Doch mittelalterlich!

Hier ist Eure Strickecke und Platz für Eure Ideen.

Doch mittelalterlich!

Beitragvon socke » 15.08.2014, 15:10

Bertram of Minden, “Knitting Madonna”, (detail of Annunciation from the right wing of the Buxtehude Altar) 1400-1410.


"Knitting Madonna"
socke
 

Beitragvon Anne de Chivanney » 15.08.2014, 15:57

Es gibt noch mehr Darstellungen, und auch gestrickte Fundstücke aus dem MA, z.Bsp. Pontifikalhandschuhe oder die mit Mustern gestrickten Kissen aus spanischen Gräbern.
Für genauere Hinweise/Literaturangaben muss ich mal tiefer wühlen gehen, das aber erst nach dem Markt am Wochenende.
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Beitragvon SilviaAisling » 15.08.2014, 16:27

1400 - 1410 = 15. Jhd. Was fürs Spätmittelalter... Für die Zeit gibt es auch Belege.

Das was im gesucht wird, ist für das Früh-/ und Hochmittelalter.
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Beitragvon Lise » 19.08.2014, 12:57

Ich hab das Bild auch schonmal gefunden (in einem wunderschönen Bildband "Frauen, die den Faden in der Hand halten", von Thomas Blisniewski)
Hatte mich damals aber auch drüber gefreut, weil das Stricken ja in der Szene doch oft ohne genaueres Hinterfragen mit einem "das ist eh nicht a" abgetan wird.

also: :dafuer:
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Beitragvon Draca » 20.08.2014, 09:19

Zu dem Thema war mal in einer 2012-Ausgabe von "Piecework" ein sehr netter kleiner Artikel mit Photos.

Bekannt und immer wieder mal irgendwo abgebildet sind die arabischen Baumwollsocken in indigo/weiß aus dem 13. Jhd. Sie gelten meines Wissens nach zur Zeit als die frühesten gesicherten Strickstücke.

Datiert auf 1252-1275 ein Kissen mit heraldischen Motiven aus der span. Königsgruft in Las Huelgas/Burgos.

6 Reliquien-Beutelchen aus den Katheadralen in Chur und Sion (Schweiz) sind alle auf das 14. Jhd. datiert. Der größe Beutel davon, aus Chur, taucht auch hin und wieder mal in guten Publikationen auf.

Darstellung des Strickens auf Gemälden von Amborgio Lorenzetti (1290-1348), Tommaso da Modena (1326-1379) und die zu Tode zitierte Buxtehude-Madonna (1345-1415).

Gemeinsam ist allen Stücken, dass sie auffallend fein gearbeitet sind (ca. Nadelstärke 1) und vielleicht mit Ausnahme der arab. Socken immer nur in einem entsprechend wohlhabenden Kontext auftauchen (Königsgräber, Klerikergräber, Kirchenschätze).

Mein persönliches Fazit daraus für die Darstellung: Stricken ab Anfang 14. Jhd. in West- und Zentraleuropa ja, aber absolut highend sowohl in Bezug auf Technik wie auch Besitzergruppe. Gröbere Strickstücke für die arbeitende Bevölkerung wohl erst ab dem 15. Jhd. (vgl. die Monmouth Cap) und dann viel Kopfbedeckungen.

LG Draca
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Beitragvon Lise » 20.08.2014, 10:30

Wow, tolle zusammenfassung, danke!
Da ich bisher eh im FrühMi unterwegs war,hatte ich mich noch nicht mit den Belegen fürs Stricken geschäftigt.
Aber so haben wir alle jetzt gut anhaltspunkte!
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