Fischgrät

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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Fischgrät

Beitragvon Tjorven » 07.05.2005, 22:07

Ich habe auf einigen Abbildungen (Fotos) von Reenactment-Darstellern der Wikizeit Fischgrätstoff gesehen, jetzt mal eine ganz glöde Frage von jemandem, der von Webstühlen nicht viel Plan hat:

Wie geht Fischgrät am Gewichtswebstuhl? Braucht man da nicht vier Schäfte zu? Ist das machbar und wie? Oder ist das ganze einfach nicht "a"?

Ich will mich da jetzt nicht dran geben, aber ich habe mit einer Freundin diskutiert, die auf "normalen" Webstühlen webt und das nicht so recht glauben kann.

Außerdem habe ich da noch entsprechenden Wollstoff, der eine Schürze werden will....
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Beitragvon marled » 08.05.2005, 09:20

Na klar geht das auf einem Gewichtswebstuhl, wenn er dann mit drei Schäften und dem natürlichen Fach ausgerüstet ist (das entspricht 4 Schäften beim Flachwebstuhl). Man muss sich nur den Einzug durch die Litzen von der Horizontale in die Vertikale umdenken, sonst ist alles gleich.
Natürlich ist es mühsamer, weil man die Schäfte per Hand ausheben muss, aber von den Mustermöglichkeiten her gibt es keine Unterschiede.
Hier den genauen Einzug zu beschreiben, würde den Rahmen einer Antwort sprengen. Notfalls kannst du mich ja privat anmailen, dann versuch ich es mal in einem Brief.
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Beitragvon Flinkhand » 08.05.2005, 10:30

Muß ja auch gehen - laut Schlabow gab's Fischgrät wohl auch schon in der Eisenzeit, wenn mich meine Erinnerung jetzt nicht täuscht, und da hatten die ja nur Gewichtswebstühle.
Zuletzt geändert von Flinkhand am 09.09.2006, 17:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Tjorven » 08.05.2005, 16:48

Danke Euch beiden, genau DAS wollte ich eigentlich nur wissen!

@ marled: Danke für das Angebot, vielleicht komme ich irgendwann mal drauf zurück!
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Beitragvon N.R.U. » 12.07.2005, 12:28

Gina hat geschrieben:Weben eines Fischgratköpers

Bild

Der Fischgratköper ist vom Einzug her identisch mit dem Gleichgratköper.
Auch der Fischgratköper geht über 4 Schäfte. Da die Schräge wechselt wird sie nicht vorab angegeben.
Wir können den Einzug in Z-Richtung beginnen und bis zum Schluß beibehalten und durch regelmäßiges Vor- Rückwärtsweben eine senkrechte gezackte Linie erwirken. Oder eine quergezakt Linie indem wir den Einzug abwechselnd nach rechts und links laufen lassen. Wann die Spitze kommt bleibt dem Weber überlassen. Es kann beispielsweise so eingezogen werden:
//////\\\\\\//////\\\\\\ oder \\\///\\\///\\\///
Ein Strich bezeichnet eine volle Einzugsreihe über alle Schäfte (einschließlich Trennstab).
Eingezogen wird also Trennstab (4), dritter Litzenstab, zweiter Litzenstab, erster Litzenstab sechs mal, dann zurück sechs mal. Ist schon im Zickzack eingezogen so werden die Litzenstäbe immer von 1 bis 4 betätigt oder von 4 nach 1, aber immer gleichbleibend.

erster Schuß 4 und 3 gehen hoch
zweiter Schuß 3 und 2 gehen hoch
dritter Schuß 2 und 1 gehen hoch
vierter Schuß 1 und 4 gehen hoch
So fortfahren bis zum Ende des Gewebes.
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Beitragvon Mona » 12.07.2005, 20:21

Zu welcher Zeit wurde denn Fischgrätköper getragen?
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Beitragvon Flinkhand » 15.07.2005, 20:43

Fischgrat gibt es m.E. bereits seit der Eisenzeit, wenn ich das aus dem Schlabow richtig in Erinnerung hab ...
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Beitragvon Dvergr » 19.03.2007, 14:24

N.R.U. hat geschrieben:
Gina hat geschrieben:Weben eines Fischgratköpers

Bild

Der Fischgratköper ist vom Einzug her identisch mit dem Gleichgratköper.
Auch der Fischgratköper geht über 4 Schäfte. Da die Schräge wechselt wird sie nicht vorab angegeben.
Wir können den Einzug in Z-Richtung beginnen und bis zum Schluß beibehalten und durch regelmäßiges Vor- Rückwärtsweben eine senkrechte gezackte Linie erwirken. Oder eine quergezakt Linie indem wir den Einzug abwechselnd nach rechts und links laufen lassen. Wann die Spitze kommt bleibt dem Weber überlassen. Es kann beispielsweise so eingezogen werden:
//////\\\\\\//////\\\\\\ oder \\\///\\\///\\\///
Ein Strich bezeichnet eine volle Einzugsreihe über alle Schäfte (einschließlich Trennstab).
Eingezogen wird also Trennstab (4), dritter Litzenstab, zweiter Litzenstab, erster Litzenstab sechs mal, dann zurück sechs mal. Ist schon im Zickzack eingezogen so werden die Litzenstäbe immer von 1 bis 4 betätigt oder von 4 nach 1, aber immer gleichbleibend.

erster Schuß 4 und 3 gehen hoch
zweiter Schuß 3 und 2 gehen hoch
dritter Schuß 2 und 1 gehen hoch
vierter Schuß 1 und 4 gehen hoch
So fortfahren bis zum Ende des Gewebes.



Äh... kommt mir das nur so vor, oder ist das hier denn nicht eher Spitzgrat, und nicht Fischgrat? :gruebel:
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Beitragvon marled » 19.03.2007, 15:52

Ja, du hast natürlich völlig recht, aber Gina ist eine Kapazität im Bereich Textilbearbeitung und da habe ich gar nicht drüber nachgedacht, ob das jetzt tatsächlich stimmt :nixweiss: .
Fischgrät ist sozusagen ein versetzter Spitzköper. HIER
sieht man sehr schön, dass die weißen Linien nicht auf die Schwarzen treffen, sondern halt versetzt sind.
Das gilt übrigens auch für den Diamantköper im Vergleich zum Rautenköper!
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Beitragvon Claudia » 19.03.2007, 17:29

Zu Zeiten des Gewichtswebstuhls ist meines Wissens nur Fischgrat nachgewiesen, kein Spitzköper.
Ebenfalls ist kein Diamantköper nachgewiesen, nur versetzte Raute.
Martha Hoffmann erläutert das sehr schön in "The warp-weighted loom". Der Grund ist ein Schnellverfahren für das Litzenknüpfen, das einem viel Arbeit erspart, das aber dazu führt, daß immer versetzte Köperarten rauskommen wenn man mustert, niemals symmetrische (wie Spitzköper oder Diamant).
Das ist wie gesagt in "The warp-weighted loom" erläutert - wer sich genauer dafür interessiert, sollte sich das Buch besorgen.

Sobald der Horizontalwebstuhl benutzt wird, sieht die Sache anders aus, da ja auch das Aufketten und Einziehen ganz anders ist (und auf diesem Gebiet kenne ich mich auch so gut wie gar nicht aus, da laß ich lieber andere was dazu sagen)..
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