Patchwork zu Zeiten des Mittelalters?

Rund um die Gewandung: Wie nähe ich, was paßt in die Zeit, welche Stoffe, Schnitte usw.

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Patchwork zu Zeiten des Mittelalters?

Beitragvon mindflyer » 22.07.2008, 11:01

...Hallo Zusammen...

Google und mein PC versagen mir gleich den Dienst wegen meiner Abfragerei.....aber vielleicht ist ja jemand hier, der/die mehr weiss...

Gemäss Wiki gibt es Patchwork seit langem....

Patchwork lässt sich bis ins 1. vorchristliche Jahrtausend in Ägypten und Zentralasien nachweisen. Zeltbahnen, Decken, Kleidung wurden mit Patchwork gestaltet. Die Muster und Farben hatten hohen symbolischen Wert: sie sollten Unheil abhalten, Fruchtbarkeit bringen, dem Träger Glück oder Ansehen verschaffen. In Europa, wohin Patchwork mit den Kreuzrittern gelangte, stand die Resteverwertung im Vordergrund. Wärmende Bettdecken wurden in Patchwork angefertigt.
Quelle: wikipedia.org


Mein Problem - ich finde keine Abbildungen, Literaturhinweise oder Ähnliches dazu. Im "textilen Hausrat"(Nürnberg) oder "Textiles and Clothing" (Londonfunde) hab ich auch nichts gefunden.

Mich würde interessieren welche Materialien (Reste klar...aber von was) eingearbeitet wurden und ob es bereits "Blöcke" gab, sprich ansatzweise Muster oder ob beliebig zusammen genäht wurde, was vorhanden war.

Elias & ich haben im Hinterkopf eventuell auf nächste Saison eine Lagerausrüstung zu machen und eine Patchworkdecke wär im Prinzip so ein nettes multifunktionales Teil....ich frag mich nur, wie die damals ausgesehen haben....

Weiss jemand von Euch mehr?

LG, mind

nb: ich habe keinen Zeitrahmen innerhalb des Mittelalters genannt, weil ich einfach "nichts" fand...
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Beitragvon Christine zu Wagenzelle » 22.07.2008, 14:52

Bei Patchwork im weitesten Sinne könnte ich dir Belege nennen (sobald ich es nachgeschlagen habe). Ich habe ein paar Fotos von klerikalen Gewändern aus dem 13 Jhd. die im 14. oder 15. nach einem Brand mit neuerem Gewebe ausgebessert bzw. neu zusammengesetzt wurden. Aber das ist vermutlich nicht so ganz das was du suchst. :biggrin:
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Beitragvon mindflyer » 22.07.2008, 15:17

smile...nein nicht wirklich....weil solche Abbildungen find ich auch in meinem Blätterwald....ne, ich hätte am liebsten einen Beleg, dass es so zwischen dem 12. bis 15. Jahrhundert bereits bunt-gemusterte Patchworkdecken gab :devil:

...ich find nur nix :buhaeh:
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Beitragvon Kattugla » 22.07.2008, 15:48

Ich habe zwar keinen Peil von Sachen, die so gräuslich viel Geduld brauchen ( :blush: ), aber mit Tante Google verstehe ich mich recht gut.

Falls Dein Englisch besser ist als meins, hast Du hier u.U. reichlich Stoff.

Viel Spass!
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Beitragvon mindflyer » 22.07.2008, 16:15

..ja die seite kenn ich auch...der abschnitt bezüglich patchwork in europa sagt nur aus, dass es mehr applikationen wie patchwork gab..oder eher...und eben von dem einen familienstammbaum-"teppich" berichtet...ich glaub den hab ich sogar auf der einen bilddatenbank für mittelalter realien bereits gesichtet...aber eben nicht mehr....

die patchworkbücher, die ich habe, berichten eben auch nur von asiatischen, arabischen etc....aber einfach nix greifbares von europäischen patchwork im mittelalter...alle behaupten es gabs ....und keiner zeigt ein bild...

ich hab wirklich schon gegoogelt und etliche bilddatenbanken gescannt, meine bücher gewälzt etc...daher hab ich auch hier geschrieben...weil ich irgendwie mit meinem latein am ende bin...

ja patchen ist was, das gräuslich viel geduld braucht...hihihi...aber eigentlich braucht das doch fast jedes handwerk.

...hier mal ein bild von einer patchworkdecke, die ich für mein patenkind gemacht hab; eigenentwurf (mit excel!)160x160cm; handgequiltet; jedes der 9 "kernfelder" mit tiersujet bestickt)

Bild

...denke mal eine "mittelalterversion" müsste etwas weniger bunt und verspielt ausfallen...aber da kann man sich bestimmt auch noch täuschen..
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Beitragvon Sandra » 22.07.2008, 18:02

In einem SEHR weiten Sinne, waren viele Stickereien Patchwork.
Große Flächen waren immer zusammengesetzt, sei es nun der Teppich von Bayeux, Wandteppiche aus dem 14./15. Jhd oder auch Tücher aus dem 13. Jhd.
Dadurch konnten natürlich mehrere Stickerinnen daran arbeiten und es war auch sehr viel handlicher.

Patchwork, im Sinne das bunter Stoff regelmäßig zusammengenäht wurde ist mir überhaupt nicht bekannt :undecided:
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Beitragvon mindflyer » 22.07.2008, 18:33

...wenn ich bei victoria & albert nach "patchwork" oder "quilt" suche dann gibt es

- ein teil aus 1760, gefertigt in england...das ist bereits ziemlich bunt und geometrisch

- und einer aus kyoto, 1700-1850 (kesa) 1580-1620 (fabric)

- dann noch der tristan quilt (aber eben unistoff gequiltet) aus dem 14. jahrhundert aus sizilien

...und wenn ich mir das teil aus england angucke...ist das doch bereits ziemlich "ausgefeilt"...

...aber ich werde mich wohl eher mit dem tristan quilt auseinandersetzten müssen, wenn ich nicht mehr finde...sprich meinen quiltstuhl reaktivieren und mich eben auf quilten und nicht patchen konzentrieren....
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Beitragvon Apollonia » 11.08.2008, 18:17

hast du schon mal über crazypatchwork nachgedacht ?

ton in ton gearbeitet?

ich kann mir nicht vorstellen das sich irgend jemand leisten konnte stoff, egal welcher art, weg zu werfen und webstühle aus der zeit produzierten, soweit ich mich erinnere, maximal ca 80 cm breiten stoff.


liebe Grüße
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Beitragvon Sandra » 11.08.2008, 18:30

Es gibt Funde von 2! Meter breiten Leinenwebstühlen, außerdem war Stoff normalerweise 2 Ellen breit und die kleinste mir bekannte Elle misst 65 cm.
Desweiteren kenne ich keinerlei Funde von Kleidung bei der mit System gestückelt wurde. Wenn dann wurde zweckmäßig angestückelt.
Liebe Grüße, Sandra

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Beitragvon Apollonia » 12.08.2008, 21:55

Huch, schon wieder was dazuglernt, danke :)

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