was ist Beiderwand ??

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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was ist Beiderwand ??

Beitragvon Buetti » 17.11.2009, 10:27

Hallo
Ich interessiere mich schon seid Wochen für das Buch „Weben mit Papiergarn“ und kann mich aber einfach nicht endscheiden. Jetzt sind in der Beschreibung die Namen Kuvikas, Moorman, Taquete und Beiderwand erwähnt. Könnt ihr mit diesen Namen etwas anfangen, und gibt es dafür Patronen?
Sollte meine Frage bei den Einsteigern besser aufgehoben sein. Bitte verschieben.
Grüße aus Frankfurt
Buetti
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Beitragvon David » 17.11.2009, 17:53

Hi,

Beiderwand ist ein derber Stoff der in der Regel aus Woll- und Leinengarn verwebt wurde. Wenn ich mich nicht täusche wurde in der Kette Leinen benutzt und im Schuß die Wolle.
Bei uns im Harz wurde Beiderwand (hier auch Baidewantoder Baadewant) bis ins frühe 20. Jh. für die speziellen Röcke der Bauertrachten benutzt. In dem Fall häufig blau weiß gestreift.
Auch in vielen anderen Norddeutschen Regionen wurde Beiderwand für Bauerntrachten benutzt (bspw. auch Mecklenburg).
Angeblich soll der Name Beiderwand von der ostindischen Stadt Beeder herrühren, wo diese Webart entlehnt wurde.

Gruß,
David

Ps.: wenn jemand ne Bezugsuelle dafür kennt, immer her damit :biggrin: :biggrin:
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Beitragvon perchta » 18.11.2009, 13:07

Hi,

@David: Hast du denn auch Informationen zur Bindung in diesem Stoff?

lg Perchta
Webst du schon, oder ziehst du noch auf?
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Beitragvon Rigana » 18.11.2009, 14:24

Beiderwand ist ein wenig mehr als ein Mischgewebe.
Der Begriff bezeichnet einen zweiseitigen gemusterten Stoff, bei dem das Muster der einen Seite das Negativ der jeweils anderen ist.

Im "Handbuch Weben" von Erika Arndt gibt es Abbildungen von Beiderwandmustern (S.22, 167, 168).

Hier mal ein paar Zitate aus dem Buch:
Eine ganz eigentümliche und typische Bindungstechnikentwickelte sich an der Ostseeküste: Die als mecklenburgischer, pommerscher oder schleswig-holsteinischer Beiderwand bekannten, reich figurierten Gewebe entstanden zunächst aus den Mustern der Drellentwürfe. Später wurden die Muster lehafter und reich gegliedert. Man webte sie auf Zugwebstühlen. Wei der Name Beiderwand sagt, haben die Stoffe zwei Seiten, die eine ist das Negativ der anderen.
Thiel, S.22


Genauer erklärt wird es auf S. 167:
Eine besondere Form des Hohlgewebes ist der [...] Beiderwand. Hierbei wechseln hohle Gruppen mit einflächigem Gewebe ab [...].

Die Kette setzt sich aus feinen Fäden zusammen, bei denen jeder 5. farblich kontrastiert, um abzubinden.
Geschossen wird abwechselnd mit einem feinen Baumwoll- und einem stärkeren Wollfaden. Die vorwiegend wollene Seeite ist die Oberseite des Stoffes, die hohlen Gruppen bilden das Muster.

Je mehr Kettmustergruppen man möchte, desto mehr Schäfte benötigt man.

Unter Abb. 250, S. 167 (eine Musterpatrone) wird nochmals kurz erläutert:
Beiderwand: Der Mustergrund ist eine Art schussverstärktes Gewebe, bei dem das bindende Untergewebe leicht durchscheint. Die Muster werden von hohlen Gruppen gebildet.


Auf meinem vierschäftigen Stuhl könnte ich wohl nur ganz primitiven Beiderwand herstellen :wacky:

Liebe Grüße
Rigana
Zuletzt geändert von Rigana am 18.11.2009, 16:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon marled » 18.11.2009, 15:01

*räusper* Heißt die Dame nicht Erika Arndt? *räusperräusper* :frage:
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Beitragvon David » 18.11.2009, 16:03

:biggrin: ich denke dem kann ich nichts mehr hinzufügen :biggrin:

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Beitragvon Rigana » 18.11.2009, 16:07

Du hast ja so recht, Marled :blush:

Zu viel gelesen in letzter Zeit....

Ich werde das mal oben editieren...

Liebe Grüße
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Beitragvon marled » 18.11.2009, 16:56

Möchte hier noch zur kompletten Verwirrung beitragen mit der Erfahrung, dass je nach Antwortgeber beide Versionen richtig sein können.
Ich hatte mal eine intensive Auseinandersetzung mit der Dame vom Eifeltuchmuseum über den Tirtich oder Tirtig, die sogenannte Schalkenmehrener Beiderwand. In sämtlichen Quellen hatte ich nämlich Beiderwand nur wie in Riganas Darstellung kennengelernt, sie bestand aber darauf, dass Beiderwand lediglich Stoffe mit Leinen als Kette und Wollgarn als Schuss bezeichnet.
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Beitragvon marled » 18.11.2009, 17:57

Hier gibt es übrigens einen netten Einblick in die Beiderwand:
http://www.ariadne-design.com/pdf_files/Beiderwand.pdf
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Beitragvon Rigana » 18.11.2009, 18:06

Falls ihr noch verwirrter sein möchtet: Tirtich bezeichnet an der Mosel was völlig anderes (und leckeres) :biggrin: Da das Wort da aber Mundart ist, könnte es natürlich auch anders geschrieben werden.

@marled schöne Links. Schade, dass bei dem Tuchmuseum ein Detailfoto des eigentlich unwichtigen Smoks einer Gesamtansicht des Ensembles vorgezogen wurde. Oder finde ich gerade die Bilder dazu nicht? :dizzy:

Liebe Grüße
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