Fertiges Tuch - Verwendung?

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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Beitragvon marled » 15.09.2007, 10:15

Silvia hat geschrieben:
Aber noch mal die andere Frage:
Was macht Ihr mit Euren selbstgewebten Tuch?


Ich hab mal im album/Weben eine Auswahl unserer Kleidungsstücke eingestellt, die aus handgewebtem Stoff gemacht sind. Da sind durchaus noch Anfängersünden dabei, allerdings auch Sahnestückchen.
Die Bildbeschreibung öffnet sich, wenn du mit dem Mauszeiger über das kleine Bild gehst.
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Beitragvon Silvia » 15.09.2007, 11:13

@Beate + Pilz
Wenn ich an dieser Stelle kurz vermitteln darf.
Ich denke Ihr habt Beide irgendwie Recht.Natürlich waren die Rohstoffe und auch die Arbeit kostbar.Aber ich denke das auch damals die Menschen schon eitel waren.Das erste Knubbelgarn wird für irgendetwas Verwendung gefunden haben.Das wurde natürlich nicht weggeworfen.Aber ich denke nicht das es so verwebt worden ist wie ich es nun getan hab ,irgendwo so mittendrin ein paar Reihen ohne nachzudenken.Und ich denke das der Anfänger nicht gleich sein erstes gesponnenes Garn gleich zum Tuch weiterverarbeitet hat,sondern erst mal mit gleichmässigem Garn das weben geübt hat,damit egal wers gemacht hat,immer etwas Brauchbares bei der Mühe herauskam.

So,ich hab mein Tuch immer noch lieb.Ich habe es heute morgen fertig bekommen und vom Rahmen abgenommen und habe stolze 2,11m Tuch.
Bild folgt.

@Marled das sind aber schöne Sachen,schade das ich auf meinem kleinen Monitor das Gewebe nicht erkennen kann.
Silvia
 

Beitragvon David » 17.09.2007, 11:05

Hallo,

Klaus Tidow* hat da mal eine nette Einteilung zu Gewebequalitäten anhand von Funden aus Nordeutschland vom 12.- 14. Jh. erstellt.

- sehr grobe Gewebe: 10/ 10 Fäden auf 2cm

- grobe bis mittelfeine Gewebe: 15-25 Faden je 2cm (deutlich häufigste Gruppe)

- feine Gewebe.: 25-35 Fäden je 2cm

- sehr feine Gewebe: über 50 Kett-, und 20 Schußfäden je 2cm

Aus anderen 13. Jh. Fundkomplexen wie bspw. der Bergbausiedlung auf dem Altenberg, sind mir sehr gleichmäßige mittelfeine Gewebe bekannt.

Gruß,
David

* Tidow, Klaus. Hoch- und spätmittelalterliche Woll- und Leinengewebe aus Ausgrabungen in Nordwestdeutschland. In: Fansa, Mammoun Hrsg. Der Sassenspeyghel - aus dem Leben gegriffen, Ein Rechtsbuch spiegelt seine Zeit. Beiträge und Katalog zur Ausstellung (Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland. Beiheft 10) Oldenburg 1995
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Beitragvon Silvia » 17.09.2007, 11:20

Hallo ,
Danke schön David.
Ich hab gerade gemessen und gezählt: 5x5 Fäden auf 2cm. :-)
Silvia
 

Beitragvon Sturmkuchen » 17.09.2007, 13:11

@Marled: Dann weißt du ja, was im November auf dich zukommt? :devil: (Wenn ich nicht aufpasse, schmuggelt sich der getigerte Futterstoff in meine Reisetasche ...)

@Silvia: Ohne Scherz: Ich hatte auch schon daran gedacht, in so einer Stärke zu weben.
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Beitragvon nachteulchen007 » 17.09.2007, 22:19

Ich hab gerade gemessen und gezählt: 5x5 Fäden auf 2cm

Oha, das ist wirklich grob ;-)
Sind die Fäden so dick oder hast Du so locker gewoben, dass "luftige" Abstände dazwischen sind?
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Beitragvon Silvia » 31.10.2007, 14:29

Soo hat lange gedauert aber hier ist das Bildvon meinem groben Tuch:
www.flinkhand.de/forum/album_page.php?pic_id=317
Mittlerweile hab ich es gewaschen und dann vorsichtig im Trockner "verdichtet".Nun ist es ganz flauschig und wartet auf eine Verwendung.
Silvia
 

Beitragvon André » 31.10.2007, 16:02

Zum Thema Grobheit möchte ich aber noch den geschichtlichen Hintergrund im Spätmittelalter einwerfen: Nach Vorschrift in Nürnberg mussten Wolltuche im 15. Jahrhundert bis zu 1000 Kettfäden (abhängig von der "Klasse") auf eine Breite von ca. 130cm aufweisen und musste gleichmäßig gewebt sein. Dies wurde für jedes Tuch einzeln kontrolliert (beschaut). Was davon abwich, wurde zerschnitten bzw. durfte zumindest nicht verkauft werden. Quelle: Sakuma: Die Nürnberger Tuchmacher...

Wie es davor war, können wir auch aus den wenigen Bodenfunden nicht wirklich nachweisen, das werden immer nur Schlaglichter bleiben. Aber: Das Motto "Nur weil wir es heute nicht mehr können, war es damals auch so" zählt für mich nicht.

@Silvia: Ich finde es toll, dass du webst. Damit hast du meinen Ambitionen schon wieder ein ganzes Stück voraus. Eine realistische Selbsteinschätzung ist auch nicht schlecht. Und: Egal, wie unregelmäßig es ist: Du kannst stolz darauf sein.
André
 

Beitragvon Sleipnir » 01.11.2007, 09:04

HEy Silvia,
toller Stoff, den Du da gewebt hast. Sieht echt gut aus. :respect:
Bringst Du den Stoff mit nach Klein... äh, Burg Lohra ? Ich würde den gerne auch mal mit den Fingern begucken.

LG Sleip
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Beitragvon Silvia » 01.11.2007, 10:52

@Sleip und Andre danke für das Lob. :sweet: da ich immer noch nicht weiß was ich damit machen soll,weiß ich auch noch nicht ob es den Weg zum FHT findet.Ich müßte die Wollhändlerin mal ausindig machen und gucken ob ich da noch mal Garn bekomme,dann könnte ich die Fransen dranmachen die mir auf einer Seite fehlen.
Das war nicht mein letztes Tuch,ich über weiter,nun hab ich ja ne Ahnung wo ich hin muß.

Die waren aber hart drauf in Nürnberg!DA werde ich mein Tuch bestimmt nicht zeigen.*g* Nee aber im Ernst.Ich kann mir vorstellen das solche harten Vorschriften für sorgfälltige Verarbeitung gesorgt haben und für einen hohen Qualitätsstandart.
Silvia
 

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