Nibelungenlied - Schneiderstrophen

Hier geht es um mittelhochdeutsche Literatur und um die Übersetzung von Begriffen.

Moderator: Moderatoren

Nibelungenlied - Schneiderstrophen

Beitragvon Macalla » 24.04.2007, 20:13

Sehr interessant sind immer wieder die sog. 'Schneiderstrophen' aus dem Nibelungenlied.

Abgesehen davon, dass es eine geniale Geschichte ist, ist sie auch gespickt mit Beschreibungen von Kleidung und Schmuck.
Das Lied wurde ja Publikum vorgetragen, das gerne beeindruckt werden wollte. Daher konnte man diese Beschreibungen immer wieder der neuesten Mode anpassen oder besonders ausgefallen gestalten.

Und genau da liegt jetzt auch wieder das Problem - man hat versucht besonders luxurioese Dinge zu beschreiben. Da kommt zum Beispiel Tuch aus Arabien vor und Juwelen aus Indien.
Trotzdem bekommt man einen sehr schoenen Eindruck von der Denkweise der damaligen modebewussten Damen und Herren.
Macalla
Jungfer / Knappe
Jungfer / Knappe
 
Beiträge: 90
Registriert: 22.02.2007, 14:31
Wohnort: Linz/Oesterreich

Beitragvon Frau Ute » 24.04.2007, 20:32

Ich hab ja mal gehört, solche Strophen in höfischen Romanen (auch Beschreibungen von Inneneinrichtungen, Turnieren, Pferden usw.) hätten damals die Funktion der Lifestyle-Magazine von heute gehabt. Quasi "Schöner Wohnen", "Vogue" und "Men's Health" des Mittelalters. ;-)
Benutzeravatar
Frau Ute
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 158
Registriert: 28.03.2007, 11:08
Wohnort: Halle/Saale

Beitragvon Macalla » 25.04.2007, 06:14

*lach* Ja, genau das ist ein sehr passender Vergleich :)
Macalla
Jungfer / Knappe
Jungfer / Knappe
 
Beiträge: 90
Registriert: 22.02.2007, 14:31
Wohnort: Linz/Oesterreich

Beitragvon Ermelind von Riuwental » 25.04.2007, 10:34

[ot]Wie gut, Frau Ute, dass wir zwei immer genau wissen, worauf sich die ;-) beziehen. Viel Spaß in der Vorlesung heute und im Kolloquium morgen. :-( [/ot]
Schäring is caring.
Benutzeravatar
Ermelind von Riuwental
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 111
Registriert: 12.03.2007, 14:59
Wohnort: Leipzig

Beitragvon Macalla » 26.04.2007, 07:22

Das Nibelungelied ist sowieso eines meiner absoluten MA-Lieblingswerke. Das ist das einzige von diesen Sachen, das ich auch wirklich vollstaendig im Original gelesen habe. Die Sprache ist naemlich vergleichsweise einfach. Und weil man sich nicht - wie in anderen Werken - in ewigen theologisch-moralisch-philosophischen Diskussionen ergeht kann man dem Text auch leicht folgen, wenn mal ein paar Worte drin sind, die man nicht sofort versteht.

Uebrigens: Mhd liest sich leichter, wenn man es sich laut vorliest - dann merkt man naemlich auch, dass sich viele Strukturen und Woerter bis in die heutigen Dialekte erhalten haben.

Aber zurueck zum Werk:
Mein Lieblingscharakter ist Hagen. Der Einzige mit Durchblick in der ganzen tragischen Geschichte.
Feindbild ist fuer mich Sigfrid - stark, huebsch und strohdumm.

Das Lied hat ab einem gewissen Punkt eine Unaufhaltsamkeit, die fast unheimlich ist. Ab da KANN es gar nicht mehr anders laufen, wenn man all die Mechanismen dieser Zeit bedenkt. Imho ist das der Punkt als Sigfrid bloed genug ist, sich seine 'Trophaeen' aus Brunhilds Schlafzimmer mitzunehmen.

Einfach nur noch klasse ...
Macalla
Jungfer / Knappe
Jungfer / Knappe
 
Beiträge: 90
Registriert: 22.02.2007, 14:31
Wohnort: Linz/Oesterreich


Zurück zu Mittelhochdeutsch

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast