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Knoten im Kopf: 2/2-Köper einziehen am Gewichtswebstuhl

BeitragVerfasst: 10.06.2009, 01:42
von Kattugla
Ihr Lieben,

so ganz sang- und klanglos und unspektakulär ist mein Gewichtswebstuhl fertig geworden - ein 90cm-Rustikal-Modell aus "waldechter" Birke und Hasel mit schnuggeligen Specksteingewichten (Bilder kommen noch).

Jetzt sitze ich hier - mit zwei Konen Wolle und wollte ganz naiv einen 2/2-er Köper schären.
Kein Problem, im Kopf war das schon (fast) erledigt: ich habe drei Schaftstangen und das natürliche Fach - also ganz easy das Ganze. :wacky:

Isses aber nicht. Hier irgendwo gelesen hatte ich ja schon, dass ich pro Schaft jeweils eine Hebung (also die jeweils nebeneinanderliegenden Kettfäden) einziehen kann - genau das will ich aber irgendwie vermeiden.
Geht das mit dem Einziehen denn genauso wie beim Trittwebstuhl?
Wenn ich mal annehme, dass ich zum Weben folgendermassen aushebe:
Schaft 1+2
Schaft 2+3
Schaft 3+natürliches Fach
natürliches Fach+Schaft 1
...wo öffnet sich dann das Fach bei Hebung 3 und 4? Weiter hinten?

Wenn das nicht geht, wie dann?

jetzt endgültig verwirrte Grüße
Kattugla

BeitragVerfasst: 10.06.2009, 08:34
von Elin
*sich auf die Bilder freu*

Ich kann grad nicht nachvollziehen, wie das aussieht mit dem natürlichen Fach + ein Schaft.

Wenn man einen Schaft zieht, werden ja einige hintere Fäden des natürlichen Fachs hochgehoben/vorgezogen, sodass ein neues Fach entsteht über/vor den vorderen Fäden des natürlichen Faches.
Dann hat man ja sozusagen 2 Fächer wenn man das macht?

BeitragVerfasst: 10.06.2009, 08:34
von wurm
Nein, Du hebst nicht mehrerlei Schäfte gleichzeitig an, sondern immer nur einen. Und in die Litzen kommen bei einem 2/2 Köper zwei Fäden.
Beim Schären fallen die Fäden 1,2 und 3,4 vor bzw hinter das natürliche Fach. Ich gehe im Beispiel mal davon aus, dass die Fäden 3 und 4 VOR dem Trennstab liegen.
Also ergibt sich für
Fach 1: Faden 4+1
Fach 2: Faden 1+2
Fach 3: Faden 2+3
NF: Faden 3+4

BeitragVerfasst: 10.06.2009, 09:27
von Sandra
In der Galerie beim Weben hab ich zu den Thema schon einige Fotos eingestellt (leider nicht mein eigener Webstuhl)

http://www.flinkhand.de/forum/album_pic.php?pic_id=1382
So sieht der Aufzug aus.
Du hebst immer nur einen Schaft aus, wie Wurm schon schrieb.
Der große Unterschied liegt in den Litzen:
Beim "normalen" Webstuhl haben die Litzen Ösen und dadurch kann ein Faden immer nur zu einem Schaft gehören. Beim Gewichtswebstuhl sind die Litzen ja offen, so dass ich einen Faden durch mehrere Litzen ziehen kann.

BeitragVerfasst: 10.06.2009, 09:45
von Kattugla
...stimmt, Sandra, Du hattest dazu schonmal was geschrieben, mir fiels nur nicht mehr so genau ein.

Hmm. Okay, dann pro Hebung einen Schaft und das natürliche Fach.
Der Knoten in meinem Kopf löst sich gerade.
Danke Wurm, was vor und was hinter den Trennstab kommt, war mir nämlich auch noch nicht so ganz klar.

Hintergrund meiner Frage war eigentlich meine Faulheit. Am Trittwebstuhl finde ich die Einzugsroutine ganz angenehm: hübsch der Reihe nach einen Kettfaden vorziehen, durchfädeln, beiseitelegen. Verzählen ist da kaum drin, wemmer die bereits eingezogenen Litzen auf dem Schaft ebenfalls beiseiteschiebt. Da lässt sich dann auch spontan mal der Köper umkehren, wenn man wie beim Karomuster andersfarbige Kettfäden hat.
Die Routine beim Gewichtswebstuhl ist mir allerdings noch nicht so ganz klar - aber das ist dann wohl ein Learning-by-doing.
Mein Gedanke war, die Kette mitsamt Gewichten aufzubäumen und dann die Litzen um gespannte Fäden und Schaft zu winden. Da muss ich mir dann allerdings vorher Gedanken machen, was vor und was hinter den Trennstab zu liegen kommt. Und zählen... :gruebel:
Bei der Einzelfaden-Methode (die ja hier nicht geht) wär das dann ganz easy geworden... :-( :blush:

BeitragVerfasst: 10.06.2009, 11:27
von Sandra
Wie schärst du?
Du musst beim Schären nur die Fäden in zwei Hälften sortieren.
Bei Leinwand z. B. 1 oben - 1 unten, bei Köper 2 oben - 2 unten.
(Ob du die oberen Fäden jetzt 1 und 2 und die unteren 3 und 4 schimpfst ist wurscht ;-) )

BeitragVerfasst: 10.06.2009, 12:15
von wurm
Das Schären für 2/2 Köper am Gewichtswebstuhl ist sehr einfach: Da du ja den späteren Kettfaden von einem Knäuel, Haspel oder einer Spule abrollen musst, und in der Anfangskante fixieren, nimmst Du immer gleich eine Schlaufe statt eines Einzelfadens. Und eine Schlaufe sind ja zwei Kettfäden. Dadurch, daß Du eine Schlaufe an Punkt A und die andere an Punkt B befestigst, schärst Du gleiche eine Ordnung zu 2 und 2 Fäden abwechselnd. Das ist bereits das natürliche Fach. Kein Zählen nötig, kein Verzählen möglich. Die anderen Fächer sind danach leicht abzuzählen.

BeitragVerfasst: 10.06.2009, 12:57
von marled
Ich denke, dass es auch einen einfachen Einzug in die Litzen gegeben haben muss, dann aber wahrscheinlich mit vier Litzenstäben anstatt mit 3 und dem natürlichen Fach, siehe auch die Diskussion HIER.
Marled

BeitragVerfasst: 11.06.2009, 13:51
von Kattugla
Hi marled,

ich denke, der einfache Einzug, dann mit 4 Litzenstäben, ähnelt sehr dem Arbeiten am Webrahmen mit dem Gatterkamm - das Prinzip dürfte dann zwar senkrecht, aber das gleiche sein...

Dank wurms Tip mit dem gleichmäßigen Aufteilen der Kettfäden vor und hinter den Trennstab bin ich zwar mit meinen Überlegungen weitergekommen, aber noch nicht auf eine Lösung.

Bei meinem Gewichtswebstuhl (nebenbei: meine Anregung stammt von diesem Museumsstück) kann ich die Schäfte nach vorn ziehen und ablegen, was das Problem mit dem sich nicht öffnenden Fach aus diesem Thread hier lösen sollte. Es sei denn, ich hab da noch nen Denkfehler drinnen.
Da ich aber sowas nicht ohne Begreifbildchen hinterschaue, hab ich mal skizziert, wo mein Problem liegt:
http://www.flinkhand.de/forum/album_pag ... ic_id=1431

Bei der Hebung 2 und 4 bildet sich das Fach zwischen den Kettfäden, die an den Litzen hängen und den Kettfäden, die ohne Zug der dranhängenden Litze vor dem Trennstab liegen.
Das sieht auf meiner Skizze noch machbar aus. Was das Bildchen aber nicht berücksichtigt, ist die Länge der Litzen. Denn will ich ein brauchbares Fach haben, müssen die Litzen bei den Hebungen 2 und 4 ja die Kettfäden 3 bzw. 4 (blau und braun) vor die anderen Kettfäden ziehen können.
Die Astgabeln, in denen meine Schäfte liegen, sind ca. 15cm lang, der Trennstab ist zwischen den Seitenpfosten und nicht davor. Das heißt, will ich da überhaupt ein greifbares Fach, dürfen die Litzen nicht länger als - sagen wir mal - 12 cm sein?
Versteht jemand mein Problem?

Und: ja, wurm, das Schlaufenschären fiel mir auch schon ein. Das bietet sich förmlich an.
Ich möchte allerdings a) eine mehrfarbige Kette schären (sagen wir mal 16 Fäden grau, 4 Fäden rot, 2 Fäden weiss) und auch noch b) pro Farbe die Richtung des Köpers wechseln (so dass da was in der Art unregelmäßiger Fischgrat bei rauskommt).
Deine Schärmethode ist wunderbar bei einfarbigem Köper, aber wie mache ich das dann mit meinem heißgeliebten prä-tartanischen (*g*) Karo?
Eine Möglichkeit wäre gleich das Abzählen während des Schärens und das Nutzen der Kreuzrute, um vorn und hinten zu trennen... *nachdenk*...


p.s.: der Kommentar meines Schatzes zu dem Thema: "Jaja, warum einfach, wenns auch kompliziert geht... fang doch erstmal mit ner Leinwandbindung an...!" :wacky:

:-)

BeitragVerfasst: 08.09.2009, 21:29
von Elin
Es hat dir ja leider keiner geanttwortet. Ich versuch es einmal.

Ich glaube das was du meinst ist, dass dein Fach bei den genannten Hebungen zu "flach" ist und du dir unsicher bist, wielang die litzen sein sollten.

Auf der Zeichnung sieht es so aus, dass die Fächer "bequemer" werden., wenn du die Astgabeln, die die Litzenstäbe halten, verlängerst.

die Litzenlänge ist die Länge die du brauchst, wenn du den Litzenstab in "ruhestellung" (nicht in der Astgabel) am Webstuhl ruhen lässt und dann die Litze um den hinteren Ketztfaden legst, der dann immer noch frei und senkrecht baumelt.

Dadurch dass die Astgabeln länger wären, ziehst du sie noch weiter hervor und das Fach wird größer und "bequemer".

Das ist zumindest das, was mir bei der Zeichnung sehr ins Auge sticht...