Kettmaterial für Webrahmen

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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Beitragvon wetterleuchten » 10.07.2012, 11:28

Klara hat geschrieben: Für ausgeglichene Leinwandbindung (also Kette und Schuss gleichermassen sichtbar) wäre ein Garn mit 4 Wicklungen pro Zentimeter richtig.


Ui spannend und hoffentlich nicht allzu offtee wenn ich mich da jetzt einfach so einklinke. Ich bin ja selbst noch dabei, mich an meinem Kircherrahmen "einzuarbeiten" und noch schwer am experimentieren.
Du meinst schon die Anzahl der Windungen, Klara, also ähnlich wie beim Schraubgewinde die Gewindedichte und nicht die Anzahl der Fäden, die den Zwirn bilden? Gibt es da sowas wie eine Faustregel?

Interessiert, Wetteleuchten, die bisher nur die Methode kannte, passende Garnstärken zum Kamm mittels zählen & Lineal + halbwildem probieren zu finden. :-)
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Beitragvon Gladwyn » 10.07.2012, 18:31

auf die idee bin ich noch nicht gekommen meine selbstgesponnene und gezwirnte wolle zu nehmen :dizzy: manchmal ist die lösung soooo nah!

dann weiß ich ja was ich heute abend mache: spinnen,spinnen, spinnen! damit ich schön fest gezwirnten wollfaden habe.

danke auf jeden fall schonmal für antworten. ich werde bestimmt noch einiges fragen. :biggrin:
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Beitragvon Klara » 13.07.2012, 20:46

Die Überlegung ist eigentlich ganz einfach (ich bin aber auch nicht von selbst draufgekommen, sondern hab's mir angelesen):

Bei Leinwandbindung hast du zwischen jedem Kettfaden einen Schussfaden. Wenn dein Kamm (oder, am grossen Webstuhl, das Blatt) Platz für 2 Kettfäden pro Zentimeter bietet, dann kommen noch 2 Schussfäden dazu. Ergo 4 Fäden insgesamt. Das Garn muss also so dünn/dick sein, dass 4 Fäden (also nicht Zwirnteile, sondern Garnstücke, egal ob Single, Zweifach oder Dreifachzwirn) nebeneinander auf einem Zentimeter Platz haben. Ob man das durch Wickeln um Lineal misst oder sich extra eine schicke "wpi-Gauge" bastelt, ist Geschmackssache.

Andersrum: Wenn ich Garn habe, das ich 10 mal auf einem Zentimeter wickeln kann (anders gesagt, das einen Millimeter Durchmesser hat), dann wäre für Leinwandbindung ein 50/10-Kamm richtig.

Das ist der Ausgangspunkt fürs Probieren. Einen Schal webt man im Zweifelsfall lieber lockerer, eine Kissenhülle fester. Dann kann's noch passieren, dass das Garn beim abschliessenden Waschen wie irre aufplustert, oder dass das Muster bei lockerem Gewebe nicht richtig zur Geltung kommt, oder ca. fünzigtausend andere Probleme. Der grosse Webexperte bin ich ja auch nicht, aber irgendwo muss man ja anfangen.
;)

Übrigens, noch ein Tipp, vor allem für Leute, die nur grobe Kämme haben: Man kann ja auch zwei Fäden durch jedes Loch und jeden Schlitz ziehen (beim 20/10-Kamm braucht's dann ein 8 wpcm-Garn) und zwei Fäden für jeden Schuss nehmen - das gibt dann Panamabindung. Und wenn die Fäden unterschiedliche Farben haben, also schön regelmässig ein hell - ein dunkel - ein hell - ein dunkel in Kette und Schuss, dann gibt das ein ganz tolles Muster. (Habe ich erst am Webstuhl rein zufällig entdeckt und mich geärgert, dass ich da nicht schon zu Webrahmen-Zeiten draufgekommen bin).

Ciao, Klara
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Beitragvon Gladwyn » 13.07.2012, 21:37

klara sei mir nicht bös, aber ich hab nicht wirklich alles verstanden?!
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Beitragvon Verry » 14.07.2012, 13:31

Hallo,
vllt kann ich es noch mal anders ausdrücken: Du hast bei deinem Webkamm 20 Fädn auf 10 cm Länge, also zwei pro cm. Willst du eine Leinwandbindung produzieren, bei der du den Schuss noch siehst, brauchst du auch noch Platz für den Schussfaden. Also pro Zentimeter für zwei Kett -und zwei Schussfäden. Wenn du 4 Fäden nebeneinander legst und sie insgesamt 1 cm breit sind, passt deine Fadenstärke. Statt die Fäden nebeneinanderzulegen, kannst du sie auch einfach um ein Lineal wickeln. :dizzy: hoffe das ist ein bisschen unkomplizierter...
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Beitragvon Klara » 14.07.2012, 20:33

Gladwyn, WAS verstehst du nicht?

Ciao, Klara
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Beitragvon Gladwyn » 15.07.2012, 07:57

eigentlich fast den gesammten text :blush:
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Beitragvon Klara » 16.07.2012, 15:34

Mein zweiter Post war auch mehr für wetterleuchten geschrieben, die/der nachgefragt hatte. Du kannst dich auf meinen ersten beschränken (von Seite 1). Denn wie ich den zweiten klarer erklären könnte, fällt mir gerade nicht ein, sorry (aber Verry hat's ja schon probiert - hilft das ein bisschen?)

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Beitragvon wetterleuchten » 17.07.2012, 15:31

Hi Klara,

ach, diese Riesenposting war für mich?
Ok, Danke, jetzt verstehe ich was du meinst, nämlich die Anzahl der Fäden ums Lineal gewickelt = Anzahl Fäden/cm und nicht die Windungen innerhalb des Fadens. Das war für mich nämlich nicht ganz klar, deshalb meine Nachfrage.
Warnung: Bitte ansonsten nicht beachten, war Kopfkino meinerseits. :dizzy:

Tjo, deine Erklärung macht absolut Sinn, wobei ich die Erfahrung gemacht habe, dass ein Faden plus/minus pro Zentimeter nicht sooo sehr den Unterschied macht, zumal man gerade am Anfang ja auch noch den richtigen Schussanschlag herausfinden muss. Aber da bietet das auch wieder eine ganz brauchbare Orientierung, um z.B. einzuschätzen, wieviel Garn man im Schuss verbrauchen "darf". Letztlich zeigt das Gewebe erst nach dem Abnehmen und waschen sein "wahres Gesicht" ;)
Wobei ich da jetzt noch nie eine wirklich böse Überraschung erlebt habe. Aber ich habe bis auch nur Kleinigkeiten gewebt: Bettvorleger, Tasche, Geschirrtücher und so.


Hi Gladwyn

Mit 20er-Kamm, 16/2-Leinegarn als Kette und Dochtgarn Nm 1 habe ich kürzlich ein wunderbar weiches und flauschiges Ripsgewebe hinbekommen. Ich seh mal zu die Tage, dass ich Fotos davon in meine Galerie stelle.
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Beitragvon Klara » 17.07.2012, 21:36

Wieviel ein Faden pro cm mehr oder weniger ausmacht, hängt von der Dicke ab - drei statt zwei ist schon ein Unterschied, 8 oder 9 fällt nicht so ins Gewicht ;) Wolle verzeiht sehr viel, und wenn man wirklich was viel zu locker hat, kann's man's ja etwas energischer waschen. Weshalb ich - ausser bei Teppichen und Taschen und ähnlichem - eher in Richtung lockereres Gewebe gehen würde.

Und klar, der Schussanschlag soll genauso viele Fäden pro cm ergeben wie man in der Kette hat, wenn ausgeglichene Leinwandbindung (oder Panamabindung) dabei rauskommen soll. Dazu gibt's übrigens tolle Vergleichsfotos - kettbetont bis schussbetont - in Betty Davenports Rigid Heddle Loom-Buch (das für englischlesende Kammwebrahmen-Anfänger absolut zu empfehlen ist - um Klassen besser als das Ashford-Buch).

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