Gewichtswebstuhl... brauchbare stoffe möglich?

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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Gewichtswebstuhl... brauchbare stoffe möglich?

Beitragvon Elin » 10.09.2006, 22:16

Moin,

zugegebener Maßen ich fange gerade an mit dem Spinnen... aber ich träume schon ein wenig von dem verweben der gesponnen garne am Gewichtswebstuhl (den ich wenns spinnen gut klappt irgendwann bauen möchte).
Ich hörte bisher oft, dass man nur 60cm gut weben könne und dann ncihts mehr... oder dass man keine brauchbaren stoffe für Kleidung beispielsweise hinbekommt. Miene Frage.. ist das grundsätzlich so, oder kriegt man das mit etwas Übung doch noch brauchbar hin.
Oder sind irgendwann soagr Stoffe in Zeltstoffqualität (also für trockene Zelte ohne imprägnieren) möglich? Dazu sei erwähnt, dass ich jetzt "erst" 21 bin und wenn mich dieses Faible nicht mehr loslässt mir noch n paar Jahrzehnte zum ben bleiben.

Ist es gar ohne fachmännische Anleitung vor Ort möglich? Sprich aus eigenrecherche?

Achja.. würd mich auch über (am liebsten deutschsprachige) Quellen was Gewichtswebstühle und daran weben angeht sehr freuen.

Liebe Grüße

det Elin
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Beitragvon marled » 11.09.2006, 11:52

Hi!
Woher hast du denn diese merkwürdige Aussage: Man kann nur 60 cm gut weben?
Denk immer daran, dass tausende von Jahren lang die gesamte Stoffproduktion für den Eigenbedarf und auch für den Verkauf bzw. als Handelsware auf dem Gewichtswebstuhl erfolgte!
Was mir zur Zeit bei der Arbeit am Gewichtswebstuhl etwas zu schaffen macht: dass es keine Menschen mehr gibt, die das wirklich gelernt und auch im täglichen Leben ausgeübt haben. Alles was die aktiven Weber heute umsetzen, haben sie mehr oder weniger aus Büchern! Mit anderen Worten: bei allen Leuten, die ich kenne, fehlen noch so ein paar Kniffe und Arbeitserleichterungen, auf die wir dummen Neuzeitler noch nicht gekommen sind. Darum ist das Weben auf dem Gewichtswebstuhl heute sehr arbeitsintensiv und sicherlich mit mehr Aufwand verbunden als es vor 1000 Jahren war. Aber auch heutzutage gibt es einige Menschen, die auf Gewichtswebstühlen brauchbare und schöne Stoffe produzieren. Ich gehöre noch nicht dazu, bin erst dabei mich da ran zu tasten.
Wenns richtig um Stoffproduktion geht für Kleider, Decken oder ähnliches, greife ich lieber auf meinen Trittwebstuhl zurück. Auch wenn der noch sehr altmodisch ausgestattet ist (kei Kontermarsch, keine Schnelllade, kein Direktzettelsatz oder ähnliches), spare ich gegenüber dem Gewichtswebstuhl doch einiges an Zeit. Und bei Problemen gibt es Literatur von Leuten, die damit noch für ihren täglichen Bedarf gearbeitet haben: also aus der Praxis für die Praxis!
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Beitragvon wurm » 11.09.2006, 12:06

also im Januar ist ein Beitrag über den Gewichtswebstuhl in Pax & Gaudium. Da wird verständlich -und auf deutsch- erklärt wie man sowas baut und benutzt. Natürlich sind vier Seiten sehr beschränkt, da kann man nicht auf alle Details eingehen.
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Beitragvon Claudia » 11.09.2006, 12:14

Ich weiß auch nicht, wie man auf so komische Aussagen kommt. Was hätten unsere Vorfahren vor tausend und mehr Jahren wohl angezogen, wenn man auf dem Gewichtswebstuhl keinen brauchbaren Stoff weben könnte?
Alles eine Frage der Übung. Gerade auf dem Gewichtswebstuhl hat man ja den Vorteil, breitere Stoffe weben zu können als auf dem Horizontalwebstuhl. Lies mal von Martha Hoffmann "The warp weighted loom". Darin sieht man, daß es in Norwegen noch bis ins 20. Jh. Frauen gab, die auf diesem Webstuhl weben konnten und darauf sehr breite Wolldecken hergestellt haben. Außerdem wertet sie auch die Überlieferungen aus Island aus, wo noch bis ins 17. Jh. ausschließlich auf dem Gewichtswebstuhl gewebt wurde. Diese Stoffe wurden übrigens vornehmlich nach Europa exportiert! D.h. das Gewebe war von keiner geringeren Qualität als das in Europa auf dem Horizontalwebstuhl hergestellte!
Es gibt auch haufenweise Fundstücke, die z.T. sehr große Webbreiten für den Gewichtswebstuhl belegen: Der Reepsholt-Kittel, der in Hannover ausgestellt ist, Reihen von Webgewichten, die bis zu 5 Meter betrugen, usw.

Wenn jemand heute auf dem Gewichtswebstuhl keinen vernünftigen Stoff herstellen kann, heißt das höchstens, daß derjenige zuwenig Übung hat.

Apropos Lernen von alten Techniken: In Schweden gibt es eine Schule, an der man ganz speziell ur- und frühgeschichtliche Handwerkstechniken lernen kann (Beckedal). Man kann dort einzelne Kurse nehmen, aber auch eine Vollzeitausbildung machen. Im Sommer habe ich eine Schwedin getroffen, die sich vor ihrer eigentlichen Berufsausbildung dort für ein Jahr eingeschrieben hatte. Sie hat dort auch Weben am Gewichtswebstuhl gelernt und hatte ein wirklich wunderschönes Schultertuch gemacht *sabber*. Sie hat mir dann bei meiner eigenen Weberei einige Tips gegeben.
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Beitragvon Elin » 11.09.2006, 13:05

weiß nimmer genau wo das war. aber die (die mit den 60cm) meinte dass sich die kettfäden dann dermaßen verhaken dass man nimmer eiterkommt.

Naja, dass früher sowas möglich war, ist logisch. Mir gehts halt darum sowas heute herstellen zu können. Aber ich seh schon, dass ich im dieseine englischsprachige Buch nicht herumkommen werde (bin zwar lang inner schule gewesen und hab lange englischunterricht gehabt.. aber ich kam mit akzeptablen noten durch und hab kein stück englisch gelernt dabei.. naja.. üben).

Aber danke für eure Meinungen. letztendlich denk ich auch, dass mit reichlich übung das zu schaffen sein sollte :).
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Beitragvon David » 11.09.2006, 13:11

Davon mal abgesehen, reicht 60 cm Webbreite völlig aus, um mittelaterliche Kleidung zu rekonstruieren...

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Beitragvon Elin » 11.09.2006, 13:16

naja.. da ich selbst aber eher sehr voluminös bin... hab ich wenig lust auf lauter nähte weil der stoff nich so breit is ^^. aber das is eher ne kleine eitelkeit als n technisches problem.
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Beitragvon David » 11.09.2006, 13:27

Nun, du wirst doch keine Schulterbreite jenseits der 60cm haben, oder ...?

Der Rest an Volumen ist unter dem Arm mit Keilen (stumpf eingesetzt in benötigter Weite) zu erreichen, das ist historisch korrekt, jedenfalls ab dem Hochmittelalter...vorher weiß ich nicht genau...
Da dibt es überhaupt keinen Mehraufwand an Nähten.

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Beitragvon Elin » 11.09.2006, 15:54

stimmt... mein hauptproblem wär die oberweite... aber mit unter den armen keilen... müsst man ma austesten... *grübel *
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