Baby-Gewandung?

Rund um die Gewandung: Wie nähe ich, was paßt in die Zeit, welche Stoffe, Schnitte usw.

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Beitragvon Carola » 20.05.2009, 13:11

Ich gebe zu bedenken, dass es zwischen der Phase des "Nur-Rumliegen-Und-Schreiens" und dem Laufen noch eine ganze Menge Entwicklungsstufen gibt. Hier gab es den Konsens, dass wir ein Kind, das sich schon selbst bewegt, nicht in Binden gewickelt in eine Ecke legen wollen. Also braucht es eigene Kleidung und da sind Geren schon praktisch und sinnvoll. Zudem ist eine zeittypische Kleidung im Mini-Format auch authentisch, denn spezielle Kinderkleidung hat es (abgesehen von Windeln und den Binden) bis in die Neuzeit nicht gegeben.

Und Du glaubst gar nicht, wie viele Dinge es gibt, die Du dir nicht vorstellen kannst. ;-)
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Beitragvon caly » 20.05.2009, 23:35

Carola hat geschrieben:Zudem ist eine zeittypische Kleidung im Mini-Format auch authentisch, denn spezielle Kinderkleidung hat es (abgesehen von Windeln und den Binden) bis in die Neuzeit nicht gegeben.

Ich unterscheide halt schon zwischen Kindern und Säuglingen, mit 4 Monaten wärs für mich eben noch ein Säugling. Mag sein dass du bessere Quellen als ich kennst, aber von vollständiger Kleidung bei Säuglingen hab ich noch nichts aufgeschnappt, ich lass mich da allerdings gern eines besseren belehren.

Und Du glaubst gar nicht, wie viele Dinge es gibt, die Du dir nicht vorstellen kannst. ;-)

Reicht doch, wenn andere ihre Vorstellungen als Beleg hernehmen. ;)

Und ganz nüchtern betrachtet: Adel hätte sich sowas vermutlich leisten können, aber für den Rest wäre das sicher hochgradig verschwenderisch gewesen. Reden wir von der Darstellung von Adel?
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Beitragvon kiarachao » 21.05.2009, 10:47

Es gibt Darstellungen von Bürgerskindern wo diese einfache Kittelchen und Hauben tragen.....und da unsere Säuglinge das Wickeln nicht gewohnt sind ist das denk ich eine gute Alternative....so richtig "a" wirds wohl keiner machen wollen und können
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Beitragvon Carola » 21.05.2009, 20:37

caly hat geschrieben: Mag sein dass du bessere Quellen als ich kennst, aber von vollständiger Kleidung bei Säuglingen hab ich noch nichts aufgeschnappt, ich lass mich da allerdings gern eines besseren belehren.


So viel interesse an einer quellenorientierten Darstellung finde ich hochlöblich und unterstützenswert. Deshalb würde ich Dir raten, Dir mal die Darstellungen der Darbringung im Tempel und der Flucht nach Ägypten näher zu betrachten. Wie Dir sicher ebenso, wie jedem Menschen des Mittelalters geläufig, wurden Erstgeborene Jungen mit 40 Tagen (Mädchen nach 80) in den Tempel gebracht, um durch ein Opfer ausgelöst zu werden. Eine Darstellung einer solchen Darbringung von vollständig bekleidetem Säugling findet sich z.B. in der auf 1175-80 datierten Cotton Caligula A VIII (Abb. in Walter Cahn, Romanesque Manuscripts, The Twelfth Century, Harvey Miller Publishers 1996, Bd. 1, Abb. 299).
Auch die Flucht nach Ägypten, die - wie Du sicher ebenso gut weißt - direkt nach der Anbetung der Hl. drei Könige stattfand, gibt es Darstellungen vollständig bekleideter Säuglinge. So z.B. im Hortus Deliciarum der Herat v. Landsberg (hier in der v. Dr. Otto Gillen herausgegebenen Ausgabe, Pfälzer Verlagsanstalt 1979, S. 81) und einem 1160/70 entstandenen Psalterfragment aus dem Maasgebiet (Abb. in Ornamenta Ecclesiae, Katalog der Ausstellung des Schnütgen Museums, Köln 1985, KatalogNr. B 76, Bd. 1 S. 292).
Von den ganzen Maria-mit-dem-Jesusknaben-, heilige-Familie-, Bethlehminischer-Kindermord-, Durchzug-der-Israeliten-durch-das-Rote-Meer- und ähnlichen Darstellungen sehe ich hier mal ab, weil da ja das Alter der Kinder nie ganz klar ist.

Und ganz nüchtern betrachtet: Adel hätte sich sowas vermutlich leisten können, aber für den Rest wäre das sicher hochgradig verschwenderisch gewesen. Reden wir von der Darstellung von Adel?

Natürlich nicht, oder sieht mein Avatar für Dich vielleicht nach Adel aus? Wir reden von der Darstellung einer Magd in einem gräflichen Haushalt.
Aber Verschwendung wäre das Ganze auch nur, wenn man zur Herstellung von Kinderkleidung neue Stoffe zerschneiden würde. Wie die Dinge liegen, lassen sich solche Klamotten aber ohne weiteres aus den abgetragenen Kleidungsstücken der älteren zusammenstückeln. Muss ja nicht hübsch sein (bei Adel wäre das etwas anderes). Und da es über ein Jahr dauert, bis eine Kotte, die einem 9 monatigem Kind zum Knöchel reichte nur noch den halben Oberschenkel bedeckt, braucht man auch nicht gar zu oft etwas Neues zu nähen.

Edit: Tücken einer abgelaufenen Sitzung beseitigt.
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Beitragvon Lucifera » 24.05.2009, 17:51

Ich gehe auch mal davon aus, das die Kleinen gewickelt wurden. Meine Kleine ist jetzt 3 Monate alt und ihr passt das nicht wirklich, sie will strampeln können. Ich hatte ihr ein Miniaturkleidchen genäht, ein weißes Mützchern naturfarben gefärbt und sie in ein selber genähtes Tragetuch gepackt als wir letzte Woche auf einem Fest waren. Das ging ganz gut. Allerdings ist so ein Kleidchen zwar süß aber unpraktisch. Ich werde jetzt eine Tunika und eine Bundhose nähen, mein Schatz macht ihr noch ein paar Bundschuhe, zum rumtragen ins Tuch und ansonsten haben wir nen Weidenkorb mit Fell drin und ne passende Decke wo sie dann im Lager schlafen kann. Die Tunika passt sowieso, da wir eh Wikinger darstellen und da die Frauen Tuniken getragen haben.
Die Überlieferungen sind halt leider mager aber ich denke die Kleidung war aus Resten wie oben schon mal beschrieben und praktisch, jedenfalls ab dem Alter wo sie nicht mehr eingewickelt wurden.
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Beitragvon Fenja » 24.05.2009, 19:26

Also bis zum zweiten Lebensjahr sah es bei uns so aus:
Gugel - Tunika - Leinenhose & Bundschuhe

Bild

Tja.. und jetzt hat der Herr schon seinen eigenen Gaul ;-)

Bild

Ganz am Anfang - beim ersten Markt mit 4 Monaten - hab ich Ihn im Premaxx mitgenommen. Der hat sich so schön mit ins Kleid integriert ;-)

Premaxx
Mit besten Grüßen
-Fenja-

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Beitragvon Lucifera » 25.05.2009, 19:28

der Premaxx ist ja mal ne coole Sache, hätte ich nicht schon nen normale Trage und das Tuch würde ich mir glatt so einen holen.

Die Frage ist ob es schlimm ist ein Mädchen in ne Hose und ne Tunika zu stecken. ;-)
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Beitragvon Fenja » 25.05.2009, 19:29

Lucifera hat geschrieben:...

Die Frage ist ob es schlimm ist ein Mädchen in ne Hose und ne Tunika zu stecken. ;-)


Lass die Hose weg - mach einfach die Tunika ein gutes Stück länger ;)
Mit besten Grüßen
-Fenja-

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Beitragvon Lucifera » 25.05.2009, 19:36

wenn es richtig warm ist, geht das ja, aber was drunter anziehen wenns kühler ist? Und wenn sie anfängt zu krabbeln ist nen lange Tunika völlig unpraktisch, sobald sie laufen kann geht das ja aber vorher tendiere ich dann doch zur Hose, im Notfall gebe ich sie als Jungen aus, lach ;-)
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Beitragvon Gisa-Y. » 27.05.2009, 08:27

Die "Lütte" in unserer Gruppe trägt auch immer kurze Tunika und Hose, ist wie schon gesagt praktischer.
Beim Krabbeln, Laufen, Rumtoben usw. ist ne lange Tunika einfach hinderlich.
Die Kleine ist jetzt 2 Jahre alt, da kann man an warmen Tagen mal ne längere Tunika (halbe Wadenlänge) ohne Hose anziehen. Auch hier sind ganz lange Tuniken einfach unpraktisch.

Ich spreche aus der Erfahrung einer 2fachen Mutter :dizzy: :biggrin: :dizzy:

Gruß Gisa
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Gisa-Y.
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