Eure Erfahrungen/Erfolge/Bilder mit/von Gewichtswebstühlen

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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Beitragvon meirah » 05.03.2009, 08:20

ach, was mir noch eingefallen ist zur Fachöffnung....ist zwar banal aber wirkungsvoll...vlt hast du es ja auch schon selber ausprobiert, nämlich den Webrahmen mal in unterschiedliche Schräglagen zu stellen und dann zu gucken wie sich das Fach öffnet...
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Beitragvon wurm » 05.03.2009, 17:07

Ich versuche mal, alle offenen Fragen der Reihe nach anzugehen:
Bei meinem letzten Beitrag hätte ich die einzelnen "Sprecher" besser mit Schriftformaten kennzeichnen müssen, so ist alles sehr unübersichtlich. Da ich mich hier bewusst wiederhole, um die Information komplett und übersichtlich zu halten, bitte ich die Mod´s, meinen letzten Beitrag zu löschen.


"Breithalter: Meinst du damit diese festgebundenen Randfäden, die man bei so vielen Weberinnen sieht?"


-Ja, die meine ich. Sie sind sehr wichtig für uns Jetztmenschen, die niemals auf die Erfahrung der Damaligen kommen werden. Ich glaube gern, daß eine Weberin, die seit Jahrzehnten täglich webt, auf dieses Hilfsmittel gern verzichtet, und alles "frei Schnauze" sauber hinbekommt. Aber ich kenne derzeit niemanden, der sich an diesem Maßstab messen könnte. Also nehme ich auch diese Fädchen für sie Seitenkante.



"mangelnde Fadenimprägnierung: Erläutere mir doch bitte, was du darunter verstehst..."

-bei störrischen, empfindlichen oder klebrigen Fäden nimmt man eine Leimung vor. Das Wort "-imprägnierung" habe ich in der Eile falsch gewählt. Das Rezept habe ich gerade nicht im Kopf, aber ich glaube es wurde hier im Forum einmal darüber gesprochen, und es gab ein gutes Feedback auf die Wirksamkeit. Ich selber habe nur einmal geleimt, weil es eine Sauerei ist. Dann lieber ein pflegeleichteres Garn.


"Wenn das Garn bereits Zwirn ist, dann ist es ja kein Garn mehr, sondern Zwirn."


-Das war kein bös gemeinter Kommentar von mir, sondern nur ein Versuch, die Begrifflichkeiten zu ordnen. Damit wir nicht aneinander vorbei reden.


"Das Webschwert möchte ich nicht so ohne weiteres ganz verwerfen oder nur zur Teppichweberei einsetzen"

-Musst Du auch nicht verwerfen. Es ist *manchmal* praktisch, denn es gibt jene Situation beim Gewichtsweben, dass man nach mehreren Reihen Handanschlag die Horizontale zu verlieren droht. Wenn man den Fehler früh genug bemerkt, braucht man das Webschwert, um den neuen Eintrag quasi "auszuloten". Die Zielsetzungen sind also: Handanschlag=dichtere Schussfadenfolge; Webschwert=exaktere Linearität. Beides ist wichtig.

PS: Das Wort "Gewichtsweben" habe ich gerade erfunden. Aber der Zusammenhang zu "Gewichtheben" kommt ja nicht von ungefähr, wenn man den reich mit Gewichten bestückten Warenbaum weiterdrehen muss...
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Beitragvon marled » 05.03.2009, 17:32

"Wenn das Garn bereits Zwirn ist, dann ist es ja kein Garn mehr, sondern Zwirn."

Das war kein bös gemeinter Kommentar von mir, sondern nur ein Versuch, die Begrifflichkeiten zu ordnen. Damit wir nicht aneinander vorbei reden.


Habe ich auch nicht als bös gemeint empfunden, aber in einer Kommunikation sollten die Begrifflickeiten bei beiden Seiten auf den gleichen Inhalt festgelegt sein, viele Verwirrungen kommen so erst gar nicht zustande. Deshalb habe ich auch den Nachsatz gebraucht mit dem linearen textilen Gewebe!
Ich ärgere mich auch immer, wenn bei ebay Wolle angeboten wird, diesen Begriff verbinde ich definitiv mit tierischen Haaren, was aber dort für jede Art von Garn, auch Kunstfaser angewendet wird.

In Bezug auf das Webschwert muss ich jetzt doch noch mal nachhaken:
schlägst du vor oder nach dem Fachwechsel an? Ich schlage prinzipiell NACH dem Fachwechsel an und das geht definitiv leichter mit dem Webschwert. Frage mich bitte nicht, warum ich das so mache, ich weiß es nicht.
Ich habe übrigens inzwischen eine Methode mit einfachsten Mitteln gefunden, auch ohne das seitliche Festbinden mit meinem Webstück wieder in die Breite zu kommen und mir die Fachöffnung zu erleichtern. Das tüftele ich jetzt noch mal ein wenig aus und stelle es dann hier zur Diskussion.

so primitiv, wie es auf den ersten Anschein sein mag, ist das Gewichtsweben durchaus nicht.
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Beitragvon wurm » 05.03.2009, 17:51

"In Bezug auf das Webschwert: schlägst du vor oder nach dem Fachwechsel an?"

-definitiv NACH dem Fachwechsel! Sonst haut die Handkante oder das Webschwert am Schussfaden vorbei, und die Aktion bringt nichts.


"Ich habe übrigens inzwischen eine Methode gefunden, ohne das seitliche Festbinden..."


-Super! Da bin ich gespannt drauf.


"so primitiv, wie es auf den ersten Anschein sein mag, ist das Gewichtsweben durchaus nicht"


-Ich kenne keine komplexere Maschine in der Archäologie, als der Gewichtswebstuhl es in den frühesten Zeiten darstellt. Es ist der Computer der Steinzeit. Ok, das ist etwas übertrieben. Aber spätestens der Jacquard-Webstuhl des 17. Jahrhunderts darf sich mit seinem Informationsspeicher in Form von Lochkarten, die ein komplexes Programm abarbeiten, als ein echter Vorläufer der IT-Technologie ansehen. Finde ich.

@Dachs:
Webgewichte stellt man einfach her, indem man eine große Konservendose (etwa 500 gr Bohnen) und eine sehr kleine (etwa kleinste Packung Tomatenmark) an beiden Seiten entdeckelt. Dann rennt man in den Hobbyladen und kauft von den 10 kg Ton-Packungen, soviel man braucht. Den rollt man auf dem Backblech in eine 2 bis 3 cm dicke Fläche und sticht mit der großen Dose riesige Kekse aus, die man mit der kleinen Dose zu Doughnuts degradiert. Voila.
Dann einfach trocknen. Um die Fächer ordentlich aufzubekommen, kannst Du pro Meter Webbreite 10 kg Gewicht rechnen. Die Fäden halten das aus, die Oberarme vielleicht nicht. Gewichtsweben ist eben Gewichtheben. Klingt komisch, ist aber so.
Ich bin mir bewusst, dass die meisten Hobby-Gewichtsweber viel weniger Gewicht benutzen. Aber das bringt immer Probleme bei der Fachöffnung und taugt einfach nicht. Archäologische Funde sind da schwer zu deuten, denn man hat die Webgewichte oft in korrekter Anordnung gefunden, nur der Webstuhl ist vergangen. War es also ein zwei. drei, oder vierschäftiges Gewebe? Kann keiner mehr sagen. Aber die Erfahrungen der Saami, Norweger, Schweden, die noch bis in die heutige Zeit den Gewichtswebsatuhl nutzen, und deren Tipps in Martha Hoffmanns Buch the warp weightetd loom niedergelegt wurden, sprechen die gleiche Sprache.
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Beitragvon Dachs » 06.03.2009, 08:03

Wurm, ähm ich arbeite auch bei den Textilen immer nach dem Prinzip "viel hilft viel". Die Gewichtsschätzung ist prima: Das Gewebe ist 1,4 m Breit und zur Zeit sind 13 kg Steine dran.
Das mit dem Fach liegt an einer Methode die ich versucht habe. Das sieht man auf dem Bild bestimmt nicht wirklich: Die Fadengruppen laufen unten über einen Runden Balken, an diesem hängen die Gewichte. Also ein "Rundwebstuhlderivat". Das ganze hat eine lange Geschichte .......

Irgendwie komme ich nicht recht weiter, was aber eher an mir als an diesem armen Gerät liegt.
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Beitragvon Elster » 10.09.2009, 09:48

Ich habe im Steinzeitlichen Museumsdorf am Federsee (Bad Buchau) einen Gewichtswebstuhl entdeckt und ihn gleich mal abgelichtet:

Bild Bild Bild

(Klick für ganz groß)

Das Prinzip gefällt mir, kann mir vielleicht jemand sagen was das für ein Garn sein könnte? Es fühlte sich recht "spröde" an, nicht kratzig, aber auch nicht weich wie Wolle.
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Beitragvon Elin » 10.09.2009, 11:27

Leider funktioniert das ganz groß nicht bei mir
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Beitragvon Elster » 10.09.2009, 11:29

Oh, das liegt an Google und Picasa.
Wenn du die Fehler-Seite mit F5 nochmal lädst kannst du es sehen, denke ich.
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Beitragvon Carola » 10.09.2009, 12:03

Funzt leider auch mit F5 nicht. :-(
www.igwolf.de
jetzt auch auf facebook: www.facebook.com/pages/IG-Wolf-eV/181515928555627
Versuch es erneut. Scheitere wieder. Scheitere besser.
(S. Beckett)
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Beitragvon Elster » 10.09.2009, 12:12

Seltsam ... dann halt so:

http://picasaweb.google.de/lh/photo/62J ... directlink

http://picasaweb.google.de/lh/photo/GTt ... directlink

http://picasaweb.google.de/lh/photo/bhs ... directlink

Auf die kleine Lupe rechts oben klicken ;)

Sonst hat es immer geklappt die Seite nochmal aufzurufen, in die Adresszeile klicken und Enter drücken.
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