Baby-Gewandung?

Rund um die Gewandung: Wie nähe ich, was paßt in die Zeit, welche Stoffe, Schnitte usw.

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Baby-Gewandung?

Beitragvon Katinka » 18.05.2009, 09:37

So, da bei uns die Gewandungen derzeit in Arbeit sind, stellt sich mir nun die Frage, was man den in mittelalterlichen Zeiten einem Baby (4 Monate) so angezogen hat.
Ich neige dazu, ihm auch Miniatur-Erwachsenensachen zu erstellen und ich denke, dass das zwar süß, aber keineswegs auch nur annähernd a ist.

Kennt sich da jemand aus?
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Beitragvon Osric » 18.05.2009, 10:12

Hallo,
gewickelt wurden die kleinen in ein Großes Tuch, das sieht dann aus wie eine Mumie.
Schau mal unter Pucken bei wikkipedia.
Mit dem Tuch am Bauch oder auf dem Rücken gebunden ist auch üblich gewesen.

Wir haben unsrem eine Tunika genäht die er vom 3ten Monat bis 18ten Monat einfach über seine normalen Sachen getragen hat, normaler Schnitt nur mit einem größerem Kopfauschnitt.
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Beitragvon kiarachao » 18.05.2009, 10:15

Huhu
A wäre ein Baby bis zum Alter von fast einem Jahr oder älter (je nach Kulturkreis) zu wickeln *g*
guckst du hier
http://www.in-nova-corpora.ch/naehstube ... g_text.htm

da unsere Kiddies das aber nicht gewohnt sind empfehle ich einfache Kittelchen und gugelchen, macht das wickeln einfach und der Kopf hat auch was drauf....unserer ist 14 Monate alt wenn ich wüste wie bildchen einfügen geht könnt ich hier ein paar Bildchen posten *seufz*
[/img]
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Beitragvon Katinka » 18.05.2009, 10:45

Ihr seid klasse :D

Hm, auf Pucken steht mein Kleiner schon jetzt nicht mehr, ist viel zu bewegungsfreudig.
Aber im Tragetuch sitzt er ganz gerne, ich denke das werden wir auch mitnehmen (blau gestreift dürfte man schließlich schon gewebt haben können,oder?)

Das sind klasse Ideen, die ihr da habt *freu*

Werde euch dann zeigen, wie wir's gelöst haben.
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Beitragvon Carola » 18.05.2009, 11:54

Hallo Katinka,

auch auf die Gefahr, als Spaßbremse zu wirken:
Da ich meinen Kleinen mitnehme, seitdem er etwa ein halbes Jahr alt ist, habe ich das Thema sehr gründlich recherchiert. Das Ergebnis war nada, niente, nix. Für das europäische Mittelalter gibt es überhaupt keinen Beleg dafür, dass Kinder in Tüchern auf dem Rücken oder vor dem Bauch getragen wurden. Erst im Barock bin ich auf einige Bettlerdarstellungen gestoßen, bei denen Kinder auf den Rücken gebunden wurden.
Dagegen gibt es aus dem MA zuhauf Darstellungen eng gewickelter Kinder, die von ihren Müttern im Arm mitgetragen wurden und dann gibt es noch eine Abbildung von Lots Flucht, wo die Kinder in einer Kiepe getragen werden.

Deshalb würde ich Dir raten, zuerst zu überlegen, welchen Anspruch Du an Deine Darstellung hast. Wenn "a" für Dich ambientig bedeutet, ist es vollkommen egal, wie Du Dein Kind mitnimmst. Wenn Du aber "a" mit authentisch übersetzt, d.h. Wert auf historische Stimmigkeit legst, wirst Du wohl eher lahme Arme in Kauf nehmen müssen - es sei denn, Du findest doch noch ein Bild, eine Statue, eine Textzeile o.ä. aus der Zeit die Du darstellst, die Dir das gewünschte zeigt.
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Beitragvon Katinka » 18.05.2009, 13:00

Hallo Carola,

vielen Dank!
Ich finde interessant was du herausgefunden hast, solche Infos sind wertvoll!

Unser Anspruch an unsere Gewandung derzeit ist wohl eher amibientiger Natur, da wir auch unsere Gewandung nicht komplett a halten werden. Wir haben keine Gruppe oder Lager, daher würde ich wohl eher auf den lahmen Arm gerne verzichten.

Generell fällt mir aber die Vorstellung schwer, dass Babys nicht an den Leib gebunden getragen wurden. Ist das nicht unpraktisch? Man brauchte ja die Hände frei zum Arbeiten und ein Ablegen der Kinder war, so nehme ich an, nicht üblich. Und die Kiepe wäre da ja eher sperrig. Hm.
Das überrascht mich jetzt wirklich :)
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Beitragvon Carola » 18.05.2009, 13:23

Katinka hat geschrieben:
Generell fällt mir aber die Vorstellung schwer, dass Babys nicht an den Leib gebunden getragen wurden. Ist das nicht unpraktisch? Man brauchte ja die Hände frei zum Arbeiten und ein Ablegen der Kinder war, so nehme ich an, nicht üblich.


Hallo Katinka,

alle Darstellungen von mitgeführten Kleinkindern, die ich kenne, sind gleichzeitig Reisedarstellungen.
Ich denke, dass es eher unüblich war, die Kinder bei der Arbeit bei sich zu haben, so lange sie noch nicht selber laufen konnten. Generell ist es schließlich einfacher, ohne Kind zu arbeiten, als mit. Und so lange das Kind fest eingewickelt war, konnte es auch nicht weglaufen, sich an irgendetwas verbrennen, verbrühen oder in einem Bach ertränken.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass Kinder ohnehin selten auf Bildern auftauchen (Jesus in verschiedenen Entwicklungsstadien ausgenommen). Vielleicht waren sie einfach nicht wichtig genug, vielleicht war es aber wirklich nicht üblich, sie mitzunehmen. Jedenfalls ist es auffallend, dass sich z.B. in den [url=http://de.wikipedia.org/wiki/Très_Riches_Heures]Tres riches heures[/url] keine einzige Kinderdarstellung findet, obwohl die Bilder sonst sehr detailliert sind.

edit: Link funktioniert (wegen des Sonderzeichens?) nicht. Aber wenn Du die Adresse in das Browserfenster einträgst, kommst Du auch hin.
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Beitragvon Katinka » 18.05.2009, 13:28

Das ist wirklich interessant.
Der Gedanke, dass sie sich nichts tun konnten, wenn sie eingewickelt sind, ist auch wieder wahr :)
Vielleicht haben ältere Kinder, die noch nicht zur Arbeit zu gebrauchen waren, ja ein Auge auf die Babys gehabt. Das würde ja dann ausreichen.
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Beitragvon Alvara » 18.05.2009, 16:03

Hallo,

Dr. Shulamit Shahar beschreibt in ihrem Buch "Kindheit im Mittelalter" unter anderem die unterschiedlichen Vorgehensweisen im Umgang mit Säuglingen je nach Stand. Demnach war es z. B. beim bäuerlichen Volke so, dass die Säuglinge in der Regel nicht mit zur Arbeit genommen , sondern häufig allein Zuhause gelassen wurden. Diese Kenntnis bezieht sie vorwiegend aus den Sterbebüchern der damaligen Zeit, die eine hohe Unfallsterblichkeit von allein gelassenen Kleinst- und Kleinkindern ausweisen. Die statistische erfasste Sterblichkeitsrate bessert sich lt. Shahar drastisch ab dem 4. Lebensjahr.

In höheren Kreisen werden die Kinder dagegen kaum aus den Augen gelassen und fast rund um die Uhr betreut.
Schwerpunkt des Buches ist das westliche Europa in der Zeit von ca. 1100 bis 1400.

Lt. Shahar galt in einigen Gegenden das Säuglingsalter bis zum 2. Lebensjahr bzw. dem Zeitpunkt, an dem Laufen und Sprechen begannen.
Ob und wie lange Kinder "geschnürt wurden" hab ich beim Lesen leider nicht erfahren.

Insofern ist es für mich vorstellbar, sie in fest in die Fasciae geschnürt, entweder abzulegen z. b. bei der Feldarbeit oder sie halt zu Hause zu lassen. Das geht darstellerisch natürlich gar nicht *g*.

Von "am Körper tragen" stand meiner Meinung nach gar nix in dem Buch - und ich habs mehrfach verschlungen :biggrin:

Kleidungstechnisch wird aber darauf hingewiesen, dass die Wickelmethoden je nach Gegend und Jahreszeit variieren konnten - auch die Variante "Hemd hinten zu binden und sonst offen" ist zu finden... zumindest bei Kindern, die bereits Zähne hatten.

Also ich würd das locker nehmen mit der Babygewandung. :biggrin:

Liebe Grüße

Alvara
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Beitragvon Katinka » 18.05.2009, 16:14

Danke Alvara.
Das ist ja echt krass!
Naja, da werde ich dann lieber mal nicht all zu authentisch vorgehen und meinen Kleinen mitnehmen, anstatt ihn sich zu Hause sich selbst zu überlassen. ;)
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