Position von Flötenlöchern

Was man nicht kaufen kann, muß man sich eben selber bauen. Hier geht es darum, wie man sich Werkzeuge und Arbeitsgeräte von der Dreule bis zum Gewichtswebstuhl selber bauen kann.

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Position von Flötenlöchern

Beitragvon Ingo » 18.10.2004, 10:34

Einen schönen Gruß an alle Musikfreunde,

eine Flöte selber bauen (z.B. aus einem Röhrenknochen) ist handwerklich das Eine, aber zu wissen, wo genau die Löcher hin müssen, damit die richtigen Töne rauskommen - das ist deutlich schwieriger - weiß da jemand im Forum Rat oder hat einen Link oder Wink ?

Noch einen schönen Tag

Gruß, Ingo
Ingo
 

Beitragvon Rigana » 18.10.2004, 10:58

try and error... leider... Es macht einen Unterschied, ob du ein konisches oder ein zylindrisches Rohr hast. Konische Rohre sind etwas leichter in Stimmung zu bringen Dann ist es auch oft nur die Größe und die Lage eines Loches, die den Ton sauber macht. Schau dir mal eine normale Schulblockflöte an: die Löcher sind unterschiedlich groß und sitzen nicht in einer Reihe.

Du musst meistens einen Kompromiss finden zwischen dem Tonsystem, das du verwenden möchtest (chromatisch, diatonisch, pentatonisch etc...) und der Greifbarkeit. Was nützt dir ein klarer Tonabstand, wenn das Löchle außerhalb der Reichweite der Finger liegt oder zu groß ist, um abgedeckt zu werden?
Mein Tipp wäre: fange mit kleinen Flöten mit einem kleinen Tonrahmen an und arbeite dich vor.

Vielleicht hilft es, eine Flöte ähnlicher Form und Größe als Vorlage zu nehmen und erstmal danach zu arbeiten. Danach musst du Feinausgleich mit neuen Modellen machen. Vielleicht hilft auch schnöde Physik, Fehler im Voraus zu vermeiden.

Instrumentenbau ist nicht umsonst ein eigenes Handwerk...

Liebe Grüße,
Rigana, die jetzt mal die Musikwissenschaftlerin raushängen ließ

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Beitragvon Detlef » 18.10.2004, 11:20

Das Problem ist nicht neu

Knochenflöte oder Musikinstrumente

da findest du Literaturtip und Link

Viele Grüße
Detlef aus DU
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Beitragvon Gnom » 13.12.2005, 11:45

Wenn die Flöte gedackt (=geschlossen) ist, hat man gewöhnlich kein Problem mit der Position. Man bohrt ein kleines Loch, wo man es haben will, und macht es so lange größer, bis das Tonintervall stimmt. Allerdings sprechen Gedackte mit langen Mensuren (lange Flöte mit kleinem Durchmesser) oft schwer an.

Bei offenen Flöten muss das Loch, je Näher es zum Ende rückt, umso größer werden für den gleichen Intervall. (Ist das deutsch? Verstehts irgendjemand?). Wenn die Flöte konisch zusammenläuft (Blockflöte) wirkt sich der Effekt noch nicht so stark aus, bei zylindrischen ist er schon stärker und bei konisch auseinanderlaufenden ist es ganz schlimm.

Beim Überblasen wirds dann noch komplizierter, was da genau passiert hab ich aber selbst noch nicht rausgefunden.

Ich werd mich aber bei einem gelernten Orgelbauer und Hornmacher schlau machen. Dauert ein wenig.

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Beitragvon Rigana » 13.12.2005, 12:11

Exkurs:
Beim Überblasen (was ja nur auf Querflöten bzw. Flöten ohne Labium in Schönheit möglich ist), nutzt du die Töne der Obertonreihe.
Je stärker du überbläst, desto kleiner werden die Intervalle.
Beispiel von einer gewöhnlichen Querflöte: du spielst ohne überblasen ein c' (alle Löcher abgedeckt), je nach Luftstärke beim Überblasen kommt zuerst die Oktave (c'' ) , dann die darüberliegende Quinte (g''- beim Querflötenspiel auch Flageolett genannt), dann die darüberliegende Quarte (c''' - man bemerke: die 2. Oktave zu c'!) etc... Es sind mehr Töne nach oben möglich, aber man benötigt zu einem sauberen Spiel der Töne einen guten Ansatz und Beherrschung der Luftzufuhr und zusätzlich muss man auch gut rechnen können, damit man weiß, was für ein Ton das ist. Wenn also nicht ein bestimmter Toneffekt oder immense Grifferleichterung bei schneller Passage gewünscht ist (überblasen ab Flageolett klingt anders als gegriffen!), dann ist Greifen leichter.
Wie gesagt, gehe ich hier von einer modernen Querflöte aus. Bei Flöten, die nur per Griffloch ohne Hilfsmechanik funktionieren, spielt das Überblasen eine wesentlich wichtigere Rolle.

Liebe Grüße,
Rigana

edit... ich hasse Automatik Zwinkersmilies
Dieser Beitrag wurde am 13.12.2005 - 13:11 von Rigana aktualisiert

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Beitragvon Gnom » 15.12.2005, 16:35

Liebe Rigana,

bei Blockflöten ist es glaub ich recht ähnlich. Das mit der Naturtonreihe versteh ich ja noch so halbwegs. Wo ich aussteige ist das:
Rigana schrieb

(überblasen ab Flageolett klingt anders als gegriffen!)

Nach welchen Gesetzmäßigkeiten gehts dann? Das hab ich noch nicht herausgefunden, wär aber zum Flötenbauen sehr interessant!
Rigana schrieb

... ich hasse Automatik Zwinkersmilies

Ich auch. Und wie!

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Beitragvon Rigana » 16.12.2005, 11:29

Hm... dafür müsste ich's dir mal vorspielen.
Als Flageolett wird beim Querflötenspiel das Überblasen in der Oberquinte und höher bezeichnet, d.h. Grundton, normal überblasene Oktave und dann Flageolett. Bei einem c' als Grundton wäre das Flageolett ein g''. Dieses g'' lässt sich aber auch problemlos spielen, indem man ein g' normal überbläst (also die Oktave des Grundtons).
Der normal überblasene Ton* ist stabiler und erfordert weniger Ansatz- und Luftkontrolle und das hört man.
Bei einer modernen Querflöte wird Flageolett daher nur benutzt, wenn man einen bestimmten Effekt haben möchte, oder wenn ein Flageolett eine schnelle Griff-Folge deutlich erleichtert.
Bei einer reinen Grifflochflöte schätze ich aber mal, dass Flageolett-Töne eine größere Rolle spielen, da sie den Tonraum sauberer erweitern als Sondergriffe.

Bei Blockflöten weiß ich's nicht, aber dort ist ein Überblasen eingeschränkter, weil die Luft bereits gelenkt wird. Ich krieg da nur Kiekser raus, wenn ichs probiere

Liebe Grüße,
Rigana

*Anmerkung: im Flötenspiel ist überblasen normal, sonst könnte man eine ganze Oktave nicht spielen

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Beitragvon Gnom » 16.02.2006, 16:39

Ich hab jetzt gefunden, worauf ich hinaus wollte.

In der Grundoktave kann man einfach irgendwo ein kleines Loch bohren und so lange erweitern, bis das Intervall stimmt. Dann das nächste Loch usw. Wenn ein Loch weiter oben liegt, wird es etwas kleiner bleiben, wenn es weiter unten liegt, muss mans halt ein bissel größer machen.

Da kann es dann aber vorkommen, dass die gleichen Löcher in der überblasenen Oktave ganz falsch spielen. Weil nämlich: Das Intervall wird von der Lage des Lochs und vom Durchmesser beeinflusst. Aber in der unteren Oktave hat die Lage des Loches eine größere Auswirkung als in der oberen Oktave. Und der Durchmesser des Loches wirkt sich in der oberen Oktave stärker aus als in der unteren. D. h. wenn man auch in der überblasenen Oktave ein stimmiges Instrument haben will, muss man 1. die richtige Position UND die richtige Größe finden und 2. Kompromisse machen und herumprobieren, weils spätestens bei den Gabelgriffen sowieso keine einfachen Gesetzmäßigkeiten mehr gibt.

Ein wenig genauer bei www.mollenhauer.com zu finden.

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