Schären mit mehreren Fäden gleichtzeitig?!

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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Schären mit mehreren Fäden gleichtzeitig?!

Beitragvon Sanja » 19.03.2009, 19:15

Hallo zusammen,
ich habe da mal eine Frage zum Schären und Bäumen und hoffe, ich kann das so ohne Zeichnung halbwegs deutlich machen...
Also, wenn man mehrere Fäden gleichzeitig schärt, z.B. mit einem Lesebrettchen und das dann zum Bäumen auf Geleseleisten fädelt - wie kriege ich das dann vernünftig gebäumt und in die Litzen/den Gatterkamm gefädelt? Wenn ich z.B. vier Fäden nehme und einen ganzen Gang mache (hin und zurück), habe ich zwar acht Fäden geschärt, aber die liegen dann ja nicht wirklich passig, oder?! Denn ich hätte ja zuerst die erste Hälfte von Faden 1,2,3 und 4 und dann jeweils die zweite Hälfte. Wenn ich das so bäume und einfädele, kriege ich (zumindest auf meinem Webrahmen mit Gatterkamm) hinterher Probleme mit der Fachbildung, weil die zusammengehörenden Fadenpaare gerne zueinanderwollen und sich beim Kette aufwickeln immer zueinander bewegen, statt da zu bleiben, wo sie (laut Plan und Gatterkamm) hinsollen.
Es bilden sich also gewissermaßen die Paare 1a+1b, 2a+2b, und so weiter, statt 1a,2a,3a,4a+1b,2b,3b und 4b. Oh Gott, ist das jetzt halbwegs verständlich?! :gruebel: Dadurch sind in meinem letzten Webstück an dieser Stelle ständig Webfehler passiert, weil sich das Fach nicht ordentlich geöffnet hat. Als ich diesmal die Fäden immer im Paar geschärt habe (also nur ein Faden pro Gang), gab es das Problem überhaupt nicht.
Das ist allerdings ziemlich mühselig, und für große Webstücke am Webstuhl ja auch nicht üblich, weil da eben oft mit vielen Fäden gleichzeitig und einem Lesebrettchen gearbeitet wird. Was mache ich also falsch?! Ist das Problem ab einer bestimmten Kettlänge irrelevant? Muß ich meinen Gatterkamm zum Aufwickeln der Kette weiter nach hinten zum Kettbaum schieben, damit er die Fäden besser am Platz hält?! :gruebel: Scheinar stehe ich ziemlich auf dem Schlauch, denn auch die sonst so detailreiche Erika Arndt läßt sich in ihrem tollen Webbuch dazu überhaupt nicht aus, und mir fehlt einfach noch die praktische Erfahrung.
Bin ein bißchen ratlos und würde mich über Hilfe der Profis sehr freuen!
Vielen lieben Dank schonmal,
Sanja
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Beitragvon Sioux » 19.03.2009, 19:57

Hallo,

Du mußt auf der einen seite dein Fadenkreuz machen, das auf jedenfall, und auf der anderen Seite ein Gangkreuz.

das adenkreuz mußt du mit den Fingern machen und danach etwas Stram ziehen. Wie die Fäden hinten aussehen macht nichts aus, Wenn du dann wieder zurückgehst, wieder dein Fadenkreuz machen.

Es braucht übung dazu. konnte es am anfang auch nicht. Ich übte erst mit 2 Fäden und steigerte mih. Bin jetzt bei 10 Fäden angelangt. Das hat man aber schnell heraus. Mit einem Schärbaum gehts auch besser als auf dem Schärrahmen.

Viel Spaß beim Üben lol

gruß Rudi
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Beitragvon marled » 19.03.2009, 20:03

So ganz ist mir dein Problem nicht klar, weil mir das selbst noch nie passiert ist, aber ich frage zur Sicherheit nochmal nach:
Wenn du auf der einen Seite ein Gangkreuz (also mit vier oder acht Fäden bildest), hast du dann am anderen Ende auch ans Fadenkreuz gedacht, das alle Fäden einzeln separiert? Die einzelnen Gänge kleben dann zwar später beim Abrollen immer noch ein wenig aneinander, aber weil die durch die Geleseleisten und das Fadenkreuz in der richtigen Reihenfolge gehalten werden, kann zu den Schäften/Webkamm hin nix passieren.

Hier sieht man die Gangbündel noch recht ungeordnet vom Kettbaum kommen:
Bild

Hinter den Geleseleisten sieht das doch schon ordentlich und störungsfrei aus:
Bild

Ich hoffe, das hilft dir.
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Beitragvon Sioux » 19.03.2009, 20:04

Ups.

Du webst auf dem Webrahmen, da ist es etwas anders. Ich dachte du hast ein Webstuhl.

Du brauchst für den Webrahmen ja die Schlaufe beim Fadenkreuz, mehr als 2 Fäden würde ich da nicht schären, sonst verdrehen die sich zu stark und beim Bäumen bekommst du probleme.

Mit Webrahmen webe ich nicht, geht mir zu langsam und ist auch anstrengender als ein Webstuhl.
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Beitragvon Sanja » 20.03.2009, 00:37

@Sioux: Jaja, zu umständlich und zu langsam - Ich habe im November erst mit dem Weben angefangen, da kauft man sich ja nicht mal eben für'n paar hundert Euro 'nen Webstuhl, ohne überhaupt zu wissen, ob's einem Spaß macht! ;-) Und da mich der Rahmen von solchen Grunddingen wie Schären etc momentannoch genug fordert (vom Spinnen in solchen Mengen mal ganz abgesehen), werde ich auch noch 'ne Weile damit zu tun haben. Und kann dann auf einen schönen Webstuhl sparen, hihi...
@Marled: Ooh, ja, wir nähern uns dem Problem: Wie genau separiert das Fadenkreuz die einzelnen Fäden?! Ich glaube, an dieser Stelle liegt die Krux. Meine Gangbündel sehen genauso aus wie Deine, wenn ich die Fäden einzeln schäre. Ansonsten läuft ein (Vierer)Bündel über und eines unter der Geleseleiste entlang. Ich glaube, mir fehlt irgendwo ein Arbeitsschritt.
Ich beginne am Fadenkreuz, schäre vier Fäden, wende am Gangkreuz und schäre vier Fäden zurück. Und am Fadenkreuz wende ich wieder - und habe untrennbare Bündel. Wo liegt mein Fehler?! :gruebel:
Vielleicht noch was zu meiner spezifischen Arbeitsweise: Mein Webrahmen hat am Kettbaum eine Fitzrute, die ich durch mein Fadenkreuz ziehe. die Enden am Warenbaum schneide ich auf und knote sie (brav nach Lehrbuch ;-) ) an den Peitschenstock. Das ist easy und störungsfrei, die Probleme ergeben sich oben.
Kopfschüttelnd,
Sanja
PS: Schicker Redekamm - selbstgebaut?!
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Beitragvon Sanja » 20.03.2009, 00:57

Ich hab's, ich hab's!!! :devil: Mir fehlte das Fäden-über-Daumen-und-Zeigefinder-Sortieren - habe ich irgendwie immer übersehen. Dann kann es natürlich gar nicht funktionieren. Jetzt muß ich nur beim nächsten Projekt testen, wie das ohne Lesebrettchen funktioniert. Das kriege ich hin! :biggrin:
Tausend Dank, Marled, das war genau der Hinweis, der gefehlt hat! :hurrah:
Glücklichst,
Sanja
PS: Und jetzt kann ich auch beruhigt schlafen gehen. Gute Nacht!
Sanja
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Beitragvon Sandra » 20.03.2009, 12:53

@Sanja: wieso ohne Lesebrettchen? Wenn du mit mehreren Fäden arbeitest, brauchst du doch immer eines. Oder du arbeitest mit einem Webbrettchen/Bandwebkamm, das bevorzuge ich.
Liebe Grüße, Sandra

Geschichte besteht aus einem Haufen Lügen über Ereignisse, die niemals stattfanden, erzählt von Menschen, die nicht dabei waren. (George Santayana)
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Beitragvon marled » 20.03.2009, 13:49

Bei vier Fäden kann man die Fäden auch durch die Fingerzwischenräume laufen lassen, bei mehr Fäden funktioniert das nicht!
Das Gangkreuz benutze ich nur beim Aufbäumen, um die Fadenbündel ordentlich in den Reedekamm zu verteilen. Wenn aufgebäumt ist, bin ich dann beim Fadenkreuz angelangt und das schiebe ich nach hinten an den Kettbaum. Danach schneide ich die Kette auf und ziehe in Litzen und Webkamm ein, so, wie mir die Reihenfolge vom Fadenkreuz vorgegeben ist.
Das Fadenkreuz mit den Geleseleisten bleibt während des ganzen Webvorgangs hinten am Kettbaum, wenn ich den Stoff aufwickle, muss ich es natürlich wieder nach hinten schieben.

Mein Reedekamm war übrigens bei meinem Webstuhl dabei.... und hat sich als äußerst praktisch erwiesen!

@ Sioux: Ich finde es klasse, mit dem Webrahmen anzufangen, denn da kann man in aller Ruhe testen, ob einem das Weben liegt. Außerdem hat Langsamkeit manchmal einen sehr großen Vorteil. Ich bin inzwischen teilweise auch wieder beim beim Web"rahmen" (Gewichtswebstuhl) angekommen und muss sagen, das hat was!

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Beitragvon Sanja » 21.03.2009, 09:43

MOrgen! :-)
Ich werde jetzt erstmal mein angefangenes Projekt beenden und mir Eure hilfreichen Tips in Ruhe durch den Kopf gehen lassen. Und bei der nächsten Runde werde ich noch mal ganz in Ruhe rangehen und gucken, wie ich das alles für mich anwenden kann, und ob ich tatsächlich ein Lesebrettchen brauche, oder ob ich das mit den Fingern hinkriege. Mehr als vier Fäden erscheint mir im Moment eher abschreckend. ;-)
Ich bin mit meinem Webrahmen sehr zufrieden und habe mit meinen drei kleinen Projekten die Möglichkeiten der Leinwandbindung beileibe noch nicht erschöpft. Und dann hat ja Sylvia ja vorgemacht, wie man seinen Rahmen wunderbar aufrüsten kann, da bin ich schon am überlegen, wie ich das für mich umsetzen kann - und wann (das wird wohl das größere Problem, bei all meinen Projekten! :biggrin: ). Köper finde ich toll, und vielleicht irgndwann mal ein Rosengang... Aber im Moment bin ich, wie man sieht, mit meinem Rahmen noch genug gefordert, bevor ich dann auch noch mit mehreren Schäften und längeren Ketten anfange, mache ich erstmal weiter Taschen und Babydecken zum Üben.
Lieben Dank für Eure Hilfe, und bis zum nächsten Mal - der nächste Schlauch zum draufstellen kommt bestimmt! :devil:
Viele Grüße,
Sanja
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Beitragvon Sioux » 21.03.2009, 14:21

Hallo

Ich hab nichts gegen einen Webrahmen, überhaupt zum Ausprobieren und selbst geübte Weber(inen) weben gerne auf Rahmen. Es ist auch geschickter, wenn man Vorführungen macht. ist leichter zu Transprotieren.
Es hat shcon vorteile mit Rahmen zu weben. Ich bins micht gewohnt, Auch habe ich mir einen Tischwebstuhl zurst zugelegt, und dann das Einrichten gelernt.
Selbst das war mir zu dumm und habe den jetzt umgebaut zu einem Kontermarschwebstuhl mit Tritten.
Für einen Webstuhl braucht man auch Platz. Abgesehen von der Kostenfrage ist die Platzfrage. Das wird auch das Größte Problem für die meisten sein. Wohin mit diesem Riesenteil. Da ist ein Webrahmen eine gute Alternative.
Alles hat vor und Nachteile.

Gruß Rudi
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