Eure Erfahrungen/Erfolge/Bilder mit/von Gewichtswebstühlen

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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Eure Erfahrungen/Erfolge/Bilder mit/von Gewichtswebstühlen

Beitragvon marled » 20.02.2009, 18:32

Ich starte mal ein neues Thema, um hier ein wenig Erfahrungsaustausch zu betreiben. Ich werde mich in der nächsten Zeit vermehrt am Gewichtswebstuhl aufhalten und bin natürlich für jede Form von Tipps, aber auch Darstellung von Problemen dankbar.

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Beitragvon meirah » 23.02.2009, 22:43

Hallo Marled,
hast du schon einen Gewichtswebstuhl oder ist er noch in Arbeit?...weißt du schon die Webbreite...ich denke du mußt dir überlegen was für dich noch komfortabel zu handhaben ist, ich glaube nicht das du mit einem "Schnellschützen" wirst arbeiten können...wenn ich das recht in Erinnerung habe :gruebel: ..geht man bei den historischen nachgewiesenen großen Webbreiten davon aus, das mehrere Weber/inen daran beteiligt waren, das Webschiffchen quasi weitergereicht wurde
naja....aber es gibt ja schon einiges hier im Forum zum Arbeiten mit dem Gewichtswebstuhl...ich kann dazu nur sagen, es ist entscheidend die richtige Spannung, entsprechend dem Material, zu finden und eher mehr als zu wenige Gewichte zu haben...ich hab da mit Sandsäckchen improvisiert das klappt ganz gut... allerdings habe ich bisher nur in einfacher Leinenbindung gewebt...hatte bisher keine Lust noch weitere Litzenstäbe zu wickeln... :wacky:
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Beitragvon marled » 02.03.2009, 17:27

Der Webstuhl ist schon fertig, und das erste Gewebe entsteht auch schon. Vorläufig bleibe ich bei Leinwandbindung, aber ich habe zumindestens schon mal mit einer Brettchenkante angefangen.
Ich habe mit Absicht eine schwierige Kette gewählt (stark "klebende" Islandwolle), damit ich gleich an die Knackpunkte der Gewichtswebstuhlweberei komme:
1. Einzug der Ränder: Das Gewebe ist um etwa 10 cm in der Breite geschrumpft, obwohl ich den Schuss mit reichlich Zugabe einlege.
2. Fachöffnung. Durch die schwierige Kette öffnet sich das Fach sehr schlecht und ich muss mit den Händen nachhelfen
3. Anschlag: Wahrscheinlich durch das Zusammenrücken der Kettfäden bedingt, kriege ich den Schuss nicht so fest angeschlagen (mit Webschwert), wie ich mir das vorstelle. Dadurch wird das Erscheinungsbild der Leinwandbindung auch nicht sauber.

Die Gewichte sind 'Donuts' aus ungebranntem Ton mit einem Durchschnittsgewicht von etwa 250 g. Zur Zeit habe ich pro 8 Kettfäden (Nm3/2) ein Webgewicht, die Spannung erscheint mir richtig, also so, wie ich sie vom Trittwebstuhl gewöhnt bin.
Natürlich habe ich als Schützen einen einfachen Spindelstab, auf dem die Wolle aufgewickelt ist, das Durchreichen klappt auch recht gut.
Wie hast du/habt ihr die o.a. Probleme gelöst?

Liebe Grüße
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Beitragvon meirah » 02.03.2009, 20:06

hi Marled...
jo, ich habe oben auch mit einer Brettchenborte begonnen und das gleiche Problem mit dem schmaler werden gehabt allerdings nur so zwei drei Zentimeter...ich hab dann bei den äußeren Kettfäden weniger Fäden in die Gewichte getan so das sie gerade nach unten hängen und das fertige Gewebe zum Rahmen hin abgespannt zumindestens ist der Einzug dann nicht mehr schlimmer geworden...der "Weisheit letzter Schluß" ist das aber sicher auch nicht :gruebel:
...die Kette trennt sich gut fürs Fach wenn man mit ordenlich Schwung drangeht d. h. die Gewichte für sich arbeiten läßt
meine Litzen habe ich übrigens als gut 15 cm lang Schlaufen gewickelt so dass genügend Spielraum ist...damit öffnet sich das Fach auch bei meiner Wolle/Leinenkette sehr gut
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Beitragvon marled » 02.03.2009, 20:31

Tja, das Schmalerwerden ist wohl das Problem alle Gewichts :devil: weblerinnen, die ich kenne. Ich arbeite noch dran, irgendeine Lösung wird es geben, denke ich.
Meine Kette ist wirklich extrem klebrig, das scheint das Islandgarn so an sich zu haben. 'Bei MyFace fragte neulich jemand, wie sie x-meter Islandgarnkette retten könnte, weil es ist fast unmöglich ist, das Fach zu öffnen. Ich hatte bei Islandgarn ja mit meinem Trittwebstuhl schon mal solche Problem dass ich eine ganze handgesponnene Kette in die Tonne getreten habe. Ich schlage inzwischen mit der Hand an und öffne dabei das Fach, das geht.
Meine Litzen sind auch ca. 15 cm lang und aus einfach gesponnenem Leinen (ja, ich wollte es wissen :wacky: ). Schließlich wächst man ja an neuen Herausforderungen :wacky: :biggrin:
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Beitragvon wurm » 03.03.2009, 17:15

Also:

1. Einzug der Ränder: Das Gewebe ist um etwa 10 cm in der Breite geschrumpft...

Das ist ganz schlecht, und darf so nicht sein. Man hätte schon nach dem ersten halben Zentimeter nachhaken und Abhilfe schaffen müssen. Benutzt Du Breithalter, die die äußersten Kettfäden auf Position halten? Dann kann das nicht mehr passieren. Und wenn Du merkst, es bildet sich Spannung, dann musst Du eben noch mehr Zugabe in den Schussfaden legen. Ist aber nur eine Sache der Erfahrung.

2. Fachöffnung. Durch die schwierige Kette öffnet sich das Fach sehr schlecht ...

Ist je nach Garn völlig normal. Manchmal muss ich mich zentimeterweise durch die Kette arbeiten, um die Klebefäden auseinander zu bekommen. Aber in solchen Extremfällen sind andere Fehler mitschuld. Zum Beispiel Fadenspannung, mangelnde Fadenimprägnierung, Fehler beim Auskämmen des Kettgarns vor dem Spinnen etc. Die Liste ist lang...

3. Anschlag: Wahrscheinlich durch das Zusammenrücken der Kettfäden bedingt, kriege ich den Schuss nicht so fest angeschlagen ...

Mit Webschwert, das rein technisch beim "normalen" Gewichtswebstuhl keinen Sinn macht, aber bereits in mittelalterlichen Abbildungen damit verknüpft wird, bekommt man nur unter optimalen Randbedingungen einen befriedigenden Anschlag hin. Beim Trittwebstuhl macht es übrigens überhaupt keinen Sinn, hier sorgt der Reedekamm für den gleichmäßigen Anschlag. Es gibt nur wenige Bereiche, in denen ein Webschwert praktisch sinnvoll eingesetzt werden kann. Beim Teppichweben oder Gobelinweben zum Beispiel ist es unerlässlich. Dennoch ist es zu einer Ikone geworden, die auf keinem zeitgenössischen Bild fehlt. Aber die malenden Mönche haben ja nicht selbst gewebt...! Am besten, man belässt das Webschwert an seinem Platz, dort hat es zumindest eine dekorative Funktion. Um den Anschlag fest zu bekommen, gebe ich etwas Kraft in die nach dem Fachwechsel neu positionierten Kettfäden. Damit wird es garantiert fest, kann sogar leicht zu fest werden. Aber die Gleichmäßigkeit, die ja das Webschwert bietet, die kann am Anfang etwas leiden. Auch hier hilft etwas Übung...

Meine Litzen sind auch ca. 15 cm lang und aus einfach gesponnenem Leinen ...

...und das hält?? Ich habe schon Litzen aus doppelt gezwirntem Leinen, also richtigen kleinen "Leinenseilen" probiert, und immer gefunden, daß die sich zu schnell abnutzen. momentan nehme ich ein sehr gutes Baumwollgarn, was zwar nicht authentisch ist, aber 99% merken es nicht. Und das Prozent, was es merkt, die haben genügend eigene Erfahrungen, um diesen Kompromiss gutzuheissen. So zumindest, was ich höre. Vielleicht tuschelt man hinter meinem Rücken ja auch anderes...

Zu den 15 cm Länge: Mir erscheint das recht lang, diese Variante habe ich noch nicht probiert. Ich liege meistens so im Bereich knapp unter 10 cm. Bei noch weniger hat man kein vernünftiges Fach, aber bei mehr muss ich auch den Webstuhl entsprechend bauen, damit ich soweit ausziehen kann. Hast Du da Erfahrungen ob das gut ist?? Das muss ich direkt mal probieren, welchen Einfluss das haben wird. Vielleicht kann die Länge der Litzen ein Problem sein, was dir bei Klebefäden den Spaß verdirbt. Denn je weiter Du das Fach öffnen kannst (=musst), desto mehr Klebekontakte und Abreibung zwischen den Kettfäden hast Du. Es reicht jedoch ein Abstand von rund 5cm, so dass Du Deine Hand samt Schussfaden gerade mal durchstecken kannst. Inwieweit Litzenlänge und Fachabstand bei Dir zusammenhängen, kann ich von hier aus nicht beurteilen, denn das hängt sowohl vom Aufbau des Webstuhls wie von seiner Schräglage ab.
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Beitragvon marled » 03.03.2009, 18:59

Benutzt du Breithalter?


Nein, benutze ich nicht. Meinst du damit diese festgebundenen Randfäden, die man bei so vielen Weberinnen sieht?

Fadenspannung


Ist meiner Meinung nach okay, aber ich habe halt meine Erfahrungen vom Trittwebstuhl auf den GWS übertragen. Muss mal experimentieren.

mangelnde Fadenimprägnierung


Erläutere mir doch bitte, was du darunter verstehst, da kann ich mir nix drunter vorstellen.

Fehler beim Auskämmen des Kettgarns vor dem Spinnen


Das Garn ist handgesponnener Zwirn, den ich in Island von einer sehr erfahrenen Spinnerin gekauft habe. Es enthält noch beide Fasersorten: Tog, das lange, glatte Außenhaar und þel, die feine Unterwolle.

Um den Anschlag fest zu bekommen, gebe ich etwas Kraft....


Benutzt du deine Handkante?

Ob die Litzen halten, weiß ich noch nicht, ich befinde mich, wie gesagt im Probierstadium. Mit dem Gedanken an Baumwolle mag ich mich nicht anfreunden, mal sehen, of ich noch in Länge oder Material was verändere.

Aber schön, dass hier jetzt doch ein paar Erfahrungen zusammenkommen.
Hoffentlich gibt es noch mehr....

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Beitragvon wurm » 03.03.2009, 19:51

Benutzt du Breithalter?

Nein, benutze ich nicht. Meinst du damit diese festgebundenen Randfäden, die man bei so vielen Weberinnen sieht?

Genauu, rndfäden festbinden ist die Lösung.

Fadenspannung

Ist meiner Meinung nach okay, aber ich habe halt meine Erfahrungen vom Trittwebstuhl auf den GWS übertragen...

...Musst Du Experimentieren und Erfahrungen sammeln.

Zitat:
mangelnde Fadenimprägnierung: Erläutere mir doch bitte, was du darunter verstehst, da kann ich mir nix drunter vorstellen.

Ich meinte: Wenn du die Kette aufgespannt hast, kann man, wenn notwendig, Leim aus Knochenabfällen einsetzen, um die einzelnen Fäden zu isolieren. Der Leim lässt sich nach dem Webvorgang auswaschen.

Das Garn ist handgesponnener Zwirn, ...

Wenn das Garn bereits Zwirn ist, dann ist es ja kein Garn mehr, sondern Zwirn.

Um den Anschlag fest zu bekommen, gebe ich etwas Kraft....
Benutzt du deine Handkante?
Genau so.

Ob die Litzen halten, weiß ich noch nicht, ich befinde mich, wie gesagt im Probierstadium. Mit dem Gedanken an Baumwolle mag ich mich nicht anfreunden, mal sehen, of ich noch in Länge oder Material was verändere.

Ist verständlich. Nimm ruhig Leinen, das ist authentisch.

Aber schön, dass hier jetzt doch ein paar Erfahrungen zusammenkommen.
Hoffentlich gibt es noch mehr....
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Beitragvon Dachs » 04.03.2009, 14:33

Ich schlage alle paar Reihen zusätzlich mit einen kurzzinkigen Kamm an, zusätzlich um Webschwert.

Ähm, das hier ist meiner:
Bild

Er ist aus alten Glaskistenbrettern gebaut ... nur für den Hausgebrauch, sozusagen.

2,4 cm breit und 2,1 m hoch, mögliche Webbreite 1,85 cm

Aufzug Garn Farö, ungefärbt

Bisher nur ca. 10 cm gewebt :-(

Die Lösung ohne Webgewichte ist nicht das Optimum.

Webgewichte erhalte ich im Juli ... bisdahin wird wohl nicht passieren :-((((
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Beitragvon marled » 04.03.2009, 15:54

@ Dachs
Ja, so ähnlich sieht meiner auch aus, nur nicht ganz so breit um ihn transportabel zu halten. Kriegst du gebrannte Gewichte? Ich habe mir einfach ein paar aus Ton geformt und trocknen lassen, geht wunderbar. Einige gebrannte hatte ich auch noch von meinem ersten GWS, der nur leider den ersten Transport nicht überstanden hat (hinterher fehlten einige Teile).
@ Wurm
Das Webschwert möchte ich nicht so ohne weiteres ganz verwerfen oder nur zur Teppichweberei einsetzen. Dazu gibt es zu viele Webschwerter in verschiedenen Fundlagen (die zumindestens mal als solche interpretiert werden).
Der praktische Vergleich von Hand und Webschwert ergab, dass ich auch mit der Hand gut anschlagen kann, das ist wohl richtig, aber mit dem Webschwert das Fach leichter öffnen kann. Deshalb werde ich es wohl weiter benutzen.

Marled

P.S. Garn ist übrigens für mich erstmal ein Sammelbegriff für alle linienförmigen textilen Gebilde!! Das schließt Einfachgarne, Zwirne oder Sonderformen mit ein!
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