Fischgrät

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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Beitragvon Rigana » 19.03.2007, 17:56

ui, die Unterschiede wusste ich gar nicht... Wieder was dazu gelernt :-)

Liebe Grüße,
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Beitragvon Dvergr » 19.03.2007, 18:12

Claudia hat geschrieben:Zu Zeiten des Gewichtswebstuhls ist meines Wissens nur Fischgrat nachgewiesen, kein Spitzköper.


Äh... doch^^

Die Bandfunde in Haithabu sind größteneils in Spitzköper... Einige Ausnahmen sind in auch in Rautenköper, aber die unterscheiden sich auch zb auch durch Breite von den andern Beinwickeln...
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Beitragvon Beate » 19.03.2007, 18:17

Claudia hat geschrieben:Zu Zeiten des Gewichtswebstuhls ist meines Wissens nur Fischgrat nachgewiesen, kein Spitzköper.
Ebenfalls ist kein Diamantköper nachgewiesen, nur versetzte Raute.


Kennst du "Die Textil- und Schnurreste aus der frühgeschichtlichen Wurt Elisenhof"? :lesen: Da sind mehre Seiten Zeichnungen der Bindungsarten darunter auch Spitzköper und Diamantköper. Mir ist nicht bekannt, dass es auf der Wurt im 8. Jhd. schon mit dem Horizontalwebstuhl gewebt wurde. Die gefundenen Webgewichte sprechen wohl doch für einen Gewichtswebstuhl?
Auch unter den weit früher zu datierenden Textilfunden (Germanen) gibt es doch Diamantköper. Oder verstehe ich hier was falsch? :gruebel:
Beate
 

Beitragvon Claudia » 19.03.2007, 19:13

Martha Hoffmann hat ziemlich viele Funde analysiert und ist immer auf unregelmäßige Raute gestoßen, auch wenn in der Fundbeschreibung Diamant angegeben ist (bis auf vier Ausnahmen, bei denen sie bei zweien aber Fehler - z.B. gebrochener Kettfaden oder Litze und dann falsch zusammengeflickt - festgestellt hat, die dazu führen, daß in einem sehr kleinen Bereich eine Diamantbindung entsteht. Nur bei zwei Fragmenten war - teilweise durch starken Zerfall - nichts feststellbar).
Bei Schlabow habe ich auch schon etliche Zeichnungen angeguckt und (wenn vorhanden) mit den Fotos verglichen und bin bei einigen darauf gestoßen, daß die Zeichnung nicht mit dem Foto zusammenpaßt. Man müßte also bei allen Webmusterzeichnungen erst noch mal das Original angucken, bevor man der Zeichnung glaubt :-(

Die Thorsberghose in Gottorf ist z.T. auch so ein Fall. Da ist in der Publikation angegeben, daß der Hauptteil der Hose Raute ist und ein Füßling Gleichgrat. Ich hab mir das Ding angeguckt, daß mir fast die Augen rausgefallen sind - es ist alles Raute (unregelmäßige).

Deswegen würde ich schon gern die Funde sehen, bevor ich den Webbrief glaube. Sorry, das soll jetzt kein Mißtrauen gegen Euch sein.

Der Clou an Frau Hoffmanns Argumentation ist halt, daß bei der Menthode, die sie erläutert, die Kette immer gleichmäßig in zwei Hälften aufgeteilt wird, eine vor, die andere hinter dem Trennstab (2 Fäden vor, zwei hinter dem Trennstab, usw.).
Dadurch ist die Kette immer gleichmäßig ausbalanciert.
Die Litzen werden dann um jeweils zwei Fäden gebunden, nicht nur um je einen, wie man es tun würde, wenn man an das Weben auf dem Horizontalwebstuhl gewöhnt ist. Die Aufteilung der Kette in die zwei Gruppen erfolgt bereits beim Weben der Anfangskante, so daß man sich das Fädensortieren spart und das Binden der Litzen ist auch ziemlich regelhaft (kann ich jetzt ohne Bild schlecht erläutern), so daß es unheimlich Zeit spart.

Die Elisenhof-Funde guck ich mir mal an, die hab ich erst letztens in Kopie bekommen..
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Beitragvon marled » 19.03.2007, 19:15

Selbst in den Funden der Hallstatter Salzbergwerdke findet sich Spitzköper. Wie Marta Hoffman zu dieser Annahme gekommen ist, scheint mir ein Rätsel, denn es ist wirklich egal, ob man um einen Faden eine Litze knüpft oder diesen durch eine vorhandene zieht.

Marled, die grad an einem Diamantköper arbeitet
http://i24.photobucket.com/albums/c5/ma ... nstoff.jpg

[mod="Rigana"]Das Bild ist wunderschön aber leider auch rieeeesig. Ich habe es daher in einen Link verwandelt. LG Rigana[/mod]
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Beitragvon Claudia » 19.03.2007, 19:21

Es ist vielleicht egal, ob man einen Faden durch eine Litze zieht oder eine neue drumknüpft. Es ist aber überhaupt nicht egal, ob die Fadengruppen gleich beim Weben der Anfangskante sortiert werden (durch die Art, wie gewebt wird), oder ob man die Fäden beim Aufketten mühsam einzeln sortieren muß. DAS ist der Punkt, wo unheimlich Zeit gespart wird.
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Beitragvon marled » 19.03.2007, 19:23

Claudia hat geschrieben:
Der Clou an Frau Hoffmanns Argumentation ist halt, daß bei der Menthode, die sie erläutert, die Kette immer gleichmäßig in zwei Hälften aufgeteilt wird, eine vor, die andere hinter dem Trennstab (2 Fäden vor, zwei hinter dem Trennstab, usw.).


Ich habe inzwischen einige Gewichtsstuhlweberinnen gesehen, die mit drei und mehr Schäften arbeiten und die haben für jeden Faden eine eigene Litze.
Anders kann das meiner Meinung nach auch nicht funktionieren, aber ich müsste diese Methode noch einmal durchdenken um endgültig was dazu sagewn zu können.
Ich würde auch nicht verstehen, aus welchem Grund man sich Mustermöglichkeiten beraubt hat, was durch die Methode oben automatisch erfolgen würde.
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Beitragvon marled » 19.03.2007, 19:28

Claudia hat geschrieben:
Ebenfalls ist kein Diamantköper nachgewiesen, nur versetzte Raute.
.


Mal wieder zu schnell gelesen: Diamantköper ist eine versetzte Raute, ich glaube, das kann man auf dem Foto ganz gut erkennen.

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Beitragvon Claudia » 19.03.2007, 19:41

Ähm, da muß ich was falsch übersetzt haben...das Buch ist ja in Englisch :gruebel:
Jedenfalls meinte sie, daß keine regelmäßigen Rauten nachgewiesen sind (ich könnte schwören, auf englisch stand da "diamond" - aber ich guck noch mal nach).
Ich melde mich wieder, wenn ich die Nase noch mal ins Buch gesteckt habe.

Ich würde auch nicht verstehen, aus welchem Grund man sich Mustermöglichkeiten beraubt hat, was durch die Methode oben automatisch erfolgen würde.

Ich schon. Zeitersparnis ist schon ein gewichtiger Grund, wenn man alle Stoffe für den Bedarf der Familie am Gewichtswebstuhl herstellen muß.
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Beitragvon Dvergr » 19.03.2007, 20:02

Mag sein, dass es umständlicher ist einen Spitzgrat am Gewichtsstuhl zu weben, als einen Fischgrat... nichts desto trotz ist spitzgrat eindeutig belegt.

Beispiel: Haithabu, Bandfragment S 26:
Bild
(Bildquelle: Inga Hägg, "Textilfunde aus der Siedlung und aus den Gräbern von Haithabu", 1991, Wachholtz Verlag... rote Kennzeichnung von mir editiert, um das Muster hervorzuheben)


Liebe Grüße,
der Dverg
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