Welche Webbreite?

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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Welche Webbreite?

Beitragvon Kraeuterengel » 23.10.2010, 09:41

Momentan habe ich einen kleinen Webstuhl mit 80 cm Webbreite, liebäugele aber mit was Größerem...
Welche Webbreiten bevorzugt Ihr/hat Euer Webstuhl? Vor allem im Hinblick auf die Herstellung von Kleiderstoff? Zieht Ihr lieber weniger breit auf und macht eine längere Kette oder lieber breit mit kurzer Kette? Was davon ist Eurer Meinung nach weniger aufwändig?
Da ich Probleme habe eine gleichmäßige Spannung hinzubekommen würde ich eher zum breiteren Einzug tendieren. Schmalerer Einzug würde wohl allerdings weniger Kettabfall produzieren, oder? Alles über 1,20m Breite macht wohl ohne Schnellschuss kaum noch Spaß...
Bin gespannt auf Eure Erfahrungen :-)

LG
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Beitragvon marled » 23.10.2010, 11:25

Ist wohl auch die Frage, WAS und wofür willst du die Stoffe herstellen? Für die meisten historisch belegten Stoffe reicht eigentlich deine vorhandene Breite, wenn du nicht gerade Rechteckmäntel oder sowas produzieren möchtest. Willst du für den modernen Bedarf weben, wäre ein breiterer Webstuhl nicht schlecht, aber ohne Schnellschuss geht tatsächlich alles über 1,20 m sehr schwierig.
Ich persönlich ziehe lieber länger auf, dann habe ich mir etliches an Litzeneinziehen und Blattstechen gespart und ich bekomme so schönere Ränder hin. aber das ist wohl eher persönliche Geschmacks- und Erfahrungssache.
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Beitragvon Kraeuterengel » 23.10.2010, 16:54

Hey Marled,
es geht schon in erster Linie um historisch belegte Stoffe, aber da muß ich mich ja auch nach den Maßen von mir bzw. meinem Mann richten.
Aber wenn ich mir doch was Größeres (mit Kontermarsch) zulege, soll es schon der Webstuhl "für´s Leben" werden...
Für Handtücher,Tischdecken,Schals wird wohl auch ´ne schmale Breite reichen...aber beim Rechteckmantel wird´s mit 80cm oder 1m schon fast wieder zu knapp.
Mir geht es halt auch darum zu erfahren ob der Trend eher zum breiteren Einzug oder zur längeren Kette geht und wie denn da so die Geschmäcker sind ;-)
Hätte gedacht daß längere Ketten schwieriger gleichmäßig zu bäumen sind und daher die meisten Weber/innen ehrer den breiteren Einzug bevorzugen?
Müßte zum Beispiel für ein Kleid nur 3m statt 7m weben, da scheint mir eine größere Webbreite sinnvoller...

LG
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Beitragvon Tjorven » 23.10.2010, 17:19

Historische Stoffe wurden aber in der benötigten Breite gewebt, sprich Schulterbreite der betreffenden Person, und es wurde nicht viel schräg zugeschnitten - damit hast du zuviel Abfall in der Tuchbahn. Für eine Tunika zum Beispiel hast du in Schulterbreite ja das vordere und hintere Stück, an den Seiten setzt du noch Geren ein und fertig. Und wenn du schmaler webst, hast du gleich eine saubere Kante, wenn du Stoff erstmal in der Mitte durchschneidest, mußt du wieder zwei Kanten versäubern.
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Beitragvon Sandra » 23.10.2010, 17:51

@Tjorven: nicht unbedingt. Die am meisten gehandelte Stoffbreite betrug 2 Ellen. Wieviel das war, war regional unterschiedlich, eben von der Elle abhängig.
Die kürzeste mir bekannte Elle beträgt 65cm, damit sind das 1,3 m Stoffbreite.
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Beitragvon Tjorven » 23.10.2010, 18:28

@Sandra: Gilt das auch fürs FrühMi?
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Beitragvon Sandra » 23.10.2010, 18:40

Da hab ich keine Quellen. Ich kenn nur Handelsaufzeichnungen fürs Homi bzw Spämi.
Aber gibts nicht auch für Haithabu sowas? Das ist doch nicht meine Baustelle ;-)

Und Gewichtswebstühle waren ja sowieso breiter als 80 cm. Die konnten ja auch mal 4-5m haben. Ok, das war vermutlich dann nicht mehr für Kleidungsstoffe. Aber so ein ganz schmaler ist mir da auch nicht bekannt.
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Beitragvon Tjorven » 24.10.2010, 07:46

Hm, ich habe eben nochmal nachgeblättert, aber ich habe auf die schnelle nichts zur Webbreite im FrühMi gefunden, die Fragmente sind halt auch meistens winzig...

Klar, auf den Gewichtswebstühlen wurden ja auch Segel und so angefertigt - da braucht man schon sowas:

Bild

Aber egal wie breit der Webstuhl war, es macht doch eigentlich mehr Sinn, nur so breit zu weben, wie es unbedingt nötig ist, um weniger Verschnitt zu haben, denke ich. Mir leuchtet es eben nicht ein, eine breitere Stoffbahn zu weben, wobei eindeutig mehr Verschnitt anfällt, und wenn es nur die paar Zentimeter der zu versäubernden Kanten sind. Die Zeit, die das beansprucht, kann man auch in eine längere Kette stecken.

Aber egal, was ich sagen wollte ist nur, dass ein breiterer Webstuhl natürlich immer toll ist :devil: , man kann darauf ja auch schmaler weben.
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Beitragvon Kraeuterengel » 24.10.2010, 10:54

An die Arbeitsersparnis beim Versäubern hatte ich noch gar nicht gedacht, das ist natürlich ein Argument... :-)
Allerdings gibt der 80 cm Webstuhl höchstens 75cm Stoffbreite her, und dann kommt ja noch der Einsprung dazu, und das reicht dann schon nicht mehr für die Schulterbreite meines Mannes :blush:
Also muß früher oder später doch was Neues her.
Was die historisch belegten Stoffbreiten angeht ist mir das nicht ganz so wichtig, achte mehr auf belegte Schnitte und möglichst wenig Stoffverschnitt.
Nach meinen "Berechnungen" käme der Verschnitt bei doppelter Breite auf´s Gleiche raus, bis eben auf die Nahtzugabe.
Mein Gewichtswebstuhl steht im Keller, da ist noch ´ne halbfertige Decke drauf, für feinere Stoffe mag ich den auch nicht benutzen...
Ist natürlich nicht so ein Riesenteil wie auf dem Photo...wo steht denn der?
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Beitragvon Sandra » 24.10.2010, 11:10

Bei gekauften Stoffen mit 1,5m Breite reicht das nach dem ersten Einlaufen bei mir immer noch quer. D.h. ich schneide die langen Bahnen quer zu, daneben dann die Geren und neben den Geren noch je einen Ärmel. Den einzigen Verschnitt, den ich habe, sind die zwei Halbkreise am Halsausschnitt.

Für früher stellt sich natürlich die Frage: waren die Maße des zukünftigen Trägers bekannt? Und gerade am Gewichtswebstuhl dauert das Weben ja doch ein Vielfaches länger, da würde ich eher zu breiteren Geweben tendieren.

@Kräuterengel: Ich würde eher nach den Kriterien "wieviel Platz hab ich?" und "möchte ich einen Schnellschuß/Kontermarsch?" entscheiden. Und die Frage nach dem Preis ist ja auch nicht ganz unbedeutend.
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