Welches Material für Kettfäden?

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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Welches Material für Kettfäden?

Beitragvon Nienna » 14.05.2013, 05:21

Nachdem niemand auf meine letzte Frage geantwortet hat ( :-| ), stelle ich sie noch einmal anders:
Welches Material verwendet ihr für eure Kette (Baumwollgarn, Leinengarn, Wolle ...)? Was würdet ihr empfehlen, und woher bezieht ihr es?
LG Nienna
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Beitragvon marled » 14.05.2013, 11:53

Hast du schon Erfahrung im Tuchweben? Hast du einen Webrahmen oder Webstuhl? Was möchtest du gern machen? Soll es historisch korrekt sein und wenn ja für welche Zeit?
Falls es erstmal nur ein "Probeläppchen" sein soll, nimm Cottolin wie z. Bsp die hier von Traub oder Kuenzl. Das kannst du auch mit einem Wollschuss kombinieren.
Oder versuche es mit Sockengarn, da ist eine gleichmäßige Spannung aber schwieriger hinzukriegen, weil es viel elastischer ist.
[edit]Sorry, habe jetzt erst gelesen, dass du Bildwirkerei machen möchtest. Da solltest du vielleiccht auf das Teppichbaumwollgarnvon Traub zurückgreifen. Das ist 5fach gezwirnt und hält den Belastungen besser stand.[/edit]
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Beitragvon Klara » 14.05.2013, 12:09

Na wenn deine Fragen auch so kompliziert sind... (wobei ich mich an die andere gar nicht erinnern kann, gestehe ich)

Was ich als Kette nehme, richtet sich danach, was ich weben will! Das kann Angora/Seide (gemischt oder einzeln) für einen Schal sein, Nialin für ein Handtuch, Wolle für einen Poncho oder brettchengewebte Gürtel oder aktuell gerade Fiskegarn aus Baumwolle für Schussrips-Taschen.

Wolle, Angora und Seide spinne ich selbst, Nialin und Fiskegarn habe ich von Rudi Künzl, weil ich bei dem auch gleich gebrachte Kämme gekriegt habe. Das Gebrauchtmaterial gibt's in der Auswahl (glaube ich) nur bei Künzl - Webgarne gibt's in zig Online-Shops.

Während ich das hier tippe, hat marled schon geantwortet, und dazu möchte ich kommentieren: Ja, Wolle ist viel elastischer als Baumwolle, und die wiederum elastischer als Leinen (Nialin und Cottolin sind Baumwoll-Leinwoll-Mischungen und logischerweise zwischen den beiden Materialien in Reinform). Aber ich finde, Wolle schluckt kleine Fehler in der Spannung , und verzeiht auch sonst viel mehr (vor allem, wenn sie handgesponnen und sowieso unregelmässig ist. Wobei die Knubbel natürlich nicht so gross sein dürfen, dass sie nicht durchs Blatt passen).

Von Wolle abraten würde ich nur für erste Versuche in Techniken, wo die Kettfäden eng aneinander liegen (Doppelgewebe, Brettchenweben, Kettrips), weil Wolle "klebriger" ist als Baumwolle und Leinen.

Wenn du deine Frage konkreter stellst, können wir auch konkreter antworten!

Ciao, Klara
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Beitragvon Nienna » 15.05.2013, 08:23

Danke für eure Antworten!
Schreibe am Abend noch einmal
Lg Nienna
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Beitragvon Nienna » 15.05.2013, 20:31

@marled: Danke für den Tipp! Ich glaub, ich werde meinen Mann bei Traub-Wolle vorbeischicken, wenn er in der Gegend ist, dann soll er mir das Teppichgarn mitnehmen. Ich hab mich vorher schon auf der Seite umgesehen, aber ehrlichgesagt kann ich mit den Nm-Bezeichnungen immer noch nichts anfangen, und wusste nicht, welches Garn ich überhaupt nehmen kann.
@Klara: Das heißt, ich kann mich in Zukunft auch einmal an Wolle als Kette wagen? Für mich war Wolle ja immer das, was am ehesten reißt, aber da kommt es sicher auch auf die Art an ... :gruebel:

Mit meinem Ashford Tapestry Loom habe ich bis jetzt eine Tasche gewebt, leider haben sich die Ränder - und auch die Musterränder - sehr unschön zusammengezogen. Jetzt habe ich oben und unten jeweils alle 3 Millimeter Kerben eingeritzt - also 3 bis 4 Fäden pro Zentimeter -, damit sich zumindest die Kettfäden nicht verschieben.
LG Nienna
LG Anita
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Beitragvon marled » 15.05.2013, 20:53

die Ränder werden sich trotzdem zusammenziehen, wenn du den Schuss nicht in einem Bogen in das Fach einlegst. Der Schuss muss sich ja um die Kettfäden legen und verliert dabei an Länge, das sieht man hier auf den Bildern sehr schön Längenverlust beim Schuss
Deshalb werden die Ränder einziehen, wenn du nicht durch den Bogen sozusagen einen Längenausgleich machst.
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Beitragvon Klara » 16.05.2013, 12:03

Natürlich geht Wolle als Kettfaden! Ich hab' hier zwei Kelims mit Wollkette (nee, nicht selbst gewebt - kaufen war billiger, VIEL schneller und einfacher). Wie du richtig sagst, kommt's nur drauf an, welche (ich bin immer wieder schockiert, wie leicht gekaufte Wolle reisst) - und natürlich, was man webt (für einen Schal braucht's weniger Kettspannung als für einen Teppich). Und ein bisschen vielleicht auch auf den Webstuhl - meiner Meinung nach ist ein grosser Webstuhl mit Schnurlitzen schonender zur Wolle als so ziemlich alles andere.

Der alte Spruch "als Kettfäden gehen nur Garne, die man mit den Händen nicht zerreissen kann" ist ausgemachter Blödsinn: Die Kettspannung insgesamt verteilt sich auf auf alle Kettfäden, da bleibt für den einzelnen nicht mehr viel übrig. Bei mir scheuern sich Kettfäden höchstens durch (vor allem auf dem Kammwebrahmen, wenn der Knubbel im Angora nur gerade so eben durch's Loch im Kamm passt). Dann reissen bei manchen Leuten noch die Randfäden, weil sie das gleiche Problem haben wie du und das Gewebe sich zusammenzieht (es gibt übrigens auch Breithalter, die zwar auch nicht viel helfen, wenn man "den Bogen nicht raus hat" - da soll der Spruch herkommen - aber sonst schon was bringen). Last but not least zerreist mal ein Faden, wenn das Schiffchen oder der Schütze dagegenstösst.

Aber sonst ist das nicht so tragisch - in der Annahme, dass du mit "normalen" Garnstärken arbeitest, und nicht mit hauchfeinen Leinenfäden für eine Tüllgardine mit 12 Fäden/cm. Da half nur Schlichten (nach Bericht einer Bekannten - ich trau' mich an sowas nicht ran.)

Die andere Frage ist der Preis: Für Schussrips, wo man die Kette eh nicht sieht, nehme ich keine handgesponnene Wolle, das ist mir zu viel Arbeit, um sie zu verstecken. Was Wollkettgarn im Vergleich zu Baumwollkettgarn kostet, darfst du auf der Traub-Website selber nachforschen.

Und zuletzt noch eine kleine Warnung: Das dickste Baumwoll-Kettgarn, das Künzl verkauft (Nm xx/3x5 oder irgend so was) ist eine absolute Katastrophe mit sehr starkem aktivem Drall (der sich bei jeder Gelegenheit aufdröselt). Das Fiskegarn (heisst so, weil's aus Skandinavien kommt und man früher Fischnetze draus geknüpft hat) ist zwar dünner, aber wesentlich einfacher in der Handhabung.

Ciao, Klara
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Beitragvon Britta » 17.05.2013, 13:56

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Garn Farö NM 6 natur von Künzl in der Kette gemacht. Einfach zu verarbeiten, sehr stabil.

Gruß
Britta
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Beitragvon Nienna » 09.06.2013, 19:48

Hallo wieder einmal!
Nachdem mein Mann bei Traub-Wolle vorbeifahren wollte, dort jedoch weder das empfohlene Teppichbaumwollgarn Nm 10/5 (Lauflänge 2000m/kg) noch die Qualitätsmusterkarte auf Lager hatten und auch in nächster Zeit nicht haben werden, habe ich mich noch ein wenig umgesehen und bin auf einen Großlieferanten für Seilerwaren gestoßen. Der bietet sogar einige Kettzwirne fürs Handweben an:
Langflachszwirn ( Ne 4/2-fach, 1100 m/kg
Ne 8/2-fach, 2300 m/kg
Ne 8/3-fach, 1500 m/kg)
oder Baumwolle ( 1200 m/kg, 3-fach gezwirnt
1800 m/kg, 2-fach gezwirnt
3600 m/kg, 1-fach
6500 m/kg, 1-fach)

Außerdem gibt es eine Teppichweberei, die Kettmaterial aus Hanf anbietet. Was würdet ihr sagen, welche Stärke ist am besten?
LG Nienna




http://www.lotteraner.at/produkte/?catid=103010
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Beitragvon Silvia » 10.06.2013, 06:38

Hallo Nienna,
als Anfänger würde ich die Finger von Leinen lassen.
Warum: Leinen hat eine merkwürdige Eigendynamik, gerade wenn man mit der Weberei anfängt, hat man schon auf so vieles zu achten.

Welches Material magst Du denn gerne verarbeiten ? Was möchtest Du denn irgendwann einmal am liebsten weben ?
Es gibt Weber die auf Wolle schwören (mich).
Dann gibt es welche die sagen Wolle "bähh" , die ist elastisch, gib mir lieber Baumwolle.
Es gibt Weber die sich auf die Eigenarten von Leinen eingeschossen haben und keiner ist im Unrecht.

Meine ersten Webversuche waren aus Stickwolle mit Polyanteil.
Eine Sofadecke aus dicker Wolle beispielsweise ist ein schönes Übungsstück. Das Material ist nicht teuer, und man darf das Ergebnis lieb haben, ohne es überall zeigen zu müssen.
Ich webe viel und ich habe außer Leinen schon so ziemlich alles verwoben.
Auch das Dochtgarn von Woll Knoll unserem Forensponsor habe ich verwoben, allerdings ist das etwas schwieriger und sollte auf gar keinen Fall natura auf den Webrahmen, sondern erst wenn es durch Pflanzenfärbungen in sich gefilzt und somit stabiler ist.

Je mehr ich webe, um so schwieriger finde ich es das richtige Material für meine Zwecke zu finden.

Fast fürchte ich - so ganz ohne blutige Nase kommt keiner zum Tuch weben.
Ich würde Dir gerne einen link anbieten, zum Traumgarn, aber den habe ich leider nicht.
Für meine Projekte suche ich ständig und webe irgendwelche Sonderposten, mal mehr oder weniger Zufrieden.

Lass Dir doch von den Baumwollgarnen die Du da aufgelistet hast, mal Garnproben kommen. Dann hast Du eine Vorstellung wie dick das ist, und was Du haben möchtest. Vom Leinen würde ich wie gesagt die Finger lassen.

Und doch - Webgarn sollte reißfest sein. Es muss kein Auto abschleppen können, aber es sollte etwas aushalten.

Noch einen Rat zum Schluss : probier selber aus, und hüte Dich vor Ratschlägen von Leuten die selbst nicht wirklich Tuch weben.
Ein wenig Borte weben, oder von mir aus auch Viel, ist ein ganz anderes Ding, als einen Stoff auf einen Webstuhl herstellen.
Das ist in etwa so, als würde Dir ein Radfahrer die Gangschaltung vom Trecker erklären.
Silvia
 

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