Ich brauche Hilfe! Traum vom Weben vielleicht geplatzt!

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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Ich brauche Hilfe! Traum vom Weben vielleicht geplatzt!

Beitragvon w_ciossek » 24.06.2010, 09:15

Hallo Weber und Weberinnen,
Ich habe mir einen zwölfschäftigen Webstuhl gebaut, wo zwei Schäfte für Leinwandbindung und zehn Schäfte für Muster dienen. Die Schäfte für Leinwandbindung werden über Tritte bewegt und die zehn Schäfte über eine Klöppelleiste, damit das Treten nicht zu einen Spagat ausartet. Man
kann Musterschäfte und Leinwandbindung auch kombinieren, wo man beispielsweise bei Leinwandbindung einen oder mehrere Musterstreifen erzeugen kann.

Nun wollte ich den Webstuhl ausprobieren und habe 800 Kettfäden für die Leinwandbindung fehlerfrei aufgespannt und war dann froh, daß alles fehlerfrei so durch die Litzen ging. Ich benutzte dabei zum Probieren Wolle aus Polyakryl, damit nicht soviel teure Schurwolle vergeudet wird. Da ich noch keinen Webkamm habe, weil ich ihn noch aus Schilf oder Bambus bauen muß, konnte ich es kaum erwarten, ihn vorher schon in Betrieb zu nehmen und mit Hilfe eines Stabes den Schußfaden an das Gewebe anzupressen. Jedoch als ich den Webstuhl in Betrieb nahm, erlebte ich eine böse Überraschung! Genau in dem Moment, als beim Bewegen der beiden Schäfte, die Kettfäden aneinander vornbei mußten, bauten sich so starke Kräfte auf, weil sich die Wolle verhakte. -- Und ich wollte so gerne mit Wolle weben! Die Tritte waren nicht mehr zu bewegen und ich mußte mit großer Kraft mit den Händen die beiden Schäfte auseinanderreißen. Irgenwann rissen auch die starken Nylonfäden an den Tritten, die bis zu 60kg Last aushalten können. Also ich brauchte mehr als 60 kg Kraft, um ein Fach zu öffnen! Ich habe dann mit den Fingern zwischen die Kettfäden gestrichen, um dessen Verhakung auseinander zu bekommen. Ich brauchte dann also für den Schaftwechsel mehr als zwei Minuten, wegen des großen Kraftaktes und das Weben war zwar möglich, jedoch sehr mühsam.
Aber ich habe ein aus Wolle gewebtes Jackett. Also muß es doch mit Wolle klappen. Ich habe versucht, zunächst die Kettfädenabstände zu vergrößern, die vielleicht zu dicht waren, da hatte ich aber nur wenig Erfolg damit. Der Kraftaufwand wurde nur sehr geringfügig kleiner. Vielleicht lag es aber auch nur daran, daß mir der Webkamm fehlte. Offensichtlich dient er nicht nur zum Anschlagen des Schußfadens an das Gewebe, sondern mit seinen Zinken reißt er vielleicht die Verhakung an den Kettfäden auseinander. Wird also das Öffnen eines Faches erst mit einen Webkamm bei sich verhakenden Kettfäden erst möglich? Wie geht man also mit Wollkettfäden um, die sich verhaken?

Gruß Wolfgang
w_ciossek
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Beitragvon Sanja » 24.06.2010, 09:36

Ich habe neulicheine ähnliche Erfahrung gemacht, als ich eine Leinwandbindung der Einfachheit halber nur auf zwei Schäften aufzog - die Zeit, die ich beim Litzeneinzug sparen wollte, habe ich doppelt und dreifach in die Fachbildung investiert, sowie ins Rückwärtsweben, um Webfehler zu korrigieren... :buhaeh: Es waren zum Glück nicht so viele Fäden und nur ein 40/10er Blatt, aber ich brauchte unheimlich viel Kraft zum Ausheben (per Hand), und die Schaftleisten haben sich z.T. durch gebogen.
Die zweite Hälfte des Projektes (andere Webbreite) habe ich dann auf vier Schäften gewebt, und es war überhaupt kein Problem. Kein Klett-Effekt, keine verbogenen Schaftleisten, ein sauberes Fach und keine Webfehler. Passenderweise las ich danach (typisch!) bei Erika Arndt, dass man Leinwandbindung immer auf vier Schäfte verteilen sollte - das konnte ich dann aus eigener Erfahrung nur bestätigen... :wacky:

Ich würde Dir folgendes raten:
1. Schmeiß die Polywolle in die Tonne und kauf Dir zum ersten Üben billiges Baumwollgarn. Gleitet gut, klettet nicht, ist billig, aber fest (im GEgensatz zu Acryl, das sich dehnt und dadurch das Ganze noch schwieriger macht).
2. Zieh eine schmale Kette auf - Du brauchst kein ein Meter breites Probestück um zu testen, ob Dein Webstuhl funktioniert. ;-) Auf 40 cm kannst Du alles sehen, und hinterher noch eine Tasche oder ein Stuhlkissen draus machen.
3. Kauf Dir "Handbuch weben" von Erika Arndt. Das ist quasi die Bibel, und wenn Du sie aufmerksam (! ;-) ) durchliest, wirst Du Dir eine Menge Geld und Frust sparen. Wenn Du schon den Webstuhl neu erfunden hast, brauchst Du das ja nicht mit jedem möglichen Webfehler auch zu tun. ;-)

Viel Erfolg!
Sanja
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Beitragvon Silvia » 24.06.2010, 10:22

Hallo Wolfgang,
erst mal ,möchte ich sagen wie sehr ich Deinen Elan bewundere.Ich lese die ganze Zeit staunend Deine Beiträge.Du hast da viel geleistet.
Aber bei den Webversuchen solltest Du kleine Brötchen backen.
Ich spreche aus Erfarung,denn auch ich hab gedacht ich müßte gleich mit 800 Fäden anfangen.Ich habs auch hinbekommen,aber es ist kein schönes Stück geworden und die Mühe hätte ich besser anders investiert.
Weben hat auch wirklich mit Übung zu tun.Auch kann es sein,das Du an Deinem Webstuhl noch feinjustierungen vornemen mußt.Da ist es praktisch,wenn Du keine superlange Kette mit vielen Fäden hast,schnell drauf,schnell ausprobiert - so kannst Du schnell hier und da was an der feineinstellung arbeiten.Ich hab zwar bloß einen Webrahmen umgebaut,aber es sind dann oft nur hier ein cm oder dort etwas schräger stellen.Nimm billiges Material,und mach später Einkaufstaschen Hundedecken oder sonst was draus,der Weg ist das Ziel.Auch Schals sind toll,die kann man dann noch verschenken.

Zum Thema verhakelnde Kettfäden gibt es hier:
http://www.flinkhand.de/forum/viewtopic.php?t=5153
und hier:
http://www.flinkhand.de/forum/viewtopic.php?t=4412

Ich wünsch Dir viel Glück und zeig uns doch irgendwann mal bitte Deine Werke - Webstuhl UND das was darauf endsteht.

Viele Grüße
Silvia
Silvia
 

Beitragvon Sandra » 24.06.2010, 20:57

Leg dir ein Webblatt zu. Nachdem du erst nach dem Fachwechsel mit dem Blatt anschlägst, trennt das Blatt dabei jeden einzelnen Kettfaden im neuen Fach und das Fach öffnet sich automatisch.
Ansonsten kann ich mich meinen Vorrednerinnen nur anschließen.
Liebe Grüße, Sandra

Geschichte besteht aus einem Haufen Lügen über Ereignisse, die niemals stattfanden, erzählt von Menschen, die nicht dabei waren. (George Santayana)
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Beitragvon w_ciossek » 25.06.2010, 07:21

Hallo Weber und Weberinnen,
Vielen Dank für die schnellen Antworten. Also stehe ich mit diesem Problem nicht alleine da. Ich hatte auch bereits mit den Kettfäden Harfe gespielt, was das Problem etwas erleichterte. Aber bis zum Schußfaden hin würde ein Webkamm den Rest auftrennen. Originell auch die Idee, die Kettfäden mit einer Paste zu leimen. Ich dachte auch schon an irgendeine Ölung.
Beim Nadelbinden habe ich auch immer zwei Fäden mit Stärkekleister verbunden, und hatte da auch eine enorme Arbeitserleichterung mit den Fäden, nicht nur weil sie besser zusammenhielten sondern auch besser durch die Schlaufen glitten.

Gruß Wolfgang
w_ciossek
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