Wie nähe ich eine Woll-Cotte?

Rund um die Gewandung: Wie nähe ich, was paßt in die Zeit, welche Stoffe, Schnitte usw.

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Wie nähe ich eine Woll-Cotte?

Beitragvon Paeonia » 17.03.2013, 11:00

Hallo!
Also- gleich zu Beginn...ich bin Anfänger in Sachen MA...
Habe aber schon ein bißchen gelesen.

Mein Ziel ist es für meine ganze Familie Gewandungen zu fertigen. 2 Erwachsene und 2 Mädels.
Damit beschäftigt bin ich jetzt seit ca. Juni 2012 in mehr oder weniger intensivem Ausmaß- weil es ja auch noch andere wichtige Dinge im Leben gibt... :gruebel:

Fertig habe ich bisher:

für meinen Mann: Leinen Unterkleid
Wollcappa
Bundhaube
Wollmütze

für 1. Kind: Leinen Unterkleid
Kopftuch

für mich: Leinen Unterkleid
Kopftuch
Wollcappa

Kind 2 (7 Jahre): näht selbst so gern mit ihrer eigenen Nähmaschine, dass ich mit Ihr zusammen einen Leinenkleid für sie mit Maschine und Handnähen fertigen möchte.

Zeitlich einordnen würde ich uns ungefähr Mitte des 12. Jh. im heutigen Schwaben. Einfache Leute ist jetzt mal die grobe Beschreibung...ob Bauern, oder was auch immer- sind wir noch nicht so festgelegt.

Und weil es mir solchen Spaß macht, habe ich noch für uns alle schon Gürtel brettchengewebt... :blush: obwohl ich weiß, dass es zu den einfachen Leuten nicht wirklich passt. Aber es hat doch solchen Spaß gemacht... :blush:

Alles was bisher entstanden ist, habe ich mit der Hand genäht.
Die Leinenkleider habe ich mit Kappnähten gefertigt.

Jetzt wollte ich gerade mit dem ersten Wollkleid beginnen (für meine kleinere Tochter) und frage mich gerade, mit welchem Stich?
Einfach Vorstich/Laufstich? Und was mache ich dann mit der NZ? Steppe ich die dann nochmal mit dem Vorstich auseinanderge"bügelt" fest? Oder Überwendlingstich- denke der wird haltbarer sein- und dann mit Vorstich die NZ?
Ich denke eine Kappnaht wird da zu klobig oder?

Ist eine gekochte Wolle.
Also nicht ganz "A"- aber der Rest einer Jacke, der jetzt für das 1. Wollkleid herhalten muß.
Mein Kleid wird dann begonnen, wenn ich bei diesem 1. Kleid Erfahrungen gesammelt habe. Da habe ich mir einen leichten Wollköper bestellt.

So- das war eine lange Beschreibung...
Ich hoffe Ihr habt den passenden Tipp für mich. :-)
liebe Grüße
Eike
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Beitragvon Morgan » 17.03.2013, 12:01

Hallo, ich nähe auch noch nicht lange - das Unterkleid aus Leinen ist fertig, gerade vernähe ich einen sehr leichten Wollstoff in Leinenbindung.
Ich nähe im Überwendlingstich. Die Nahtzugaben versäubere ich mit Kappnaht, wobei ich nicht durch alle Lagen durchsteche, sondern nur einen Faden aus dem Stoff mit der Nadel aufnehme und die Kappnaht mit feinem Stich am Stoff festnähe. So fertige ich auch Säume, man sieht dann nichts auf der Vorderseite des Stoffs.
Heute reicht es ja, nur mal kurz vor die Tür zu gehn, um festzustellen, dass das Leben teilweise zu 99% aus Realität besteht! (Piet Klocke)
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Beitragvon Paeonia » 17.03.2013, 12:14

Ja- so hatte ich mir das für meinen leichten Stoff auch gedacht- also genau so wie ich es beim Leinenkleid auch gemacht habe.
Und wie würdest Du es machen, wenn Du einen Wollstoff mittlerer Stärke hättest (dieser Rest hier ist nicht ganz fein...). Würdest Du es auch mit Kappnähten machen? Ich denke das wird zu knubbelig, oder?
liebe Grüße
Eike
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Beitragvon Hannah » 17.03.2013, 23:37

Bei dickeren Wollstoffen wird die Kappnaht meistens an manchen Stellen wirklich knubbelig. Vorallem da, wo mehrere Teile aneinanderstoßen.
Ich nähe Wolle immer mit dem Rückstich zusammen (wobei du da genauso auch den Vorstich nehmen kannst), schlage dann die Nahtzugabe nach links und nach rechts (bei uns heißt das Ding Flügelnaht) und versäubere das dann mit nem Überwendlingsstich am Stoff. Du hast dann im Prinzip drei Nähte pro Naht. Versteht man was ich meine? :gruebel:
Wenn der Stoff nicht sooo dick ist, kannst du auch die Nahtzugabe zusammen auf eine Seite schlagen. Dann spart man sich eine Naht. So mache ich das Ganze jedenfalls. :biggrin:
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Beitragvon Paeonia » 18.03.2013, 20:01

Hallo Hannah!
Vielen Dank für Deine Antwort!
Ja- genauso hatte ich es mir überlegt.
Habe gestern jetzt schon mit dem Auschnitt begonnen und gleich gemerkt, dass es bei den Geren ganz bestimmt auch nicht mit Kappnähten funktionieren kann.
Ausschnitt ist fertig- mal sehen wie weit ich heute Abend noch komme...Geht jedenfalls schneller als Leinen zu nähen :-)

Jetzt habe ich aber noch eine Anfängerfrage... :blush:

Im Internet habe ich immer wieder auch Cotten mit abnehmbaren Ärmeln zum Nesteln gesehen. Ich fände es sehr praktisch, wenn es im Sommer wärmer wird die Ärmel einfach abnehmen zu können.
Gab es so etwas zu "meiner Zeit" bei den einfachen Menschen- oder sind sie dann eben einfach im Leinen Unterkleid gegangen oder in der langärmeligen Wollcotte?
liebe Grüße
Eike
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Beitragvon Hannah » 18.03.2013, 22:51

Abnehmbare Ärmel gibt es leider erst im Spätmittelalter. Wann genau, weiß ich jetzt gerade auch nicht, aber ich glaube erst im 15. Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert gab es die praktische Erfindung der Schlupfärmel. Da lässt man einfach die Ärmelnaht zur Hälfte offen und kann so in die Ärmel rein und raus. Das sieht man vorallem bei Abbildungen von Hebammen. Nun ist deine Zeit ja aber das 12. Jhd und sieht es für sowas leider sehr mau aus. Da sind die Ärmel fest am Kleid dran.
Und das mit dem im Unterkleid rumlaufen, ist auch eher kritisch zu sehen. Zum einen gibt es sehr dünne Wollstoffe, zum anderen kann man sich ganz gut daran gewöhnen auch im Sommer in Wolle rumzulaufen und zum dritten würdest du ja heute auch eher nicht in Unterwäsche draußen rumlaufen, oder? :devil:
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Beitragvon Paeonia » 19.03.2013, 18:01

Nee-da mein Leinen aber auch wirklich so leicht und durchsichtig ist, käme es für mich sowieso nicht in Frage. :-)
Das mit den Ärmeln werde ich mit meinem dünnen Wollstoff bestimmt überleben.
Vielen Dank für Eure Unterstützung!
liebe Grüße
Eike
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Beitragvon Morgan » 19.03.2013, 21:39

Tatsächlich ist reine Wolle weniger "schwitzig" als man es sich denkt.
Wir Heutigen verbinden Wolle gerne mit dicken Pullovern, Bettsocken und Kuschelsocken. Diese wärmen so gut, weil sich im lockeren Gestrick / Gewebe und den eher locker gesponnenen Fäden ein isolierendes Luftpolster bildet, das Wärme drin- und Kälte draußen lässt. Je glatter ein Wollstoff aber gewebt und je feiner der Faden versponnen ist, desto weniger tritt der Isoliereffekt auf und eine andere Eigenschaft der Wolle macht sich bemerkbar:
Wolle ist in der Lage, bis zu einem Drittel ihres Eigengewichts an Wasser aufzunehmen, ohne sich nass anzufühlen. Dieses Wasser - im Falle eines heißen Sommertages also Schweiß - wird dann langsam nach außen abgegeben und durch die Verdunstung entsteht ein nicht zu unterschätzender Kühleffekt.
Verstärkt wird das Ganze noch durch das leinerne Unterkleid, das nicht so viel Wasser aufnehmen kann, dies aber dafür rasch und es auch brav an die Wolle weitergibt.
Die Kombination leinerne Unterwäsche / wollene Oberbekleidung hat also einen ähnlichen Effekt wie moderne Mikrofaser-Bekleidung!
Umgekehrt funktioniert es nicht und die leinerne Oberschicht würde auf einem liegen wie ein nasser Lappen und die entweichende Körperwärme unter Verschluss halten.
Verspinnt oder verwebt man beide Fasern miteinander - also ein Mischgewebe aus Leinen und Wolle - wird dieser Effekt der Schweißaufnahme und -abgabe zunichte gemacht. Vermutlich ist dies der grund dafür, dass den juden verboten ist, Kleidung aus solchem Mischgewebe zu tragen (steht so in den gesetzbüchern des Mose und ist im AT nachzulesen ;) )

Den kühlenden Effekt von Wolle macht man sich übrigens bei sommerlichen Herrenanzügen zunutze. Man nennt die besonders feine und glatte Wolle dann "CoolWool".
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Beitragvon Paeonia » 27.03.2013, 08:54

Hallo!
Mein Stoff ist nun da! Und gewaschen.
Jetz habe ich schon soweit zu geschnitten- als ich bei den Ärmeln ankam, habe ich mir überlegt ob ich bei einem Wollkleid überhaupt "Geren" benötige?

An den Leinenkleidern habe ich einen Ellenbogen und vorne dann die "Gere" eingenäht, wegen des nicht dehnbaren Materials.
Wolle allerdings schränkt ja die Bewegung nicht wirklich ein. Brauche ich das dann überhaupt?
Wäre schön, wenn Ihr mir nochmal helfen könntet! :blush:
liebe Grüße
Eike
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Beitragvon Morgan » 27.03.2013, 11:13

Du meinst diese rechteckigen teile unter den Armen, gell?

Je enger die Cotta geschnitten ist, umso eher wirst du die Geren brauchen.
Diese sind aber aus dem, was beim zuschneiden übrigbleibt, meist noch gut zuzuschneiden.
Du könntest es also ausprobieren: Ärmel anheften, das Kleid anziehen und dann sehen, ob es bequem genug ist.
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