dichte Gewebe herstellen, keine Schleiertücher!

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

Moderator: Moderatoren

dichte Gewebe herstellen, keine Schleiertücher!

Beitragvon Lis » 08.07.2008, 18:11

Hallihallo,

Gestern habe ich in ein paar Fundberichten geblättert, und bin dabei mal wieder über die hohen Fadenzahlen pro cm gestolpert. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es bei mir nicht am feinen Spinnen scheitert, sondern eher am Weben...

Bislang versuche ich es mit einem möglichst kräftigen Anschlag des Schussfadens, auch mal mit Gewalt ;-) Aber so richtig wird das nix.
Könnt ihr mir also vielleicht Tipps geben, wie ich ein möglichst dichtes Gewebe hinbekomme? Liegt's am Garn, an der Webtechnik...?

Wenn ich selbstgesponnenes, ungefärbtes Garn verwende, ergibt sich natürlich die Möglichkeit, das fertige Tuch noch ein bischen zu walken. Die Fundlage sieht da aber anders aus: klar erkennbare Fäden mit starkem Drall, keine/kaum Verfilzung.

Lis
Benutzeravatar
Lis
Farbtopfguckerin
Farbtopfguckerin
 
Beiträge: 972
Registriert: 30.12.2005, 19:27
Wohnort: Clausberg

Beitragvon Rigana » 08.07.2008, 23:05

Du webst auf einem Gatterkammstuhl, oder?

Vielleicht sind die Litzen zu grob für die feine Wolle oder der Faden muss anders eingelegt werden.

Zudem habe ich auch schon mitbekommen, dass ein scheinbar lockeres Gewebe nach dem ersten Waschen genau richtig herauskam, weil da Kette und Schuss nochmals ein wenig eingelaufen waren.

Vielleicht reicht Geduld und ein ordentliches Webbild aus und nach dem Waschen hast du die passende Fadenzahl pro cm...

Liebe Grüße
Rigana
Benutzeravatar
Rigana
Moderatorin
Moderatorin
 
Beiträge: 3700
Registriert: 23.12.2005, 20:11
Wohnort: Bad Kreuznach

Beitragvon Lis » 09.07.2008, 17:12

Rigana hat geschrieben:Du webst auf einem Gatterkammstuhl, oder?


Genau.

Faden anders einlegen, wie genau meinst Du das? Mit mehr Zugabe?

Hm, Waschen, ja... aber wenn ich so viel wasche, dass dann tatsächlich irgendwann die 20 Fäden pro cm herauskommen, dann geht das arg in Richtung verfilzen! :biggrin: Jetzt mal etwas übertrieben...

Na ich werde mal weiter üben und ausprobieren.
Benutzeravatar
Lis
Farbtopfguckerin
Farbtopfguckerin
 
Beiträge: 972
Registriert: 30.12.2005, 19:27
Wohnort: Clausberg

Beitragvon Lirana » 09.07.2008, 19:20

Liz, und genau das ist mir ja auch passiert :-(
Die Wolle verfilzt eher, als dass das Gewebe dichter wird. Es soll "gewalkt" aussehen.
Einmal habe ich es geschafft, und bei den Probelappen ist es auch gut hingekommen. Ich habe die Musterstücke im Wäschesäckchen einzeln im Kurzwaschprogramm bei 30 grad gewaschen.
Vielleicht solltest du, genau wie ich, warten, bis Marled wieder da ist und dort noch mal nachfragen.
Meine Decke aus handgesponnener handgewebter Wolle ist auch nach häufigem Gebrauch und häufigem Waschen genauso geblieben, wie ich gewebt habe.

Lirana
Oh, Mensch, lerne tanzen, denn sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen.
(Anonym, Augustinus zugeschreiben)
Benutzeravatar
Lirana
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 346
Registriert: 23.12.2005, 20:25
Wohnort: Bergisches Land

Beitragvon Rigana » 10.07.2008, 12:30

Jap, es ist wohl wirklich besser, zu warten bis Marled wieder da ist.

Mit anders einlegen vermutete ich nur, dass man den Faden vielleicht so legen kann, dass dieser die Verdichtung gut mitmacht.

Bei einem Gewichtwebstuhlgewebe habe ich ein "Hinterher"- Stoffstück gesehen und etwas praktisch Identisches auf dem Webstuhl. Das Stück auf dem Stuhl war deutlich netzartiger als das gewaschene Teil.

Liebe Grüße
Rigana
Benutzeravatar
Rigana
Moderatorin
Moderatorin
 
Beiträge: 3700
Registriert: 23.12.2005, 20:11
Wohnort: Bad Kreuznach

Beitragvon Lirana » 10.07.2008, 17:07

Liz, wenn du den Schussfaden ja dicht und fest, evtl mit Gewalt anschlägst, erhälst du ja Ripsgewebe, also nicht die Leinwandbindung, die es wohl sein sohl, vermute ich mal.
Bei engerer Kettaufbäumung musst, also bei engerem Kamm,musst du mit dünnerem Garn ja auch automatisch enger "schießen"
Rigana, man rechnet ungefähr so, wenn auf 2cm Länge 4 Kettfäden sind, dann sollte man auf 2cm Webhöhe auch nur 4 Schußfäden setzen. Vielleicht liegt es an Köperbindung?
Mal abwarten, was Marled da zu schreibt, ich probier jedenfalls weiterrum. Vielleicht hat Liz inzwischen Erfolg

Lirana
Oh, Mensch, lerne tanzen, denn sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen.
(Anonym, Augustinus zugeschreiben)
Benutzeravatar
Lirana
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 346
Registriert: 23.12.2005, 20:25
Wohnort: Bergisches Land

Beitragvon Lis » 11.07.2008, 16:40

Naja, erstmal werde ich das eine Schultertuch so fertig weben, wie ich die ersten 1,5 m auch schon gewebt habe ;) Rips ist es übrigens nicht so ganz geworden, das Gewebe hat jetzt so 3,5 Kettfäden/cm und 4 Schussfäden/cm (wobei das Schussgarn schon dicker ist als das Kettgarn). Für ein Schultertuch ist das ja alles OK, auch wenn ich noch ein bisschen waschen und walken muss.
Aber meint Plan ist es halt, irgendwann mal schöne feine Kleidungsstoffe herzustellen... :sweet:
Benutzeravatar
Lis
Farbtopfguckerin
Farbtopfguckerin
 
Beiträge: 972
Registriert: 30.12.2005, 19:27
Wohnort: Clausberg

Beitragvon marled » 16.07.2008, 14:08

Hæ!

Bin wieder da wie man liest :biggrin: .

Und um gleich auf dein Problem einzugehen:
Um bei hoher Fadendichte ein festes Gewebe zu bekommen, muss die Kett- und Schussdichte dem gewünschten Tuch angepasst werden (wie meine Vorschreiberinnen schon gesagt haben).
Dann ist es während des Webens wichtig, den Schuss mit viel Zugabe einzulegen, also in einem Bogen oder noch besser in mehreren kleinen Bögen, damit er sich beim Anschlagen in den Lücken zwischen den Kettfäden ausbreiten kann.
Wenn du da nicht beherzigst, dann ziehen sich einerseits die Kanten zusammen und andereseits werden die Kettfäden zwar zusammengezogen, aber dadurch kann der Schuss auch nicht so dicht aneinanderrücken um ein gleichmäßiges dichtes Gewebe zu ergeben.
Dabei ist es NICHT nötig mit viel Gewalt anzuschlagen. Einen richtig festen Anschlag brauchst du eigentlich nur in der Teppichweberei oder wenn du einen festen Schussrips herstellen möchtest.
Die Gewebe der Vergangenheit zeigen übrigens oft mehr oder weniger deutliche Unterschiede zwischen Schuss- und Kettdichte auf, es ist nicht zwangsläufig immer gleich.
Und dann "geht" das Gewebe wirklich erst richtig auf, wenn es nach dem Abnehmen gewaschen wird, am besten in der Waschmaschine, weil die auch einen kleinen Walkeffekt hat. Aber Varuð!!!! (heißt Vorsicht!, kleiner Tick von mir, habe ich in den letzten drei Wochen auf so oft gelesen ;-) ):
ich wasche im Normalprogramm nur Gewebe, deren Garn ich vor dem Weben gekocht habe, z. Bsp beim Färben!, dann geht es nicht mehr so stark ein! Es wird danach auf jeden Fall geschrumpft sein (nennt man Einsprung), weil die Fäden beim Weben ja gespannt sind und beim Abnehmen ja automatisch wieder auf ihre Urprungslänge schrumpfen.

Lieben Gruß von Marled, die im Textilmuseum in Blönduós/Island wieder ganz begeister war von den Stoffen und Handarbeiten dort.
marled
Herzogin / Herzog
Herzogin / Herzog
 
Beiträge: 1198
Registriert: 25.12.2005, 14:50
Wohnort: Naurath

Beitragvon Lis » 17.07.2008, 17:54

Danke für Deine Erläuterungen, ich werde das beim nächsten Webprojekt beherzigen!
Benutzeravatar
Lis
Farbtopfguckerin
Farbtopfguckerin
 
Beiträge: 972
Registriert: 30.12.2005, 19:27
Wohnort: Clausberg


Zurück zu Tuchweberei

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast