Beinwickel - wie denn nun?

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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Beinwickel - wie denn nun?

Beitragvon Dvergr » 27.02.2007, 23:05

Hallo Leute!

Ich muss mich (wieder einmal) hilfesuchend an die Flinkhand Gemeinde wenden... ( :blush: )

Hab natürlich vorher versucht Informationen über die Suchfunktion zu finden... aber leider vergeblich. Sorry, wenn ich was übersehen hab.


Habe vor, mir noch vor Beginn der Saison schöne einfärbige Beinwickel zu weben. Und habe mich darüber mal mit ein paar alten Hasen (ok, er war auch 18, hatte aber auf dem Textilsektor einiges mehr an Erfahrung) unterhalten.

Die Sache ist nun die, dass mir von den "normalen" brettchengeweben Bändern abgeraten wurde (also die, die einfach wie eine Borte gewebt sind), und dass ich stattdessen die Endstücke um 90° versetzen sollte, und den Rest in einem Webstuhl weben sollte (mal davon abgesehn, dass ich keinen Webstuhl habe :wacky: )

Nun habe ich schon öfters von dieser Technik gehört... aber so recht vorstellen kann ichs mir ehrlich gesagt immer noch nicht ganz :blush:

Ich versteh einfach nicht, wie dieses 90° versetzen funktionieren soll :lesen:


Also, FALLS irgendwie halbegs verständlich ist was ich meine (wäre ja möglich, dass ich wirres unzusammenhängedes Zeug schreibe, in diesem Fall: SORRY :blush: :blush: :blush: ), hat das bereits jemand hier gemacht? bzw dabei zugesehn? oder versteht zumindest wie das gehn soll... hat eine Anleitung, oder ein paar Bilder zur Hand?

Bin für jede Hilfe dankbar...
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Beitragvon Claudia » 28.02.2007, 00:22

Also so richtig schlau werde ich aus dieser komischen Beschreibung auch nicht. Ich kann mir höchstens vorstellen, daß mit "um 90 Grad versetzt" die Anfangskante gemeint ist, die man ja so webt, daß die Schußfäden der Kante die Kettfäden des späteren Gewebes werden sollen. Und dann die ENdkante, die ja auch wieder in der gleichen Richtung vreläuft. Aber sonst?
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Beitragvon steffi241 » 28.02.2007, 08:59

Hallo,
ja ich denke auch dass das gemeint ist. Schau mal hier und lies dich dadurch, das hilft dir sicher weiter, um es dir besser vorstellen zu können.

http://www.flinkhand.de/forum/viewtopic.php?t=3515
Liebe Grüße, Steffi

http://www.podol.de
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Beitragvon Dvergr » 28.02.2007, 09:56

Ja, genau das meinte ich! :wideeyed:

Danke für den Hinweis... das erklärt einige offene Fragen :-]

Vor allem die Bilder sind (für einen optischen Lerntyp wie mich :biggrin: ) sehr hilfreich! :-)

Das Bild hiermacht das plötzlich alles klar verständlich :wideeyed:

(und sorry, dass ich dafür nen neuen Thread geöffnet habe, aber es war schwer irgendetwas zu finden, von dem man nicht genau weiss, nach welchem Namen man da suchen muss :blush: )
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Beitragvon Lis » 28.02.2007, 11:05

Hm, und Du möchtest Dir jetzt Beinwickel machen, die an einer Kante eine Brettchenborte haben? Davon würde ich fast abraten... Der Witz bei guten, angenehm zu tragenden Beinwickeln (hab ich mir sagen lassen :biggrin: ) ist nämlich, dass sie etwas elastisch sind, und sich dadurch besser dem Bein anpassen. Brettchenborte ist aber in der Regel alles andere als elastisch!

Die mir bekannten, beinwickeltragenden Herren schwören auf einfache Beinwickel ohne Borte o.ä., und zwar auf alle Fälle in Köperbindung (ob nun Gleichgrat, Fischgrat oder Diamant ist dabei egal). Etwas einfacher zu bewerkstelligen sind allerdings Beinwickel in Leinwandbindung - da brauchste nur einen Webkamm und ein bischen Geduld ;-) (siehe Kammweben hier im Forum)
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Beitragvon Dvergr » 28.02.2007, 12:31

Hi Lis!

Danke für deine Antwort :-)
Is Leinwandbindung denn für eine Haithabu Darstellung 'a'? Ich find dazu in meinen Unterlagen nichts :lesen:

In meinen Kopien von Band 29- Textilfunde aus Siedlung und Gräberfeld- werden nur Bänder in Spitzgrat (S 26), aus dem Hafen- als Vergleich angeführt auch noch 49 B, und aus Rautenköper (S 34) obwohl bei diesem Band die Funktion als Wickelband als unsicher angegeben wird, erstens durch die, mit 11cm ungewöhnlich hohe Breite, zweitens durch die offensichtlich ungewöhnliche Webart.

Und, das bringt mich gleich zur nächsten (etwas peinlichen) Frage: WEnn die über S 26 schreiben, es wäre "mit einer einfachen seitlichen Webkante ohne Verstärkung"; meinen die damit, dass das nun keine "extra" Randverstärkung hat?

Es werden nur diese drei Fragmente aufgeführt, daher kann ich nun nicht sagen, ob Rautenköper so ungewöhnlich für Wickelbänder war...

Du hast nicht zufällig einen Fund für Leinwandbindung in Haithabu zur Hand, oder? :blush: :gruebel:
Das würds mir ja um einiges leichter machen... dann bräuchte ich dafür keinen extra Webstuhl bauen :dizzy:

Prinzipiell kommt mir dein Einwand sehr entgegen... da ich insgeheim gehofft hatte, ich könnte mich vor dieser aufwendigen Arbeit drücken, und eventuell sogar vor dem Webstuhl :devil:

(Obwohl das meinen Dank an Steffi für ihren Tipp zur Aufklärung nicht mildert, da ich mir in dieser Ungewissheit über diese mysteriöse Technik schon lange den Kopf zerbrochen hatte :wideeyed: )
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Beitragvon Lis » 28.02.2007, 13:25

Dvergr hat geschrieben:Is Leinwandbindung denn für eine Haithabu Darstellung 'a'? Ich find dazu in meinen Unterlagen nichts :lesen:

Und, das bringt mich gleich zur nächsten (etwas peinlichen) Frage: WEnn die über S 26 schreiben, es wäre "mit einer einfachen seitlichen Webkante ohne Verstärkung"; meinen die damit, dass das nun keine "extra" Randverstärkung hat?


Öhh.... Also Leinwandbindung ist generell schon "a" für Haithabu (und überall anders auch), aber ob jetzt auch speziell für Wadenwickel - keine Ahnung! Und die Haithabu-Publikationen hab ich grad nicht hier, kann also auch nicht nochmal nachschauen, sorry.

Aber die "einfache seitliche Webkante ohne Verstärkung" ist tatsächlich so gemeint, dass der Rand genauso aussieht wie die Mitte des Gewebes, also ohne Randverstärkung.

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(über brüchiges Eis wankend... Beinwickel! Männerkram! :biggrin: )
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Beitragvon marled » 28.02.2007, 13:55

Das Problem bei Wadenwickeln ist, dass sie sich den mehr oder weniger starken Rundungen der Beine anpassen müssen. Deshalb würde ich auch eher zum Köper in irgendeiner Variation als zur Leinwandbindung raten, denn Leinwandbindung ist per se schon unelastischer und wird am Bein eher verrutschen.
Eine sehr schöne Lösung des Problems hat Ragna vom Vikingnet aufgezeigt
beinwickel

Wenn du übrigens die Kette für ein angewebtes Brettchenband so schären würdest wie auf deinem Bild angezeigt, wäre das Anfangsstück zwar als Brettchenborte, aber nicht die Seite. Willst du Brettchenborte über die ganze Länge der Beinwickel, musst du die Fäden dafür ganz normal mit den Fäden für den Köper schären. Beim Weben laufen die halt neben dem Kamm oder den Litzen durch die Brettchen und werden in einem mitgewebt.

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Beitragvon Dvergr » 28.02.2007, 14:40

Hallo Marled,

Ja, das sind die selben Beinwickel die Steffi auch schon in dem von ihr verlinkten Thread gepostet hatte (hier)


Aber hiess es denn nicht gerade eben, dass das schlecht für die Elastizität wäre? :gruebel:

Irgendwie ziehts mich ja sehr zur Leinwandbindung hin, da ich mir damit den Webstuhl ersparen würde... Andererseits ist Spitzgratköper schöner und elastischer (und besser zum Angeben :biggrin: )

Zu Ragnas Idee: hat das denn irgendwelche Vorteile, die mir so auf Anhier nicht auffallen? :gruebel:


Und noch eine andere Frage (mag sein, dass mir da einfach die Erfahrung fehlt, um das klar zu durchblicken :blush: ), wie geht das denn, dass man mit einem Webstuhl ein 3-5 meter langes Band weben kann? Ich kenne im Bekanntenkreis nur einen Webstuhl, und der is so ca 2 meter hoch. Mir wurde mal (war ein feuchtfröhlicher Abend... hab da nicht mehr all zu viel an Details in Erinnerung :blush: :blush: ) erklärt, dass man theoretisch mit einem Gewichtswebstuhl alle möglichen und wünschenswerten Längen weben kann... stimmt das? (Und nochmals: sorry für all die Fragen, bin halt neugierig :blush: )
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Beitragvon marled » 28.02.2007, 15:13

Peinlich, wenn man so wie ich die Beiträge nicht richtig durchliest, dann hätte ich mir ja die Verlinkung sparen können.

Vorteile hat das mit der Brettchenbandeinfassung bei den Beinwickeln, soweit ich sehe, keine. Sieht halt eben edler aus, aber selbst bei der Haltbarkeit der Ränder kommst du mit doppelten Randfäden in der Webkante genau so hin.
Eine Freundin von mir (Hallo, Raphi!!!) hat übrigens auf ihrem Webrahmen auch Beinwickel in einfacher Leinwandbindung gewebt, die sich nach ihren Aussagen gut bewährt haben. Du solltest es also mal probieren und wenn dich die Elastizität nicht befriedigt, kannst du dir ja immer noch welche aus Köper anfertigen. Wenn du dich für diese Lösung entscheidest, wähle keine zu hohe Webdichte, das bringt auch schon mal was.
Natürlich kann man auf einem Gewichtswebstuhl sehr lange Stoffbahnen weben. Es ist ja nicht zwangsläufig, dass du die Webgewichte ans Ende der Kettfäden machen musst, du kannst ja auch irgendwo in der Mitte eine Schlaufe machen und sie da reinhängen und dann nach und nach immer weiter in Richtung Ende Kettende befestigen.
Das geht natürlich auch bei normalen Trittwebstühlen, früher hat man, um die Arbeit des Aufbäumens und Einziehen möglichst gering zu halten, oft Ketten von 15 bis 20 m verwebt.

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