Samitum weben

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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Samitum weben

Beitragvon wurm » 28.05.2006, 18:38

Ich habe es an verschiedenen Orten dieses Forums schon durchblicken lassen: Mir reicht der normale Trittwebstuhl nicht, ich bin verrückt und will ihm einen Musterharnisch für Samitgewebe aufsetzen. Habe erst mit Lampas geliebäugelt, aber da brauche ich zwei Musterharnische, wir wollen mal nicht gleich übertreiben. Daß ich schon die Vorschäfte in doppelter Ausführung brauche, für Grundbindung und Musterbindung, sollte ja erstmal reichen.
Technisch ist das alles kein echtes Problem, ich habe dafür ja keinen Zeitdruck. Wie so ein Webstuhl aussah, ist unbekannt, wir kennen nur die Gewebe und können von daher Rückschlüsse ziehen.
Mal zum Denkanstoß: Der Elefantenstoff von Karl dem Großen hatte nur 20 Kettfäden pro cm, aber 150 Schußfäden pro cm. Bei einem Rapport von 60 cm im Quadrat sind das 12.000 Zugfäden, die zur Musterbildung einzeln beweglich angeknüpft werden mussten. Ein Wahnsinn. Und das war erst um 1000 (ja, weil Karl nur später zugeschrieben), ich will ja eigentlich ins 13. Jahrhundert kommen!
So wirklich zeitgemäß weben werde ich also nicht können, es sei denn ich kriege eine Handvoll Sklaven für die Arbeit.
Mir schwebt vor, genau wie den Alten, bei einem Muster zu Lebzeiten des Webstuhls zu bleiben, weil allein das Einrichten eine Lebensaufgabe ist. Und mir würde eine Bandweberei von 10 cm oder so auch reichen, für den Anfang.
Ich bin gespannt auf Anregungen, und Vorschläge die mir den Einstieg erleichtern können, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.
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Beitragvon Silvia » 29.05.2006, 07:07

Hallo Fabian,
Öhmm,ich hab keine Ahnung bin aber neugierig,Samit,ist das Samt?Ich hab mich schon oft gefragt wie derhergestellt wurde.Vor allem wie der Flausch ins Gewebe kommt.Wenns hier darum geht,könntest Du es erklären?
Ich sag schon mal lieb Danke schön und bin gespannt.
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Beitragvon Claudia » 29.05.2006, 11:00

Nein, Samît ist definitiv kein Samt.

Samît ist ein gemustertes Gewebe mit zwei Kett- und zwei Schußsystemen, wobei nur die Schüsse das Muster bilden. Diese Gewebe sind in der Regel aus Seide.

Mehr dazu hier:
http://www.dueppel.de/lexikon/bindung.htm
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Beitragvon wurm » 29.05.2006, 13:10

ja, die sehr verwirrende Benennung von Samt und Samit wird schon in einem anderen Thread ausführlich besprochen. Da kannst Du mal mit der Suchfunktion hinkommen. Aber es gibt ja hier auf Flinkhand auch dieses Lexikon der Handarbeitsbegriffe, da sollte ich vielleicht mal ein paar Definitionen eintragen.
Mal sehen, wie weit ich heute komme.
Ich sage mal hier vorab was zum Samt, auch wenn das jetzt nicht in diesen Thread gehört: Beim Samt gibt es erstmal die normale Grundbindung aus Kette und Schuß, die das Gewebe zusammenhält. Dann kommt aber noch ein zusätzlicher Schuß dazu, der um einen Stab gewickelt wird, so daß später kleine Schlaufen aus dem Gewebe hervorstehen. Wie bei einem Frottee-Handtuch. Wenn man diese kleinen Schlaufen aufschneidet, entsteht der typische glänzende Flor. Die ersten Samte entstanden im 14. Jahrhundert, waren aber unbedeutend. Erst um 1450 wird Samt schlagartig modern, und ist das typische Gewebe der Renaissance. (Dieser letzte Absatz kann gern gelöscht werden, wenn diese Informationen den richtigen Ort gefunden haben)
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Beitragvon Flinkhand » 29.05.2006, 17:48

Dieser besagte Thread ist hier ;-)
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Beitragvon wurm » 29.05.2006, 18:33

danke Flinkhand für die Ergänzung!

Meine obige Falschaussage will ich schnell korrigieren: Die Schlaufen beim Samt kommen aus der Pol-KETTE, nicht von einem Schuß!
Jetzt aber schnell wieder zurück zum eigentlichen Thema. Tschuldigung, das musste ich nur sagen.
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Beitragvon Silvia » 29.05.2006, 19:03

Hallihallo,
ich Danke Euch für die Aufkärung!
Viele Grüße
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Beitragvon wurm » 29.05.2006, 22:01

boahhh, bin noch immer in der Theorie, bevor ich mit dem samitweben loslegen kann. Die einschlägige Literatur ist sich einig, daß wie beschrieben in der definition, mit zwei Kettsystemen und einem Musterharnisch gewebt wurde. Denkbar ist das natürlich, erscheint mir aber nicht zwingend notwendig:
Gesetzt den Fall, ich webe den Schußfaden gerade durch eine Strecke von einigen Zentimeter "Musterbindung". Dann entspricht die Fachaufteilung genau dem Einzug des Vorschafts, aber dem, der gerade nicht aktiv ist. Anstatt also an die 12.000 Fäden einzeln im Harnisch zu verknüpfen, könnte ich doch einfach das Fach wechseln? Gut, werden die Weber sagen, ein Fachwechsel innerhalb desselben Eintrages sei unüblich. Das ist sozusagen nur Halbautomatik, der Webstuhl ist ja gerade zur Automatisierung gebaut.
Aber einfacher it es doch schon, oder?
Gerade bei schmalen Geweben mit geringen Auflagen, wie den Kölner Borten, will mir die Notwendigkeit eines harnischs nicht in den Kopf.

Zumindest habe ich mir inzwischen erschlossen, und darüber bin ich nicht ganz so verunsichert, daß ein nach oben gezogenes Litzenbrett des Musters genau immer einem nach unten gezogenen Litzenbrett des Grundes entspricht, diese beiden also über die Umlenkrolle miteinander verbunden sind. Mit einem einzigen Pedaltritt öffne ich also die beiden Webfächer für Grundschuss und Musterschuss. Da viele Einträge ja auch durchgängig dem einen oder anderen zuzuordnen sind, ohne daß ein Musterwechsel stattfindet, ist das sehr ergonomisch.
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Beitragvon wurm » 04.08.2006, 19:20

Bin jetzt soweit:
Statt mit Lampas anzufangen, wird an meinem Webstuhl jetzt ein 15 cm breites Band in Samit gewebt. Aufregend ist das, denn ich kenne niemanden der das schonmal gemacht hat, und erarbeite mir die Aufbäumung aus den Textilanalysen der Museumskataloge. Da ist Samit erstmal einfacher als Lampas, und ich will doch einen Schritt nach dem anderen machen.
Aber irgendwie ist es auch, wenn man Schritt für Schritt weitermacht, ganz idiotensicher. Man muss nur Schemazeichnungen stupide abarbeiten, und das sollte doch machbar sein.
Die nächsten Tage trage ich erstmal die Modellschüsse mit der Nadel ein, anhand derer ich die Fäden in die Litzen einknüpfe. Auf diese Weise kann hoffentlich nichts schiefgehen. Immer ein Faden Musterschuß, und ein Faden Grundschuß. Anschließend der zweite Faden Musterschuß und der zweite Grundschuß etc. So weiter, bis alle Möglichkeiten durch sind. Da je ein Einzug Musterschuß einem Einzug Grundschuß entspricht, können beide über Umlenkrollen an zwei Tritten paarweise befestigt werden.
Bei einem dreischäftigen Köper als Grundbindung macht diese Verdoppelung also sechs Tritte. Meinen zweiten Kettbaum brauche ich gar nicht, denn ich habe Grundkette und Musterkette für sich geschärt und dann übereinandergenäht, so daß das ganze eigentlich nur noch eine Kette ist. Also nur ein Kettbaum.
Die Höhe der geöffneten Fächer mus nur so eingestelllt werden, daß man mit einem Pedaltritt wirklich zwei Fächer öffnen kann: Eins über und eins unter der Grundkette, die sich ja gar nicht bewegt. Pro Schuß werden also zwei Fäden eingetragen, einer oben, einer unten.
Momentan habe ich 90 Fäden auf 15 cm, dicke Wollfäden. In authentischen Dimensionen gedacht, ist das gerade mal eineinhalb Zentimeter in feinen Seidenfäden. Aber wenns erstmal alles klappt, kann man sich ja immer noch der Miniaturisierung zuwenden, erstmal gehts mir ums Prinzip.
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Beitragvon wurm » 05.08.2006, 21:50

ja, hier passt das Thema besser hin, danke Marled!
So gings heute weiter:
Zum Zählen und überprüfen habe ich pro Fachöffnung einen Faden per Nähnadel eingezählt, und ziehe jetzt Stück für Stück die markierten Fäden durch die Litzen. Das hätte ich mir schlimmer vorgestellt: Bei den "nur" 90 Fäden meines Probe-Samitums kommen maximal 10 Fäden in die Litzen eines Faches. Die Hauptkette bleibt dabei immer unbeachtet, sie ist später in der Mittellage des Gewebes und völlig inaktiv.
Kleines Missgeschick am Rande: Ein Kettfaden hat sich aus der Anfangskante gelöst und lag plötzlich frei in meiner Hand. Naja, das wäre sowieso passiert, ob Samit oder einfache Leinwandbindung. Habe ich halt nicht ordentlich festgemacht.
Außerdem habe ich mir so ein "Faden-durch-das Reet-zieh-Blech" gemacht, wie heißt das Gerät bloß? Irgendwann brauche ich das Ding ja, und mit einer Feile und einem schmalen Spachtel konnte ich mir da aushelfen.
Nun bin ich immer noch gespannt auf die ersten Webe-Ergebnisse, aber so einige Litzen liegen da noch vor mir...
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