Rahmen ist aus einem Torstahl-Rest von einer Baustelle, die Zunge aus einer alten Fahrradspeiche. Weil die Innenkanten der Schenkel schön scharfkantig sind und die Spalte zwischen Zunge und Schenkeln sehr schmal und gleichmäßig sind, spielt sie viel besser als die gekauften.
10. Knochenflöte aus dem Unterarm einer Gans. Block aus Bienenwachs und Kollophonium 2:1 mit viel Bergkreide. Spielt einen Ges-Dreiklang und ist für die linke Hand gedacht. Das unterste Loch bleibt offen, weil sie sonst nicht anspricht.

Bauanleitungen für alle Instrumente und spezielle Tipps liefere ich sehr gerne. Weil das aber eine gewisse Arbeit ist, würde ich das gerne einzeln auf Anfrage machen. Also, wer will was bauen?

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Beitragvon Sleipnir » 05.01.2006, 18:42

NAchdem ich mir erst mal das Staunen aus den Augen geschnippt habe, würde ich auch gerne etwas genaueres über den Bau von Horn und Kochenflöten erfahren.
Da hast Du ja ausnahmslos schöne Stücke gefertigt, Gnom. Tiefe Verbeugung :anbet: vom Sleip
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Beitragvon Cerid » 14.02.2006, 20:34

Au ja... wie bekommt man einen Knochen zum Klingen? Oder einen Ast??? Das würde mich auch interessieren :-)
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Beitragvon Rigana » 15.02.2006, 10:15

Uiiii! Das sind sehr schöne Instrumente :klatsch: Die Gitarre finde ich besonders beeindruckend.

Leider bin ich handwerklich zu unbegabt, sonst würde ich glatt mein olles Horn für solch ein Gemshorn meucheln :-)
Hm... kommt Zeit, kommt Horn ;-)

Liebe Grüße,
Rigana

PS: Ich will den Respekt-Smilie wiederhaben *heul*
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Beitragvon Gnom » 15.02.2006, 23:02

Vielen Dank für die lieben Komplimente. Ich hab nicht vergessen. Nur würde ich gerne eine Anleitung mit Bildern machen, nach der man wirklich arbeiten kann. Und da muss ich einmal Zeit haben was zu bauen. Ein paar Weidenzweige hab ich vor drei Wochen eingewässert, und sobald die Rinde abgeht, mach ich einmal ein Weidenpfeifchen nach der klassischen Art. Da kann man das Prinzip auch schon erkennen.

Liebe Rigana, danke für die Diskussion über Flötenlöcher. Ich hab jetzt rausgefunden, was ich gemeint habe. Morgen stell ichs rein, heute bin ich schon zu müde.

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Beitragvon Gnom » 20.02.2006, 23:17

Wie man ein Weidenpfeifchen baut
Bild
1. Für ein Weidenpfeifchen braucht man einen geraden Weidenzweig von so ca. 7-15 mm Durchmesser, der voll im Saft steht. Je nach Gegend ist das ungefähr von Ende März bis in den Juli hinein der Fall. Man sucht ein möglichst langes, gerades Stück vom Ast aus, in dem nur eine Knospe liegt, und schneidet an den beiden Enden die Rinde rundherum ein. Die Knospe soll ca. 1,5 cm von einem Ende entfernt liegen.
2. Dann klopft man mit dem Messergriff die Rinde locker. Den Zweig dabei langsam weiterdrehen und mit den Schlägen in einem „Gewinde“ langsam nach oben wandern, sodass jede Stelle einmal drankommt. Dabei hat man in Österreich 10 mal folgenden Reim gesungen und im Takt (jede 1/8-Note) dazu geklopft:
Bild
Auf Hochdeutsch: Pfeifchen, Pfeifchen geh! Sonst werfe ich dich in den Schnee, sonst werfe ich dich in den Schindergraben, dass dich Katze und Hund verschleppen. Pfeifchen, Pfeifchen, geh!
3. Nun nimmt man das geklopfte Teilstück fest in die Hand und dreht um. Dabei löst sich die Rinde als ganzes Rohr vom Holz. Hat man zu wenig oder zu leicht geklopft oder ist der Zweig nicht geeignet, so löst sich die Rinde nicht, und man wird den Zweig abdrehen. Hat man zu viel oder zu stark geklopft, reißt die Rinde auf. Wenn alles gut gegangen ist, dreht man das Rindenrohr wieder in die ursprüngliche Position.
4. Man schneidet das Fenster, wie auf dem Bild gezeigt. Gleichzeitig entfernt man dabei die Knospe.
5. Das überstehende Ende wird abgeschnitten,
6. und das Rindenrohr vorsichtig abgezogen.
7. Am Holz ist auch eine Kerbe zu erkennen.
8. Man markiert das Kerbenende wie im Bild gezeigt durch einen Einschnitt rundherum,
9. und schneidet den zukünftigen Windkanal leicht schräg nach unten.
10. Dann trennt man den „Kern“ ganz ab und bricht die dabei entstehende gerade Kante mit einer kleinen Fase.
11. Der Kern wird in das Rohr gesteckt, sodass der Windkanal nach innen schmäler wird und auf die „Schneide“ des Fensters trifft. Jetzt sollte es schon pfeifen. Falls nötig, den Kern etwas weiter raus oder rein schieben, bis die Pfeife anspricht. Manchmal geht sie auch besser, wenn man sie hinten zuhält. Wenn sie nicht gehen will, kann der Windkanal zu schmal oder zu weit sein. Zu schmal: Kern herausnehmen und noch einen flachen Span herunterschneiden. Zu weit: Aus dem übriggebliebenen nackten Holzstück einen neuen Kern mit schmälerem Windkanal machen. Oder die Rinde hat doch irgendwo einen Riss: Zurück an den Start.
12. Steigerungsstufe: Man schneidet das übriggebliebene nackte Holzstück gerade, sodass der Rest von der Fenster-Kerbe wegfällt und verschmälert es nach hinten auf dem gesamten Umfang ein wenig. Nur vorne bleibt ein Stück von etwa 5mm stehen. Die Vorderkante wird rundherum etwas gebrochen, damit sie nicht ganz scharf ist. Dann trennt man das Holzstück ab
13. und steckt es mit etwas Spucke mit dem original dicken Teil von hinten in die Pfeife. In ausgezogenem Zustand hat sie jetzt einen tieferen Klang,
14. in eingeschobenem Zustand einen ganz hohen. Man kann den Stoppel natürlich auch während des Pfeifens aus und ein schieben, halte sich dabei aber zur Sicherheit von reizbaren Personen fern. Das klingt nämlich mitunter sehr schrill.
15. Um den Windkanal nicht zusammenzudrücken nimmt man das Pfeifchen am besten nach der Seite in den Mund, wenn sich der Kern verschieben will, beißt man mit den Zähnen ein bisschen zusammen.
16. Zur Freude der reizbaren Personen hält so ein Pfeifchen nicht lange. Nach ein paar Stunden ist es eingetrocket und spielt nicht mehr. In einem dichten Plastiksäckchen kann man die Lebensdauer auf einen Tag ausdehnen.

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Beitragvon Jaegoor » 30.04.2006, 23:49

Hi Gnom,


aber die Maultrommel vom Bild hast Du nicht selbst gemacht!? Das ist eine gekaufte. Ich spiele selbst und habe exakt die gleiche wie auf dem Bild.
Habe mir mal eine aus schilfrohr gemacht. Klingt sehr gut.

Gruß Jaegoor
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Beitragvon Gnom » 01.05.2006, 17:10

Hallo Jaegoor !

Ich muß mich da kurz ein bißchen einmischen. Wenn der Norbert Schuller behauptet, die Maultrommel ist selbst gemacht, dann stimmt das. Denn: Der Norbert steht seit Jahren unter meiner Beobachtung und ich kann nur folgendes sagen:
1.) Der Norbert lügt nicht (das hat er auch nicht nötig)
2.) Der Norbert ist ein Genie - und zwar auf mehreren Gebieten (z.B. Zoologie, Buchbinderei, Schrift, Druck, Konditorei, Musik (mehrere Instrumente), Gesang, Weberei, Stricken etc. etc.. Beispiel gefällig?: Wenn dem Norbert kalt ist, geht er hinaus, schert seine Angorakaninchen, spinnt eine Wolle und strickt sich eine Haube von der die Claudia Url (ebenfalls Diplomandin am Zoologie-Institut) behauptet, dass sie noch nie so eine schöne gesehen hat. So einer ist der Norbert.

Über´n Norbert lass´ma nix kommen,

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Beitragvon Gnom » 02.05.2006, 21:43

Entschuldigung. Da hat sich ein Mitarbeiter von unserem Institut dazwischengeschummelt. Ich hab ihm eigentlich nur gesagt: Schau mal, da glaubt mir einer nicht, dass ich die Maultrommel selber gemacht hab...
Liebe ModeratorInnen, schaut mal, was ihr damit macht.

Lieber Jaegoor,

Du spielst Maultrommel? Du baust Musikinstrumente? Na schau, da haben wir ja doch etwas gemeinsam. Die abgebildete Maultrommel hab ich zur Sommersonnenwende 2005 geschmiedet. Deine ist ziemlich sicher aus gewalztem Material hergestellt. Ich hab auch einen Satz von 7 zusammengestimmten gekauften Maultrommeln, und sie spielen schön. Meine eigene ist mir aber lieber.

Daran erkennst Du, dass sie selbstgemacht ist:
Bild

Die Schenkel laufen zur Spitze hin konisch zusammen. Die Spitze eines Schenkels ist beim Schmieden ein wenig verbrannt. Der Rahmen ist sowohl von der Seite betrachtet verzogen als auch von oben nicht symmetrisch. Am Rahmen sind als Überbleibsel der Torstahl-Struktur noch feine geschraubte Zunderlinien erkennbar (z.B. Außenfläche am unteren Bild ganz unten).

Eine Bambusmaultrommel hab ich einmal meinem Bruder gekauft, nette Idee eine aus Schilf zu bauen. Muss ich gleich mal probieren...

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Beitragvon Jaegoor » 02.05.2006, 23:26

Hi Gnom,

jepp aus dieser Perspektive glaub ichs Dir. Beim oberen Bild wars nicht erkennbar. Vielleicht versuch ich mir auch mal eine zu schmieden. Diese Idee hatte ich noch nicht. Und ich hätte mir wahrscheinlich keine Mütze gemacht,(stricken ist nicht so mein ding)sondern eher eine neue Funda(Schleuder). Die dann aber auch mit 34 Enden geflochten, mit einem Eidechsenmuster der Chachapoya. Aber mit großer Sicherheit hätte ein Kaninchen dafür nicht gereicht.. Damit hätte ich wir dann was größeres jagen können. Mit dem Knochen eines Rehs hätt ich mich vielleicht sogar an eine Flöte getraut. Zum überleben draußen reichts aber mehr als genug. Ansonsten bin ich auch für filigrane Dinge zu haben.


Es grüßt Dich der Jaegoor ;-)
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