Fertiges Tuch - Verwendung?

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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Beitragvon Silvia » 14.09.2007, 11:39

@ David und da sind wir nun bei meinem Grundgedanken:

Ich habe meine schwangeren selbstgesponnenen Regenwürmer zum Teil verarbeitet.Weil ich aus mangelder Erfarung zu wenig Garn hatte,mußte ich das letzte Stück stückeln.Das Tuch ist ziemlich grob und nicht dicht gewebt.

Nun stelle ich mir die textilverarbeitende Frau im Mittelalter vor.Kann spinnen wie ne Eins,schön regelmässig und so dick wie sie es haben will.Das Gewebte ist durch Übung schön gleichmässig und dicht.

Ich denke so mieses Tuch wie ich es gerade auf dem Ramen hab,werden die gar nicht gehabt haben.---Ich bin immer noch stolz auf meine Arbeit. Aber mir ist auch klar,das dies damals perfekter gewesen sein wird.Unregelmässig gesponnene Wolle wird evtl eher zum Nadelbinden verwendet worden sein...
... wir leben da heute so ganz anders.Gromi hin oder her,frage ich mich ob nun mein grobes Tuch nicht so daneben ist,wie rechts und links ein Trinkhorn.(für die,die mich nicht kennen,als Gromi bezeichne ich mich selbst)

Und ja ich frage eben, weil ich noch nie Tuch aus der Zeit gesehen habe. :blush:
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Beitragvon Sturmkuchen » 14.09.2007, 12:52

Ich versuche mal, meine spontanen Gedanken zu sortieren:
Mein gewebtes Tuch aus rot-orange (Hier) besteht zum Teil aus Regenwurmgarn (selbstgekauft); fällt nicht wirklich auf. Es sind Webfehler drin; von denen weiß ich, aber man sieht's nicht (jedenfalls nicht sofort ....) Das Tuch gefällt mir so gut, dass ich mich gar nicht traue, es zu zerschneiden.
Historisch gesehen: na ja, ich trage es unter meinem Mantel und es hält super warm. Als einfaches Schultertuch nehme ich es auch; um Vorlagen habe ich mich ehrlich nicht gekümmert.

Mein neues Gewebe entsteht mit dem Gedanken daran, es später zerschneiden zu müssen. Mir graust's eher vorm versäumen als vorm zerschneiden.

Vielleicht nimmst du es als Oberdecke über dein Bett/Schlaflager. Da kannst du die wärmende Eigenschaft nutzen und nicht unbedingt jeder sieht's.

Die Prachtmäntel hatten Fransen; ist auch der einfachste Abschluss.

Und jetzt weiß ich nicht, ob dir das Ganze wirklich hilft ....
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Beitragvon Evelune » 14.09.2007, 13:54

Hmm, also ich finde so einiges bei Ausgrabungen gefundenes Tuch sieht auch ziemlich grob und etwas unregelmäßig aus. Habe gerade das Buch Textiles and Clothing 1150 - 1450 ausgeliehen, da sind welche drinnen zu sehen aus dem 14 Jahrhundert. Nicht alles ist ganz fein.
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Beitragvon Flinkhand » 14.09.2007, 14:16

So feines Tuch würde ich eh eher dem Adel zuschreiben - das einfache Volk mit dem Gewichtswebstuhl in der Hütte hat wahrscheinlich nicht so fein gearbeitet. Erstens hält dick wärmer und zweitens geht es auch schneller :biggrin:
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Beitragvon Pilz » 14.09.2007, 15:15

@Silvia

Ich denke so mieses Tuch wie ich es gerade auf dem Ramen hab,werden die gar nicht gehabt haben.


Meinst du? Was war denn mit den Mädchen, die das spinnen gerade erst gelernt haben? Ich kann mir nicht vorstellen, daß man das "mißlungene" Garn dann anschließend weggeworfen hat. Dazu waren diese Rohstoffe zu wertvoll. Ich will damit sagen, daß meiner Meinung nach auch diese ungleichmäßigen Garne weiterverarbeitet wurden. Warum nicht auch zu Decken oder Umhängen?

Also, stell dich nicht so an und mach dir was schönes daraus. Oder bewar den Stoff gut auf, damit du in 30 Jahren ganz stolz zu deinen Enkeln sagen kannst: "Schaut mal her, daß hat die Oma selber gemacht." :-)

Grüße
Stefan
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Beitragvon Claudia » 14.09.2007, 15:36

Flinkhand, Du glaubst gar nicht, was in der Eisenzeit am Gewichtswebstuhl für feine Sachen hergestellt wurden. Da gehen einem gelegentlich die Augen über :wideeyed:
Und nicht nur bei Personen, die man als "hochgestellt" ansehen könnte!
Daß einfache Leute immer nur die groben Sachen anhatten, würde ich also nicht unbedingt so bestätigen. Das hängt sicher von noch vielen anderen Faktoren ab.

@Silvia:
Ob der Stoff allerdings zu grob ist für eine Verwendung als Umschlagtuch kann ich so nicht sagen, ohne es gesehen zu haben. Belege für das Aufrauhen und Scheren von Stoff kenne ich z.B. von 1265 aus England (Haushaltsrolle der Countess of Leicester, die Wollkleider zum nachträglichen Scheren geschickt hat). Gewalkte Stoffe habe ich schon mal in einem Frühmifund gesehen (stand glaube ich im NESAT), die Technik dürfte also schon älter sein.

Wenn Du es deutlich zu grob findest, nimms als Bettbestandteil. Als Decke ist es wohl zu klein, aber als isolierende und wärmende Unterlage auf dem Strohsack sicher gut. Oder noch zwei machen und dann isses ne Decke :devil:
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Beitragvon nachteulchen007 » 14.09.2007, 15:48

Hallöle, mach Dir doch keine Sorgen deswegen, dass das Tuch grob gewebt ist - denkst Du, dass damals wirklich ALLE Frauen gleich schön und gleich gut weben konnten? :wideeyed: Ganz sicher nicht, so wie's heute auch ist, gab es damals Frauen, die besser weben konnten, die anderen konnten besser spinnen, wieder andere besser kochen..... nur MUSSTEN sie halt alles machen, auch wenn sie es nicht gut konnten (oder mochten).
Das erinnert mich an die gute alte Hausarbeit... wer mag da schon alles gleich gerne und kann alles gleich gut??? ;-)
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Beitragvon Beate » 15.09.2007, 07:15

Pilz hat geschrieben:Meinst du? Was war denn mit den Mädchen, die das spinnen gerade erst gelernt haben?



Ich glaube nicht, dass man da dann noch viel Zeit und Arbeit rein gesteckt hat und Stoff gewebt hat. Zumindest im FrüMi haben ich sehr viele Nachweise für Schnüre aus Wolle, sicher eine "angemessenere" Verwendung. Und Spinnen lernten die Mädchen (und auch Jungen) von klein auf. So viel Garn "a la schwangere Regenwürmer" wird da nicht angefallen sein.

Im Hochmittelalter gab es doch schon Arbeitsteilung... wer nicht gut weben konnte, wird doch nicht "auf Deubel komm raus" gewebt haben? :gruebel: Aber dazu müssen die HoMi-Experten mal was sagen (damit wir von den Vermutungen wegkommen), ist nicht meine Zeit.
Beate
 

Beitragvon marled » 15.09.2007, 09:33

Hast du schon mal die Dichte der Kett- oder Schussfäden pro cm gemessen? Bevor du hier ganz entmutigt wirst, deinen ersten selbstgewebten Stoff auch richtig weiter zu verwenden, solltest du erstmal die Diche feststellen und dann kann man ja immer noch sagen. Nein, für so grobes Gewebe gibt es keinerlei Nachweise oder Ja! das liegt durchaus im Rahmen des Nachgewiesenen.

Ansonsten ist unser moderenes Auge an die absolute Maschinengleichmäßigkeit der heutigen Stoffe gewöhnt. Das gab es aber früher nicht. 'Fäden waren immer mehr oder weniger ungleichmäßig gesponnen (natürlich nicht so extreme Ungleichmäßigkeiten wie bei einer Anfängerin), Stoffe wiesen häufig Webfehler auf, Farbpartien in einem Stoffstück differierten. Die Funde von Herjolfsnes weisen zum Beispiel eine Fadenstärke von 0,5 - 4,0 mm (Durchmesser) auf.

Marled
@ Sturmkuchen: Dein Tuch ist wirklich schön, vor allem mit diesem schön grau getigerten Futterstoff ;-)
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Beitragvon Pilz » 15.09.2007, 10:10

Tja liebe Beate,
da kann man wohl unterschiedlicher Meinung sein. Nur die Übung den Meister. Wer also nicht spinnen oder weben konnte mußte das lernen, und zwar solange, bis er das einigermaßen gut beherrschte. Hätte er das nicht, so wären die nachfolgenden Generation aufgeschmissen gewesen; das Wissen um das Handwerk wäre sehr schnell verloren gegangen. Denn wer ein Handwerk nicht wirklich gut beherrscht, kann auch kein Wissen weitergeben!

Aber genug jetzt zu diesem OT-Thema, da:
1. es am Thema vorbei geht.
2. ich keine Lust habe, daß dieser Thread wieder totdiskutiert wird.
3. mein obiger Post einem völlig anderen Zweck diente, als den geschichtlichen Hintergrund zu erörtern.

Grüße
Stefan
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