Rechteckmantel Material- und Größenberatung

Rund um die Gewandung: Wie nähe ich, was paßt in die Zeit, welche Stoffe, Schnitte usw.

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Rechteckmantel Material- und Größenberatung

Beitragvon Cpt.BillyStinkwater » 30.04.2014, 10:47

Hey folks,

erstmal ein fröhliches "Hallo an alle, ich bin der Neue!" :biggrin:

Falls das hier schon ausgiebig erörtert wurde bitte ich um Nachsicht, ich hab die Suchfunktion zwar benutzt, aber die Antwort nicht gefunden/übersehen.

Ich plane mir einen Rechteckmantel zu nähen. Nachdem was ich bisher recherchieren konnte, wurde so ein Rechteckmantel auch als Decke benutzt und sollte daher die "Spannweite" (also von Fingerspitzen zu Fingerspitzen) mal 2 Meter oder mehr, je nach Körpergröße messen. Ich hatte daher an ca 180cm Breite mal ca 220cm Länge gedacht. Beim Material hatte ich mir Wollfilz vorgestellt, da das zu meiner Gugel aus Wollfilz passen würde.

Ich habe auch schon verschiedene Bezugsquellen dafür im Internet gefunden, bin mir jedoch nicht sicher, was die Dicke des Materials angeht. Proben eines schönes Stoffes habe ich mir mal kommen lassen, der ist ca. 2mm dick. Gibt das genügend warm auch für kältere Nächte/Tage? Oder sollte ein ungefütterter Mantel aus dickerem Material sein? Hat jemand damit Erfahrungen und teilt diese mit mir?

Liebe Grüße,

Sascha
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Beitragvon Tjorven » 01.05.2014, 07:47

Hallo Sascha, es wäre nett, wenn du dich im Mitgliederbereich kurz vorstellen würdest - gleich mit der Tür ins Haus zu fallen wirkt ein bißchen ruppig...

Die von dir vorgeschlagenen Maße sind für einen Rechteckmantel schon okay, aber ich halte Wollfilz nicht für ein geeignetes Material für einen Mantel, weil der auch einen gewissen "Fall" haben sollte und Filz mit 2 mm Stärke zu steif dafür sein wird. Oder meintest du vielleicht Loden? Das ist Wollstoff, bei dem die Oberfläche angefilzt ist. Über Stoffe im Internet zu diskutieren ist unheimlich schwierig... wichtig wäre auch noch, ob der Mantel ruhig Fantasy sein darf oder ob du eine bestimmte Zeit darstellen möchtest.
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Beitragvon Cpt.BillyStinkwater » 01.05.2014, 09:16

Hallo,

ja, tut mir leid, da hast Du natürlich recht, das werde ich gleich nachholen.

Was den Stoff angeht, hatte ich schon Wollfilz im Auge, an die Steifigkeit hatte ich nicht gedacht. Ich hab eben eine zweifarbige Gugel aus Wollfilz im Netz erstanden und hatte genau den gleichen Stoff gefunden. Aber ein Mantel sollte nicht zu fest sein, da hast du recht. Ich hab mir mal ein Muster von Walkloden kommen lassen.

Zu meiner Darstellung: Ich arbeite derzeit an meiner Darstellung als Gaukler/Spielmann bzw. an den zugehörigen Fertigkeiten :biggrin: daher hatte ich an sich an ein einfacheres Gewand gedacht. Mir kam jetzt noch die Idee, den Mantel zweifarbig, passend zur Gugel zu machen, also vertikal geteilt sozusagen. Wäre das absolut unüblich, historisch gesehen, oder gab es sowas durchaus?
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Beitragvon Sandra » 01.05.2014, 12:15

Hallo,

da wäre einmal die Zeit zu klären, von der wir reden.
Rechteckmäntel gab es sowohl bei den Germanen als auch im Mittelalter.
Schnitt und Trageweise haben sich da schon deutlich unterschieden.
Fürs Hochmittelalter gilt, dass die Rechteckmäntel so gegen 1300, spätestens 1350 absolut aus der Mode waren. Da war allerdings der zweifarbige Trend noch nicht modern.
Für die Rechteckmäntel des Hochmittelalters gilt, dass deine Maße absolut utopisch sind, es sei denn, du bist 2,60m groß. Dafür solltest du deine Länge von Schulter bis Boden messen und 15-20 cm abziehen, also in etwa 1,5m. Außerdem von Handgelenk bis Handgelenk (ca. 1,4-1,5m). Wenn du den Mantel viel größer machst, trittst du nur drauf und Schlamm ist ganz schön schwer.
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Beitragvon Cpt.BillyStinkwater » 01.05.2014, 15:09

Hallo. Klar will ich keine Schleppe auf dem Boden hinter mir her ziehen. Ich hatte gelesen, dass der mit Absicht länger sein sollte, damit der auch als decke benutz wurde. und getragen wird oben umgeschlagen, was dann zu lang ist. soweit mein Stand, daher die Länge.
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Beitragvon Sandra » 01.05.2014, 15:27

Daher die Frage nach der Zeit, die Sache mit oben umschlagen und als Decke nutzen kommt fürs Mittelalter nicht mehr in Frage. Die obere Kante des Mantels wird zusammengenäht, bis auf ein Loch für den Kopf in der Mitte und fertig. Fibeln etc. waren da nicht vorhanden zum Verschließen.
Liebe Grüße, Sandra

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Beitragvon Cpt.BillyStinkwater » 02.05.2014, 05:36

OK, dann wurde ich falsche informiert, dann werd ich nochmal recherchieren, danke für die Info.
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Beitragvon Tjorven » 02.05.2014, 08:04

Sandra hat schon recht, die germanischen Rechteckmäntel entsprechen deiner Größenangabe und die wurden tatsächlich oben einmal umgechlagen, beim Mittelalter kenne ich mich nicht so gut aus mit Mänteln, aber eine andere Form ginge doch vielleicht auch, also als Halbkreis oder so?
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Beitragvon Cpt.BillyStinkwater » 02.05.2014, 08:40

Naja, prinzipiell find ich es ja gut, wenn ich weniger Stoff brauche, weil die kleiner waren. Ich hab nochmal recherchiert und nachdem was ich gefunden habe, Gab es im im 13. Jahrhundert grade bei einfachen Leuten druchaus noch Rechteckmäntel, da diese einfach praktischer sind als Halbkreismäntel. Wurden dann auch Cappa genannt. Wo sich die Angaben spalten ist bei der Frage ob diese eine Kapuze angenäht hatte oder separat eine Gugel dazu getragen wurde. Hier scheiden sich wohl die Geister oder es gab verschiedene Formen.
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Beitragvon Sandra » 02.05.2014, 17:18

Genau, Stoffverbrauch und der praktische Aspekt sind schon einmalig beim Rechteckmantel. Mein erster hat keine Kapuze und meist hab ich sie durch die Kopfbedeckung auch nicht vermisst, nur am Hals zieht es manchmal (ich hab keine extra Gugel). Deshalb wird mein nächster mit Kapuze werden. Aber wie du schon sagst, da gab es wohl beides.
Gerade die Gugel ist ein extrem umstrittenes Kleidungsstück, weil diese Zipfelmützengugeln mit Schellen auf Märkten eben alles andere als historisch korrekt sind. Vom Stoffverbrauch sind diese langen Gugeln (des Spätmittelalters!) sehr verschwenderisch. Der richtige Schnitt fürs Hochmittelalter ist wohl aber nicht mehr als eine Kapuze.
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