Überspringen von Randfäden???

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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Überspringen von Randfäden???

Beitragvon Tjorven » 04.11.2010, 15:47

Hallo ihr Lieben,

ich habe es endlich geschafft, nach wochenlanger Abstinenz eine rumliegende Kette auf den Webstuhl zu bringen und wollte ein Köpermuster nach dem Buch von Anne Dixon ausprobieren, das einen schlichten Richtungswechsel erfordert. Durch die Umkehrung der Reihenfolge der gehobenen Schäfte, bindet der Schußfaden aber den letzten Randfaden nicht immer mit ein, d.h., der ist lose.

Kann man das irgendwie umgehen, muß das so sein oder hab ich ein Brett vorm Kopf???

Die Reihenfolge der gehobenen Schäfte ist nach Anleitung 1 und 4 - 1 und 2 - 2 und 3 - 3 und 4 - 1 und 4 - 3 und 4 - 2 und 3 - 1 und 2, beim sechsten Schuß entsteht dann das beschriebene Problem der losen Randfäden. Falls jemand das Buch "The Handweaver´s Pattern Directory" hat: es ist das Muster auf Seite 71 ganz unten ;-).
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Beitragvon Juno » 04.11.2010, 16:01

Also vom Brettchenweben kenne ich das genauso, wenn man die Drehrichtung der Randbrettchen ändert... den Effekt meinst du doch, oder? Das läge ja in der Natur der Sache. Ich verlasse ich dann einfach darauf, dass es nicht auffällt ;-)
Grüße von der Möchtegernkreativen

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Beitragvon Tjorven » 04.11.2010, 16:20

Nein, das kann man nicht vergleichen - beim Brettchenweben liegt beim Richtungswechsel der Brettchen ja trotzdem der Schußfaden im Gewebe, auch wenn die Fäden der Kette flottieren - hier wendet der Schußfaden aber praktisch beim vorletzten Randfaden und der letzte hängt in der Luft...
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Beitragvon marled » 04.11.2010, 16:36

Ja, das muss so sein bei einer einfachen Trittfolgenumkehrung. du findest zu diesem Problem übrigens in dem erwähnten Buch ein Extrakapitel ab S. 16, Threading the selvedges!
entweder du umschlingst bei der Musterumkehr manuell die nicht abbindenenden Randfäden oder du fügst ein "Floating selvedge" ein (s. S. 17)
Fischgrat- und Diamantköper haben durch den #springenden Einzug' dieses Problem übrigens nicht!
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Beitragvon Tjorven » 04.11.2010, 17:13

Danke Marled, also habe ich doch richtig gedacht... ich probier das mit dem Umschlingen mal aus. Ich muß gestehen, dass ich zu faul war, mein Wörterbuch rauszuholen - soooo viele Fachbegriffe :blush: .
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Beitragvon Radegunde » 05.11.2010, 10:07

Wenn ich mich recht erinnere, kann man dieses Problem umgehen, indem man beim Richtungswechsel einen neuen Schussfaden nimmt und den von der anderen Seite webt. Also wenn Dein Schiffchen beim Richtungswechsel auf der rechten Seite hängt, schneidest Du es ab und schiebst es beim nächsten Pedaltritt von links wieder ein (statt von rechts, wie Du es einschieben würdest, wenn Du es nicht abgeschnitten hättest).
äh, ist das so verständlich?

Viele Grüsse
Radegunde
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Beitragvon Sandra » 05.11.2010, 10:36

@Radegunde: das funktioniert schon, aber ich würde an Tjorvens Stelle nicht bei jedem 6. Schuss den Faden abschneiden wollen. Wenn es jetzt ein längerer Rapport wäre, ist das aber sicherlich eine einfache Lösung.
Liebe Grüße, Sandra

Geschichte besteht aus einem Haufen Lügen über Ereignisse, die niemals stattfanden, erzählt von Menschen, die nicht dabei waren. (George Santayana)
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Beitragvon Sanja » 05.11.2010, 13:41

Ich löse das Problem mit "floating selvedges", also zwei extra Kettfäden, die durch keinen Schaft laufen. Wenn man sich erstmal dran gewöhnt hat, kostet es keine Extrazeit beim Weben, ganz im Gegensatz zum Umschlingen... :dizzy:
Bei so kurzen Rapporten abschneiden, fände ich, glaube ich, unpraktisch.

Liebe Grüße,
Sanja

PS: Ich glaube, im Deutschen sagt man "stehende Kettfäden". :gruebel:
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Beitragvon Tjorven » 06.11.2010, 09:01

Das klingt nach einer guten Lösung und das ist tatsächlich in dem besagten Buch auch so erklärt - frau sollte vielleicht ab und zu erstmal das Kleingedruckte lesen :blush: , ähem.
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Beitragvon Tjorven » 11.11.2010, 16:32

Jau, das mit dem Umwickeln der Randfäden funktioniert ganz gut und ist auch nicht so besonders aufwendig, weil es ja nicht bei jedem Schuß sein muß. Ich hebe einfach mit dem Schiffchen den entsprechenden Randfaden hoch oder drücke ihn runter und dann wird ganz normal der Schuß durch die restlichen Kettfäden gelegt - danke nochmal für den Tipp, bei der nächsten Kette probiere ich das mal mit den zusätzlichen Randfäden, das macht es bestimmt noch einfacher...

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