Brusttuch?! ("Erec" von Hartmann von Aue)

Hier geht es um mittelhochdeutsche Literatur und um die Übersetzung von Begriffen.

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Beitragvon Knappe » 07.05.2006, 14:55

*gg* Flinkhand, in deinem ersten Beitrag hast du aber 1170 - 1210 geschrieben; das ist nicht 10./11. Jahrhundert :biggrin:

Vielleicht ist es ja auch ein Übersetzungsfehler oder eine nicht ganz korrekte Übersetzung? Wir hatten das ja auch schon einmal mit dem "Bauernbundschuh", der scheinbar doch kein Bundschuh war...

Weißt du Bezeichnung, die das "Brusttuch" im mittelhochdeutschen Original trägt?
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Beitragvon Flinkhand » 07.05.2006, 17:18

Ich und Zahlen ... :blush:

Aber zur Übersetzung:

Original:
vür ir brust wart geleit ein haftel wil hande breit, daz was ein gelpher rubîn.


Übersetzung:
Ihr Brusttuch wurde zugesteckt mit einer handbreiten Nadel mit einem funkelnden Rubin.


Meinst du, das ist gar kein Tuch sondern sie trug die Nadel einfach über der Brust?!
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Beitragvon Lirana » 07.05.2006, 19:09

Flinkhand, ich hab zwar keine Ahnung von Übersetzung des mhd, aber ich würde eher nur auf eine Nadel tippen. Wenn man das Wort für Wort übersetzt, komm ich jedenfalls darauf.
Woher ist die Übersetzung? Ich les da nix von einem "Brusttuch" heraus.

"vor ihrer Brust war -geleit- ein Nadel, viel Hand breit, das war ein -gelber- Rubin"

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Beitragvon katharina v. breitenbache » 07.05.2006, 19:36

soweit ich weiß, werden diese schalktücher (Bild 1 und Bild 2) auch mit nadeln festhehalten... :-) aber ob es das damals schon gab... ?

hier sieht man sie sogar....
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Beitragvon Flinkhand » 07.05.2006, 19:58

@Lirana, das ist die Übersetzung aus dem Mittelhochdeutschen von Thomas Cramer - die Ausgabe ist zweisprachig gedruckt (Fischer Verlag - Taschenbuchausgabe). Ich hab beim Mittelhochdeutschen in der Schule gepennt (boah fand ich das damals langweilig :wacky: ), aber es kann natürlich sein, daß die so nicht korrekt ist. Was "geleit" heißt, weiß ich auch nicht ... aber ein gelber Rubin? Rubine sind doch immer rot, oder bin ich jetzt völlig von der Rolle? :gruebel:

Na ja, Ihr habt mich aber wenigstens schon mal darauf gebracht, auch mal auf die Originalschrift zu schielen - vielleicht arbeite ich da ja noch dran, dann kann ich bald auch mittelhochdeutsch quasseln :biggrin:

@katharina: Hm, ja. aber das hat ja nun gar nichts Mittelalterliches :gruebel:
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Beitragvon Knappe » 07.05.2006, 20:09

Hallo! Ich habe mal bei den Online- Wörterbüchern, die Beate einmal gepostet hat, nach "Haftel" gesucht. Die verweisen dort auf "Heftelîn" und übersetzen das mit "Spange zum Zusammenhalten eines Kleides"...

Bei einer Spange vor der Brust fällt mir jetzt spontan eigentlich nur ein Fürspan ein... :gruebel:
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Beitragvon steffi241 » 07.05.2006, 20:32

Finkhand hat geschrieben:dann kann ich bald auch mittelhochdeutsch quasseln :biggrin:


Na das wär ja mal ne willkommene Abwechselung zu dem üblichen selbst erfundenen Marktsprech gequatsche :klatsch: ;-)
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Beitragvon Lirana » 07.05.2006, 21:10

Vielleicht ist nichts anderes gemeint als eine Spange, die das Kleid über der Brust zusammenhält.
Was nun mit einem gelben Rubin gemeint ist, weiss ich auch nicht. Aber vielleicht war die Bezeichnung für den Stein damals anders, als wie das, was wir heute mit einem roten Rubin interpretieren.
Auja, Marksprache ist klasse, amüsant, lustisch!!!!
Trotzdem würd ich auch gern mhd sprechen und schreiben können. Obwohl sicher hier bei mir ein anderer Dialekt gesprochen wrude.

Gruß Lirana
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Beitragvon Sleipnir » 08.05.2006, 11:55

Ich würde auch dazu tendieren, das Wort Rubin als Synonym für Edelstein zu sehen, jetzt rein intuitiv.

Zum Brusttuch fällt mir noch ein, das in Goslar eines der ältesten erhaltenen Gebäude das "Brustuch" steht, ein ausgesprochen prächtig verschnitzter Bau. Wen ich das nächste mal in Goslar bin, werde ich mich mal kundig machen, warum sich dieser Name für das Gebäude über die Zeiten gerettet hat. Eventuell kommen wir ja so zu einer Erklärung....


LG Sleip
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Beitragvon Xia » 08.05.2006, 12:13

Könnte ein Brusttuch vielleicht so eine Art Liebespfand wie ein Taschentuch gewesen sein? Es muss ja nicht zwangshaft zur Standardkleidung gehört haben.
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